Im September 2016 erfolgte ein Paukenschlag: Der Tech-Riese Apple verkündete per Keynote nicht nur den Wegfall des Kopfhöreranschlusses an seinem neuestem Smartphone (und zukünftig sicherlich an allen seinen iDevices) sondern hielt auch gleich für alle, die dabei spontan Schnappatmung bekamen, eine passende Lösung bereit: Kabellose Kopfhörer – die AirPods waren geboren.


[Update vom 22.09.2017]

Ein Jahr ist nun seit der Vorstellung der AirPods vergangen und seit Dezember 2016 gibt es die In-Ears bereits zu kaufen. Lieferschwierigkeiten seitens Apple sorgten immer wieder für Verzögerungen, inzwischen scheint die Verfügbarkeit aber soweit geregelt zu sein. Und mit dem großen Major Release iOS 11 kommen nun endlich offiziell neue Funktionen hinzu, die die AirPods besser machen sollen. Was genau hinzugekommen ist und ob das unsere Over-All-Bewertung beeinflusst, erfahrt ihr hier:

Neue Ladeschale

Mit der Vorstellung des iPhone 8, 8 Plus sowie X führt Apple nun auch kabelloses Aufladen (nach Qi-Standard) ein und weitere Produkte des Tech-Unternehmens werden nach und nach folgen. Was sie bereits auf der Keynote zeigten, war eine Qi-kompatible Ladeschale für die AirPods. Ab wann, zu welchem Kurs die Box für alle bisherigen AirPods-Besitzer erhältlich sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Vermutlich wird Apple dann im nächsten Jahr mit den AirPods 2 nur noch diese Version als Komplettpaket anbieten.

Neue Gesten dank iOS 11

Ein Kritikpunkt in unserem Test waren die einschränkten Kontrollfunktionen via Doppel-Tab auf die Hörer. Während bisher entweder Siri oder Wiedergabe/Pause per Tippen auf einen der beiden Hörer funktionierte, erweitert iOS 11 nun endlich den Funktionsumfang: Nun lassen sich der linke und der rechte Hörer unabhängig konfigurieren und unter den Bluetooth-Einstellungen stehen nun „Siri“, „Wiedergabe/Pause“, „nächster Titel“, „vorheriger Titel“ oder „Deaktiviert“ zur Verfügung. Das wird aber auch Zeit! Warum Apple dafür fast ein Jahr braucht, ist mir allerdings schleierhaft.

Die AirPods klingen anders mit iOS 11

Das war wirklich eine Überraschung: Nach dem Update auf das neue Betriebssystem klingen die AirPods etwas anders. Und zwar voller und lauter! Ist das alles nur Einbildung oder hat Apple ohne etwas zu verraten an der klanglichen Abstimmung der AirPods geschraubt? Der Bassbereich wirkt druckvoller und eine Spur definierter, höre ich meine Test-Tracks durch, fällt auf, dass die großen Akustiknummern nun tatsächlich auch größer klingen, lebendiger wirken und auch in Sachen Glanz endlich mehr passiert. Was es genau mit dieser neuen Sound-Abstimmung auf sich hat, werden wir selbstverständlich genauestens beobachten und darüber auf dieser Seite zeitnah berichten.

Gelungenes Update

Mit iOS 11 legen die AirPods endlich einen Zahn zu, und meine damaligen Kritikpunkte müssen teilweise revidiert werden. Somit bekommen die In-Ears volle vier Sterne in der Kategorie „Sound“, und auch bei „Funktion“ haben sie sich ein halbes Sternchen dazu verdient.

[Update Ende]


Und eigentlich sollten die kleinen Ohrhörer bereits im Oktober auf den Markt kommen, technische Probleme verzögerten jedoch den Verkaufsstart. Da das Weihnachtsgeschäft aber das wichtigste des Jahres ist, war zu erwarten, dass Apple die AirPods unbedingt noch unter den Tannenbäumen von vielen legen wollte.

Aber warum erzeugt ein Kopfhörer so viel Hype? Klar, Apple ist längst aufgestiegen zur Tech-Supermacht, alles was die Kalifornier in die Hand nehmen, wird weltweit millionenfach geteilt, geliked und im Endeffekt auch gekauft. Da dürfen moderne Kopfhörer ja schließlich auch nicht fehlen. Wobei Apple uns da auch inzwischen ein stückweit überrascht: Profi-Rechner werden jahrelang nicht gepflegt, die Herstellung von Monitoren wird eingestellt, und hauseigene WLAN-Router in Rente geschickt. Wie passt da ein Kopfhörer ins Portfolio? Die Konkurrenz ist groß und vor allem im eigenen Lager verkauft die Tochter Beats höchst erfolgreich – und das schon seit Jahren.

Beeindruckende Zahlen

Glaubt man den Analysten von Slice Intelligence, schnellte Apples Marktanteil im Bluetooth-Kopfhörer-Sektor von 0 % auf sagenhafte 26 % beim Verkaufsstart der AirPods – und das innerhalb weniger Wochen. Aus dem Stand schafft diese Firma etwas mit Kopfhörern, das niemand zuvor in so kurzer Zeit geschafft hat. Beeindruckend. Aber, und nun wollen wir zu dem kommen, um was im Endeffekt auch geht: Sind die AirPods ebenso beeindruckend, so magisch, wie Apple selbst?

Am Anfang war das Auspacken

Apples Produkte sind ja quasi das Synonym für Unboxing-Videos im Netz. Die Firma macht sich eben auch um die Verpackung extrem viele Gedanken, und es ist nach wie vor eine Wonne die Geräte auszupacken. Diese Videos erreichen Millionen von Zuschauern – auch das ist beeindruckend. Bei den AirPods ist’s allerdings nicht so spektakulär. Der weiße Relief-bedruckte Karton bietet den AirPods samt Ladeschale, dem Lightning-Aufladekabel sowie den Heftchen (Kurzanleitung sowie Konformitätserklärungen) ein Zuhause. Das haben wir bei anderen Kopfhörerhersteller schon erhabener erlebt.

Also Deckel ab, AirPods-Ladeschale raus und es folgt das erste…

…Pairing

Auch hier beweist Apple einmal mehr, wie leicht zu bedienen Technik sein kann. Das weiße Döschen aufklappen, neben das iPhone (es muss mindestens iOS 10 installiert sein) halten und nur wenige Sekunden später sind sie schon einsatzbereit. Einfacher geht’s nicht und klappt immer auf Anhieb. Bei anderen Bluetooth-Kopfhörern haben wir schon andere Erfahrungen gemacht. Es überrascht aber nicht, man erwartet ja schließlich, dass zwei Produkte aus dem gleichem Hause perfekt harmonieren.

Die Ladeschale

Das weiße Lade-Case ist aus Plastik gefertigt und besitzt einen eingebauten Akku. Dieses Case ist damit nicht nur ein sicheres Transport-Case, sondern erfüllt auch noch einen Zweck: Die kleine Box versorgt die beiden In-Ears mit Strom für bis zu 24 Stunden Musikgenuss, was in unserem Test nicht ganz hinkommt. Eine AirPods-Ladung reicht für circa 5 Stunden, hier liegt der Wert erfreulicherweise etwas darüber, was allerdings auch Lautstärke abhängig ist. Nett ist der Schnelllademodus: 15 Minuten ins kuschelige Häuschen gesteckt, halten die In-Ears circa drei Stunden. Das Case selbst besitzt somit also einen eigenen Akku, der via Lightning-Kabel befüllt werden will. Wer wissen will, welches der drei Gadgets wie viel Prozent geladen hat, klappt das Lade-Case in der Nähe des iPhones oder iPads auf und sieht prompt einen Hinweis-Screen.

Über das Design des Cases lässt sich natürlich streiten, ich empfinde es als ein wenig zu glatt und daher zu glitschig und erinnert stark an ein Döschen Zahnseide. Die beiden Ohrstöpsel schnappen magnetisch ein, und sie heraus zu pulen bedarf ein wenig Geschick, mit einem bestimmten Griff und einer leichten Drehbewegung klappt es ganz gut, bei allzu trockenen Fingern ist dies aber auch ein wenig diffiziler.

Die In-Ears

Der Formfaktor der beiden Stäbchen ist bereits bekannt und fast identisch mit den EarPods, die Apple seinen iPhones beilegt und somit indirekt zu den meist verkauften In-Ear-Kopfhörern zählen müsste. Allerdings scheiden sich an genau diesem Formfaktor nach wie vor die Geister. Den einen passen sie wie angegossen, den anderen rutschen sie ständig wieder raus.

Ich zähle leider zur zweiten Kategorie und so fristen die EarPods schon seit einigen Jahren ein jungfräuliches Dasein in meiner Krimskramsschublade. Allerdings verhält es sich mit den neuen AirPods etwas anders: Sie wirken minimal dicker, was dem Umstand geschuldet sein könnte, dass allerlei Technik hineingestopft wurde, und dadurch, dass keine Kabel an den Stöpseln ziehen, sitzen sie besser und sicherer.

Und wir wissen ja alle: „Sitzt der In-Ear-Hörer locker, haut der Sound uns nicht vom Hocker.“ Auf Deutsch: Wir hören bei den AirPods sofort, wenn sie verrutschen und können korrigierend eingreifen. Es ist aber genau dieser Umstand, der mich dabei auch stört, denn einerseits wollen die AirPods so leicht und unauffällig sein, dass man sie in den Ohren fast vergessen mag, anderseits denke ich beim Tragen permanent daran, auf die beiden In-Ears aufzupassen, um sie eben nicht zu verlieren. Aber die Angst sie beim Moschen in den eigenen vier Wänden oder beim Shopping in der City zu verlieren ist glücklicherweise unbegründet, denn wenn sie aus dem Ohrkanal rutschen, bleiben sie (locker) hängen und fallen eben nicht heraus. Inzwischen hat Apple übrigens die Euro-Preise für einen Nachkauf im Falle eines Verlustes bekanntgegeben: In Deutschland werden 75 Euro pro Ohrstöpsel sowie für die Ladebox fällig. Innerhalb der Garantiezeit kostet ein Akkutausch (nur bei Defekt und nicht durch normalen Verschleiß) 55 Euro danach ebenfalls 75 Euro. Unter Umständen könnte also dann ein Neukauf lohnender sein.

Frauen, zumindest jene, die Wert auf Ohrschmuck legen, könnten mit den AirPods allerdings nicht glücklich werden. Der spontane Hörtest meiner Frau wurde mit einem „Das geht ja gar nicht“ quittiert: Ihre Ohrringe schlugen bei Kopfbewegung gegen die Stäbchen der AirPods und verursachten laute, unangenehme Klopfgeräusche.

Apropos unglücklich: Der Look der AirPods ist gewöhnungsbedürftig. Die Stäbchen zeigen bei manchen Ohren nicht senkrecht nach unten, sondern sind leicht schief (beispielsweise bei mir) vom Ohr weg. Das wirkt tatsächlich so, als ob man sich bei der allmorgendlichen Gesichtspflege vergessen hat, die Zahnbürstenaufsätze oder Wattestäbchen aus den Ohren zu ziehen. Mir war es in der Tat ein wenig peinlich, mit diesen In-Ears in der Öffentlichkeit rumzulaufen. Aber wer weiß, in einigen Monaten oder Jahren gehört so etwas zum Straßenbild dazu, wie heutzutage Smartphones. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass der Formfaktor der AirPods des Sir Jonathan Ives letzter Design-Schluss gewesen sein kann.

Vollgepackt mit Technik

Apple bewirbt die AirPods als magisch, was der verbauten Technik geschuldet ist. Der eigens entwickelte W1 Chip erkennt durch optische Sensoren sowie durch einen Beschleunigungssensor, ob die AirPods in den Ohren sind. Beim Herausnehmen wird also die Musik automatisch pausiert. Und das funktioniert bis auf eine Ausnahme hervorragend. Verbunden mit dem Mac, der mindestens macOS Sierra installiert haben muss, werden die Programme „iTunes“ und „Spotify“ automatisch pausiert. Der Vox-Player, der meine Hi-Res-Audio-Files abspielt, reagiert, auch nach Installation eines Add-ons zur Steuerung via Fernbedienungen, leider nicht. Sicherlich wird ein Update dies bald unterstützen. Im Verbund mit einem iOS-Gerät habe ich keinerlei Probleme: Die Apps „Musik“, „Spotify“, „Soundcloud“, „Audials Radio“ sowie „DS Audio“ pausieren brav bei Entnahme des linken oder rechten AirPods und spielen beim Einsetzen wieder weiter.

La La Siri Land

Sollten die AirPods also mal nicht reagieren, besteht immer noch die Möglichkeit, per (konfigurierbaren) Doppel-Tab auf den linken Hörer Apples Sprachassistentin Siri zu starten und Befehle zu sprechen. Prinzipiell funktioniert auch das gut, allerdings stört mich immer wieder die Latenz: Doppel-Tab, zwei Sekunden warten, sprechen, zwei Sekunden warten. Manchmal ist das einfach zu lange, zumal Siri am Mac qualitativ LoFi klingt und einige Befehle einfach nicht versteht oder falsch interpretiert.

Der Sprachbefehl „Wiedergabe Spotify“ löst bei mir folgendes aus: Die bereits geöffnete App Spotify spielt brav von der letzten Wiedergabeposition ab. Allerdings startet im Hintergrund das Programm „Parallels“, fährt das virtualisierte Windows 10 hoch und startet die Windows-Version von Spotify, ohne deren Wiedergabe zu starten. Während des Windows-Boot-Vorgangs wird die (Mac-)Spotify-Wiedergabequalität scheußlich, um dann nach ca. 5 Sekunden wieder normal zu klingen. Smooth ist das nicht!

Wischgesten? Fehlanzeige!

Wer Siri nicht fragen will, kann den Doppel-Tab geräteabhängig konfigurieren, was durchaus sinnvoll sein kann, denn wer will schon im Bus oder Bahn Selbstgespräche führen. Und somit kommen wir zu einem der größten Kritikpunkte: Das Doppeltippen ist die einzige Bedienmöglichkeit – entweder Siri oder Wiedergabe/Pause! Keine Lautstärkeänderung, keine Lieder vor- und zurückspringen, etc. pp. Das haben andere Hersteller schon seit Jahren sauber implementiert. Von den Erfindern von Multi-Touch und Wischgesten, die unseren Umgang mit elektronischen Geräten revolutioniert haben, scheint das fast wie Hohn zu klingen.

So hinterlassen die AirPods, was die Bedienung angeht, einen bitteren Nachgeschmack. Man spürt deutlich Version 1, bei der man das Gefühl nicht loswird, ein Produkt in den Ohren zu haben, dass richtig cool sein könnte, der Hersteller aber noch nicht so weit ist. Denn die Ideen dahinter sind toll, aber eben nicht zu Ende gedacht, oder, auf Grund des Verkaufsdrucks, vielleicht sogar nicht zu Ende entwickelt worden sind.

Und der Klang der AirPods?

Häufig liest man die Floskel „Kommen wir nun zum Wichtigsten, den Klang“. Aber viele Kopfhörer werden eben nicht (nur) nach Klanggesichtspunkten gekauft, sonst würden wir weit mehr hochwertige Kopfhörer auf unseren Straßen sehen und hören. Wie es klingt, ist bei vielen Käufern daher nicht das Kaufkriterium, was auf diese Kopfhörer voll und ganz zutrifft. Für 180 Euro gibt es weitaus hochwertiger klingende Kopfhörer.

Solider, unaufgeregter Klang

Das trifft es meiner Meinung ganz gut: Die AirPods klingen solide. Unsere Spotify-Playlist arbeiten die In-Ears recht sauber ab, erzeugten bei Howard Shores „The White Tree“ aber keine Gänsehaut, wie es andere Modelle schon geschafft haben. Generell klingen die AirPods kompakt, bilden Bässe gut ab, die Mitten ebenso, allerdings finde ich die Höhen nicht brillant genug. Es fehlt noch ein Stück, um gerade großen Akustiknummern, wie beispielsweise „Portraits of Cuba“ von Paquito D’Rivera, richtige Lebendigkeit zu verleihen. Auch eine große Bühne vermisse ich, die Band steht eng, was die genaue Ortung einzelner Instrumente erschwert.

Moderne Popnummern liegen den AirPods eindeutig besser, auch soundtechnisch bleiben diese Vertreter also Casual-Kopfhörer, was bestenfalls Standard und weder magisch noch „überlegen klingend“ ist, wie Apple uns glauben lässt.

Was bleibt?

Die Apple AirPods sind ein interessanter Ausblick auf das, was uns schon bald erwartet: Kopfhörer, die perfekt in unseren Alltag eingebunden sind, die möglichst klein und unauffällig ihren Dienst verrichten und neben dem reinen Musikhören auch allerlei intelligente Technik beinhalten – „Stimmbeschleunigungsmesser mit wellenbündelnden Mikrofonen“ klingt eben verdammt modern. So überrascht es nicht, wenn Kopfhörer uns künftig überall hinbegleiten, gleichzeitig noch unsere Vitalfunktionen überwachen, via Pulsmesser passende Musik abspielen und das Ganze dann noch visuell mit IP-gesteuerten Lampensystemen untermalen.

Fazit: Apple AirPods
von Pete Schloßnagel

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die erste Generation der AirPods von Apple hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Der Tragekomfort ist großartig, ebenso das Handling und die Akku-Laufzeit. Aber auch wenn Apple das nicht gerne hört, das Produkt wirkt irgendwie noch „unfertig“. Die Bedienung ist noch nicht fehlerfrei, geht mir noch nicht weit genug und der Klang ist in dieser Preisregion nicht schlecht und höchstens Durchschnitt. Als Apple-User konstatiere ich leider alles andere als Begeisterung, aber vielleicht kommt die mit einem umfangreichen Update oder der nächsten Generation.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Gewicht ohne Kabel
8 g

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