OneOdio Monitor 60

Kabelgebundener geschlossener Studiokopfhörer der Einstiegsklasse

Der OneOdio Monitor 60 ist ein geschlossener kabelgebundener Kopfhörer, der für wenig Geld Studioqualität bieten möchte. Dieses Ziel erreicht er leider nicht, denn durch seinen unausgewogenen Frequenzgang kann die subjektive Signalauflösung des Monitor 60 nicht überzeugen.

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Nach eigenen Angaben entwickelt OneOdio bereits seit 15 Jahren Equipment für die Audioproduktion. Zum Programm des Herstellers zählen neben True Wireless In-Ears und kabellosen Kopfhörern mit und ohne aktiver Geräuschunterdrückung auch kabelgebundene Varianten in verschiedenen Ausführungen.

Mit dem Monitor 60 erweitert der chinesische Hersteller sein Kopfhörer-Portfolio um einen kabelgebundenen Kopfhörer, der in Studioumgebungen als preiswertes Monitoring-Tool eingesetzt werden soll. Wird der geschlossene Kopfhörer dem ausgerufenen professionellen Anspruch gerecht?

Lieferumfang

Der OneOdio Monitor 60 steckt bei seiner Ankunft beim Tester in einem kleinen, aber fein aufgemachten Karton. Mattschwarze Grundfläche und silbern glänzende Applikationen sorgen für einen wertigen ersten Eindruck. Dem Kopfhörer liegen zudem noch drei Kabel bei. Dazu gehört ein Spiralkabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker, in zusammengezogenem Zustand 150 cm lang. Für die Arbeit im Studio oder den Einsatz in HiFi-Umgebungen ist der Kopfhörer mit einem Kabel mit 300 cm Länge und 6,35-mm-Klinkenstecker gut gewappnet. Ein weiteres gerades Kabel ist 120 cm lang und für den Gebrauch mit Smartphones, Tablets & Co gedacht. Seine Länge ist optimal, damit es für den Hörgenuss unterwegs auch unter der Kleidung verlegt werden kann und hat ein Inline-Mikrofon mit Rufannahmetaste im Kabel integriert. Damit all diese Lieferteile bei Transport und Lagerung staubgeschützt zusammenbleiben, liegt ein Transportbeutel mit Kordelzug bei. Abgerundet wird der Lieferumfang durch eine Bedienungsanleitung.

Handling

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Für seinen optisch massiven Auftritt ist der Monitor 60 mit nur 316 Gramm überraschend leicht. Was beim in die Hand nehmen sofort auffällt, ist, dass die Arme der Hörschalen nach innen gekippt werden können. Außerdem lassen sich die Hörschalen um 180 Grad kippen, so dass sie nach außen zeigen. Als ob das nicht genug wäre, lassen sie sich auch noch um 90 Grad nach vorn und 90 Grad nach hinten drehen. Somit haben sie einen extrem großen Bewegungsspielraum und der Kopfhörer lässt sich platzsparend zusammenklappen. Weil die verschiedenen Bewegungen aber äußerst leichtgängig sind, ist das Handling des Kopfhörers beim Aufsetzen mitunter nicht ganz einfach. Besser ist das bei der gerasterten Größenverstellung gelöst. Für wirklich kleine Köpfe ist der Kopfhörer allerdings nicht geeignet. Dazu ist sein Kopfbügel selbst in kleinster Einstellung noch zu weit. Die Polsterung des Kopfbandes ist angenehm und im Inneren der Ohrpolster sorgt Memory-Schaumstoff für einen eng anschmiegenden Sitz der Hörschalen. Die Polster führen aber zu leichtem Schwitzen der Ohren. Der Anpressdruck des Kopfhörers ist herrlich gering, so dass er mühelos über lange Zeiträume getragen werden kann. Dennoch ist sein Sitz bei Kopfbewegungen ausreichend sicher.

Aufbau, Material und Technik

Auch wenn die Gitteroptik seiner Plastikhörschalen auf den ersten Blick etwas anderes vermuten lässt, haben wir es beim OneOdio Monitor 60 mit einem geschlossenen Modell zu tun. Seine ohrumschließenden Schalen sind von 30 mm starken Ohrpolstern aus Proteinleder umgeben und sorgen für einen optisch massiven Auftritt. Die Audiozuleitung wird an der rechten Seite eingesteckt. Eine große Klinkenbuchse an der linken Hörschale dient zum Weiterreichen des Audiosignals, beispielsweise um einen weiteren Kopfhörer mit dem Audiosignal zu versorgen.

Im OneOdio Monitor 60 verrichten zwei Treiber mit je 50 mm Durchmesser ihren Dienst. Sie werden von starken Neodymmagneten angetrieben und erreichen so auf dem Papier einen Schalldruckpegel von 110 dB/SPL. Zudem ist der Kopfhörer mit seinem von 20Hz bis 40kHz wirkenden Audiofrequenzbereich gut aufgestellt. Auch wenn er in den Bässen nicht allzu viele Reserven verspricht, reicht er doch in den Höhen bei weitem über das typische Spektrum des menschlichen Gehörs hinaus. OneOdio sprechen beim Monitor 60 zudem von einer Hi-Res-Audio-Wiedergabe und -Zertifizierung.

Ein Blick auf die Specs zeigt, dass für die Impedanz des Kopfhörers lediglich 38 Ohm ausgewiesen werden. Damit haben wir zwar ein zeitgemäßes Stück Audio-Hardware in der Hand, das auch für Preamps mit eher spannungsärmeren Ausgängen geeignet ist. Eine besonders feine klangliche Zeichnung wird allerdings in der Regel eher Kopfhörern mit höheren Impedanzen zugeschrieben, die an Kopfhörerverstärkern mit hoher Ausgangsspannung eingesetzt werden. Der Klang-Check wird deshalb spannend …

Klang des OneOdio Monitor 60

Was sich auf dem Papier gut liest, muss in der Praxis nicht zwingend zu Freudensprüngen führen. Und so kommt es, dass der OneOdio Monitor 60 gleich bei den ersten Tönen beim Tester einen fragenden Blick hervorruft. Der Grund ist, dass das Stereobild des Testgeräts leicht nach rechts verschoben ist. Die Beurteilung des Stereo-Eindrucks fällt deshalb schwer. Was auch auffällt, ist, dass die Mittenwiedergabe bei diesem Kopfhörer stark überrepräsentiert ist. Die für die Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit von Gesangs- und Sprechstimmen kritischen Frequenzbereiche bei 7 kHz und um 10 kHz stehen sehr stark im Vordergrund. Da hilft auf Anhieb nur der Griff zum Lautstärkeregler, um das “Sägen” des Kopfhörers zu bremsen. Sobald Bässe und insbesondere Tiefbässe einsetzen, sorgen diese dafür, dass insbesondere die unteren Mitten deutlich komprimiert wiedergegeben werden. Die Höhenwiedergabe des Monitor 60 erscheint beim ersten Hinhören zwar brillant. Es bedarf aber keiner Luchs-Ohren, um schnell festzustellen, dass der Kopfhörer deutliche hochfrequente Rauschanteile abliefert.

Durch den unausgewogenen Frequenzgang kann mich die subjektive Signalauflösung des Monitor 60 nicht überzeugen. Zu viele Details werden von den deutlichen Frequenzspitzen überlagert. Die klangliche Dynamik dieses geschlossenen Modells ist von einem komprimierten Klangverhalten geprägt, das vor allem durch die Bassanteile im Audiosignal bestimmt wird. Zwar kann der OneOdio sein Versprechen einlösen, bis in hohe Lautstärkebereiche hinein verzerrungsfrei wiederzugeben. Sein Klangprofil ist aber derart scharf, dass wohl nicht viele Nutzer diese Lautstärkereserven ohne ein Klingeln in den Ohren ausnutzen werden. Dafür geht bei diesem Closed-Back-Kopfhörer aber die Dämpfung von Außengeräuschen ebenso in Ordnung wie seine akustische Isolation nach außen.

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Carsten Kaiser
vor 3 Wochen von Carsten Kaiser
  • Bewertung: 2.5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der OneOdio Monitor 60 ist ein geschlossener Kopfhörer mit Faltmechanismus, der sich zwar nicht wie versprochen für den Studioeinsatz, dafür aber für den Einsatz unterwegs eignet. Im Praxischeck zeigt sich der Monitor 60 als Kandidat für das eher leise nicht-kritische Abhören von Audiosignalen. Mit dezenten Lautstärkepegeln angesprochen, kann er mit seinem in den Mitten stark konturierten Frequenzgang an smarten Geräten für einen durchsetzungsfähigen Sound sorgen. In Kombination mit seiner Dämpfung von Außenschall behauptet sich seine Wiedergabe dann auch immer noch gut gegenüber Umgebungsgeräuschen. In Bus und Bahn kann der OneOdio Monitor 60 deshalb gute Dienste leisten.

Wer auf der Suche nach einem preisgünstigen Monitorkopfhörer für Recording, Mixing und Mastering im (Home-)Studio ist, sollte sich dagegen auch bei der Konkurrenz umschauen, beispielsweise bei den Modellen von Superlux.

Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 40.000 Hz
  • Impedanz38 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)110 dB
  • Gewicht mit Kabel385 g
  • Gewicht ohne Kabel316 g
  • Kabellänge300 cm

Lieferumfang

  • Kabel auf 3,5-mm-Klinke (300 cm)
  • Spiralkabel auf 6,35-mm-Klinke (120 cm)
  • Kabel mit Inline-Mikrofon-Remote auf 3,5-mm-Klinke (120 cm)
  • Tragebeutel

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