Die Firma FiiO mit dem sympathisch holprigen Claim „Born for Music and Happy“ bietet mit dem i1 einen DAC und Kopfhörerverstärker am Lightning-Kabel, welches das digitale Signal eines iPhone oder iPads vom Lightning Connector abgreift, in ein analoges Signal wandelt, verstärkt und an einen Kopfhörer weitergibt.

Eine schlichte Verpackung, ein wenig Plastik, dann hat man den knapp 50 Euro teuren i1 in der Hand, dessen Elektronik, Remote und Kopfhöreranschluss in einem 5 cm langen Röhrchen unterkommt, das etwa so dick wie eine Zigarette ist, an einem 80 cm langen Kabel hängt und am anderen Ende in den Lightning-Stecker mündet, der nur darauf wartet mit meinem iPhone verbunden zu werden. Kundenfreundlicherweise wird man bei dem ersten Einstecken sofort darauf hingewiesen, eine App zu installieren und auch gleich im App Store zu eben dieser App geleitet.

Die App kann exakt sechs Dinge: Englisch und zwei chinesische Sprachen, auf dem neuesten Stand sein (nach Update, was hier Upgrade genannt wird), Seriennummer anzeigen, feststellen, ob der i1 angeschlossen ist oder nicht, piktografisch erläutern, wie alles funktioniert und eine kurze Geschichte der Firma FiiO erzählen. Ansonsten wirkt sie im Verborgenen.

Klang

Mein erster Höreindruck mit meinen Sennheiser Momentum InEars lautet: Der Klang ist besser. Klarer, differenzierter, druckvoller, lauter. Ich höre Mike Oldfields „Return to Ommadawn“ und denke bei den African Drums im Finale: besser! Ich will mehr. Ich probiere den i1 mit meinen JBL Synchros E50BT, mit Kabel natürlich, höre mir „Paradise“ von Coldplay an und denke: Noch besser! Ein angenehmes Wummern der Bässe, schöne Höhen und die Mitten, wo sie sein sollen. Es ist, als ob ein Vorhang weggezogen würde und man die Band endlich vor sich hat.

Bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, recomposed by Max Richter kann ich schön gestaffelt die Violinen, Celli, Bratschen und in der Tiefe des Raumes die Kontrabässe ohne Rumpeln hinter dem Solisten hören und mir fällt wieder auf: ja, besser! Der i1 tut also, was er soll. Er liefert den besseren Klang vom besseren Ausgang an die Kopfhörer weiter.

Empfindlicher Lightning-Stecker?

Wer sein iPhone ohne Schutzhülle ständig in Hosen-, Handtaschen und Rucksäcken trägt, weiß, dass die Lightning-Anschlussbuchse gerne Dreck und Staub einsammelt. Das ist nicht weiter tragisch, wenn man den Port nur zum Laden benutzt, aber das i1-Kabel funktionierte zunächst überhaupt nicht, weil eben durch die Flusen kein Kontakt zustande kam. Unter Zuhilfenahme eines Zahnstochers musste ich die Buchse von Mini-Staubmäusen befreien, mehrfach reinpusten und zärtlich ausklopfen. Das tat seine Wirkung und der i1 wurde wieder erkannt.

Außerdem scheinen die feinen Anschlusslippen des i1-Lightning-Steckers sehr empfindlich zu sein. Ein unbedachter Zug am Kabel, ein zu holpriges Ablegen des Telefons, oder wenn ich das iPhone samt i1 in die Tasche stopfte, unterbrach den Kontakt und die Musik war aus. Abhilfe schaffte da nur: Stecker raus, Stecker rein, und vorsichtig hinlegen. Praktisch ist das nicht. Ob bei Kopfhörern, die einen Lightning-Stecker besitzen, ähnliche Probleme auftreten, kann ich mangels passender Test-Hardware nicht beantworten, aber ein kontaktfreudigerer Stecker seitens des i1 wäre wünschenswert.

Wohin mit den ganzen Kabeln?

Ich habe zusammen mit dem i1 und meinen Sennheiser Momentum InEar etwa 2,30 m Kabelstrecke an mir herumbaumeln. Um diesen Strang irgendwie unter Kontrolle zu bekommen, gehe ich folgendermaßen vor: Ich stecke das iPhone in die Hosentasche (Vorsichtig! Siehe oben!), führe das Kabel des i1 unter dem T-Shirt durch, befestige das Ende mit der Remote und dem Klinkenanschluss unter Nutzung der mitgelieferten Klammer an meinen T-Shirt-Kragen, klicke dann das Kabel der Momentum InEars ein, versuche danach durch kunstvolles und lockeres Aufrollen auch dieses Kabel unter dem Shirt zu verstecken. Schließlich habe ich ein Kabel, das am Kragen rausgeht und gleich wieder rein und dann wieder raus zu den Kopfhörern. Das ist nicht sonderlich alltagstauglich, zumal mich diese aufwendigen Makramee-Arbeiten etwas mehr als zwei Minuten kosten: Macht das mal, wenn ihr den Bus kriegen wollt …

Weiteres Ergebnis: Am Hals baumelt eine Remote (i1), und am rechten Ohr baumelt eine Remote (Momentum) – das ist ja fast „westlich dekadent“, wie Guido Westerwelle einstmals polemisierte (sich ausdrückte) und ich ahne, was er gemeint haben könnte. Zumal die Kabelremote nicht funktioniert, wenn es über den i1 geht. Kurzum: zuviel Kabel und – in meinem Falle – zu viele Remotes.

Apropos Remote: Die Fernbedienung des i1 funktioniert tadellos, auch wenn ich die Wippe nicht so gut greifen kann, weil mir das runde Röhrchen beharrlich aus den Fingern flutscht.

Fazit: FiiO i1
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Betrachtet man den FiiO i1 nur mit den Ohren, dann würde ich sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, ihn zwischen Gerät und Kopfhörer zu stecken. Für relativ wenig Geld bekommt man eine sofortige und vor allem deutlich hörbare Verbesserung seines Klanges, ganz gleich welche Kopfhörer man nimmt (ja, es klingt auch besser mit den „traditionellen“ EarPods von Apple). Die in meinen Augen sehr empfindliche Steckerverbindung schmälern den positiven Eindruck allerdings, denn was hilft ein guter Klang, wenn man ihn nicht zu hören bekommt, weil häufiger das Signal abreißt. Auch sollte man das mögliche Kabelgewirr mit einplanen, wenn der bereits vorhandene Kopfhörer ein langes Kabel besitzt.

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Technische Daten

Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20- 22.000 Hz
Impedanz
<1 Ohm
Gewicht mit Kabel
11,5 g
Kabellänge
80 cm

Lieferumfang

  • Kabel-Clip

Besonderheiten

  • Kompatibel mit folgenden Apple Produkten:

    iPhone 7 Plus/iPhone 7/iPhone SE/ iPhone 6s Plus/iPhone 6s/iPhone 6 Plus/iPhone 6/iPhone 5s/iPhone 5c/iPhone 5 iPad Pro(9.7-inch)/ iPad Pro(12.9-inch)/iPad Air 2/iPad Air/ iPad(4th generation)/iPad mini 4/iPad mini 3/iPad mini 2/ iPad mini iPod touch (6th generation)/ iPod touch(5th generation)
  • empfohlener Impedanzbereich: 16 - 32 Ohm
  • Unterstützt Wiedergabe bis zu 48kHz. Hochauflösendere Formate werden down gesampelt

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