Der faltbare, ohraufliegende Bluetooth-Kopfhörer mit dem kuscheligen Namen HA-XP50BT von JVC preist sich selbst als robuster, tieftonstarker Urban-Street-Style tauglicher Dauerläufer mit bis zu 40 Stunden Spielzeit an, der für den besonderen Wumms noch einen zuschaltbaren Bass Boost bereit hält, damit es in den Straßen ordentlich brodelt und man dabei immer gut aussieht.

Double X

„XX“ – „Xtreme Xplosive“ nennt JVC seine bassbetonte Kopfhörerreihe und damit das auch jeder sieht, sind auf den Ohrmuscheln, die jeweils einen 40-mm-Neodym-Treiber verbaut haben, unübersehbar zwei Ixe eingebracht, die unter- und oberhalb noch von zwei länglichen Öffnungen flankiert sind, welche JVC selbstbewusst „Extreme Deep Bass Port“ nennt und für mich wie Bassreflexöffnungen aussehen. Der Materialmix aus metallenem Bügel, fester Plastikmechanik und weichem Kunstleder gefällt mir sehr gut und auch die schlanke Linie, die das Gerät beinahe zierlich wirken lässt, mag ich. Der Anpressdruck des Bügels, was bei On-Ears ja schnell zu unangenehmen Druckstellen führen kann, ist mir beinahe ein wenig zu stark und auch die Bügel meiner Brille kommen mit den Ohrmuscheln etwas ins Gehege, so dass ich einige Zeit probieren muss, bis alles ordentlich sitzt, die Brille nicht verschoben wird und nichts zwickt und kneift.

Pairing, Checking, Listening

Es folgt der Bluetooth-Way 4.1: Device Pairing mit einem iPhone, Batterie-Checking im System und erstes Musik-Listening – das geht schnell und stellt keine Probleme dar. Der Klang ist voll und bassbetont, wie angekündigt, aber erträglich, denn eine zu markante Biege zum Bassgeboller gehört nicht zu meiner favorisierten Klangästhetik. Die HA-XP50BT klingen aber ein wenig unausgewogen. Unter der Bühne pulsieren deutlich schwunghafte Bässe ohne zu blubbern, in den Mitten reihen sich die Instrumente – etwas matt – zu einem soliden Gefüge und wo Höhen sein sollen, können sie sich nicht recht absetzen. Oben geht es deutlich schwächer zu als unten – die HA-XP50BT sprechen gerne aus der Tiefe und über die Mitten zu mir, das ist dann wohl der XX-Faktor. An der linken Ohrmuschel befindet sich der Taster, der den angepriesenen Bass Boost hervorholt. Ich schalte ihn zu und – oh Wunder – der Bass wird stärker, aber auch das Verhältnis Mitte zu Höhe erfährt eine Verbesserung hin zu mehr Klarheit. Als ob ein dicker Vorhang weggezogen wurde und ein dünnerer zwischen Treiber und Ohren zurückbleibt. An dieser Stelle gewinnt das ehrwürdige „Shape of You“ von Ed Sheeran an Dichte und Tiefe hinzu und scheint breiter und besser durchdringbar.

Die Bassnote finde ich ja dann am besten, wenn man Musik etwas leiser hören möchte, das bietet dann mehr Fundament und die Musik wirkt nicht so flau und dünn. Drehe ich die Lautstärke an den JVC auf, wird es allerdings unangenehm bassig-mittig, was ich mit einem EQ-Preset für mehr Höhen etwas auffangen kann – insgesamt ist mir der Klang aber nicht natürlich genug. Ich vermisse die Höhen und die Mitten mumpfen ziemlich. Ich probiere es noch mal mit dem Song „Havannah“ und das in laut: Da macht der Bass schon sehr krach und es fehlen Höhen! Die Obertöne des Pianos gehen unter und richtig schön bzw. ausgewogen will es einfach nicht klingen.

The Keys

An der linken Ohrmuschel befinden sich, nebst bereits erwähnten Bass Boost, noch die weiteren Remote-Taster, deren Anordnung mich aber etwas zur Verzweiflung bringen, denn die Taster lassen sich recht schwer erfühlen. Ein Beispiel: Wenn ich die Lautstärkewippe mit dem Zeigefinger drücken will, umgreife ich die Ohrmuschel mit dem Daumen, dort wo der Bass-Boost-Taster sitzt, den ich dann natürlich treffe und ebenfalls schalte, wenn ich auf der anderen Seite lauter machen möchte. Will ich leiser machen, rutsche ich mit dem Zeigefinger einfach an der Wippe runter, allerdings kann ich dessen Ende nur schwer erfühlen, so drücke ich manchmal ins Leere oder bin immer noch im Wipp-Bereich für lauter. Aber, vielleicht bin ja nur ich unzufrieden mit der Tastenkonstruktion?

Immerhin: Alle wichtigen Remote-Befehle sind da. Skip vor/zurück, Volume up/down, Start/Stop/Rufannahme, -ende bis hin zum Herbeirufen des digitalen Assistenten per Langdruck auf Play/Pause. Deshalb gibt es an der Remote, bis auf die merkwürdige Fingerakrobatik, zu der sie mich zwingt, wenig zu kritisieren.

Unterhalb der Ohrmuschel gibt es noch einen Miniklinkenzugang in das Gerät. Man kann die JVC ganz klassisch über das mitgelieferte Kabel und stromfrei betreiben. Letztendlich ist das aber kaum nötig, weil die Laufzeit der HA-XP50BT mit 40 Stunden angegeben ist. Sollte man die leergespielt haben, kann man mit 10 Minuten Ladezeit jeweils drei Stunden weiter hören. Bei mir macht sich der etwas zu große Anpressdruck der Hörer am Kopf und besonders an den Ohrmuscheln nach etwa einer Stunde schon bemerkbar und ich verspüre das Bedürfnis, sie jetzt abzulegen und das Fazit ohne die JVC auf den Ohren zu schreiben.

Fazit: JVC HA-XP50BT
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die JVC HA-XP50BT sind solide und gut verarbeitete Bluetooth On-Ears, denen es aber an klanglicher Kompetenz mangelt. Die Mitten sind vernebelt und der Bass, gerade wenn es laut wird, läuft gerne mal aus dem Ruder. Dagegen gibt es an der Hardware, bis auf den etwas zu strammen Sitz und die schlecht zu ertastende Remote, wenig auszusetzen.

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
On-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
6 - 23.000 Hz (Passiv); 20 - 20.000 Hz
Impedanz
58,6 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
102,94 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
573 g
Gewicht mit Kabel
227 g
Gewicht ohne Kabel
204 g
Kabellänge
125 cm

Lieferumfang

  • USB-Ladekabel
  • Kopfhörerkabel (ca. 125 cm)

Besonderheiten

  • BT-Version: 4.1
  • BT-Profile: A2DP, AVRCP, HFP, HSP
  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX
  • Batterie-Laufzeit: ca. 40 Std. bei 3,5 Std. Ladezeit

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