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Hörgeräte, die dank Sensorik und Bluetooth-Anbindung eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen unterstützen, machen schon heute einen Großteil der auf dem Markt erhältlichen Hörsysteme aus. Neben medizinischen Hörgeräten, die eine Schwerhörigkeit kompensieren, kommen zunehmend rezeptfreie Hörhilfen mit einstellbarer Hörverstärkung auf den Markt. Ihr Marktanteil wird laut Juniper Research weltweit von heute 43 Prozent auf 71 Prozent in 2024 ansteigen.
In Deutschland stellt sich die Lage anders dar: Das deutsche Medizinproduktgesetz schreibt vor, dass Hörgeräte nicht frei verkäuflich sind und von einem Hörakustiker individuell angepasst werden müssen. Da Hörgeräte zudem komplett von der Krankenkasse erstattet werden, spielen solche rezeptfreien und kostengünstigen Geräte hierzulande noch keine nennenswerte Rolle.
Dennoch ist der Markt für Hörsysteme in Bewegung. Die technologischen Fortschritte durch Bluetooth LC3 ermöglichen die Integration von Funktionen in drahtlose Kopfhörer, die Menschen mit einer Hörminderung unterstützen. Indem Kopfhörer künftig verstärkt bestimmte Frequenzbereiche ausgleichen, die aufgrund der Hörminderung nicht mehr wahrgenommen werden können, sind sie eine nützliche Ergänzung zum medizinischen Hörgerät – etwa zum Musikhören beim Sport. Richtmikrofone und verbessertes Noise-Canceling sind auch für Schwerhörige ein großer Fortschritt.
Der neue Low Complexity Communications Codec (LC3) bietet bei reduzierten Datenraten eine höhere Audioqualität. Um die drahtlose Übertragung des Audio-Signals zu ermöglichen, muss es komprimiert werden. Während der bisherige Standard Classic Audio eine Reduktion von 1,5 MB auf 345 Kbps ermöglichte, reduziert der neue Low Complexity Communications Codec (LC3) den Audiostrom auf 190 Kbps. Dank LC3 kann Bluetooth LE Audio daher Audiosignale in höherer Qualität mit der halben Bitrate übertragen, was auch den halben Energieaufwand bedeutet. Hörgerätehersteller können die von LE Audio erzielten Energieeinsparungen nutzen, um Hörsysteme mit einer längeren Akkulaufzeit und -lebensdauer zu entwickeln oder die Geräte durch Verwendung einer kleineren Batterie noch dezenter zu designen.
Eine weitere Neuerung ist echte Interoperabilität für die Vernetzung von Hörgeräten mit dem Smartphone. Die bisherige Unterstützung von Bluetooth in Hörgeräten basiert auf firmeneigenen Implementierungen der Hörgerätehersteller. Infolgedessen kann die Kompatibilität mit den verschiedenen Smartphone-Betriebssystemen eingeschränkt sein. LE Audio wird echte globale Interoperabilität ermöglichen, indem es standardisierte Unterstützung für Bluetooth-Technologie in Hörgeräten bietet, so wie die Nutzer es von anderen Audiogeräten kennen.
Die Möglichkeit mit Hörsystemen alle eingehenden erwünschten Tonquellen, wie bei Konzerten, von Nebengeräuschen zu trennen und eine EQ Balance zu erzeugen, erweitert die Geräte über die Hörkorrektur hinaus. Vom Nischen-Anwendungsfall heute wird sich diese Funktionalität immer mehr durchsetzen. Ermöglicht wird sie durch die steigenden Datenmengen, die zu und von Geräten übertragen werden können sowie durch die energieeffizientere Signalverarbeitung über den LC3-Codec in Bluetooth LE Audio.
Dank Audio Sharing wird LE Audio beispielsweise die Übertragung von Tonspuren an öffentlichen Orten, wie Theatern oder Konferenzen, in Kopfhörer und Hörsysteme ermöglichen. Während medizinische Hörgeräte die Schwerhörigkeit im Alltag kompensieren, ergänzen Bluetooth-basierte Hearables in solchen Szenarien die Versorgung von Schwerhörigen und erleichtern es noch mehr den Alltag mit einer Hörminderung zu meistern.
Weitere Informationen zu Bluetooth LE Audio findet ihr hier.
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