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Während Beyerdynamic vor wenigen Tagen sein Headphone Lab Plugin (News) für DT-Anwender vorstellte, veröffentlicht Helmut Keller ebenfalls ein Crossfeed Tool für alle Kopfhörer-Nutzer. Das kostenlose Open Source Plugin X Feed simuliert das natürliche Kanalübersprechen von Lautsprechern und zielt auf ein realistischeres räumliches Hörerlebnis beim Kopfhörerhören ab – ohne Herstellerbindung und ohne Kosten.
Das Plugin bildet nach, wie Musik klingt, wenn zwei Lautsprecher jeweils 30 Grad links und rechts vor dem Hörer stehen – die von der European Broadcasting Union empfohlene Aufstellung für Stereosysteme. Technisch kombiniert die Umsetzung laut Keller einen Filter zweiter Ordnung mit einer Verzögerung von 235 Mikrosekunden. Diese Verzögerung entspricht dem Zeitunterschied, mit dem Schall das linke und rechte Ohr erreicht.
Keller wertete HRTF-Messungen aus, wie ein Kunstkopf und 48 Probanden Schall aus verschiedenen Richtungen wahrnehmen. Aus diesen Daten ermittelte er laut eigenen Aussagen Mittelwerte und approximierte sie mit digitalen Filtern. Die Annäherung sei bei tiefen Frequenzen sehr genau und weiche bei mittleren und hohen Frequenzen stärker ab. Der Entwickler verwende bewusst Filter zweiter Ordnung, da die individuellen Unterschiede zwischen Menschen bereits ähnlich groß seien wie die Abweichungen seiner Approximation.
Das Plugin verfügt über einen Parameter „Mono Compatibility“, der zwischen null und 100 Prozent einstellbar ist. Bei null Prozent bleibt das Direktsignal unverändert, bei 100 Prozent werde volle Mono-Kompatibilität erreicht. Keller empfiehlt für typische Stereoaufnahmen einen Wert von etwa 60 Prozent, um Klangfarbenänderungen zu minimieren. Der Equalizer gleiche aus, dass beide Ohren gemeinsam die wahrgenommene Klangfarbe beeinflussen.
Bei aktiviertem Plugin nehmen Hörer Signale auf einem 60 Grad breiten Bogen vor dem Kopf wahr, nicht mehr ausschließlich zwischen den Ohren. Der wahrgenommene Abstand liegt allerdings im Bereich eines Kopfumfangs, nicht bei mehreren Metern wie bei echten Lautsprechern. Für eine realistischere Distanzwahrnehmung wären laut Keller personalisierte Messungen mit Kopfbewegungserkennung erforderlich.
Das Plugin liegt im JSFX-Format vor und läuft nativ in der Digital Audio Workstation Reaper. Mit dem Bridge-Plugin YSFX von Joep Vanlier funktioniert es auf nahezu jedem Plugin-Host. YSFX ist kostenlos als VST3, AU oder CLAP für Windows, macOS und Linux verfügbar. Der Quellcode ist offen und frei nutzbar, kommerzielle Verwendung erfordert jedoch die Zustimmung des Entwicklers. Auf Kellers Website stehen Hörbeispiele mit unbearbeiteten und bearbeiteten Signalen zum Vergleich bereit.
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