Beyerdynamic T5 3rd Generation

Geschlossener High-End-Kopfhörer mit Tesla-Treibern

Vor fast genau vier Jahren stieg an dieser Stelle der Beyerdynamic T 5 der zweiten Generation in den Ring und zeigte eine tadellose Leistung. Entsprechend konnte er die Heimreise ins malerische Heilbronn mit unserem Prädikat „Bester HiFi-Kopfhörer 05/2016“ im Gepäck antreten. Nun besucht uns der High-End-Hörer abermals – in der dritten Generation.

Auch in der MK3-Version liegt der empfohlene Verkaufspreis stabil bei knapp eintausend Euro. Das impliziert, dass wir uns hier im Luxussegment bewegen und die Modell-Pflege – ähnlich wie beispielsweise im Automobilbau – eher in homöopathischen Dosen erfolgt. Das ist verständlich, denn kein langjähriger Liebhaber eines T5, der sich nun zum Neukauf entscheidet, will plötzlich ein völlig anderes Produkt in den Händen halten (respektive auf den Ohren tragen), gleichzeitig schränkt es die Entwickler natürlich auch ein Stück weit in ihrer Innovationsfreude ein.

Vor diesem Hintergrund bleiben uns die Kernqualitäten des T5 auch in der dritten Generation vollständig erhalten: Es handelt sich um einen geschlossenen, ohrumschließenden High-End-Hörer bei dem die bewährten Tesla-Treiber (einzeln gemessen und gepaart!) zum Einsatz kommen und der bei Beyerdynamic in Heilbronn von Hand endmontiert wird. Wer lieber eine offene Bauform mit luftdurchlässiger Rückwand bevorzugt (und dafür gibt es – gerade beim Hifi-Gebrauch in ruhigen Umgebungen – gute Gründe) der greift zum Schwestermodell T1.

Äußerlichkeiten

Die augenscheinlichste Veränderung zum Vorgänger dürfte das Weglassen der Ausfräsung am Kopfbügel und die neue, an ein Lochraster (das beim T1 übrigens identisch ist – da sind es dann tatsächlich Bohrungen zur Luftzirkulation) erinnernde Gestaltung der Rückwand sein. Überhaupt wurde hier an jeder Stelle hochwertiges Material mit aufwendigem Finish verwendet: Etwa beim Kopfband auf dessen Oberseite eine Alcantara-Auflage mit „Beyerdynamic“-Prägung eingearbeitet ist oder der Rückwand-Zierblende aus gebürstetem Aluminium.

Da bei beiden Modellen augenscheinlich der gleiche Kopfbügel zum Einsatz kommt, und sich der DT 1990 Pro (zum Test) bei mir im Studio seit vier Jahren im täglichen Einsatz befindet, kann ich jedenfalls aus meiner Erfahrung berichten, dass es sich hier um eine solide Konstruktion und Materialwahl handelt. Der Blick in die Hörmuschel zeigt, dass Beyerdynamic hier das Prinzip der leicht schräg und versetzt angeordneten Treiber umgesetzt haben, die gewissermaßen von vorne in Richtung Ohr „schielen“ und damit für ein noch natürlicheres Klangbild sorgen sollen.

Die Verbindung zur Zuspiel-Hardware erfolgt über ein 1,4-Meter langes, Textil-ummanteltes Kabel, dessen Leiter aus „OCC 7N“-Kupfer bestehen – Kupfer also, das bis auf die siebte Nachkommastelle frei von Sauerstoff-Atomen ist. Das Kabel ist dadurch, dass es bis zur Y-Trennung in zwei Leitern nebeneinander geführt wird, relativ starr und verwindungssteif. Gerne hätte ich in Anbetracht der Preisklasse gesehen, dass dem T5 auch das 3 Meter lange Kabel des T1 beiliegt (und umgekehrt). Die Konnektivierung der Schallwandler erledigt man über Miniklinken-Stecker, die in leicht nach vorne angewinkelte Buchsen der Lautsprecher-Gondeln gesteckt werden. Die Verbindung ist, wie schon beim Vorgänger, nicht gesichert, so dass es bei unserem Testmodell gelegentlich notwendig war, den Stecker noch mal nachdrücklich und mit einer leichten Drehbewegung in die Buchse zu verfrachten, um einen einwandfreien Kontakt herzustellen.

Komfort

Mit seinen 389 Gramm spielt der T5 3rd. Generation ganz klar in der Liga der schwereren Jungs und Mädels. Dank Memory-Foam in den (austauschbaren) Ohrpolstern und am Kopfbügel, dicker Polsterung und geschmeidiger Oberflächen trägt sich der neue T5 dennoch ganz ausgezeichnet – auch bei längeren Hör-Sessions. Wer grundsätzlich mit dem T5 liebäugelt, sollte sich allerdings gut überlegen, ob es wirklich die geschlossene Variante sein soll oder muss. Ganz ohne Frage dämpft er Außengeräusche wohltuend ab und verschont auch die Umwelt (etwa im Büro) vor störenden Schallemissionen – das erkauft man sich allerdings mit einer deutlichen Hörbarmachung des Körperschalls. Wer also beispielsweise unter dauer-angespannter Kiefermuskulatur leidet, wird hier ein leichtes Vibrieren hören, was beim offenen Modell T1 nicht zutage tritt.

Egal ob nun T1 oder T5: Beide Modelle haben auf der rechten Innenseite des Kopfbügels eine durchlaufende Seriennummer eingeprägt – ein schönes und bewährtes Detail, das immer für das gute Gefühl sorgt, ein Unikat zu besitzen. Mit im Lieferumfang befindet sich ein hochwertiges, Mikrofaser-bezogenes und gepolstertes Hardcase, um den T5 bei Nichtbenutzung oder Transport sicher zu verstauen.

Innere Werte

Mit seiner Impedanz von 32 Ohm kann der T5 Gen. 3 auch an leistungsschwachen Mobilgeräten befriedigend zum Einsatz gebracht werden und transformiert ein ihm zugeführtes Milliwatt Strom in einen Kennschalldruckpegel von 100 dB. Mit seinem Frequenzgang, der von 5 Hz bis 50 kHz reicht, empfiehlt er sich selbstverständlich für die Wiedergabe von High-Resolution-Audiomaterial.

Klang

Wie schon in den Generationen zuvor ist der Klang des T5 in technischer Hinsicht ohne jeden Fehl und Tadel – die Tesla-Treiber sind hier einfach zum hoch verlässlichen Antrieb geworden, der sich in unzähligen Modellen von Beyerdynamic bereits bestens bewährt hat. In Bezug auf die Abstimmung haben die Entwickler allerdings ein Ideal verfolgt, mit dem ich mich nicht vollständig anfreunden kann. Über einem ausgesprochen robusten Bassfundament baut sich ein kraftvolles Mittelfeld auf, bei dem es allerdings zu einer belegt klingenden Bauchigkeit im Bereich zwischen 800 und 1.000 Hz kommt. Darauf haben die Entwickler zum Glück noch einen kleinen Wurf Höhenstaub gestreut, der allerdings durchaus etwas großzügiger hätte bemessen sein können, um sich den Mitten ausgleichend entgegen zu stellen. Ziel dieser Abstimmung sei es laut Beyerdynamic gewesen, Stimme und Instrumente besonders gut zur Geltung kommen zu lassen.

Diese Signatur funktioniert sehr gut bei modern gemischtem Material, das bei der Produktion mittels dynamischer Equalizer und Multibandkompression kräftig geglättet wurde: So gibt der T5 dem in den Breaks ziemlich krass digital geclippte „Forever“ von Charlie XCX eine fast schon elegante Form, wohingegen Dave Brubecks Flügel bei „In Your Own Sweet Way“ (Columbia Jazz Profiles, 2008) bei höheren Lautstärken durchaus ein bisschen angestrengt, ja beinahe etwas topfig wirkt. Das gilt für Solo-Instrumente im Jazz, wie in der Klassik gerade deshalb, weil in diesen Musiksparten das Klangmaterial für gewöhnlich eben nicht so stark „eingedampft“ wird, wie im Pop, sondern viel von seiner natürlichen Dynamik behält. So bekommt die Violine in Thomas Zehetmairs ECM-Einspielung („Sei Solo“) von Bach-Sonaten im Bereich der Hochmitten einen deutlichen Präsenz-Schub, der nicht jedem Klassik-Freund gefallen könnte. Tiefmitten dagegen, wie etwa bei Roger und Brian Enos famoser Ambient-Kooperation „Mixing Colours“, liegen dem T5 durchaus. Das alles inszeniert der Hörer in einem gut aufgelösten Stereofeld, das in Bezug auf Tiefe und Ortbarkeit der Instrumente keinen Grund zur Beanstandung gibt, bei dem aber etwas mehr Höhen einen deutlichen Zugewinn an Plastizität bewirken. Dass die Treiber des T5 dazu problemlos in der Lage sind, zeigt ein Griff zum Equalizer: Mit einem bei ca. 8 kHz startenden High-Shelf-Boost um ca 3 dB wird plötzlich der klangliche Glanz hörbar, zu dem die Treiber eigentlich in der Lage wären.

Ob einem diese Klangsignatur am Ende zusagt, entzieht sich – in der Liga in der wir uns hier befinden – jeder technischen Betrachtung und ist allein eine Frage der eigenen Klangpräferenz. Im direkten Vergleich mochte ich persönlich zum Beispiel den vorbildlich neutralen, manchmal geradezu chirurgischen Klang meiner DT-1990 Pro aus gleichem Haus lieber, auch wenn diese im Bassbereich nicht ganz so voluminös zu Werke gehen wie der T5.

Numinos
vor 5 Tagen von Numinos
  • Bewertung: 3.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der T5 3rd. Gen von Beyerdynamic ist – wie seine Vorgänger schon – ein äußerst interessanter Hifi-Kopfhörer mit den bewährten Tesla-Treibern, einer hochwertigen Verarbeitung und einem guten Tragekomfort, der sich in der hier vorliegenden, geschlossenen Bauform gut für den Einsatz in lauten Umgebungen eignet. Als Kritikpunkte möchte ich zum einen anbringen, dass ich es – auch und gerade in Anbetracht des Preises – gerne gesehen hätte, wenn Beyerdynamic dem Hörer auch ein langes Anschlusskabel (3 Meter) beigelegt hätten und die Verbindung des Anschlusskabels mit dem Hörer irgendwie „verbindlicher“ erfolgen würde. Zum anderen, dass sich die klangliche Abstimmung doch ein gutes Stück weit abseits der Linearität (Stichwort „HiFi“) bewegt, wodurch der Klang zur „Geschmackssache“ wird und entsprechend nicht bei jedem Musikmaterial gleich gut funktioniert. Dass Beyerdynamic mit ihren Tesla-Treibern dazu problemlos in der Lage sind, haben sie bereits überzeugend unter Beweis gestellt. Ein Probehören sei daher wärmstens empfohlen!

Messdaten

Frequenzgang:

Außendämpfung:
Mehr Messdaten

Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)5 - 50.000 Hz
  • Impedanz32 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)101,64 dB
  • Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf615 g
  • Gewicht mit Kabel389 g
  • Gewicht ohne Kabel342 g
  • Kabellänge145 cm

Lieferumfang

  • Steckbares Kabel
  • Transport Case

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