Was zwischen Datei und DAC eigentlich passiert, beantwortet der kostenlose Musikplayer Decaud mit einer Anzeige: Für Mac, iPhone, iPad und Apple TV listet die Software jede Station des Signalwegs samt Bewertung auf und spielt dabei FLAC ebenso wie DSD. Decaud kostet nichts, verlangt kein Konto und lebt von freiwilligen Trinkgeldern; ob DSD nativ am DAC ankommt, hängt allerdings von der gewählten Edition ab.
Bilder: Decaud
Ein Player, der seine Wiedergabekette offenlegt
Decaud richtet sich an alle, die ihre Musik als Dateien besitzen und wissen wollen, wie diese bis zum Ausgang gelangen. Nach Angaben des Entwicklers zeigt der Player zu jeder Stufe zwischen Quelle und Gerät ein eigenes Urteil an.
Läuft etwas nicht bit-perfekt ab, etwa durch Sample-Rate-Wandlung oder gemeinsam genutzte Ausgabe, weist die Software offen darauf hin. Das gilt auch im Auto: Über CarPlay läuft die Wiedergabe über den gemeinsamen Audioweg des Fahrzeugs, und der Player meldet, wenn das Auto die Abtastrate ändert.
Abgespielt werden FLAC, ALAC, DSF, DFF, APE, WV, WAV, AIFF, MP3, AAC und OGG. Cue-Sheets lassen sich in einzelne Titel aufteilen, SACD-ISOs werden nach DSF extrahiert.
Auf iPhone und iPad kommt die Musik direkt von USB-C-Sticks oder SD-Karten, die sich importieren oder an Ort und Stelle abspielen lassen. Dazu kommen AirPlay mit Multiroom, Sonos, DLNA und Chromecast sowie Streaming von NAS und SMB-Freigaben. Eine optionale iCloud-Synchronisation hält den Katalog über die Geräte hinweg zusammen.
DSD: Die Edition entscheidet
Am meisten Spielraum bietet die Direct-Edition für den Mac, die es als Download auf der Website gibt. Decaud kann hier das Gerät exklusiv übernehmen, sodass macOS den Datenstrom weder neu abtastet noch mit Systemklängen mischt.
DSD64, DSD128 und DSD256 reicht der Player per DoP an kompatible DACs weiter. DSD512 läuft laut Entwickler, sofern der DAC den 1,4112-MHz-Träger anbietet.
Die Mac-App-Store-Edition kann das nicht: Die Sandbox verbietet den exklusiven Gerätezugriff, deshalb wandelt sie DSD in PCM um und spielt mit der aktuellen Samplingrate des Geräts.
Auf iPhone und iPad wird DSD standardmäßig ebenfalls in PCM gewandelt. Seit Version 1.5 gibt es am iPhone optional eine native Ausgabe über den Schalter „Native DSD (DoP)“ unter „Settings ▸ Audio Output“. Sie setzt einen USB-DAC voraus, dessen DoP-Fähigkeit man zuvor bestätigt hat.
Wichtig dabei: Die iPhone-Lautstärke soll auf 100 Prozent stehen, die Hörlautstärke wird am DAC geregelt. Die Apple-TV-App gibt DSD als PCM über den Systemausgang aus, natives DoP gibt es dort nicht.
Zum Ausprobieren liegt das NativeDSD Starter Pack bei: sieben DSD64-Titel, die sich auf Mac, iPhone und iPad in der App herunterladen und offline abspielen lassen.
Bild: Decaud
TrueHz: Indizien statt Beweise
Eine Besonderheit ist die Analyse TrueHz. Sie wertet nach Angaben des Entwicklers bis zu 220 Fenster eines Titels aus, sucht in Spektrum und Bandbreite nach Hinweisen auf verlustbehaftete Herkunft und speichert das Ergebnis samt Qualitäts-Badge beim Titel.
Der Entwickler benennt die Grenzen selbst: Rauschen, Filterung oder Kanalauslöschung können das Urteil beeinflussen, und ein Label wie „24/192“ beschreibt nur das Dateiformat, nicht die Aufnahmehistorie. Das Ergebnis ist ausdrücklich kein Herkunftsnachweis und auch kein Beleg für bit-perfekte Wiedergabe.
Wer Hi-Res-Käufe prüfen möchte, bekommt mit Decaud also ein Werkzeug für Verdachtsmomente, aber kein Gütesiegel.
Bild: Decaud
Einordnung: Nur für Apple-Geräte und noch ungetestet
Wir haben Decaud nicht selbst getestet; sämtliche Angaben stammen vom Entwickler (Website, Stand: 16. Oktober 2026). Wie stabil der Player im Alltag läuft und wie er klanglich gegenüber anderen Playern abschneidet, lässt sich daraus nicht ableiten.
Hinzu kommt: Es gibt die Software nur für Apple-Plattformen, Windows und Android bleiben außen vor.
Alternativen auf dem Mac existieren durchaus. BitPerfect steht laut US-App-Store-Eintrag für 9,99 US-Dollar nur für den Mac bereit, arbeitet im exklusiven Modus mit iTunes zusammen und spielt DSD nur im Hybrid-DSD-Format ab, wofür ein Zusatzprogramm nötig ist.
Der HR Audio Player von TEAC ist kostenlos für Windows und Mac erhältlich und beherrscht DoP und native DSD-Ausgabe, allerdings nur mit Geräten, die diese Funktion unterstützen.
Preis und Verfügbarkeit
Der Player ist kostenlos. Ein Konto oder Abo ist nicht nötig, Tracking findet laut Entwickler nicht statt, und freiwillige Trinkgelder über Buy Me a Coffee schalten keine Funktionen frei.
Vorausgesetzt werden macOS 15.6 oder neuer beziehungsweise iOS 17.6 oder neuer. Die Direct-Edition für den Mac steht als Download in Version 1.6 (Build 1728) bereit; die Fassung 1.6 für Mac App Store, iPhone, iPad und Apple TV wartet laut Website noch auf die Freigabe im App Store.
Alle Downloads und Systemvoraussetzungen finden sich auf der Website von Decaud.
Technische Daten Decaud (Herstellerangaben)
| Typ | Lokaler Musikplayer, Donationware |
| Plattformen | macOS, iOS, iPadOS, tvOS, CarPlay |
| Systemanforderungen | macOS 15.6 oder neuer; iOS 17.6 oder neuer (iPhone und iPad); tvOS: keine Herstellerangabe |
| Preis | Kostenlos; freiwillige Trinkgelder schalten keine Funktionen frei |
| Formate | FLAC, ALAC, DSF, DFF, APE, WV, WAV, AIFF, MP3, AAC, OGG |
| Zusatzfunktionen | Cue-Sheet-Aufteilung, SACD-ISO-Extraktion nach DSF, CD-Ripping (fehlerkorrigiert in der Direct-Edition) |
| DSD (Direct Mac) | Nativ über DoP: DSD64, DSD128, DSD256; DSD512 bei DACs mit 1,4112-MHz-Träger |
| DSD (Mac App Store) | Umwandlung in PCM |
| DSD (iPhone, iPad) | Standardmäßig PCM; am iPhone ab Version 1.5 optional nativ über bestätigten USB-DAC |
| DSD (Apple TV) | PCM über Systemausgang, kein natives DoP |
| Exklusiver Gerätezugriff | Nur Direct-Edition für den Mac |
| Netzwerk und Multiroom | AirPlay, Sonos, DLNA, Chromecast; NAS und SMB-Streaming |
| Analyse | TrueHz (bis zu 220 Fenster pro Titel) |
| Aktuelle Version | Direct Mac 1.6 (Build 1728); 1.6 für App-Store-Fassungen laut Website ausstehend (Stand: 16.10.2026) |
| Windows, Android | Keine Herstellerangabe, nur Apple-Plattformen genannt |
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