Bowers & Wilkins PX5

Feiner On-Ear mit Stil

Bowers & Wilkins zählt zu den Herstellern, denen man Fehler nie und nimmer verzeihen würde. Zu gut ist der Ruf, den die Briten sich über Jahrzehnte erarbeitet haben. So bot das Ausprobieren des 254-Gramm-Sprösslings PX5 erwartungsgemäß keine besonderen Vorkommnisse – bis auf eine Kleinigkeit, doch dazu später mehr.

Der Bowers & Wilkins PX5 kommt im gewohnt edlen Karton daher. Im Schuber gibt’s neben dem Hörer selbst ein graues Stoffetui mit verstärkten Deckeln und Gummischlaufenverschluss. Der uns in Blau zur Verfügung gestellte PX5 ist gegenüber den Vorgängern nicht so filigran, erzeugt aber optisch weiterhin Aufmerksamkeit. Der aus Karbonfaser-Composite gefertigte Bügel fühlt sich nicht nur gut an, er lässt sich auch sehr komfortabel stufenlos in der Größe verstellen. Die Gelenke und Befestigung an beiden Ohrmuscheln vermitteln einen grundsoliden Eindruck. Grob gewebter, je nach Modell grauer oder blauer Außenstoff wirkt aufs Auge, dort, wo Kontakt mit Ohr und Haupt hergestellt wird, gibt weiches Ziegenleder ein angenehmes Tragegefühl.

Technik, die begeistert

Geht nicht, gibt’s nicht: Bowers & Wilkins hat beim PX5 all das reingepackt, was derzeit technisch zum empfohlenen Preis von 299 EUR möglich ist. Bluetooth in der Version 5.0 mit den angesagten Codecs aptX Adaptive, Classic und HD lassen HiFi-Puristen überhaupt erst über den Erwerb eines Wireless-Kopfhörers nachdenken. Es gibt ANC, eine Ambient-Hear-Through-Funktion, USB-C ist integriert und der PX5 kann Audiostreams aus dem Rechner via Universal-Bus handeln. Ein 3,5-mm-Eingang bietet zudem analogen Zugang zum PX5.

Das Aufzählen technischer Features können andere auch, nur ist das Zusammenspiel und das Finetuning halt immer so eine Sache, und dazu bedarf es Ingenieurleistung, die man schon beim Erstkontakt mit dem PX5 spürt.

Umgang mit Technik

Der Bluetooth-Weg ist Hauptkommunikationskanal. Hier (über)spielt nicht nur die Musik, sondern die Bowers & Wilkins App kommuniziert auch so mit dem Hörer. Wer – wie ich – zunächst und naheliegend die mit „B&W PX“ betitelte App installiert, wird den PX5 nicht per Smartphone adressieren können. Das erzeugte ein wenig Konfusion in den ersten Minuten und einer Rückfrage bei der Testgerät-stellenden Agentur. Nach kurzer Klärung war es das auch schon mit den eingangs erwähnten Überraschungen. Die „Bowers & Wilkins Headphones“ betitelte App wäre nämlich die richtige gewesen.

Der im Auslieferungszustand ca. zur Hälfte geladene Akku erlaubt aber auch ohne App-Unterstützung das sofortige Ausprobieren: Das Bluetooth-Koppeln geschah sowohl bei iOS, Android Version 9 und macOS konfliktfrei und binnen weniger Sekunden. Dank 5.0-Standard merkt sich der PX5 bis zu 8 Verbindungen und stellt diese auch ungefragt immer dann her, wenn das Bluetooth-Gegenüber in Reichweite ist.

Hörautomatik

Bis zu zwei Verbindungen können parallel betrieben werden. Und da der B&W PX5 über Sensoren verfügt, welche den Grad der Nutzung überaus sicher erkennen, braucht man sich um die Bedienung quasi nicht kümmern. Der Bowers & Wilkins PX5 gebiert sich dank Sensorik als angenehmer Begleiter. Sobald man ihn aufsetzt und somit aus dem Standby-Schlaf holt, vermeldet er via Sprachnachricht, dass er mit dem bzw. beiden zuletzt aktiven Bluetooth-Devices verbunden ist. Man wird also in den seltensten Fällen überhaupt ins Bluetooth-Menü eines Smartphones oder sonstigen Abspielers müssen. Falls der Hörer nur kurz abgesetzt wird, unterbricht er nicht nur die Wiedergabe, sondern gibt einen Pausenbefehl an den Player weiter, um nach wiederaufsetzen mit der Musikdarbietung fortzufahren – sehr komfortabel.

Ebenfalls sehr praktisch: Man sitzt am Rechner, hört Musik, stöbert durch die Seiten, sieht hier ein Video und hört dort ein Podcast. Auf der „anderen Leitung“ – im Testfall mein iPhone – kommt ein Gespräch rein, und sofort hält der PX5 die Musik an und man kann das Gespräch via einmaligen Tastendruck an der rechten Hörmuschel annehmen. Ist das Gespräch beendet, spielt die Musik an der Stelle weiter, wo man unterbrochen wurde. Letzteres ist natürlich gerade bei Podcasts ein wundervolles Feature.

Noise Cancelling

Zunächst schirmt der PX5 bei normaler Umgebungslautstärke ausreichend ab. Als Fußgänger in der Stadt sollte ANC deaktiviert bleiben. So lassen sich Hupen, Reifenquietschen oder launige Verkehrsteilnehmer jedweder Art zumindest akustisch erahnen. Falls man kurzfristig den Sound von außen auf die Hörer legen will, benötigt es ein zweimaliges Drücken der ANC-Taste auf der linken Seite. Wie viel bei der „Umgebungsdurchschaltung“ übertragen werden soll, lässt sich in der App einstellen.

Hier offeriert B&W auch die drei NC-Modi: Mit „Low“ bietet der PX5 eine leichte Rauschunterdrückung an, die in Großraumbüros, Wartehallen oder Bahnhöfen gut funktioniert. Man zieht sich zurück, ohne sich akustisch abzuschotten. Im Flugzeug ist dann „High“ die richtige Wahl. Hier dringt dann so wenig ans Ohr, dass auch der berühmte Vielfliegerschlaf, also Schlummern ohne Musik, durchaus gelingen kann. Ohropax war gestern. Interessant ist die Einstellung „Auto“, die sehr diffus und fast unmerklich störende Geräusche mindert, ohne das Gefühl haben zu müssen, von der Welt abgeschottet zu sein.

Das Noise Cancelling arbeitet nicht nur sehr effektiv, es ändert auch nicht den Sound – egal in welchem Modus. Ein weiterer Pluspunkt: ANC fügt kein wahrnehmbares Rauschen hinzu, das können wahrlich nicht alle Mitbewerber.

Klang

Neben der kaum wahrnehmbaren Änderung des Klangs beim Zuschalten des Noise Cancelling im Bluetooth-Betrieb, zeigt der Bowers & Wilkins PX5 auch beim Durchhören unserer Spotify-Playlist, dass man bei der Abstimmung höchste Sorgfalt hat walten lassen. Sowohl bassbetonte, elektronische Genres, als auch akustische Aufnahmen gab der Bowers & Wilkins PX5 überaus nuanciert wieder. Über den aptX HD Codec mit einem Android-Smartphone und hochauflösendem Audiomaterial zeigte der PX5, was in ihm steckt. Diana Kralls Titel „Superstar“, parallel sowohl als Spotify-Stream via iPhone als auch als 24/96-FLAC über den VLC-Player unter Nutzung des HD-Codecs gespielt, zeigte auf einem Nokia 7.1 unter Android One eine hörbare Aufwertung des ehedem schon vergnüglichen Hörerlebnisses. Die feinzeichnenden Streicher und die charaktervolle Stimme wurden in der HiRes-Fassung noch nuancierter wiedergegeben.

Über Kabel gehört, offenbarte das HiRes-Material ein ähnliches Bild, obwohl sich sein Klang im Gegensatz zum reinen kabellosen Betrieb durchaus verändert. Ohne ANC hat er seinen Peak bei 300 Hz und fällt nach unten kontinuierlich ab, während er mit aktiver Geräuschunterdrückung einen runderen Bassbereich bereitstellt. Dennoch – elektronische Musik wurde gerade bei energiereichen Bässen stets unaufgeregt wiedergeben. Kein Dröhnen und Flattern von Basslines, keine schmerzenden Zischlaute in höheren Gefilden, alles wurde so detailgetreu wie möglich abgebildet. In der Summe erhält der PX5 in puncto Sound von mir die volle Punktzahl.

Der PX5 in der Praxis

Ich habe den PX5 eine Woche lang in den verschiedensten Situationen getragen. Im Büro bei der Arbeit, inklusive Skype-Call, Audio Editings und Videos gucken. Dabei waren stets zwei Geräte verbunden. Mein iPhone als Telefon und Unterwegs-Audioplayer sowie ein iMac als Arbeitsrechner. Zuhause gab’s dann noch die ein oder andere Hörsession mit dem aptX-HD-fähigen Nokia Smartphone. Nie hatte ich das Gefühl, mich übermäßig um die Technik kümmern zu müssen, der PX5 zeigte sich immer bereit. Aufgeladen habe ich den PX5 in der einwöchigen Testzeit zweimal. Einmal am ersten Tag und ein zweites Mal eher beiläufig während des Betriebs via USB, denn bei den Audio Editings habe ich den PX5 als USB-Audio-Device definiert.

Ohne die Zeit mit der Stoppuhr gemessen zu haben: nie hatte ich das Gefühl, der Ladestand des Akkus würde mein Leben nachteilig beeinflussen. Der PX5 hätte wohl auch noch einen Langstreckenflug auf dem Weg nach Hause durchgestanden. Zumindest habe ich nicht den Eindruck, die angegebenen 25 Stunden Betriebsdauer mit ANC wären gelogen. Binnen 15 Minuten Schnellladung schafft es der Hörer im Übrigen weitere 5 Stunden weiterzulaufen – ebenfalls ein hervorragender Wert!

Die App benötigt man im Übrigen auch nicht wirklich. Man schaut nach dem Akkuladestand, kann erkennen, welche Bluetooth-Verbindungen gerade aktiv sind, es gibt eine Bedienungsanleitung als PDF und man findet auch Support-Seiten. Das mitgelieferte 1-m-Audio-Kabel mit Stereominiklinken sollte eventuell gegen ein längeres getauscht werden. Es reicht aber durchaus von Armlehne zu Kopfhörer, um dem Bordprogramm im Flugzeug zu folgen.

Ralf Willke
vor 1 Monat von Ralf Willke
  • Bewertung: 5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Rundum gelungen und eine echte Empfehlung für alle, die für knapp 300 Euro einen hohen Gegenwert erwarten. Der Bowers & Wilkins PX5 ist ein On-Ear-Hörer auf höchstem technischem Niveau, welcher in puncto Sound ganz oben mitspielt. Sowohl als Reisekopfhörer, als auch als ständiger Begleiter im urbanen Alltag zwischen Großraumbüro, U-Bahn und Café spielt der Bowers & Wilkins PX5 seine Stärken aus.

Technische Daten

  • BauformOn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 30.000 Hz
  • Impedanz20 Ohm
  • Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf468,5 g
  • Gewicht mit Kabel277 g
  • Gewicht ohne Kabel266 g
  • Kabellänge100 cm

Lieferumfang

  • Miniklinkenkabel
  • USB-A auf USB-C-Kabel
  • Transportcase

Besonderheiten

  • in Grau und Blau erhältlich
  • BT-Codecs: aptX Adaptive, aptX HD, aptX Classic, AAC, SBC
  • BT-Version: 5.0
  • BT-Profile: A2DP v1.3.1, AVRCP v1.6.1, HFP v1.7.1, HSP v1.2, BLE GATT (Generic Attribute Profile)

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funkybanane
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funkybanane

Ist der Kopfhörer dicht? Weil wenn der on ear ist hören andere um mich rum doch was ich höre..

wizoo
Admin
wizoo

Das kommt auf die Ohr-Anatomie an. Ich empfinden On-Ears als ausreichend abdichtend. Es wird natürlich immer etwas durchgehen, egal in welche Richtung.

Thomas
Gast
Thomas

Kann man beim Telefonieren auch das Mikrophon stumm schalten, zum Beispiel in einer Telecon?

wizoo
Admin
wizoo

aus technischen Gründen reichen wir die Messungen und auch die Fotos unseres Shootings nach.

Luca
Gast
Luca

Alle neuen reviews haben keine Messungen mehr. Das ist sehr schade.