Ein wenig gedauert hat es ja schon, bis Sennheiser auf den Zug der True Wireless In-Ears aufgesprungen ist, und einem Ableger seiner Momentum-Reihe die Kabel abgeschnitten hat. Technisch ist das bekanntermaßen kein Hexenwerk mehr und in dieser Geräteklasse tummeln sich mittlerweile etliche – mehr oder weniger audiophile – Anbieter, so dass Sennheiser nur zwei Möglichkeiten hatte, um aus der Masse hervorzustechen: billig und schlecht oder teuer und gut. Glücklicherweise hat man sich für Letzteres entschieden und dabei so ziemlich alles richtig gemacht, was man in dieser Kategorie richtig machen kann.

Geschüttelte Kartonage

Die einen sprechen mit der Umverpackung den Sportler an, die anderen den Urban Hipster oder scheuen sich nicht, noch den simpelsten Karton irgendwie modisch aufzuladen. Sennheiser bleibt hier seiner Linie treu: Schlichte Eleganz und nichts, was die Konzentration auf das Wesentliche – also die Kopfhörer und was sie können – stört. Das ist ganz sicher charmant, was mir aber bei diesem „300-Euro-Erlebnis“ ein bisschen fehlt, ist ein gewisses Abfeiern des Auspackens. Das hat man mit dem Sennheiserkarton leider nicht, denn der ineinandergeschobene Zweiteiler erklärt sich zunächst äußerst widerwillig und nur unter einigem Geschüttele dazu bereit, sein Inneres freizugeben.

Schwamm drüber

Das ist aber das Einzige, was nicht so elegant wirkt, denn Haptik und Anmutung sowohl der Ohrhörer als auch des stoffüberzogenen Ladecases sind über alle Zweifel erhaben und schon ergreift einen dieses wohlige Gefühl, mit der Entscheidung für dieses Produkt alles richtig gemacht zu haben.

Zur Auswahl stehen vier Paar Ohrpassstücke von XS bis L, die schnell angebracht sind und einen hervorragenden Sitz und Verschluss im Ohrkanal bewirken, so dass keine Sorgen aufkommen, einen oder gar beide Ohrhörer bei einer unachtsamen Bewegung zu verlieren. Die ganze Rückfläche der Kopfhörer ist ein Sensor und durch beidseitige Berührung selbiger für fünf Sekunden wird der Pairing-Prozess mit dem Abspielgerät eingeleitet. Bluetooth 5.0 ist der Transportweg, SBC, AAC, aptX und aptX Low Latency sind die Codecs, wobei letzterer besonders geeignet ist für geringen Versatz von Bild und Ton. Zusätzlich kann man sich noch die App „Smart Control“ auf sein iOS oder Android Device installieren, um erweiterte Funktionalitäten für die Momentum zu bekommen, als da wären: ein visuell sehr ansprechender Equalizer, mit dem man durch einfaches Verschieben eines Punktes innerhalb eines Koordinatensystems von hoch/tief und dumpf/klar den Sound ganz fein justieren kann. Des Weiteren kann man einen Transparenzmodus schalten, der die Mikrofone in den In-Ears aktiviert, damit man ein wenig von der Außenwelt mitbekommt, während man Musik hört.

Das Wichtigste

Der Klang der Sennheiser Momentum True Wireless ist wirklich sehr gut, gar fantastisch: Satte Bässe, die in sich sogar fein zeichnen, klare Höhen und sehr gute Mitten ergeben ein Klangbild, welches ich schon lange nicht mehr in dieser Klasse gehört habe. Die übliche poppige Playlist bekommt mit „Solo“ von Clean Bandit einen druckvollen Auftritt, komplexe Soundstrukturen von Schiller öffnen sich weit vor meinen Ohren und lassen einen tief in das Arrangement eintauchen, wobei eine angenehme Ausgewogenheit sanft den Gehörgang streichelt. Klassische Musik bekommt Ausdruckskraft. Kontrabässe und Celli rollen breit und kräftig unter Geigen und Vibrafon. Der Klang ist füllig und reif, satt und kräftig. Die Lautstärke ist mehr als ausreichend und das Stereobild sowie die Bühne breit und weit. Der beste Klang, den ich bisher ohne Kabel im Ohr gehört habe, dabei noch fein steuerbar mithilfe des Equalizers aus der App. Sehr gut, Sennheiser – da hat sich das Warten ja gelohnt!

Die Steuerung

Gesteuert werden die Momentum mit den Sensorflächen an der Außenseite, wobei ein Blick in die App oder die beigefügte Anleitung hilft, die Steuerung zu erlernen. Links ist Start/Stop, Skip vor oder zurück bei einmal, zweimal, dreimal Tippen. Ein längeres Berühren der Sensorfläche senkt die Lautstärke, am rechten Ohrhörer bewirkt es ein Anheben des Volumens. Dort ruft einmal Tippen den bevorzugten digitalen Assistenten herbei oder steuert Anrufe, zweimal Tippen aktiviert den Transparenzmodus. Jedes Tippen wird dabei mit einem kurzen Ton, jedes Doppel- und Dreifachtippen mit einer ansteigenden Tonfolge quittiert, was eine wertvolle Rückmeldung der Aktionen liefert, weil es gerade am Anfang noch nicht so leicht mit dem Einfach- oder Mehrfachtippen von der Hand geht. Doch ist die Unsicherheit in der Bedienung schnell überwunden und verinnerlicht. Alle klappt zuverlässig und zielsicher.

Das Ladecase

Das graue, stoffummantelte Ladecase mit USB-C Anschluss ist von angenehmer Größe, trägt allerdings in der Hosentasche etwas auf. Ein Knopf und ein einzelnes LED-Lämpchen informieren über den Ladestand des eigenen Akkus oder denen der In-Ears, die sich sanft, sicher und magnetgeführt in den dafür vorgesehenen Lademulden versenken lassen. Vier Stunden liefern die Momentum Musik aus, mit dem Ladecase als Zwischenstation noch zweimal mehr.

Kritikpunkte

Gibt es Kritikpunkte an den Sennheiser Momentum True Wireless? Eigentlich nicht. Telefonate über die Mikros der In-Ears werden vom Gegenüber als angenehm und gut hörbar empfunden, auch wenn die Mikros gerne schnell und intensiv von der Außengeräuschunterdrückung Gebrauch machen, was hin und wieder die Stimme ganz leicht anschneidet.

Auch funktioniert der Transparenz-Modus gut – die Zumischung der Mikros in die Musik ist angenehm und unauffällig, wenn auch in leiseren Passagen ein leichtes Rauschen zu vernehmen ist.

Wenn ich, neben dem nicht so spektakulärem Auspackerlebnis, vielleicht noch ein Fitzelchen Kritik nennen wollte, dann dass der Equalizer mir ein bisschen zu verspielt daher kommt, weil mir anfangs nicht so ganz klar war, wohin ich den Punkt schieben muss, um welches Klangbild zu bekommen. Aber ein wenig probieren hat ja noch niemandem geschadet.

Fazit: Sennheiser Momentum True Wireless
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Mit den Momentum True Wireless In-Ears hat Sennheiser alles richtig gemacht. Die sehr gut verarbeiteten und stabilen Kopfhörer ohne Kabel klingen hervorragend, transparent und satt. Das Ladecase sieht elegant aus und macht was her. Wer sich dazu entscheidet, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, wird mit einem ausgezeichneten und wertigen Produkt belohnt, worauf sich das Warten allemal gelohnt hat.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 21.000 Hz
Gewicht mit Kabel
Ohrhörer und Ladebox: 69,8 g; beide Ohrhörer: 13,2 g; Ladebox: 56,6 g

Lieferumfang

  • 4 Paar Ohrpassstücke (XS, S, M, L)
  • USB-C-Ladekabel
  • Ladecase

Besonderheiten

  • BT-Version: 5.0
  • BT-Profile: HSP, HFP, A2DP, AVRCP
  • BT-Codecs: aptX, aptX LL, AAC, SBC
  • Akkulaufzeit: bis zu 4 Std.
  • Ladezeit: ca. 1.5 Std.

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