Jabra Elite 75t

True Wireless In-Ears mit überzeugendem Auftritt

Mit den Elite 75t setzt Jabra seine erfolgreiche True-Wireless-Serie fort, wobei auf Bewährtes gesetzt, aber auch so Einiges verbessert wurde. Insgesamt verfestigt sich mit den Elite 75t der gute Eindruck, dass Jabra Kopfhörer baut, die ihr Geld wert sind.

[Update vom 29.10.2020]: Jabra reicht ANC kostenlos nach

Jabra reicht über ein Firmware-Update für die ohnehin schon hervorragenden Elite 75t einfach mal so eine aktive Geräuschunterdrückung nach. Nebenbei: Anfang des Jahres brachte Jabra zudem eine individuelle Sound-Anpassungsoption mit dem Namen „MySound“ heraus, in welcher über ein kleines Testverfahren ein individuelles Klangprofil erstellt werden kann. That´s Produktpflege, Folks!

Doch zurück zum „ANC for free“. Zugegeben, technisch bedingt gibt es nur eine „ältere“ Generation ANC. Die neue Version, „Advanced ANC“ genannt, kommt mit den neuen Elite 85T, die hier bald getestet sein werden.

Nach etwa 15 Minuten Download und Übertragung auf die Hardware steht das neue „Standard-ANC“ zur Verfügung. In der App gibt es eine neue Karte, in welcher man den Soundmodus wählen kann: „ANC“, „HearThrough“ oder Nichts von beidem. Beim Punkt „HearTrough“ kann man direkt nach dem Aktivieren die Durchlässigkeit per Schieberegler justieren. Wie immer gilt: je weiter geöffnet wird, desto mehr rauscht es über die Außenmikrofone in den Ohren – vor allem wenn dann noch Wind im Spiel ist.

Das Feintuning des ANC erfolgt etwas tiefer in den Einstellungen. Auf einer quadratischen Matrix wird der Punkt angesteuert, an welchem einem die Auslöschung der Umgebung am angenehmsten oder vollkommensten oder eine Mischung aus beidem erscheint. Man kann sehr gut verfolgen, in welchem Bereich des Quadrats welche Frequenzen wie stark bearbeitet werden, damit sie genügend gedämpft werden können. Dabei bekommt man auch ganz gut mit, dass tendenziell nur die tiefen Frequenzen eine Auslöschung erfahren und es nicht so effektiv eliminiert wird, auch wenn ein deutlicher Taucherglockeneffekt auftritt. Das ANC der 75t ist mild. Es reduziert die tiefen Anteile des Rumpelns der einfahrenden Straßenbahn und auch die Baustelle vor dem Büro bekommt das Fundament entzogen, der Rest dringt aber immer noch deutlich zu den Ohren durch. Die reduzierende Wirkung hält sich also in Grenzen und bleibt weit hinter der Leistung von z.B. den aktuellen Bose QuietComfort Earbuds (zum Test) zurück. Aber: für eben mal so ist das ANC in den Elite 75t brauchbar, zumal sich klanglich beim Zuschalten wenig verändert und der Rauschpegel kaum ansteigt. Die Laufzeit der 75t reduziert sich bei dauerhaft geschaltetem ANC um etwas mehr als zwei Stunden auf knapp fünf Stunden. Was soll‘s? Dafür bekommt man etwas mehr Ruhe.

Update-Fazit

Jabra zeigt es der Konkurrenz und liefert ein ANC-Update für In-Ears, die vorher kein ANC hatten. Einfach so, Over the Air und umsonst! Dass diese aktive Geräuschunterdrückung dabei eher mild ihren Dienst verrichtet und aktuellen Systemen nicht mehr das Wasser reichen kann, ist sicherlich suboptimal, aber verkraftbar. Zumal das Gesamtpaket unter dem Update nicht leidet oder gar schlechter wird. Insgesamt ist es ein gutes Zeichen für Werterhalt und gegen Obsoleszenz technischer Gadgets. Gut so, Jabra!

Out of the box

In der Packung mit der markanten gelben Signalfarbe befindet sich, was zu ordentlichen True Wireless In-Ears dazu gehört: In-Ears, Lade-Case, Ladekabel von USB-A auf USB-C sowie drei Paar Ohrpassstücke (hier EarGels genannt) in den Größen S, M und L. Mit den passenden EarGels sitzen die nach Schutzart IP55 zertifizierten Elite 75t ordentlich fest in den Ohren, und auch die mechanische Abschirmung zur Außenwelt ist sehr gut. Dank der kompakteren Abmessung tragen die 75t am Ohr nicht mehr so auf und wirken unauffälliger. Jabra verspricht also nicht zu viel.

Die Kopplung via Bluetooth 5.0 verläuft vollkommen problemlos. Dank Multipoint klappt das mit einem Telefon und einem Laptop gleichzeitig, so dass man mit der einen Quelle Musik hört, bis jemand auf der anderen Quelle anruft. Dank der gut verständlichen Sprachansagen läuft alles fast wie von selbst.

Das neue Case

Das Lade-Case hat jetzt USB-C, ist kleiner als das der 65t und lässt sich deutlich besser öffnen. Auch gestaltet sich das Einlegen der In-Ears einfacher und die Haltemagneten haben etwas mehr Anzug. 7,5 Stunden halten die Akkus in den In-Ears, dreimal werden sie dann vom Case gefüllt, welches innerhalb von 15 Minuten Strom für eine Stunde in die 75t pumpen kann. Verbesserungen in Hardware und Laufzeit haben somit auch hier stattgefunden, was sehr zu begrüßen ist.

Bedienung

Über die beidseitigen Schaltflächen mit angenehmem Druckpunkt sind die Elite 75t sehr gut und zielsicher steuerbar, wobei links und rechts unterschiedliche Befehle zugeordnet sind, die man in der App (siehe unten) übersichtlich präsentiert bekommt: „Start“, „Stop“, „Telefon“, „Skip“, „Volume“, „digitaler Assistent“ und „Hearthrough“ – also die Außengeräuschzumischung über die eingebauten Mikros – sind alle am Ohr steuerbar, und somit bleibt das Device in der Tasche. Nimmt man einen Stecker aus dem Ohr, stoppt das Programm und wird fortgesetzt, sobald der Stecker wieder drin ist.

Sound+ App

Die App „Sound+“ bietet umfangreiche Einstellungs- und Steuermöglichkeiten für die Elite 75t. Unter anderem stellt sie Updates für die Hardware bereit oder stellt den Grad der Außengeräuschdurchlässigkeit ein. Auch kann man hier bestimmen, ob Alexa oder der jeweilige OS-Assistent seine Dienste anbietet. Des weiteren können mit dem EQ umfangreiche Klangeinstellungen vorgenommen werden, die man sogar als eigene Presets hinterlegen kann. Der Ladestand der In-Ears als auch des Case sind ablesbar und die Sprachpakete der Ansagen können verwaltet werden. Über „Find My Jabra“ wird die Suchfunktion aktiviert, die sich den letzten Punkt einer Verbindungstrennung merkt, so dass man weiß, wo man eventuell verlorene In-Ears suchen muss. Dazu kommen eine umfangreiche Dokumentation sowie eine interaktive Darstellung der Steuerungsbefehle an den In-Ears. Auch Telefonfunktionen sind einstellbar, wie ein Mithörton, der die Lautstärke der eigenen Stimme am Ohr justiert oder wie bass- bzw. höhenlastig der Anrufer zu hören ist. Und es gibt einen Fokus-Modus, in welchem verschiedene Sounds wie Regen, Brandung oder Wind gespielt werden, um sich besser konzentrieren zu können. Zu guter Letzt kann man noch festlegen, ab welcher Zeit der Inaktivität außerhalb des Lade-Case die Jabras in den Ruhemodus gehen sollen, damit sie nicht den ungewollten Akkutod erleiden.

Mit „Sound+“ liefert Jabra somit seinen In-Ears eine hervorragende App mit, die viel bietet und ein leuchtendes Beispiel dafür ist, wie man es richtig macht mit der Software-Hardware-Verknüpfung.

Telefonfunktionen

Besonders hebt Jabra – neben gutem Klang und dem hohen Tragekomfort – das Telefonieren hervor, welches über vier eingebaute Mikrofone störgeräuscharm und qualitativ hochwertig sein soll. Und in der Tat ist die Stimme gut verständlich. Selbst wenn eine Straßenbahn direkt neben uns abfährt, bemerkt die Gegenseite zwar die Auslöschungsversuche der Jabras, kann mit der Frequenzschere, die da aktiv wird, aber gut leben. An der Sprachqualität gibt es also nichts zu bemängeln, die Funktion „Abhörton“ fällt dagegen etwas ab: Die eigene Stimme wird dem Gespräch zugemischt, was einen unangenehmen Halleffekt bewirkt, der aber nach Abschalten dieses Features verschwindet.

Klang

Was beim ersten Anhören zunächst auffällt, ist bei Stille ein leichtes Grundrauschen im AAC-codierten Stream, das aber bei der Wiedergabe überdeckt wird. Die 6-mm-Treiber liefern dann ab Werk einen angenehmen und ausgewogenen Klang, der sich über die komplette Bandbreite entfaltet und auf einer ordentlich weiten Stereobühne viele Facetten sicht- bzw. hörbar macht, was einen insgesamt guten Eindruck hinterlässt. Was fehlt, ist die Wucht von unten und eine gewisse Transparenz in den Mitten, was dem Gesamtbild etwas die Strahlkraft nimmt. In der App finden wir aber einen EQ, mit dem der Klang über fünf Bänder selbst manipuliert oder durch zahlreiche Presets voreingestellt werden kann. Ist die richtige EQ-Kurve gefunden, kommt das dem Bass sowie den Mitten deutlich zugute. Auch bei den Höhen können wir so mehr Luftigkeit herauskitzeln.

Insgesamt kann man sich mit dem Klang der Elite 75t sehr wohl fühlen. Und im direkten Vergleich mit den Elite 65t fällt auf, dass der Sound frischer, durchzugsstärker und etwas reifer ist, was aber nicht heißt, dass die Elite 65t deutlich abfallen oder schlechter sind.

Sven Opitz
vor 1 Monat von Sven Opitz
  • Bewertung: 4.63
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Die Jabra Elite 75t überzeugen auf ganzer Linie, weil offensichtlich an vielen Details Veränderungen vorgenommen wurden, die den gelungenen Gesamteindruck verstärken. Die neue Form sowohl der In-Ears als auch des Lade-Case wissen zu gefallen, weil das kompaktere Design im Ohr sowie in der Hosentasche weniger Platz braucht und insgesamt gefälliger und moderner erscheint. Die klare Grundabstimmung des Klangs sowie die Sound+ App, die viele Einstellungs- und Individualisierungsmöglichkeiten bietet, sind ebenfalls dicke Pluspunkte, die diesen Kopfhörer derzeit zu einem der besten True-Wireless-Modelle auf dem Markt machen.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Gewicht ohne Kabelje 5,5 g; Lade-Case 35 g
  • Kabellänge300 cm

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke (S, M, L)
  • USB-C-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • in Gold/Beige und Schwarz/Grau erhältlich
  • BT-Codecs: SBC, AAC
  • BT-Version: 5.0
  • BT-Profile: HSP v1.2 , HFP v1.7, A2DP v1.3, AVRCP v1.6, SPP v1.2

11 Antworten auf “Jabra Elite 75t”

  1. Avatar Jan sagt:

    Unter anderem wegen diesem Test habe ich mir die Kopfhörer in der „active“-Variante gekauft. Ich habe es bereits eine Woche nach dem Kauf bitter bereut!
    Der Produktbeschreibung und Werbung zufolge müssten diese Kopfhörer quasi unverrückbar im Ohr sitzen. Tatsächlich ist mir die rechte Earbud in nahezu erschütterungsfreier Situation aus dem Ohr gesprungen. Leider so ungünstig, dass ich ihn nicht wiederfinden konnte.
    Bevor ich jetzt für naiv oder sonstwas gehalten werde: Ich lese Bedienungsanleitungen und befolge sie. Davon abgesehen, kann man hier nicht so viel falsch machen.

    Die nächste Enttäuschung ist dann der Kundenservice gewesen. Ewige Antwortzeiten, kein Wort des Bedauerns, Angebot eines unangemessen geringen Rabatts auf den Nachkauf der rechten Earbud, die es aktuell gar nicht einzeln zu kaufen gibt…
    Der Kundenservice hat es auf jeden Fall geschafft, eine Enttäuschung zu manifestieren und mich zum erklärten Gegner dieser Firma gemacht.

    Ich kann vom Kauf nur abraten.

    Seit diesem Erlebnis habe ich mich ein wenig intensiver im Netz umgeschaut und festgestellt, dass es an enttäuschten Kunden nicht mangelt. Woran das wohl liegt?

  2. Avatar Benjamin sagt:

    Ich hab bei den 65t nach ziemlich genau einem Jahr (11 Monate und ein paar Wochen) beim rechten Kopfhörer fast keine Lautstärke mehr gehabt. Nur bei absoluter Umgebungsstille konnte ich hören, dass der Kopfhörer überhaupt noch Ton abgibt. Nun nach ca 15 Monaten sind die Akkus beider Kopfhörer nach ziemlich genau 1h und 20 Minuten Benutzung Musikhören leer und müssen aufgeladen werden. Wie ist die Akkuladezeit der 75t?

    • Avatar Benjamin sagt:

      Da ich meinen Kommentar nicht mehr bearbeiten darf, hier die überarbeitete Version, die sich besser lesen lässt und mehr Infos bietet:

      Mikrofon – wie und wann habt Ihr getestet?
      Ich hab bei den 65t nach ziemlich genau einem Jahr (11 Monate und ein paar Wochen) beim rechten Kopfhörer fast keine Lautstärke mehr gehabt. Nur bei absoluter Umgebungsstille konnte ich hören, dass der Kopfhörer überhaupt noch Ton abgibt. Ihr habt bei den 75t nur initial getestet, nicht nach mehreren Monaten erneut, oder?

      Akku Langlebigkeit
      Nun nach ca 15 Monaten sind die Akkus beider Kopfhörer nach ziemlich genau 1h und 20 Minuten Benutzung Musikhören leer und müssen aufgeladen werden. Wie ist die Akkuladezeit der 75t?

      Mein gesamter Bericht zu den 65t.

  3. Avatar Cinias sagt:

    Meine Langzeiterfahrung mit den Jabra ist geteilt. Musik klingt phantastisch, zum telefonieren leider ungeeignet – sowohl bei Android (Samsung S20, BlackBerry KEYone, Huawei P30) als auch Apple (6s, 8, 11Pro). Die Nebengeräusche werden verstärkt an den Gesprächspartner wiedergegeben als die Stimme (die vorbei fahrenden Autos). Telefonieren ist so gut wie unmöglich…

    • Avatar Benjamin sagt:

      Das ist mir bei den 65t anfangs nicht so gegangen – aber sie haben sich nach geschätzt 8 Monaten Nutzung auch so verhalten – ich habe sie an eine Freundin gegeben, die mich angerufen hat (iphone XR zu iPhone 7) und ich habe nur noch die vorbeifahrenden Autos oder die U-Bahn-Türen gehört und nicht mehr die Freundin.

  4. Avatar Marcel Mainusch sagt:

    Sehr guter und hilfreicher Test, eine Frage bleibt bei mir aber unbeantwortet: Kann man die Kopfhörer auch als Headset am PC nutzen, z. B. für Skype? Bin viel im Home-Office und die Kopfhörer sind ja ideal zum Musik hören UND telefonieren, da wäre es praktisch sie auch in der Skype-Konferenz zu nutzen. Jabra selbst empfiehlt das nicht, aber vielleicht funktioniert es ja trotzdem.

    Danke für Eure Auskunft!
    Viele Grüße,
    Marcel

    • Avatar Benjamin sagt:

      Das mache ich mit den 65t. Ich nutz(t)e sie ausschließlich als einziges Headset mit drei verschiedenen Laptops (DELL, ACER und Predator) und fand die Qualität sehr gut. Nur der Dell Rechner hatte wohl kein starkes Bluetooth weshalb ich immer nah beim Gerät bleiben musste. Es gibt eine Jabra App für Windows (die man ungefähr alle 3 Tage updaten muss ^^)

  5. Avatar Jonas sagt:

    Hallo,

    Vielen Dank für den guten Test der Jabra Elite 75t. Ich vermisse hier jedoch einen Abschnitt zur Verbindungsqualität. Zahlreiche Rezensionen online bemängeln das Abbrechen der Verbindung des linken Kopfhörers und auch ich musste gestern selbst diese schlechte Erfahrung machen.

    Danke vorab für eure Rückmeldung, ob dies im Test bei euch auch der Fall war oder es sich um Einzelfälle handelt.

    Viele Grüße,
    Jonas

  6. Avatar Stefan sagt:

    Super Test! Wie verhält es sich mit den Einstellungen der App?
    bleiben die Parameter (Zb. EQ) gespeichert, auch wenn ich die Musik nicht über das Handy abspiele, sondern über meinen Fiio M5?
    Weißt du dazu etwas?

    • Redaktion Redaktion sagt:

      Hallo Stefan, vielen Dank für dein Kommentar. Mit einem Fiio haben wir das nicht getestet, aber stellt man via iOS App den EQ ein und wechselt dann den Zuspieler (in unserem Falle ein iPad ohne Jabra App), bleiben die EQ-Einstellungen im Kopfhörer erhalten.

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