SPL Phonitor xe

Audiophiler stationärer Kopfhörerverstärker mit Voltair-Technik

Das Flaggschiff unter den SPL-Kopfhörerverstärkern ist das Modell Phonitor xe. Im Unterschied zum preislich ähnlich gelagerten Phonitor x, der mit seinem symmetrischen Ausgang auch als Vorstufe für Endstufe und Lautsprecher genutzt werden kann, versteht sich der Phonitor xe als reiner Kopfhörerverstärker für höchste Ansprüche. Wahlweise entscheidet man sich dabei für eine Version mit oder ohne integrierten D/A-Wandler, der gegenüber den weiteren Modellen der Phonitor-Reihe nochmals verbessert wurde.

Schon das 5,1 kg schwere Gehäuse lässt die Herzen jedes Hifi-Liebhabers höher schlagen. SPL aus Niederkrüchten am Niederrhein schöpft hier aus den Vollen: Der in den Frontfarben Silber, Schwarz und Rot verfügbare Phonitor xe ist gleichermaßen dekorativ, wertig und robust gefertigt – das Netzteil ist integriert. Bei der technischen Konzeption und Ausstattung greift der Hersteller auf seine lange Historie aus dem Bereich der Tontechnik und dem Mastering-Bereich zurück, weshalb die Serie auch den Namen Professional-Fidelity trägt.

Ausstattung

Geboten werden unsymmetrische Cinch- und symmetrische XLR-Eingänge in der getesteten Analogversion sowie vier weitere Eingänge in der Version mit integriertem Wandler. An der Frontseite findet sich neben dem großen, wertig gleitenden Alps-RK27-Pegelsteller, der Schalter für die Quellenwahl, die zuschaltbare hauseigene Phonitor Matrix mit zwei regelbaren Parametern sowie ein Mono/Stereo-Umschalter mit zusätzlicher Option zum Regeln der Stereo-Balance (Lateralität).

Kopfhörer lassen sich über eine 6,3-mm-Klinkenbuchse oder einen symmetrischen XLR-4-Anschluss nutzen. Beide Buchsentypen sind, umschaltbar, front- und rückseitig vorhanden. Hinzukommen zwei klassische, dreifach umschaltbare beleuchtete VU-Meter, die den Eingangspegel visualisieren. Abschließend bietet der Phonitor xe noch zwei DIP-Schalter auf der Geräteunterseite, mit denen sich Bezugspegel für den Cinch-Eingang einerseits anpassen (-10dBV/0 dBu) und der Kopfhörerausgang mit einer Pegelanhebung von 22 dB versehen lässt.

Analogseitig verlässt sich SPL auf die hauseigene Voltair-Technik. Dabei werden eigens entwickelte Operationsverstärker mit einem Arbeitsbereich von +/- 60 Volt eingesetzt, die den Spannungsbereich konventioneller Bauteile um den Faktor 4 übertreffen und resultierend daraus für einen verbesserten Störabstand und eine erhöhte Dynamik sorgen sollen. Tatsächlich sind die Messdaten dieser Bauteile mit einer Dynamik von 140 dB und einem Rauschabstand von 114 dB (Herstellerangaben) beeindruckend. Gleichzeitig wächst die Übersteuerungsreserve und der Verstärker braucht, bezogen auf den Bezugspegel, nahezu nie in seinem Grenzbereich arbeiten.

Ungewöhnlich ist die Sektion, die sich der Stereo-Balance widmet. Hier lässt sich die Klangwiedergabe zwischen Mono und Stereo umschalten sowie der Regler Laterality aktivieren, mit dem sich Unterschiede der Kanallautstärken kompensieren lassen – sinnvoll bei Hörschwächen, aber auch bei unausgewogenen Stereosignalen.

Wird das Gerät mit Wandler geordert, hat man zusätzlich Zugriff auf die Anschlüsse AES/EBU, S/PDIF koaxial und optisch sowie USB 2.0. Als Wandler kommt dabei der DAC768 zum Einsatz mit analoger Filterung (DLP120). Der eingesetzte D/A-Wandler stammt von AKM (AK4490) und gestattet schnittstellenabhängig Abtastfrequenzen bis 768 kHz und 32 Bit sowie DSD bis 11,2 MHz (DSD256). Die analoge Filterung im DLP120 ist getrennt für den PCM- und den DSD-Teil ausgeführt und setzt im Unterschied zum Phonitor se (zum Test) ebenfalls auf Voltair-Technik.

Mich selbst hat die Wandleroption zunächst irritiert. Tatsächlich aber adressiert SPL hier Kunden mit höchstem Anspruch an die Musikwiedergabe, die oft im Besitz teurer Wandler sind, die weiterhin zum Einsatz kommen sollen. Entsprechend gibt es nicht unbedingt Bedarf für die Extrakosten eines integrierten Wandlers.

Praxis

Funktional gibt es am Phonitor xe nichts zu bemängeln, sieht man einmal von der fehlenden Pentaconn-Schnittstelle ab. Die Bedienung ist klar und die zugehörigen Bedienelemente hochwertig und vollständig. Die Ausgangsleistung liegt impedanzabhängig zwischen 0,7 und 8 Watt pro Kanal (XLR-4, 32/600 Ohm). In der Praxis lassen sich damit und unter Hinzunahme des DIP-Schalters selbst explizit leise Konstruktionen zu kräftigen Pegeln bewegen.

Dank multipler Ausgänge findet sich für jede Situation der passende Anschluss, wobei die Ausgänge übrigens bewusst aufgrund veränderter Impedanzen nicht parallel geschaltet wurden. Den Phonitor xe nutzt also immer nur eine Person.

Ein überzeugendes Detail ist die mögliche Fernbedienbarkeit der Lautstärke. Der Lernvorgang ist herrlich einfach und funktioniert mit jeder Infrarot-Fernbedienung. Im Resultat wird der Pegelregler wie von Geisterhand bewegt.

Die analog umgesetzte Phonitor Matrix hat das Ziel, die Klangwiedergabe über Kopfhörer dem Klangbild eines Lautsprechers anzunähern. Der Hintergrund dazu: Nahezu jede Tonaufnahme wird über Lautsprecher gemischt und abgestimmt. Die Wiedergabe über Kopfhörer differiert allerdings aus unterschiedlichen Gründen von dieser Abstimmung. So gibt es eine perfekte Kanaltrennung, die man weder bei Lautsprechern noch in der Natur (oder auf einem Konzert) vorfindet. Tatsächlich erreichen dort auch Signale des linken Kanals das rechte Ohr und umgekehrt. Dazu geht dieses Übersprechen aufgrund der menschlichen Physiognomie sogar mit einer Filterung der hohen Frequenzen einher. Weiter kommt es bei Kopfhörern zu einer Lokalisation der Schallereignisse „im Kopf“, während der Lautsprecher „vor“ dem Hörer spielt. Entsprechend gibt es weitere Unterschiede im Höreindruck, die sich quellenabhängig, auf Pegelanteile einzelner Frequenzen, die Breite der Stereobühne und die Tiefenstaffelung auswirken. SPL stellt hierzu ein erklärendes Video zur Verfügung.

Wer nun entgegnet, dass der Klang mit einem Kopfhörer durchaus betont spektakulär ist, liegt zwar richtig, befindet sich im Sinne einer realistischen Beurteilung einer Abmischung jedoch im Nachteil. Und genau hier soll die konfigurierbare Phonitor Matrix Abhilfe schaffen. Sie setzt das gefilterte Übersprechen zwischen den Kanälen mit einem sechsstufigen Schalter (Crossfeed, bis zu 30 Prozent) sowie den Aufstellungswinkel der Lautsprecher mit einem vierstufigen Schalter um (20 bis 55 Grad). Mit letzterem Parameter steuert man die sogenannte interaurale Zeitdifferenz, die je nach Winkel zwischen 150 bis 490 Mikrosekunden beträgt. Eine zusätzliche Pegelkompensation des Mittensignals (Center-Level) für eine korrekte Einbettung der Stereomitte nach Anwendung des Crossfeed-Parameters ist wie in den Modellen Phonitor se (zum Test) und Phonitor One (zum Test) fest auf -1 dB voreingestellt. Auch hier bietet SPL Unterstützung in Form von Hörbeispielen, die ihr bei Interesse bitte mit einem Kopfhörer anhören solltet: https://youtu.be/UoOv7NImi84.

Den Regler für die Stereo-Balance kennt man von seiner Stereoanlage, um eine Asymmetrie der Lautsprecher zu kompensieren. Man sollte eine entsprechende Funktion nicht snobistisch als störendes Glied in der Wiedergabekette abtun, denn es gibt Menschen, die mit einer gesundheitlichen oder altersbedingten Hörschwäche leben, die sich natürlich unterschiedlich auf beiden Ohren äußern kann. Je nach Intensität werden solche Unterschiede zwar durch unser Gehirn kompensiert, erfordern aber eben auch mehr „Rechenaufwand“ im Gehirn – erst recht bei Einsatz eines Kopfhörers mit perfekter Links/Rechts-Aufteilung. Doch nicht nur das: Das menschliche Gehör ist individuell ausgeprägt. Dabei unterscheidet sich die Wahrnehmung von Räumen, Tiefenstaffelungen und Pegelintensitäten durchaus von Person zu Person – physiognomische Ausprägungen, die über das Gehirn ausgewertet und für den Alltag adaptiert werden. Vielleicht wisst ihr selbst gar nicht um eine solche „Abweichung“ von der perfekten Linearität. Und genau deshalb offeriert der Phonitor xe eine zuschaltbare Lateralitätsregelung, mit der sich die Stereo-Balance verändern lässt. Der Regler arbeitet mit in einem eher dezenten dafür fein aufgelösten Bereich von maximal 2,25 dB und bietet eine automatische gegenläufige Kompensation der gegenüberliegenden Seite.

Da das Testgerät ohne digitale Wandler kam, konnte dieser nicht getestet werden. Ich gehe allerdings von einer identischen und damit problemlosen Anbindung unter Windows, macOS und iOS wie im Phonitor se (zum Test) aus.

Klang

Als Kopfhörerverstärker lässt der Phonitor xe so gut wie keine Wünsche offen. Im Test arbeitete er souverän mit dem HD 800 S (zum Test) und HD 660 S (zum Test) von Sennheiser. Insbesondere in Kombination mit erstgenanntem Kopfhörer sind der Detailreichtum, die Dynamik- und Raumabbildung schlicht atemberaubend. Bei den technischen Daten zum Rauschabstand und des Frequenzgangs befindet man sich gleichermaßen auf höchstem Niveau.

Im Vergleich zu einfacher konzipierten dedizierten Kopfhörerverstärkern ist ein klanglicher Zuwachs feststellbar, gegenüber integrierten Lösungen von Audio-Interfaces oder Hifi-Komponenten allemal. Umgekehrt würde ich mich aber weniger weit aus dem Fenster lehnen und den Phonitor xe aus „doppelt so gut“ wie das Modell Phonitor se (zum Test) bezeichnen. Man bewegt sich mit dem Testgerät konstruktiv im obersten Bereich, der vergleichsweise kostspieliger in jeder Hinsicht ausfällt. Die hohen Erwartungen angesichts des Preises werden jedoch für meine Begriffe durchgängig erfüllt und werden umso deutlicher, je besser die Gesamtqualität der Signalkette vom Wandler über den Verstärker bis zum Kopfhörer ausfällt.

Zu den Stärken einer solchen Kombination gehört die herausragend schnelle Ansprache, die präzise Verortung im Stereopanorama und das Aufzeigen selbst feinster Nuancen im Zeitbereich, Rauigkeiten von Stimmen und von Nebengeräuschen. Im Phonitor xe lässt sich dieser Klang in höchsten Maße genießen. Er bietet aber auch die Möglichkeit, mit einer akustischen Lupe in das Frequenz- und Zeitspektrum des Quellmaterials hineinzuleuchten, was auch professionelle Anwender bei der Arbeit goutieren werden.

Die Auswirkung der Phonitor Matrix ist stimmig und vom Quellmaterial abhängig. Mal ist eine Veränderung deutlicher, mal eher dezent wahrnehmbar. Generell wird die Mischung etwas enger und wandert nach vorne. Weit links und rechts platzierte Klangelemente können dabei im Pegel nachfolgend abfallen. Die Klangerlebnisse mit der Phonitor Matrix sind keine Effekthascherei, sondern im besten Sinne natürlich. Geht man davon aus, dass eine Mischung auf Lautsprechern erstellt wurde, dann ist der Wunsch berechtigt, diese auch im Kopfhörerbetrieb so hören zu können, wie diese durch den Toningenieur angelegt wurden.

Die Phonitor Matrix erfüllt dieses Ziel zu einem guten Teil, indem sie den Klang an eine Lautsprecherwiedergabe annähert. Die Phantommitte wird dabei gestärkt, Hallräume treten weiter in den Hintergrund.

Man sollte seinem Gehör aber die Zeit gönnen, sich über einige Titel an den angepassten Klang zu gewöhnen, ehe man auf die Standardkonfiguration testweise zurückschaltet. Bei schnellen A/B-Vergleichen punktet der Kopfhörer oft mit seinen Superlativen. Schaltet man hingegen von der Phonitor Matrix zurück, kommt es umgekehrt vor, dass man selbiges Superpanorama als unnatürlich wahrnimmt.

Definitiv bietet die Schaltung Toningenieuren und kritischen Musikhörern eine erhöhte Kompatibilität zur Lautsprecherwiedergabe und damit zur „Wahrheit einer Mischung“. Exemplarisch wurde dies etwa bei Tori Amos „1000 Oceans“ deutlich, bei dem die stimmige Mischung mit und ohne Phonitor Matrix deutlich unterschiedlich klang. So war das Klangbild im Kopfhörer breiter, aber auch zerrissener. Gleichzeitig gab es auch Unterschiede bei der Klangfülle und dem Klangcharakter des Bösendorfer-Flügels. Ich würde keine der Varianten schlechter nennen, aber faktisch hörte ich zwei Mischungen. Ähnliches ließ sich auch bei Slayers „Repentless“ feststellen, das über die Phonitor Matrix deutlich weniger mittenbetont und schlanker ausfiel.

Zu guter Letzt möchte ich das Vorhandensein der Phonitor Matrix sowie des Monoschalters aus einem weiteren Grund loben: Überbreite Klangbilder basieren teils auf Phasenmanipulationen, die sich auf die Monokompatibilität eines Signals auswirken und hier schneller identifizieren lassen. Die Monokompatibilität von Stereomischungen zählt zum tontechnischen Standard, der die Anforderungen für Vinyl, auf Sendestrecken, das Fernsehen, in Soundbars und anderen Bluetooth/WLAN-Lautsprechern berücksichtigt und sich auch im Betrieb mit Audio-Codecs auswirken kann.

Ulf Kaiser
vor 1 Monat von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der Phonitor xe liefert Kopfhörerklang in Perfektion – einen ebenso hochwertigen Schallwandler vorausgesetzt. Souverän treibt das edel verarbeitete Gerät quasi jeden Kopfhörer zu Höchstleistungen in allen Disziplinen, die man an die Klangwiedergabe stellen kann, von bester Detailauflösung über Raum- bis hin zur Dynamikreproduktion. Er ergänzt diese Basis um die überaus wertvollen Sektionen zur Stereo-Balance und die Phonitor Matrix, die tatsächlich für eine authentischere Klangwiedergabe im Sinne der Originalmischung sorgt.

Mit seinem Preis von 2.099 Euro (ohne Wandler) fällt der Phonitor xe doppelt so teuer wie das Modell se aus. Er ist zweifellos nochmals beeindruckender verarbeitet, technisch kompromissloser sowie flexibler in der Anwendung. Die Hörsitzungen untermauern diesen Aufwand, denn es klingt schlicht sagenhaft gut. Sein Preis rechtfertigt sich aus der nötigen Kompromisslosigkeit in der Entwicklung und Fertigung, die bekanntlich auf den „letzten Metern“ eben deutlich ansteigt. Gleichzeitig ist ein Gerät dieser Klasse eben kein Massenprodukt, sondern wendet sich an Liebhaber perfekter Klangkultur mit dem nötigen Budget.

 

Technische Daten

  • BauformVerstärker
  • Gewicht ohne Kabel5.100 g

Besonderheiten

  • Alle technischen Daten findet ihr auf der Produktseite von SPL

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