Sony Inzone H3

Kabelgebundenes Gaming Headset

Ordentliche Mikrofon- und Klangqualität, unkomplizierte sowie stabile Software – im typischen Playstation 5 Design adressiert Sony sein neues Inzone H3 Headset allerdings nicht nur an seine hauseigenen Konsolen.

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Hinter dem Namen „Inzone“ verbirgt sich Sonys neue Peripherie-Offensive, die neben dem hier getesteten Inzone H3 momentan zwei weitere, drahtlose Headsets (Inzone H7 und H9 – zum Test) sowie einen 4K-Bildschirm umfasst. Die neuen Produkte richten sich zwar vorrangig an Besitzer der Playstation 5, werden aber ausdrücklich auch als PC-Accessoires angepriesen.

Lieferumfang

Die Designsprache des Inzone H3 macht die Verwandtschaft zur immer noch schwer erhältlichen Konsole deutlich: weißer Kunststoff dominiert, akzentuiert vom schwarzen Mikrofonarm und dem dünnen Anschlusskabel. Besitzer einer Playstation 5 können das Miniklinkenkabel direkt in ihren Dualsense-Controller stecken, für PC-Nutzer liegt mit der „USB-Audiobox“ ein Adapterkabel auf USB bei. Leider kann die Haptik dieser immerhin anderthalb Meter langen Verlängerung nicht mit dem eigentlichen Anschlusskabel mithalten. Wer auf die Steuerung über die PC-Software Inzone Hub verzichten will, kann natürlich dann auch auf die USB-Audiobox verzichten und eine Klinkenbuchse mit Headset-Unterstützung oder ein Y-Kabel verwenden.

Tragekomfort: robust und bequem

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Sony versteht etwas von Kopfhörern, das steht wohl außer Frage. Dennoch war ich neugierig, wie der Elektronikgigant eine neue, speziell auf „Gaming“ ausgerichtete Produktlinie handhaben würde. In puncto „Verarbeitung“ gibt es keine Beschwerden. Polarisierend ist die Ästhetik der Playstation 5 ohnehin, so habe ich persönlich nichts gegen die mattweiße Farbgebung der Inzone Headsets, scheinbar kommt der gleiche Kunststoff zum Einsatz wie beim Dualsense-Controller: Es darf also von äußerst strapazierfähigem Material ausgegangen werden, welches sich zudem noch problemlos reinigen lässt.

Tragekomfort hatte beim Design des H3 offensichtlich einen hohen Stellenwert: Der Kopfbügel verfügt über ein dickes Velourspolster und ist beidseitig in gerasterten Schritten ausziehbar. Die Hörmuscheln sind in zwei Achsen drehbar und lassen sich zum besseren Verstauen um 90 Grad „flach“ winkeln. Die abnehmbaren, textilbespannten Schaumstoffpolster der ovalen Hörmuscheln tragen sich angenehm, fallen bei meiner Ohrgröße allerdings genau in die Mitte zwischen „aufliegend“ und „umschließend“. Hier kommt Sonys Know-how ins Spiel, denn bei vielen Kopfhörern dieser Gewichtskategorie habe ich als Brillenträger bei zu großem Andruck häufig Probleme. Sony schafft es hier einen exzellenten Sitz, ohne übermäßigen Anpressdruck zu erzeugen.

Für ein Gaming-Headset vielleicht überraschend: Der einzige Regler am Kopfhörer selbst ist ein Rädchen zur Lautstärkeregelung, das Mikrofon selbst wird über die Bügelposition „scharf“ geschaltet. Ist der Bügel oben, bleibt das Mikrofon stumm, dreht man es um mehr als 90 Grad nach vorne, gibt ein mechanisches „Klicken“ Feedback und das omnidirektionale Bügelmikrofon ist aktiviert.

Software: ein Hub für alle PC-Nutzer

Ein Gros der Funktionalität des Sony Inzone H3 ist softwaregesteuert. Dementsprechend die schlechte Nachricht zuerst: Mac- und Linux-User gehen aktuell leer aus, das Software-Kontrollzentrum Inzone Hub gibt es nur für Windows 10 und aufwärts. Der Kopfhörer selbst funktioniert wohlgemerkt problemlos als Standard-USB-Audiogerät, lediglich die erweiterten Funktionen sind exklusiv auf Playstation 5 und Windows nutzbar.

Die Einstellungen des Hub lassen sich als Profile speichern, die automatisch beim Starten ausgewählter Software abgerufen werden. Praktisch, um zum Beispiel verschiedene Equalizer-Kurven für Discord, Browser und Gaming zu verwenden. Mittels Sidetone-Regler kann die Lautstärke der eigenen Stimme im Ohr angepasst werden, ein wichtiges Feature um in der Hitze des Gefechts die eigene Stimme deutlich zu hören.

Die Vorverstärkung des Headset-Mikrofons kann stufenlos geregelt werden, ich hatte aber auch bei 100% Vorverstärkung keinerlei Clipping zu verzeichnen, die normale Gesprächslautstärke bewegte sich so im Bereich um die 60%. Anders ausgedrückt, das Mikrofon ist relativ unempfindlich gegenüber lauten Geräuschen, somit eher „leise“. Da nahezu alle gängigen VoIP- und Chat-Apps eine digitale Anhebung des Mikro-Pegels erlauben macht dies das Inzone H3 aber zu einem nahezu „narrensicheren“ Headset. Die Klangqualität des omnidirektionalen Elektret-Mikrofons geht in diesem Preisbereich absolut in Ordnung, Stimmen werden klar verständlich wiedergegeben ohne Zisch- und S-Laute unschön zu verstärken, Windgeräusche können bei korrekter Platzierung des Bügels nahezu ganz vermieden werden. Leider hat das Inzone H3 keinen integrierten Taster zur Stummschaltung des Mikrofons. Hierfür muss der Mikro-Bügel nach oben gedreht werden, was am anderen Ende der Leitung ein hörbares Rascheln ergibt. Da hilft nur das manuelle Zuweisen einer Keyboard-Taste im Spiel oder der Chatsoftware.

Klang: mit Equalizer geht‘s

Als Elektronikgigant hat man es nicht immer leicht, die Aufmerksamkeit der Kundschaft zu halten. Sony hat über die Jahrzehnte hunderte, wenn nicht tausende Kopfhörermodelle hergestellt, von Designikonen wie dem originalen Walkman-Kopfhörer über legendäre Alltags-In-Ears hin zum Goldstandard in Profistudios.

Der Sony Inzone H3 markiert als Gaming-Headset für Einsteiger zwar kein Neuland für den Hersteller, neu ist aber, dass Inzone als Marke auch außerhalb der Playstation-Sparte stattfindet. Klar ist aber auch, dass diese Produktreihe nicht als Konkurrenz zu den audiophilen Produkten von Sony wahrgenommen werden soll. Dementsprechend musste ich beim Musikhören gehörig am EQ drehen bis der Inzone H3 ein für mich angenehmes Klangprofil hatte. Dennoch, zum reinen Musikhören gibt es in dieser Preisklasse ganz klar bessere Kopfhörer, auch aus dem Hause Sony. Anders als bei Hifi-Kopfhörern von Sony höre ich im H3 keinen „gut gemeinten“ Subbass-Boost (viele Spiele haben von Haus aus mehr als genug Subbass), dafür gibt es eine Anhebung um die 1.000 bis 2.000 Hertz, mutmaßlich um die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Angenehm auch, dass es keine anstrengende Anhebung der hohen Frequenzen zu beklagen gibt, sowohl Sprache als auch Umgebungsgeräusche und Effekte klingen klar und natürlich. Lediglich das Stereobild kommt mir ohne Anwendung der 3D-Spatial-Audio-Funktion wenig definiert vor. Anders als viele Headsets liegt der H3 sanft genug auf, um Umgebungsgeräusche nicht komplett zu unterdrücken – für mich ein klarer Vorteil, wer allerdings die komplette Abschottung sucht, sollte lieber die Sony Inzone H7 oder H9 antesten.

Discord, d’accord?

Da Sony den beliebten Voice- und Textchat-Hoster Discord erworben hat, bekommen die Inzone Headsets einen schicken „Verifiziert“ Sticker in den Audio-Voreinstellungen des Discord-Clients. Abgesehen davon gibt es meines Erachtens (noch) keine tiefere Integration mit dem Inzone H3. Muss auch gar nicht sein, denn das Headset erfüllt seine Aufgabe tadellos.

3D Audio

Ein von Sony bei der Ankündigung der Playstation 5 groß beworbenes Feature war „3D Audio“ sowie personalisierte Hörprofile auf Basis von Fotos des eigenen Ohres. Passend hierzu brachte Sony zusammen das Pulse 3D Headset heraus, welches mit einem Preis von 99 Euro in direkter Konkurrenz zum Inzone H3 steht. Abgesehen von der drahtlosen Konnektivität ist das Inzone H3 dem Pulse 3D in fast allen Belangen überlegen, insbesondere was den Tragekomfort betrifft. Eine Gemeinsamkeit haben die Kopfhörer aber: Mit der kostenlosen Android- und iOS-App „360 Spatial Sound Personalizer“ darf man nach sorgfältigem Studium der Privatsphäreerklärungen je ein Handyfoto von linkem und rechtem Ohr machen und zur Analyse hochladen. Dieses Ohr-Profil erscheint kurz darauf in den PS5-Einstellungen beziehungsweise in Sonys Inzone Hub am PC und erlaubt die Aktivierung des „3D Audio“ Tasters.

Was genau passiert beim Drücken dieses Tasters? Was Sony als innovative neue 3D-Audio-Technologie bezeichnet, bezieht sich meist auf das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Häufig wird von den „Tempest Engines“ der Playstation 5 geschwärmt, die in Zusammenspiel mit 360 Spatial Sound für neue, immersive Soundscapes mit präzise ortbaren Klängen führen soll. Das wäre, mit Verlaub, der „Perfect Storm“. Fotos unserer Ohren erlauben die Feinjustierung des Kopfhörers speziell auf die persönliche Ohrform, auch als „HRTF“ bekannt. Dies führt bei Stereoquellen zu einer verbesserten Räumlichkeit, einer breiteren „Soundstage“, entfaltet sein volles Potential aber bei der Nutzung von binauralen Dekodern, die im Fall der Playstation 5 eben Bestandteil der „Tempest 3D AudioTech“ Entwicklertools sind. Letztlich ist dies ein Konkurrent zu Dolby Atmos, wobei ich den (kostenpflichtigen) Dolby Atmos for Headphones Codec problemlos mit dem Inzone-Headset nutzen konnte. Wie so häufig bei 3D-Klang auf Kopfhörern: Der subjektive Eindruck sollte den Ausschlag geben, da der Effekt von Person zu Person stark variiert.

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Martin Hirsch
vor 1 Monat von Martin Hirsch
  • Bewertung: 4.13
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Rein kabelgebundene Headsets werden seltener, da man auch im Gaming-Bereich immer häufiger auf störende Kabel verzichten will. Zwar präsentiert Sony die Inzone H3 als Einstiegskopfhörer, ich würde ihn aber eher als einer der Champions in der Kategorie „Gaming Headsets unter 100 Euro“ ansehen. Als solches liefert es eine ordentliche Mikrofon- und Klangqualität, eine unkomplizierte und stabile Software, welche die Funktionalität des Kopfhörers erweitert.

  • robustes, ergonomisches Design
  • ausgereifte PC-Software-Zentrale
  • gute Klangqualität wird durch 3D Sound Funktion verbessert
  • kein Mute-Taster für das Bügelmikrofon
  • USB-Audiobox weniger hochwertig als das Headset selbst

Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 20.000 Hz
  • Impedanz35 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)92 dB
  • Gewicht ohne Kabel299 g
  • Kabellänge120 cm

Lieferumfang

  • USB-Audiobox

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