Der Blue Mo-Fi ist ein extravaganter Kopfhörer, mit stimmigem Sound aber einem gewöhnungsbedürftigen Tragekomfort.

Understatement sieht anders aus: Das Ding ist ein Klotz. Aber die Firma Blue ist ja bekannt für polarisierendes Design, und während der Trend momentan eher in Richtung unsichtbarer In-Ear-Hörer geht, baut Blue einfach mal ein Monster. Ob´s auch ein Klangmonster ist?
Erst einmal müssen bisher unbekannte Probleme gelöst werden: Wie rum setze ich das Ding auf?! „L“ und „R“ suche ich vergeblich aber eine von zwei Positionen muss es ja sein. Die erste… naja geht so; die zweite ist es dann. Bitte merken: Kabel kommt links raus.

Tragekomfort? Naja.

Mit seinem halben Kilo Kampfgewicht sitzt der Hörer erst mal bequem auf dem Kopf, wozu sicherlich die innovative Viergelenk-Mechanik des Trage-Bügels beiträgt. Das Gewicht sitzt oben auf dem Kopf, den Anpressdruck der Ohrmuscheln kann man mit einem Drehrad bestimmen. Jetzt kommt das „Aber“: Selbst bei der leichtesten Einstellung drückt der Hörer derart kräftig auf meine Ohren, das ich das beklemmende Gefühl habe mein Kopf steckt in einem Schraubstock (… und ich habe keinen großen Kopf!).
Immerhin: Dank des großen Anpressdrucks ist die Außengeräuschdämmung exzellent, der Fokus kann sich voll auf die Musik richten. Das erweitert das Einsatzgebiet aufs Tonstudio, wo eine gute Schallisolation und Kraftreserven wichtiger sind als der Tragekomfort über Stunden.

Klangmonster? Fast.

Bei allem Diskurs über die Optik, es geht ja um den Sound und der erste Klangeindruck passt: Straffe Bässe werden von warmen Mitten abgelöst, die wiederum in saubere Höhen übergehen. Ich brauche eine Weile und meine Referenztracks, um doch ein paar Kleinigkeiten zum Rummäkeln zu finden: Die letztliche Klarheit in den oberen Höhen fehlt mir und die unteren Mitten werden mit einer gewissen Aggressivität wiedergegeben, die ich auf Dauer als ermüdend empfinde.

Kann er laut? Oh ja!

Nicht nur das Design ist innovativ, der Mo-Fi hat auch eine technische Besonderheit an Bord: eine Verstärkerschaltung, die in zwei Schritten Bass und Lautstärke anhebt. Achtung: Drehen Sie die Lautstärke am Player runter, bevor sie diese Schaltung aktivieren! Der Blue kann mit seinen 50-mm-Treibern richtig laut werden. In der dritten Schaltstellung ist diese aktive Elektronik deaktiviert und der Klang „neutral“. In dieser Schaltung spielt der Mo-Fi weiter, wenn der Akku nach zwölf Stunden leer ist.

Straßen-Tauglich? Bedingt.

Der integrierte Verstärker prädestiniert den Mo-Fi eigentlich für den mobilen Betrieb am schwachbrüstigen Smartphone. Die massive Bauweise dürft aber den ein oder anderen von einer mobilen Nutzung abschrecken. Der Mo-Fi ist leider nicht nur schwer, er lässt sich zum Transport nicht klein falten und um den Nacken tragen geht auch nicht. Also nur bedingt was für unterwegs.

Zubehör? Umfangreich.

Beim Zubehör knausert Blue nicht. Neben einer geräumigen Transporttasche gibt es ein Netzteil, zwei Kabel, Klinken-Adapter und einen Flugzeug-Adapter. Äußerst großzügig, aber beim hochwertigen Preis kann man das erwarten.

Fazit: Blue Mo-Fi
von Chris Reiss

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Meist spaltet sich die Käuferschaft ja beim Klangbild oder der Menge an gefordertem Bass-Boost. Beim Blue Mo-Fi dürfte das Äußere das entscheidende Kaufkriterium werden. Wer es retro-futuristisch mag, kann sich seine Designvorliebe auf den Kopf setzen, muss aber mit gewissen Einschränkungen beim Handling leben.
Sound-mäßig macht man bei diesem klingenden Nackenmuskeltrainer nichts falsch, so gesehen ist der Mo-Fi nicht nur einen Hingucker, sondern auch einen „Hinhörer“.

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
15 - 20.000 Hz
Impedanz
41,55 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
109,55 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
1186 g
Gewicht mit Kabel
516 g
Gewicht ohne Kabel
484 g
Kabellänge
300 cm

Lieferumfang

  • Soft-Case mit Kabeltasche
  • 1,2-Meter Audiokabel mit Apple iPhone/iPad-Steuerung
  • 3-Meter Audiokabel
  • 1-Meter USB-Ladekabel
  • USB-Ladegerät
  • Klinkenadapter auf 6,3 mm
  • 2-Pol-Flugzeug-Adapter

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