KEF Mu3

Edle, laufstarke True Wireless In-Ears mit ANC und Umgebungsmodus

Der britische Traditionshersteller von HiFi-Lautsprechern KEF hat mit den Mu3 seine ersten vollständig kabelbefreiten In-Ears auf den Markt gebracht, die sehr musikalisch klingen, eine lange Akkulaufzeit bieten und sowohl über eine aktive Geräuschunterdrückung als auch einen Transparenzmodus verfügen. Das von Ross Lovegrove stammende Design zeichnet sich zudem durch einen hohen Tragekomfort aus.

Was bereits beim ersten Einsetzen für Anerkennung und Sympathie sorgt, ist die maßgeschneiderte, erstklassige Passform der In-Ears. Die fließende Formgebung der Gehäuse sitzt wie angegossen und füllt die Ohrmuscheln ohne jegliches Druckempfinden vollständig aus, was einen stabilen Halt begünstigt und für eine entsprechend hohe Abschirmung gegenüber der Außenwelt sorgt. Als störender Fremdkörper wurden die Mu3 dabei zu keinem Zeitpunkt empfunden, weder unterwegs, im ÖPNV oder bei mehrstündigen Hörsessions Zuhause. Das als Ladestation dienende Transportcase erscheint zwar im Vergleich zu manchem Mitbewerber nicht ultrakompakt oder unbedingt hosentaschenfreundlich, führt die Formensprache jedoch elegant fort und liegt gut in der Hand. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben und obwohl Case sowie Hörer primär aus Kunststoff gefertigt sind, vermitteln diese optisch und haptisch einen wertigen Eindruck. Da die In-Ears zudem über eine IPX5-Zertifizierung verfügen, ist das System bei Outdoor-Aktivitäten auch vor witterungsbedingter Nässe geschützt.

Bedienung

Das Koppeln der Wireless-Hörer, die den Bluetooth-Standard 5.0 unterstützen und innerhalb einer städtischen Bebauung eine stabile Reichweite von bis zu zehn Metern boten, kann direkt mit dem Öffnen des Cases erfolgen. Hierdurch werden die In-Ears eingeschaltet und automatisch in den Pairing-Modus versetzt, während ein Zurücklegen in die Ladevorrichtung das System ausschaltet. Auch der Einsatz nur eines Hörers ist jederzeit möglich, da ein beidseitiger Single-Modus zur Verfügung steht. Nicht gut gelöst ist hingegen, dass kein manuelles Ein- und Ausschalten über die in die Höreroberflächen integrierten Taster erfolgen kann, da somit das Case immer mitgeführt werden muss. Auch das permanente Laden der In-Ears nach jeder Nutzung wirkt sich negativ auf die Lebensdauer der Akkus aus und ist von Nachteil. Zumal sich an späterer Stelle noch ein weiteres Manko aufzeigen wird.

Bei bestehender Funkverbindung steuert ein Drücken des rechten Tasters die Wiedergabe, was auch zum Annehmen und Beenden von Telefonaten dient, während durch zweifaches Betätigen zum nächsten Titel vorgesprungen werden kann. Linksseitig erfolgt das Umschalten zwischen ANC- und Umgebungsmodus sowie dem Grundklang, wobei die Geräuschunterdrückung sowohl beim Einschalten als auch nach einem Gerätewechsel, sprich nach jedem Koppeln, automatisch aktiv ist. Sprachassistenten können darüber hinaus durch zweimaliges Drücken aufgerufen werden. Auch das Regeln der Lautstärke ist möglich, wobei diese über die linke Seite verringert und per rechtem Hörer erhöht wird, was stufenweise und gut kontrollierbar durch ein Gedrückthalten der Taster erfolgt. Bei der Gerätesteuerung wurde zwar auf die Option des Zurückspringens verzichtet, ansonsten ist die Remote jedoch funktional und arbeitet tadellos. Hervorzuheben sind die optimal justierten Druckpunkte der Taster, wodurch sich der hohe Tragekomfort auch während der Bedienung nicht verringert. Was jedoch nicht vollständig überzeugen konnte, ist die Darstellung der eigenen Stimme beim Telefonieren. Diese klingt im ANC-Modus ziemlich farblos, distanziert und abgehackt, worunter die Verständlichkeit leidet. Der Grundklang bietet ein besseres Ergebnis, weshalb das Noise Cancelling bei Gesprächen deaktiviert werden sollte. Das Gegenüber ist hingegen in beiden Fällen gut zu verstehen.

Akkulaufzeit

Hervorragende Ausdauerwerte ließen sich die Mu3 mit einer Laufzeit von neun Stunden und 15 Minuten bei leicht gehobener Lautstärke während des Akkutests bescheinigen. Dabei hat die Geräuschunterdrückung eine geringfügige Auswirkung auf die erreichbare Hörzeit, die sich lediglich um 30 Minuten verringert. Die Akkureserve des Cases ermöglicht es zudem, die Hörer zweimal vollständig und einmal zu 70 Prozent aufzuladen, was im ANC-Modus einer Gesamtlaufzeit von mehr als 32 Stunden entspricht, während ohne Geräuschunterdrückung zwei weitere Stunden hinzukommen. Da die In-Ears jedoch nicht von Hand eingeschaltet werden können, ist die Restkapazität von 70 Prozent nur nutzbar, wenn das entladene Case über den vorhandenen USB-C-Anschluss zum Einschalten der Hörer kurz mit Strom versorgt wird. Eine unglückliche Lösung, da die Restlaufzeit von ungefähr sechseinhalb Stunden entfällt, wenn unterwegs keine Stromquelle verfügbar ist. Positiv anzumerken ist hingegen, dass auf Reisen oder bei spontanen Einsätzen eine Schnellladefunktion zur Verfügung steht, die nach fünfminütigem Laden eine Nutzungsdauer von etwa 90 Minuten bereitstellt. Ein vollständiger Ladezyklus der In-Ears ist zudem bereits nach 60 Minuten abgeschlossen, während die Akkureserve des Cases über das mitgelieferte USB-C auf USB-A-Ladekabel nach zwei Stunden wieder hergestellt ist.

Sound

Was die Wireless-Hörer nicht zu bieten haben, sind hochauflösende Audiocodecs in adäquater Auswahl. Während bei Apple-Systemen vom hochwertigeren AAC-Format profitiert werden kann, kommt bei Android-Geräten, die häufig kein AAC unterstützen, lediglich der Bluetooth-Standard SBC zum Einsatz. Auf einen Codec der aptX-Familie wurde verzichtet, was angesichts der Preisklasse ungewöhnlich erscheint. Wer eine Hörprobe wagt, wird jedoch überrascht sein wie gut auch der Standard-Codec aus den 8,2-mm-Vollbereichstreibern der Mu3 klingen kann. In Kauf genommen werden muss bei SBC ein leichter Versatz zwischen Bild und Ton, der sich vor allem gern bei actionreicher Film- oder Spielekost zeigt. Unabhängig davon ist das Klangpotential der Hörer jedoch sehr ernst zu nehmen, was bereits beim räumlichen Darstellungsvermögen beginnt. Bühnengröße, Ortbarkeit und Transparenz können einen durchaus immer mal wieder vergessen lassen, dass ein In-Ear-System getragen wird. Auch das gute Impulsverhalten bietet ein überzeugendes, realistisches und schnelles Timing. Phasenweise erwecken die Hörer fast einen analytischen Eindruck, da so manche Ecke und Kante im Ausgangsmaterial treffsicher aufgezeigt wird. Gleichzeitig ist eine wohltönende, dezent abrundende HiFi-Wärme wahrzunehmen, die dem Klang jedoch nichts von seiner Natürlichkeit nimmt.

Faszinieren kann darüber hinaus die präzise Basswiedergabe der In-Ears, die keineswegs schlank, aber stramm und jederzeit kontrolliert aufspielt. Dabei klingt das tief hinabreichende Fundament satt und der obere Bassbereich knackig, so dass ein kräftiger Punch mit druckvollem Unterbau vorhanden ist, was einen hohen Spaßfaktor bietet. Es folgt eine präsente, saubere Mittendarstellung, die Stimmen und Soloinstrumente raumeinnehmend sowie mit Elan, aber ohne jegliche Aufdringlichkeit abbildet und bereitwillig Details wie Greifgeräusche wiedergibt. Auch der Hochtonbereich zeigt sich anfangs energiereich und spritzig, nimmt im Verlauf zu den obersten Gefilden jedoch ein wenig ab, was als gewisse Schwachstelle empfunden werden kann.

Geräuschunterdrückung und Umgebungsmodus

Das Noise Cancelling arbeitet ohne wahrnehmbares Grundrauschen, schwächt hochfrequente Anteile allerdings kaum und Stimmen lediglich leicht ab. Tiefe Störgeräusche wie das Rattern einer Straßenbahn werden hingegen merklich reduziert, wobei im ANC-Modus eine dezente Bassanhebung erfolgt, die den Klang in Nuancen ein wenig voller erscheinen lässt. Der Transparenzmodus schneidet dagegen effizienter ab, obwohl ein Grundrauschen vorhanden ist, da Stimmen gut verstärkt werden. Bei pausierender Wiedergabe sind Durchsagen und Mitmenschen problemlos zu verstehen, so dass eine Unterhaltung geführt werden kann. Auch bei niedriger Lautstärke ist eine Verständigung möglich, während ein urbanes Umfeld noch bis zu einem mittleren Pegelbereich wahrgenommen werden kann.

Maike Paeßens
vor 3 Wochen von Maike Paeßens
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

KEF verzichtet bei den Mu3 auf eine App-Anbindung und damit auf jegliche Personalisierbarkeit ihrer True Wireless In-Ears. Auch die bescheidene Codec-Auswahl und eine eher schwache Geräuschunterdrückung stellen keine Kaufargumente dar – der Klang und Tragekomfort, die Bedienbarkeit und Akkulaufzeit sowie das Design jedoch schon. In gewisser Hinsicht beschreitet das Erstlingswerk des renommierten Lautsprecherspezialisten insofern eigene Wege, positioniert sich jedoch eindrucksvoll und charakterstark außerhalb von Trend und Mainstream.

  • exzellente Passform mit hohem Tragekomfort
  • präzise, satte Basswiedergabe
  • gemäß IPX5 wasserbeständig verarbeitet
  • hohe Akkulaufzeit der Hörer
  • Schnellladefunktion
  • beidseitiger Single-Modus
  • unterstützen lediglich das AAC-Format, keinen aptX-Codec
  • Hörer können nicht manuell ein- und ausgeschaltet werden
  • keine App-Anbindung

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Impedanz16 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)1 mW @ 1 kHz: 104 dB
  • Gewicht ohne Kabelje ca. 6,5 g, Case: ca. 47 g

Lieferumfang

  • Silikon-Eartips in 4 Größen (kurz/S/M/L)
  • USB-C auf USB-A-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • BT-Codecs: SBC, AAC
  • BT-Version: 5.0

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