Der SE-MS9BN oder kurz S9 kommt ganz im Retrolook daher, entweder mit schwarzem Kunstleder, alternativ aber auch in einer golden-braunen Farbkombination. Pioneers größtes Modell der Scene-Style-Serie setzt auf eine beeindruckend robuste Konstruktion mit kräftig gepolstertem Kopfband und Ohrmuscheln aus Aluminium. Letztere sind über eine stabile Drahtkonstruktion in der Länge verstellbar, nicht jedoch drehbar. Das Gerät arbeitet wahlweise mit Bluetooth 4.2 und aktivem Noise Cancelling oder im passiven Kabelbetrieb. Der integrierte Akku liefert dabei eine beachtliche Laufzeit von 24 beziehungsweise 27 Stunden Musikwiedergabe (mit/ohne Noise Cancelling, Herstellerangabe).

Praxis

Die gut gepolsterte und sicher sitzende 300-Gramm-Konstruktion sorgt dauerhaft für einen hohen Tragekomfort und eine grundsätzlich gute passive Außengeräuschdämmung. Nach dem Einschalten erfolgt das Pairing zum Smartphone zügig und wird wie andere Statusmeldungen über akustische Töne an den Träger gemeldet.

Die Steuerung erfolgt über Bedienelemente an der linken Ohrmuschel. Der versenkte Ein- und Ausschalter dient dabei dem initialen Pairing (NFC wird ebenfalls unterstützt). Dabei lässt sich der S9 auch mit zwei Geräten verbinden, etwa um bei laufender Musikwiedergabe Anrufe entgegennehmen zu können.

Weiterhin lässt sich hier auch das Noise Cancelling ein- und ausschalten und der Kommunikationsmodus „Ambient Aware“ aktivieren, bei dem über die Außenmikrofone Schall in die Elektronik gegeben wird, um eine Kommunikation zu erleichtern. Ein weiterer Taster ist exklusiv dem Aufruf des Google Assistant vorbehalten.

Schließlich gibt es einen Funktionsblock, der die Lautstärke steuert und Titelsprünge sowie Start/Stoppbefehle auslösen kann. Hier lassen sich zudem ein Sprachassistent aufrufen und Telefonate annehmen sowie beenden. Soweit so gut: Etwas unklar ist mir nur, warum man nur dem Google-Assistant und nicht auch der Ambient-Aware-Funktion einen gut und sicher ertastbaren Schalter spendiert hat.

Über eine kostenlose iOS/Android App lässt sich das Noise Cancelling des S9 ebenfalls umschalten. Bisher ist die Funktionalität also eher nüchtern, allerdings verweist der Hersteller auf künftige Updates. Erforderlich ist die App auch, um das Pairing mit Google umzusetzen. Einmal eingerichtet steht der Assistant auf Knopfdruck helfend zur Seite und liest beispielsweise relevante Notizen vor. Über Sprachbefehle kann man zudem Musik des bevorzugten Musikdienstes aufrufen, Kontakte anrufen oder Nachfragen in Wikipedia stellen. Der Service funktioniert so gut, wie der Google Assistent es eben kann. Zur Ansprache wird ein Codewort vorausgesetzt, obwohl dies eigentlich aufgrund des Tasters nicht nötig wäre. Die Trefferquote für diesen Dienst würde ich eher als mittelmäßig bezeichnen.

Noise Cancelling

Das zuschaltbare aber nicht dosierbare aktive Noise Cancelling sorgt für eine ergänzende Störgeräuschunterdrückung, die für mehr Stille im Außeneinsatz sorgt. Statische und tieffrequente Geräusche werden dabei konzeptbedingt besonders sicher unterdrückt, während unregelmäßige und höherfrequente Geräusche den Schutz schneller durchbrechen. Entsprechend sind die Ergebnisse in Sitzposition am besten, etwa in der Bahn oder im Flieger. Die Intensität der Abschirmung würde ich als mittelintensiv bezeichnen und weniger effektiv als bei einigen Mitbewerbern.

Klang

Die geschlossene Konstruktion arbeitet mit dynamischen 40-mm-Treibern mit hauseigenen CCAW-Spulen. Das Ergebnis kann sich hören lassen, auch aufgrund einer Unterstützung der hochauflösenden Codecs AAC und aptX/aptX HD.

Das Klangbild ist breitbandig, druckvoll und dabei eher weich und warm. Während der Tiefbass hörbar und ohne Überbetonung reproduziert wird, gibt sich der S9 im Bass satt aber auch etwas vorlaut. Dieser Bereich überstrahlt ein wenig die durchaus stimmigen und luftigen Mitten, die Instrumente und Stimmen mit authentischem Charakter reproduzieren. Durch diese Abstimmung klingen Genres wie Rock und Pop durchweg druckvoll aber eben auch nicht immer völlig aufgeräumt. Der Höhenbereich schließlich liefert die nötige Transparenz ohne störende Härten. Die nötigen Details, die für ein stabiles Stereobild und die Wiedergabe von Panoramaeffekten nötig sind, sind ebenfalls vorhanden. Als geschlossene Konstruktion kann der S9 aber erwartungsgemäß nicht mit hochwertigen offenen Over-Ear-Modellen mithalten. Das muss auch nicht sein, denn dieser Kopfhörer ist primär für den mobilen Einsatz gedacht. Hier sorgt er für druckvollen Klang mit kräftigen Pegelreserven. Gleichzeitig liefert er aber auch die nötige Feindynamik für den Genuss von Jazz und Klassik.

Nutzt man den S9 kabelgebunden, agiert dieser stets passiv und bietet sogar die Möglichkeit hochauflösende Audiodateien über einen Rechner oder einen spezialisierten Player wiederzugeben. Abschließend fällt die Bewertung der Gesprächsqualität über das integrierte Mikrofon trotz einer integrierten Rauschunterdrückung eher durchschnittlich aus.

Fazit: Pioneer SE-MS9BN S9
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Pioneer wandelt mit dem SE-MS9BN auf Retropfaden. Klanglich und technisch ist der Over-Ear-Hörer jedoch durchaus auf der Höhe der Zeit. Das gut verarbeitete Gerät liefert ein druckvolles Klangbild, lange Akkuzeiten und ein aktives Noise Cancelling. Inwieweit die integrierte Verbindung zum Google Assistenten relevant ist, müsst ihr selbst entscheiden.

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 – 22.000 Hz (Bluetooth); 5 – 40.000 Hz (passiv)
Impedanz
36,05 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
106,16 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
670 g
Gewicht mit Kabel
310 g
Gewicht ohne Kabel
300 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • Miniklinkenkabel
  • USB-Ladekabe
  • Tragetasche

Besonderheiten

  • in Schwarz und Gold/Braun erhältlich
  • BT-Version: 4.2
  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX HD
  • NFC
  • One-Touch Pairing mit Smartphone (Multi Pairing bis zu 8 Geräte)
  • Google Assistant fähig
  • bis zu 27 Std. Laufzeit und ca. 4 Std. Ladezeit

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