Was bringt der neue Standard Bluetooth 5?

Bluetooth-Kopfhörer sind, nicht zuletzt dank Apples neuester Drahtloskopfhörer wie den AirPods, der letzte Schrei.

Verständlich, denn gebrochene Kabel samt Verknotungen waren doch schon immer uncool, und wegrationalisierte Kopfhörerbuchsen bei Smartphones sprechen ja schließlich auch eine eindeutige Sprache.

Kabellose Kopfhörer bieten eine Menge Vorteile, auch wenn Audiophile die Nase rümpfen. Und auch wir haben schon einige kabellose Kopfhörer auf unseren Testohren gehabt, die trotz neuesten Bluetooth-Standards hörbare Artefakte wiedergaben, stark rauschten oder selbst bei einer Entfernung von nur wenigen Zentimetern dank Drop-outs uns das kabellose Hörvergnügen gründlich vermiesten.

Aber was wäre die Welt ohne Verbesserungen? Richtig, auch bei uns im Kopfhörersektor tut sich Spannendes auf, denn mit Bluetooth 5 steht uns ein überarbeiteter Übertragungsstandard ins Haus. Die große Frage lautet: Hat er das Zeug dazu, endlich unkomprimierte Audio-Qualität drahtlos zu liefern?

Anfang Dezember 2016 hat die Bluetooth-Interessengruppe (SIG) den neuen Standard Bluetooth 5 offiziell verabschiedet. Neben vielen neuen Funktionen, wie beispielsweise die Einbeziehung des Internets der Dinge (IoT), können wir Kopfhörerfans uns auf einige Verbesserungen freuen:

  1. Schnelleres Pairing: Kopfhörer und Smart Devices sollen sich nun viel schneller verbinden.
  1. Erhöhung der Reichweite: Durch die Vervierfachung auf bis zu 200 Meter können Kopfhörer und Abspielgeräte noch weiter entfernt voneinander sein.
  1. Gesteigerter Datendurchsatz: Dieser wird um Faktor 8 gesteigert, somit können Bluetooth-Kopfhörer weitaus mehr Funktionen wie Herzfrequenzanalyse, Schrittzählung oder Noise Cancelling übernehmen.
  1. Höhere Datenübertragungsraten: Die Geschwindigkeit wird mit 50 Mbit/s im Vergleich zu Bluetooth 4.2 verdoppelt. Dieser Punkt ist sicherlich der kritischste Faktor und für eine stabile Audioverbindung mit echter „verlustfreier“ unkomprimierter Qualität unerlässlich. Allerdings reden wir hier von (theoretischen) 6,25 Megabyte pro Sekunde. Da kann fast jede Kabelverbindung, egal ob analog oder digital, um einiges mehr. Hinzukommt, dass das Bluetooth-Protokoll nach wie vor auf das verlustbehaftete A2DP-Format setzt: Um eben möglichst effizient arbeiten zu können, muss die begrenzte Übertragungsbandbreite mit komprimierten Dateigrößen gefüttert werden.

Bluetooth 5 steht seit Anfang 2017 offiziell zur Verfügung, und noch finden sich keine Kopfhörerhersteller, die den neuen Standard verwenden. Warum auch? Deckt dieser doch vor allem Smart-Home-Anwendungen, Stichwort „Internet der Dinge“, ab. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand werden sich also dessen Neuerungen bei kabellosen Kopfhörern weit weniger positiv bemerkbar machen, als wir uns das gewünscht hätten.

Alles halb so wild? Ja und nein. Denn ein Klang-Upgrade hätte Bluetooth unserer Meinung nach dringend nötig, auch wenn viele von uns komprimierte Lieder streamen und Klangqualität zweitrangig ist. Jetzt wo die großen Streaming-Anbieter wie Spotify oder Apple Hi-Res-Streams bereits aktiv planen, wäre eine Wahlmöglichkeit zwischen unkomprimierter und komprimierter Musik wünschenswert. Für die Künstler und Labels, um deren Musik es ja schließlich geht, ebenso.

Das heißt allerdings nicht, dass Bluetooth-Kopfhörer per se schlecht klingen. Was technisch derzeit machbar ist, hat eine Kopfhörer-Studie von Beyerdynamic und Astell&Kern bereits auf der IFA 2016 eindrucksvoll bewiesen. Beide zeigten einen Tesla-Kopfhörer, der mit dem sogenannten aptX-HD-Verfahren von Qualcomm arbeitet und sogar 24-Bit-Signale übertragen kann.

Soweit muss man aber als Otto-Normal-Hörer gar nicht gehen. Wir haben bereits einige Bluetooth-4-Kopfhörer getestet, die wir als Kopfhörer-Testmagazin ruhigen Gewissens empfehlen können. Damit euch die Auswahl leichter fällt, haben wir hier die besten Bluetooth-Kopfhörer in einer schicken, übersichtlichen Liste für euch aufbereitet:

Die besten Bluetooth-Kopfhörer bei kopfhoerer.de

→ Ein Klick auf das Bild oder auf hier bringt euch direkt zur Bestenliste.

Musik für deine Kopfhörer: Unsere Spotify-Playlist

Wie klingt eigentlich ein Kopfhörer?

Abseits unserer ganzen Messungen, die wir durchführen, ist das Wichtigste bei einem Kopfhörertest das Hören. Und zwar mit Referenzmusik. Was aber ist Referenzmusik? Das ist vor allem Musik, die man selbst sehr gerne hört und daher genau weiß, wie sie klingt. Zudem gibt es Musikstücke, die besondere Merkmale aufweisen (beispielsweise besondere Hallräume oder bestimmte Anschlaggeräusche von Saiten) und sich daher gut zum Testen eignen.

Schließlich haben wir unsere Autoren gefragt: „Welche Musik hört ihr besonders gerne, um Kopfhörer zu testen?“ Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten.
Hier sind sie nun: 115 ausgewählte Tracks, die euch beim Testen von Kopfhörern helfen sollen. Neben euren Lieblings-Songs, die ihr immer dabei haben solltet, wenn ihr euch unterschiedliche Kopfhörer anhört, findet ihr hier von Klassik bis hin zu Electronica Stücke, die euch ebenfalls beim Beurteilen des Klangs von Kopfhörern unterstützen wollen.

„MUSIK FÜR DEINE KOPFHÖRER – unsere Spotify Playlist“

Und wer bereits seinen Traumkopfhörer gefunden hat, bekommt hier einfach eine traumhafte Playlist mit allerlei Stars, aber auch weniger bekannten Künstlern.

Und wer weiß: vielleicht entdeckt ihr hier sogar neue Lieblinge!

P.S.: Bitte vergesst nicht in den Spotify-Einstellungen die Streaming- und Download-Qualität auf „Hoch“ zu setzen.

Malware macht aus Kopfhörern Abhörmikrofone

 

Vorsichtig sind wir Computer-Nutzer ja.

Wir kleben zum Beispiel ein Stückchen Klebeband über unsere Webcams am Laptop, so dass keiner uns sehen kann. Oder wir kaufen uns spezielle Programme, um potenzielle Spionage-Software ausfindig zu machen.

Vielen von uns reicht das und wir wägen uns in Sicherheit.

Die Chance dadurch nicht ausspioniert und / oder sogar abgehört zu werden wird aber leider nicht geringer. Wie Forscher an der Ben-Gurion-Universität in Israel nun eindrucksvoll beweisen, reicht inzwischen ein an den Computer angeschlossener Kopfhörer. Die Forschergruppe hat nämlich eine Malware geschrieben, die Kopfhörer und manche Lautsprecher einfach in Mikrofone umwandelt. (Wir erinnern uns: Kopfhörer bzw. Lautsprecher sind eigentlich nichts anderes als umgedrehte Mikrofone.)

Die Jungs aus Israel machen sich mit dem Proof-of-Concept-Code, den sie „Speake(a)r“ nennen, genau dieses Prinzip zunutze. In dem Video stecken sie das Mikrofon ab, die Audio-Software zeigt aber nach wie vor Wellenformen an, da der Kopfhörer der links im Bild zu sehen ist, immer noch angeschlossen ist.

„Wir alle denken nicht über dieses Sicherheitsleck nach“, sagt Mordechai Guri, Forschungsleiter der Cyber Security Research Labs von Ben Gurion, sinngemäß. „Auch wenn man das Mikrofon des Computers entfernt, kann man mit Kopfhörern aufgenommen werden.“

Zum Glück gibt es eine einfache Lösung für dieses Problem: das Kabel des Kopfhörers rausziehen.

Quelle: https://arxiv.org/abs/1611.07350

Online-Handel – das sind die beliebtesten Marken

 

Eine Wirtschafts-News auf kopfhoerer.de – kann das sein? Ja es kann! Denn machmal wollen auch wir ein kleinwenig für unseren Tellerrand bzw. Kopfhörerbügel kucken, denn die freudige Meldung betrifft uns eben auch.

Denn wie die Wirtschaftswoche berichtet sind die drei stärksten Marken im deutschen Online-Handel laut einer Studie Paypal, Amazon und das auf Instrumente und Musikerbedarf spezialisierte Online-Versandhaus Thomann.

Wir gratulieren herzlich!

Samsung kauft Harman

Acht Milliarden Dollar zahlt Samsung für Harman und will sich damit einen Platz im boomenden Markt der Autoelektronik sichern.

Mit dem Kauf drängt Samsung massiv ins Autogeschäft. Rund 65 Prozent Umsatz macht Harman nach eigenen Angaben mit Autoelektronik und verkauft unter anderem auch Unterhaltungsanlagen an deutsche Automobilhersteller. Harman arbeite aber bereits an der Vernetzung sowie an Sicherheitssystemen von Autos. Somit sichere sich Samsung eine Schlüsselposition in diesem Segment.

Was aus den bekannten Unterhaltungselektronik-Marken wie Harman/Kardon, AKG oder JBL werden wird, bleibt abzuwarten, Samsung will in dieser Sparte seine Position sicherlich weiter ausbauen und versuchen den Rivalen Sony zu schwächen.

Harmans Umsatz lag in den letzten zwölf Monaten bei sieben Milliarden Dollar, der Wert pro Aktie stieg am Freitag um rund 28 Prozent. Wie Samsung / Harman zudem verlautbaren ließen, soll Harman auch künftig als unabhängige Tochter agieren.

Vinyl boomt!

Wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und GfK Entertainment bekannt gab, wurden in den ersten neuen Monaten 2016 bereits so viele Schallplatten verkauft worden wie im gesamten Jahr 2015.

Insgesamt sollen also zwischen Januar und September ca. 2,1 Millionen Vinyl-Alben verkauft worden sein, das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Entsprechend hoch sei daher auch das Umsatzplus: 47 Millionen Euro sollen durch Vinyl-Verkäufe in den ersten drei Quartalen erzielt worden sein, was ein Wachstum von rund 49 Prozent entspräche. Die Schallplatte erlebt damit seit 2007 eine bisher ununterbrochene Aufwärtskurve, so der BVMI.

BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke: „Bei einem Anteil von 4,3 Prozent am Branchenumsatz ist Vinyl zwar noch immer ein vergleichsweise kleines Marktsegment, aber angesichts der erneut hohen Verkaufszuwächse von rund 50 Prozent kann man sagen, dass es sich nicht mehr um eine reine und kleine Liebhaberecke handelt. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die zunehmende Digitalisierung unserer Welt bei vielen den Wunsch nach analogen Ankerpunkten hervorruft.“

Dr. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment: „Um der anhaltend positiven Entwicklung im Schallplattenmarkt Rechnung zu tragen, wurden vor genau einem Jahr die Offiziellen Deutschen Vinyl-Charts ins Leben gerufen. Nun zeigt sich immer deutlicher, dass die neu entfachte Begeisterung für das „Schwarze Gold“ nicht nur kurzfristiger Retro-Trend ist, sondern im Gegenteil immer mehr Musikfans und Genres erfasst. Besonders hervorzuheben ist, dass sich unter den fünf erfolgreichsten Vinyls zwischen Januar und September 2016 drei deutsche Produktionen befinden: „Alles nix Konkretes“ (AnnenMayKantereit), „Advanced Chemistry“ (Beginner) und „Stärker als die Zeit“ (Udo Lindenberg). Die beliebteste Schallplatte der ersten drei Quartale stammt übrigens von David Bowie. Ein schöne Verneigung vor einem der größten Musiker aller Zeiten.“

DJ-Gagen entschlüsselt: Wer verdient wo am meisten?

 

Die Party- und Eventplanungen für Weihnachten und Silvester laufen auf Hochtouren und auch die Vorbereitungen für die Hochzeitssaison 2017 sind bereits im Gange.

Wie viel kosten eigentlich die DJs, die all diese Feiern perfekt machen? Und wovon hängen die Preise ab?

Die  Preisvergleichs-Website und Plattform für DJs „weltklassejungs.de“ will aufklären und hat ausgewertet, wer bei welchen Events in im welchem Landesteil am meisten verdient. Dazu haben sie über 5.000 DJ-Buchungen des eigenen Portals ausgewertet und in einer Infografik dargestellt (siehe unten). Zwar betrifft diese Auswertung nur eigene Buchungen, es ist aber davon auszugehen, dass sich daraus auch ein generelles Preis-Region-Niveau erschließen lässt.

Und das sind die Ergebnisse: Wer als Discjockey in Süddeutschland Musik macht, verdient durchschnittlich 16 % mehr als in Norddeutschland, 32 % mehr als in Westdeutschland und sogar 50 % mehr als die Kollegen in Ostdeutschland. Für einen Gig auf einer Silvesterfeier verlangen DJs eine rund 45 % höhere Gage als auf einer Geburtstagsfeier. Auftritte auf Hochzeiten sind am zweitlukrativsten, während silberne Hochzeiten, Firmen- und Weihnachtsfeiern von der Bezahlung her nur knapp über Geburtstagen liegen.

Die Hauptsaison für DJs erstreckt sich über den Sommer. Zwischen Mai und September finden die meisten Veranstaltungen statt. August ist der beliebteste Monat, am wenigsten Auftritte haben DJs im Januar und Februar.

Über weltklassejungs:

weltklassejungs.de ist Deutschlands erster Preisvergleich für DJs. Seit 2011 bietet das Kölner Unternehmen circa 900 DJs eine Plattform, um Aufträge zu erhalten. DJs können ein Profil mit ihren Leistungen, Preisvorgaben und Verfügbarkeiten anlegen. Das Portal zeigt Eventmanagern und Planern von Privatpartys die passenden DJs zum gesuchten Termin, Ort und Event und bietet eine direkte Online- Buchung zum Komplettpreis.

Beats wirbt mit vielen Künstlern für ihre Drahtlos-Kopfhörer

 

Apple, pardon Beats, geht mit der Kampagne „Got No Strings“ an den Start, um uns zu zeigen, welche Vorzüge ihre neuen kabellosen Kopfhörer haben.

Das Pinocchio-Lied aus dem gleichnamigen Disney-Film ist der – Achtung Wortspiel – Aufhänger für allerlei Künstler, die hüpfend, tanzend und stolpernd im Video auftauchen: Schauspieler Steve Buscemi, Musiker Pharrell oder auch DJ Khaled sowie Sportler wie der Schwimmer Michael Phelps oder Basketballer Ben Simmons. Alle tragen die neuen Beats Wireless Kopfhörer, die auf Kabel dahingehend verzichten, dass die Verbindung zum Audio-Player drahtlos via Bluetooth stattfindet.

Im Rahmen des Apple Events vom 7.9.2016 stellte Apple auch drei neue Kopfhörer aus der Beats-Reihe vor (wir berichteten):

  • Beats Solo3 Wireless: Mit bis zu 40 Stunden Batterielaufzeit sollen die Beats Solo3 Wireless perfekt für jeden Tag sein. Mit der sogenannten Fast Fuel Funktion sollen 5 Minuten Aufladen für 3 Stunden Wiedergabe reichen. Der in sechs unterschiedlichen Farben erhältliche Solo3 Wireless kann ab sofort zu einem Preis von 299,95 Euro gekauft werden.
  • BeatsX: In-Ear-Kopfhörer sollen der perfekte, kabellose Begleiter sein. Die in Schwarz und Weiß gehaltenen Bluetooth-Kopfhörer sind ab Herbst erhältlich und sollen 149,99 Euro.
  • Beats Powerbeats Wireless: Die Powerbeats Wireless sind Apples neue Sport-In-Ears und sollen in fünf unterschiedliche Farben irgendwann im Herbst zu einem Preis von 199,95 Euro erhältlich sein.

Weitere Infos unter http://de.beatsbydre.com

 

Harman schließt AKG-Werk in Wien

 

Die österreichische Zeitung heute.at schreibt in ihrer heutigen Ausgabe, dass Harman nach über 70 Jahren das AKG-Werk in Wien schließen werde. Dies verkündete der Mutterkonzern Harman am Dienstagvormittag seiner Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung.

Der harte Wettbewerb soll der Grund für die Schließung sein, über 130 Mitarbeiter sollen bis Mitte 2017 schrittweise entlassen werden. Die Bereiche Pro- und Car-Audio-Produktion sowie Entwicklung und Service werden auf sogenannte „Exzellenzzentren“ im Ausland (möglicherweise Ungarn) aufteilt, so der Eigentümer Harman.

Apple AirPods – die Legende vom besseren Produkt

 

Zäsur in der Evolution des Kopfhörers.

Apple ist ja immer wieder für einen technologischen Urknall gut. iProdukte und iLaunches lassen seit gut einer Dekade selbst das Technik-müde Publikum aufhorchen, zumindest aufblicken. Auch die Vorstellung der neuen AirPods war aufmerksamkeitsförderlich. Eine genauere Betrachtung der Ohrstäbchen aus Cupertino hinterlässt jedoch zumindest bei Audiophilen, aber auch rein praktisch gesehen eher offene Fragen.

Die Crux mit dem Kabel – und ohne …

Kopfhörer sind „von Natur aus“ analog. Der einzig benötigte Schallwandler ist der Transducer am Ohr, der mittels kabelgeleiteter elektrischer Ströme aus einem Verstärker zwei Membranen so in Schwingung versetzt, dass die Ohren diese wiederum als Geräusch, bestenfalls wohlklingende Musik empfinden. Die Qualität des Signalwegs – von der Aufnahme über die Güte der Komponenten bis hin zu den verwendeten Materialien – ist seit jeher ein Indikator für gute oder auch weniger gute Produkte.
Das Dumme an Kabeln ist, dass zumindest bei mobilen Anwendungen die Schnur schnell nervt, weshalb drahtlose Übertragungstechnik zunächst mal keine dumme Idee war. Infrarot reichte, um Omi den Fernsehton laut ans Ohr zu gereichen.

Die ersten Funkstrecken für Kopfhörer über UHF-Bänder waren nur etwas für Experten, da teuer und aufwändig zu realisieren. Bluetooth in den ersten Versionen machte selbst für Ungeübte, die auf den Sound jetzt nicht so viel Wert legten, den Musikgenuss zur Qual. Nach und nach entwickelte sich der universelle Drahtloskommunikationsweg zum geeigneten Audioübertragungsweg, mit aptX und demnächst verlustfreiem Streaming dürfte auch der letzte Drops gelutscht sein. Drahtlose Kopfhörer sind konkurrenzfähig.
Aber: Kopfhörer sind nicht digital: Sie benötigen zumindest einen Digital-Analog-Wandler, und den gibt es nicht umsonst. Gute Wandler liegen vermutlich weit entfernt vom Cent-Bereich der Bauteile, die in den kleinen AirPods für diesen Job verbaut werden.

Lightning – das Kabel

Der letzte kabelgebundene Zugang zu einem iPhone bleibt dann nur die Lightning-Buchse. Aber auch hier wird die Apple-Welt plötzlich sehr klein, denn ein Lightning-Hörer wird an keinem anderen Gerät funktionieren, außer an mobilen Devices von Apple, also auch nicht an MacBooks. Diese proprietäre Lösung ist also nur für Nerds akzeptabel, die selbst im Apple-Kosmos mit Unterspeziallösungen leben können, und für die Arbeit am (Apple) Laptop einen zweiten Kopfhörer einsetzen.

Zudem sind Lightning-Lizenzen für Drittanbieter teuer, denn Apple will natürlich auch hier kräftig mitverdienen. Rechnet man die Kosten für DA-Wandler hinzu, sind bezahlbare Lösungen mit vernünftiger Qualität kaum zu erwarten.

Und wenn Apple wirklich Mut gehabt hätte, so wie sie es in ihrer iPhone7-Keynote mit bedeutungsschwangeren Worten verkündeten, dann hätten sie einen noch radikaleren Schritt wagen müssen: Der Verzicht auf Lightning und der Wechsel zu USB-C. Damit wären auf einen Schlag eine ganze Menge Anschlussprobleme erledigt.

Volle Ladung

AirPods brauchen Lade-Strom. Hier hat Apple schon an einiges gedacht. Schnellaufladung, Ladeschale, das liest sich alles gut. Es gibt aber nichts Nervigeres, als im Moment der Nutzung zu wenig oder gar keinen Saft zu haben. Da wird der schnelle Stromstoß binnen Minuten für zwei Stunden auch nicht reichen, den Nutzer zufriedenzustellen.

Wer’s braucht, wird selig

Natürlich bietet Apple mit den AirPods zusätzlichen Nutzen. In der schönen mobil-elektronischen Welt sind Fingertippen und Gestensteuerung am Ohr sicherlich eine willkommene Neuerung. Auch den Pulsschlag im Ohr zu messen, um Gesundheitsdaten zu sammeln, mag Sinn ergeben. Was braucht ein guter Kopfhörer noch: Telefonsteuerung, geschenkt. Tracks durchschalten, skippen, spulen – geschenkt …

… Gut klingen – geschenkt

Wenn wir uns in der 179-EUR-Preisklasse kabelgebundener InEar-Hörer umgucken, werden wir uns schon einer Menge sehr gut klingender InEars erfreuen. Ein Sennheiser Momentum inEar heimst bei unserem Test Bestnoten ein, der Pioneer DJE-2000 wusste zu gefallen, oder auch der Bose SoundTrue In Ear vom vielleicht größten Widersacher für Apple/Beats ist nun wahrlich nicht von schlechten Eltern. Aber auch Over-Ears für mobilen Musikgenuss gibt es in der Budgetklasse der AirPods reichlich. Gut. Wir brauchen das Kabel. Nicht schön – zumindest für iPhone-7-Nutzer: sie müssten adaptieren. Aber für den Kopfhörerkauf sollte zuallererst immer der Sound das ausschlagebene Kriterium sein. Und hier wird man in der Preisklasse nicht sonderlich viel erwarten dürfen. Der Rest ist Schnickschnack auf Kosten der Soundqualität.

Nix für Verlierer

Apples AirPods bergen eine andere Gefahr in sich: Verlust durch Unachtsamkeit oder Versehen. Was da im Gehörgang steckt, wird ohne Sicherung (Kabel) gerne mal gen Erdmittelpunkt entfleuchen wollen. Wenn man Glück hat, in den Mantel oder Hemd- respektive Jackentasche. Bei Pech auch mal geradewegs in den Gulli oder einen zufällig in der Nähe liegenden Gartenteich.

Dass solch ein Verlust nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer sein kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Silkon-Streifen zur Ohrbefestigung und weitere Hilfsmittel zur Eindämmung von Verlustängsten verlassen gerade den Bereich Häme in Richtung Produktentwicklung.

Man wird sehen

Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kann man froh sein, ein so großes Portfolio an Stecker-gebundenen mobilen Kopfhörern zu haben. Der AirPod, auch das, was Apples Schwester Beats so plant, wird den ein oder anderen überzeugen. Man braucht aber immer das nötige Kleingeld und hat für den zu löhnenden Obulus bei weitem nicht das Beste, was man für das selbe Geld kriegen kann. Wir bleiben gespannt, beobachten den Markt und testen auch weiterhin die vielen kabelgebundenen In-, On-  und Over-Ears, wie auch die vielen spannenden Drahtlos-Konzepte.

Bis auf weiteres lohnt sich ein Blick auf unsere kopfhoerer.de-Bestenlisten, aus gegebenem Anlass im Grenzgebiet der 180-Euro-Marke:

Die besten kabellosen Kopfhörer von 140 bis 199 Euro