Apple AirPods Pro

True Wireless In-Ears mit Noise Cancelling und cleveren Features

Apple schickt sich an, den Markt der ANC-Hörer zu erobern: Die neue Pro-Version der meist verkauften True Wireless In-Ears (zum Test) haben nicht mehr viel mit den „Klassikern“ aus eigenem Hause gemein. Ob das „Pro“ für „Professional“ gerechtfertigt ist? Das finden wir für euch raus.

Alles anders – alles neu

Der Hauptunterschied zu den normalen AirPods (zum Test) ist zunächst das Offensichtliche: die Bauform. Denn während diese als EarBuds nicht im Gehörgang stecken, sondern davor, passen sie zwar generell gesprochen recht vielen Menschen, aber bei mindestens genauso vielen alles andere als perfekt. Das schmälert nicht nur den Kundenkreis, bauartbedingt können sie außerdem in den seltensten Fällen ihr volles klangliches Potenzial ausschöpfen – ein lockerer Sitz vermasselt einem vor allem eine saubere Wiedergabe im Bassbereich und zu viele Geräusche von außerhalb wandern in den Gehörgang. Auch der Sitz der alten AirPods (und aller Kopfhörer mit sogenannter EarBuds-Bauform) ist eher als „luftig“ zu bezeichnen, was Einsätze beim Sport oder anderen bewegungsintensiven Tätigkeiten stark einschränkt oder gar unmöglich macht.

Da sind doch In-Ears die weit bessere Wahl: Zwar mag das Versenken der Treiber im Gehörgang bei einigen zu Druckbeschwerden und dem gern zitierten Taucherglockeneffekt führen, aber bei der Wahl der richtigen Ohrstöpselgröße sitzen In-Ears eben dicht genug im Ohrkanal, was sich positiv auf Klang sowie Sitz auswirkt.

Und auch das ist neu bei Apple: Die AirPods Pro sind In-Ears! Endlich! Und der Hersteller liefert gar drei unterschiedliche Silikonaufsätze mit. Größe M sitzt bereits auf den Kopfhörern, S und L liegen der weißen Kartonage bei. Wer sich jetzt allerdings freut, dem müssen wir diesen Zahn sofort wieder ziehen: Durch ihre spezielle Bauform passen weder Ohrpassstücke von anderen Herstellern noch gibt es passende Memory-Foam-Aufsätze. Aber immerhin: Für ca. vier Euro kann ein Set der drei Größen direkt bei Apple nachgekauft werden, und geben wir dem Markt Zeit, gibt es sicherlich in Kürze Alternativen anderer Hersteller. Das Auswechseln der Passstücke klappt auf jeden Fall problemlos, ein beherzter Griff, und sie rutschen von den kleinen Plastikringen. Tipp: Beim Aufstecken einfach das Silikon-Dächlein nach oben klappen.

Ein Wort zum Sitz: Apples hauseigene Silikon-Stöpsel haben bereits eine gute passive Abschirmung und drückten während des gesamten Tests nicht merklich. Heftige Bewegungen machen ebenfalls nichts aus – Problem gelöst Apple!

Gelöst wurde auch ein anderes nerviges Problem, mit dem alle Kopfhörerhersteller zu kämpfen haben: Schritthall, der dadurch entsteht, dass Kopfhörer so stark abdichten, dass der so entstehende Druck im Ohr das Auftreten unserer Schritte als dumpfen Widerhall quittiert. Das ist bei den AirPods Pro glücklicherweise nicht der Fall, denn eine spezielle Belüftung sorgt für den nötigen Druckausgleich. Auch hier gilt: Daumen hoch.

Bluetooth Pairing

Wie bei den alten AirPods geht auch hier die Einrichtung so elegant vonstatten, wie man es von Apple gewohnt ist: Ladecase aufklappen und ein schön animiertes Pop-Up leitet uns durch die nötigen Schritte. All das dauert nur wenige Sekunden und die neuen Pros sind sofort einsatzbereit.

Als Android-Nutzer geht das dagegen nicht, denn logischerweise kann der Hersteller seine Gerätschaften softwareseitig so eng verzahnen, dass diese User Experience exklusiv Apple-Kunden vorbehalten bleibt. Bei Apple-fremden Devices muss man dann die Bluetooth-Einstellungen des Smartphones öffnen und Apples Ladecase per Pairing-Knopf auf der Rückseite zur Liaison bemühen. Einhergehend mit dem artfremden Smartphone-Betriebssystem sind dann allerdings fehlende Funktionen, wie das Umbelegen der Druckknöpfe, die automatische Ohrerkennung oder der Test, ob die AirPods richtig im Ohr sitzen.

Sind die AirPods Pro dann gekoppelt, fällt auf: Sie unterstützen kein Bluetooth Multipoint, also keine gleichzeitige Verbindung mit zwei Devices, um unterbrechungsfrei vom Musikhören (bsp. am iPad) zu einem Telefonat am iPhone wechseln zu können. Ein Umschalten ist zwar generell möglich, da ja die AirPods automatisch an alle Devices mit derselben Apple ID angemeldet werden, aber dies muss stets manuell geschehen.

Steuerung

In Sachen Steuerung hat sich der Hersteller ebenfalls zu einer Änderung entschieden, denn nun gibt es nicht mehr zwei berührungsempfindliche Flächen, sondern einen länglichen Drucksensor, der jeweils in den kurzen Stielen zu finden ist. In den Bluetooth-Systemeinstellungen könnt ihr dann diese beiden Sensoren etwas konfigurieren. „Etwas“ deshalb, weil, ähnlich wie bei den normalen AirPods, uns die Umbelegung nicht weit genug geht. Standardmäßig sind die beiden Drucksensoren links und rechts nämlich gleich belegt: Ein Gedrückthalten bewirkt ein Umschalten von ANC zum Transparenzmodus oder wahlweise auf einer Seite das Aufrufen von Apples Sprachassistenten Siri. Ein kurzes Drücken startet oder pausiert die Musik, zweimal Drücken lässt euch einen Track vorspringen und ein Dreifachdruck bewirkt ein Zurückspringen der Songs. Soweit so gut, allerdings würden wir uns eine Lautstärkeregelung direkt an den AirPods Pro wünschen, so müsst ihr immer euer iDevice oder Siri per Sprachbefehl bemühen.

 

Ein Drücken löst übrigens immer einen Ton aus, um uns zu signalisieren, welchen Modus wir da gerade wählen. Doch während Mitbewerber uns per Stimme verraten, ob wir Noise Cancelling gerade aktivieren oder der Transparenzmodus ausgeschaltet ist, müssen wir uns bei den AirPods Pro merken, welcher Sound was bedeutet. Das stellt eine Umgewöhnung dar, der man einfach etwas Zeit geben muss. Natürlich lässt sich das Ganze auf unseren Screens auch per Tab ändern, allerdings geht das visuelle Feedback in den Bluetooth-Einstellungen nicht mit dem Umschalten am Kopfhörer konform: Schaltet ihr am Sensor die Modi durch, ändert sich die Darstellung nicht in Echtzeit. Nur ein Verlassen und Zurückkehren auf diesen Screen aktualisiert die kleinen blauen Icons. Allerdings verhält es sich beim Zugriff via Kontrollzentrum wiederum korrekt. Sehr schade, dass hier iOS anscheinend noch etwas Nachholbedarf hat.

Apropos Nachholbedarf: Zwar hat Apple mit der Firmware 2B584 (Einstellungen → Allgemein → Info → AirPods Pro) bereits ein Update nachgeschoben, allerdings sahen auch wir kurz nach der initialen Einrichtung der Hörer ein rotes Ausrufezeichen neben dem rechten Ohrstöpsel, wenn wir durch Öffnen des Ladecase den Batteriestatus abfragen wollten. Dass die Kontaktstifte verdreckt oder Ähnliches waren, konnten wir ausschließen und auch ein vollständiger Reset brachte keine Abhilfe. Allerdings verschwand das Problem nach einiger Zeit wieder. Es scheint sich also um einen Fehler in der Software zu handeln, der glücklicherweise keine weiteren Auswirkungen hatte.

Und auch das Umbenennen der AirPods klappte bis dato nicht. Apple sollte hier schnell ein Update nachschieben, da gerade solche Bugs die Freude schmälern.

Noise Cancelling und Transparenzmodus

Spannend wird’s, wie Apples Noise Cancelling arbeitet. Von schlecht, verrauscht bis hinzu State-of-the-Art haben wir bereits viel gehört, und da nun der Marktführer in Sachen „True Wireless“ ebenfalls in den technisch anspruchsvollen Markt der Geräuschunterdrückung einsteigt, waren wir gespannt, wie effektiv das ANC der AirPods Pro arbeitet.

In den beiden Ohrstücken sitzen jeweils zwei Mikrofone: Eines nimmt außen die (Stör-)Geräusche auf, invertiert diese in ihrer Phase und spielt sie entsprechend ein, während das andere Mikrofon nach innen gerichtet ist und unerwünschte Geräusche in den Ohren zu neutralisieren versucht. Zudem soll sich das Noise Cancelling ständig an die Geometrie der Ohren sowie an die Form der Ohrpassstücke anpassen. Technisch überprüfen lässt sich natürlich nicht, aber da wollen wir dem Hersteller einfach mal Glauben schenken.

Zunächst aktivieren wir das Noise Cancelling ohne Musik: Telefongespräche im Nachbarzimmer werden effektiv gefiltert, wobei systembedingt nie alles ausgelöscht wird. So klingt die Stimme des Telefonierenden dünn, weit weg und leise. Turbinengeräusche, Bahnfahrten und andere Schallereignisse werden ebenso gut gedämpft. Der Test mit unterschiedlichen Rauscharten (weiß, rosa, braun) zeigt die Effektivität gut auf, denn hier verschwinden vor allem die tieffrequenten Anteile, während die Mitten und Höhen eine leichtere Auslöschung erfahren. Aber generell funktioniert das ANC der AirPods Pro gut, auch wenn andere Hersteller (bauartbedingt) die Nase vorne haben. So arbeiten Sonys WH1000-XM3 (zum Test) oder aber der neue Bose Headphones 700 (zum Test) deutlich effektiver, auch Boses In-Ear QuietControl 30 Wireless Headphones (zum Test) hat das besser im Griff und ein direkter Vergleich mit den Pioneer Rayz Plus (zum Test), der laut eigenen Angaben eng mit Apple entwickelt wurde, zeigt, dass die AirPods Pro ein Tacken besser filtern. Es bleibt festzuhalten: Besseres Noise Cancelling gibt es auf dem Markt, aber Apple hat hier ganze Arbeit geleistet, die Geräuschreduktion findet nicht homöopathisch statt, wie bei manch anderen Modellen, und wer das Beste haben will, muss zu Over-Ear-Modellen von Sony, Bose, Bowers & Wilkins und Co greifen.

Ebenfalls gut ist der Transparenzmodus der Pro, selten haben wir so eine natürliche Verstärkung von Außengeräuschen ins Ohr gespielt bekommen. Stimmen kommen klar daher, ganz so, als hätte man keine Kopfhörer auf. Zwar hebt dieser Modus das Grundrauschen hörbar an, stört aber keineswegs, da es nur bei Stille hörbar wird.

Kommunikationsmittel

Beim Telefonieren machen die AirPods Pro eine gute Figur: Beide Seiten hören die jeweils andere gut und klar ohne nennenswerte Einbußen. Allerdings kam es während unseres Tests vereinzelt und nicht reproduzierbar zu Störgeräuschen, wenn während des Telefonierens die Drucksensoren betätigt wurden. Auch in Sachen FaceTime und Skype (jeweils auf iOS) funktionierten die Pros immer tadellos.

Was für die alten AirPods gilt, gilt auch hier: Wer gerne nur mit einem Ohr Schwiegermuttis Rezeptgeschwafel lauschen möchte, kann auch das tun, denn wandert ein Ohrstück ins lauschige Ladecase, funktioniert das andere weiter.

Blöd übrigens nur, wenn ihr euer macOS noch nicht auf Catalina updaten wollt oder könnt, denn dann wird’s schwierig, die In-Ears am Mac zu verwenden. Unter Mojave (Version 10.14.6) werden die AirPods Pro zwar erkannt, das Betriebssystem verbindet sich auch damit, allerdings bleiben die Hörer stumm, außer bei Skype, dort ist aber die Soundqualität als „eher bescheiden“ zu bezeichnen. Hier wäre es schön gewesen, sich wenigstens über eine Fehlermeldung freuen zu können …

Aber True-Wireless-Kopfhörer sind ja wie dafür gemacht immer und überall dabei zu sein, auch auf dem Fahrrad. Und allen Bikern sei gesagt, Windgeräusche und Mützengeraschel unterdrückt das Pro-Modell wirklich sehr gut, allerdings nur, wenn ANC aktiv ist. Im Transparenz-Modus wird dies alles logischerweise dann entsprechend verstärkt.

Klangliches

Zunächst die gute Nachricht: Die neuen AirPods Pro bilden über das gesamte Frequenzspektrum sauberer als die normalen AirPods ab. Beim Durchhören unserer Test-Tracks sowie High Resolution FLACs via macOS Catalina fielen uns keine negativen Eigenschaften auf. Die Hörer neigen nicht zu Verzerrungen, wenn‘s mal lauter werden sollte. Mit ihrer Maximallautstärke betrieben, können die In-Ears bei entsprechendem Ausgangsmaterial im Mittenbereich aber doch ganz gerne mal quäkig klingen.

Ansonsten klingen die AirPods Pro aufgeräumt und druckvoll, hier zeigt der speziell entwickelte High-Excursion-Tieftöner, dass Bässe tief hinabreichen können und dennoch nicht das Gesamtbild zumatschen. Dieser Bassbereich ist hörbar präsenter und druckvoller als bei den älteren Modellen, eine akkuratere Tonalität im Frequenzkeller ist stets gegeben. Der ebenfalls wichtige Mittenbereich klingt nicht überzogen und reiht sich harmonisch ein, in keinem Genre hatte ich das Gefühl, hier fehlt etwas. Bei einigen Musikstücken dürfte es für meinen Geschmack etwas präsenter in den Mitten zugehen und auch der Höhenbereich würde mir als Frühvierziger mit ein bisschen mehr Glanz und Crispness besser gefallen. Dennoch: Auch hier passt alles im Großen und Ganzen sehr gut zusammen.

Die Verteilung auf der virtuellen Bühne bleibt bei den AirPods Pro stets nachvollziehbar, der Aufbau ist stabil und Bewegungen von Schallereignissen lassen sich klar orten. Bauartbedingt ist die Raumtiefe aber auch bei diesem Modell nicht besonders eindrucksvoll. Wer richtig tief in Klangwelten eintauchen will, muss dann doch zu On-Ears gar zu Over-Ears greifen.

Glücklicherweise ändert sich der Klang zwischen den einzelnen Modi nur geringfügig: Ist ANC aktiviert klingen die Pros marginal besser, da nur hier über den im H1-Chip integrierten adaptiven Equalizer ständig Sound-Anpassungen vorgenommen werden.

Pete Schloßnagel
vor 1 Woche von Pete Schloßnagel
  • Bewertung: 4.63
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Apple hat abgeliefert, und wie: Die neuen AirPods Pro sind gute bis sehr gute True Wireless In-Ears, die für einen Preis von 279 Euro eine Menge Technik verbaut haben, von denen andere Hersteller nur träumen können. Das Noise Cancelling arbeitet effektiv, ebenso der Transparenzmodus sowie der Passtest für die Ohreinsätze. Toll gelöst ist ebenfalls die Unempfindlichkeit gegen Wind. Klanglich herrscht ebenfalls Sonnenschein, denn die Pros klingen wirklich gut für so kleine Kopfhörer. Wenn jetzt noch die Kinderkrankheiten mittels Software-Spritze geheilt werden, dann überzeugen die AirPods Pro auf ganzer Linie!

  • Klang
  • Noise Cancelling
  • Transparenzmodus
  • Passtest
  • keine Möglichkeit der Lautstärkeänderung an den AirPods Pro selbst
  • noch einige Software Bugs

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamischy
  • Gewicht ohne Kabel2x 5,4 g

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke in S, M, L
  • USB-C auf Lightning-Ladekabel
  • Ladecase

Besonderheiten

  • BT-Version: 5.0
  • BT-Codecs: SBC, AAC
  • Qi kompatibel
  • bis zu 4,5 Std. Wiedergabe mit einer Aufladung (bis zu 5 Std. bei ausgeschaltetem ANC und Transparenz)
  • bis zu 3,5 Std. Sprechdauer mit einer Aufladung
  • AirPods Pro mit kabellosem Ladecase: mehr als 24 Std. Wiedergabe; mehr als 18 Std. Sprechdauer
  • 5 Min. im Case reichen für ungefähr 1 Std. Wiedergabe oder ungefähr 1 Std. Sprechdauer

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tom jones
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Dominik Fenchelberg
Gast
Dominik Fenchelberg

scheinbar war ihr Budget für Werbezwecke wohl noch recht hoch und haben sich nach ein paar geeigneten Testern umgesehen.

Redaktion
Admin
Redaktion

Vielen Dank für eure Kommentare. Wie bei allen anderen Kopfhörern auch, testen wir unabhängig und angepasst an den jeweiligen Einsatzzweck. Auch kaufen wir ganz regulär bei Herstellern immer wieder Kopfhörer. In diesem Fall haben wir die AirPods Pro zum regulären Preis im Apple Online Store bestellt.