Huawei FreeBuds Pro

True Wireless In-Ears mit gutem Klang und hybridem Noise Cancelling

Die Huawei Free Buds Pro wollen, laut Eigenwerbung, die aktive Geräuschunterdrückung neu definieren, sind vollgepackt mit modernster Technik und versuchen sich, bei aller bauartbedingten Ähnlichkeit mit der Konkurrenz, durch eine eigene Designsprache abzusetzen. Um alle Vorteile und Features auszuspielen, die die FreeBuds Pro anbieten, muss man aber schon ein aktuelles Huawei-Smartphone haben.

Im Karton

Im Karton werden die in Schwarz, Weiß oder Silber erhältlichen FreeBuds Pro zusammen mit der Ladebox, drei Ohrpassstücken (S, M, L), USB-C auf USB-A Kabel und einer Kurzanleitung ausgeliefert. Die Ladebox kann sowohl per Kabel als auch nach Qi-Standard kabellos geladen werden. Die In-Ears lassen sich nur etwas unwillig und fummelig aus ihren Lademulden entnehmen, weil die Finger oft mit dem Deckel der Box ins Gehege kommen und die abgerundeten Rückseiten der FreeBuds schwer zu greifen sind. Hat man sie dann herausbekommen, ist das erste Pairing auch schon vollzogen. Ein beinahe unsichtbarer Knopf an der Seite der Box kann dann später für ein erneutes Pairing gedrückt werden.

Technik

Im Inneren der FreeBuds Pro agiert der hauseigene Kirin-A1-Chip mit Bluetooth 5.2, was theoretisch LE Audio und den Codec LC3 liefert, der ganz im Sinne der Zukunft besseren Klang bei geringerer Datenrate und viele weitere Verbesserungen bereitstellt. Allerdings unterstützen die FreeBuds Pro diesen neuen, besseren Codec nicht, sondern begnügen sich mit SBC und AAC. Dabei übertragen die 11 Millimeter großen dynamischen Treiber im Frequenzbereich von 20 Hz bis 20.000 Hz. Außerdem gibt es Multi-Connect, also die Verbindung von zwei Geräten gleichzeitig. Die Kopfhörer entscheiden dann nach Signalstärke, mit welchen sie aktiv verbunden bleiben. Stoppt man dann die Musik auf dem ersten Smartphone und startet sie auf dem anderen, funktioniert der Zuspielerwechsel nahtlos. Und kommt dann auf dem ersten Gerät ein Anruf rein, dann wird automatisch dorthin geschaltet – sehr praktisch.

Erster Eindruck

Die Bauform der FreeBuds Pro erinnert an die Konkurrenz, bietet aber durch die markanten eckigen Stege, die sich auch sehr gut greifen lassen, eine willkommene Abwechslung. Eine IPX-Klasse wird allerdings nicht angegeben. Um eine gute bis sehr gute aktive Geräuschunterdrückung zu erreichen, hat es sich gezeigt, dass Silikonaufsätze auf den In-Ears ein guter erster Schritt sind, weil so mechanisch die Außenwelt vergleichsweise effektiv ausgeschlossen wird – wenn eine der drei mitgelieferten Größen passt und den Gehörgang gut abdichtet ohne dabei eine Brücke für den Trittschall zu bauen.

Ein weiterer guter erster Schritt ist auch, mit einem aktuellen Huawei Smartphone die App AI-Life zu installieren, die man aber nur aus der Huawei-App-Gallery laden kann, weil nur dort (bis zum Zeitpunkt dieses Tests) die aktuellste Version vorliegt, die die In-Ears auch erkennt. Die AI-Life-Version aus dem gewöhnlichen Google-Playstore erkennt die FreeBuds Pro dagegen (noch) nicht. In der App kann man dann einen Passtest machen, in welchem ein Musikstück abgespielt wird, während die Software überprüft, ob der Gehörgang optimal ausgefüllt ist.

In der App gibt es aber noch weitere Features: Der Ladestand jedes einzelnen In-Ears und der Ladebox wird angezeigt, das ANC oder ein Awareness-Modus kann aktiviert werden, ein paar Remote-Gesten können angepasst, die Gerätesuche und Trageerkennung eingestellt und Updates gemacht werden. Was fehlt, ist ein Equalizer, um sich seinen Sound ein wenig anzupassen.

Klangliches

Der fehlende Equalizer ist allerdings zu verschmerzen, denn der Klang der FreeBuds Pro ist durchaus amtlich – wenn man das ANC zuschaltet. Satt und ausgeglichen bei guter Darstellung der Frequenzen vom Tiefbassbereich bis hin zu den luftigen Höhen liefern die FreeBuds Pro ein offenes und warmes, gut durchdringbares und weiträumiges Bild, das nirgendwo ausreißt oder unangenehm auffällt. Knackig und rund mit genügend Druck und Klarheit – das gefällt mir sehr gut und einem ermüdungsfreien Zuhören steht nichts im Wege. Bei abgeschaltetem ANC wünscht man sich dann einen Equalizer, der die Bässe wieder voller macht und die Mitten etwas verdichtet.

ANC

Hybrides Noise Cancelling mit nach außen und innen gerichteten Mikrofonen wird geliefert und das Auslöschungsergebnis ist zufriedenstellend. Die lärmende Baustelle, an der gerade Steine mit der Flex geschnitten werden, wird ihrer dröhnend tiefen Grundlage beraubt und nur das hohe Sirren der rotierenden Scheibe kommt an die Ohren, was immer noch laut, aber nicht mehr so laut ist. In der App kann man dazu verschiedene Modi einstellen. Von „Ultra“ über „Standard“ zu „Gering“, was einen unterschiedlichen Grad der Reduktion der tiefen und mittleren Frequenzen bewirkt.

Die Einstellung „Dynamisch“ überlässt den Grad der Reduktion dem Lärm vor Ort, was Huawei dann als „intelligentes dynamisches aktives Noise Cancelling“ vermarktet. Dieses funktioniert auch gut, aber die beste Abschottung hat man einfach mit „Ultra“. Da aber dieser Modus auch den Akku am schnellsten entleert, ist die dynamische Anpassung die ideale Einstellung des ANC, welches im Betrieb auch nicht so windanfällig ist, wie manch anderer Konkurrent.

Mit dem Awareness-Modus kann man die Außenwelt über die Mikrofone wieder reinlassen, was auch immer ein wenig Grundrauschen mit sich bringt. Mit der Option „Stimmen hervorheben“ wird dieses Rauschen etwas geringer und die Bassdurchlässigkeit wird erhöht, was natürlicher klingt. Gut ist, dass man sowohl ANC als auch Awareness komplett abschalten kann.

Telefonate über die Mikrofone der FreeBuds Pro klingen gut und angenehm voll, wobei die ständig aktive Nebengeräuschunterdrückung deutlich zu hören ist und die Stimme etwas „wabbelig“ an der Gegenstelle ankommen lässt.

Remote

An den eckigen Stegen der In-Ears sind zwei schmale Schlitze und dazwischen ist ein winziger Schalter eingelassen. Streicht man nun über die Schlitze von oben nach unten, wird die Lautstärke leiser, bzw. analog von unten nach oben wird sie lauter. Tippt man dann auf den Schalter passiert erst einmal nichts. Denn entgegen der Beschreibung des Herstellers wird nicht getippt, sondern man muss den Steg mit den Fingern in die Zange nehmen und dann drücken. Ein sanftes Klicken des Mikroschalters bestätigt die Steuerungsbereitschaft und schon kann man die Wiedergabe, Anrufe, das ANC, Awareness und die Sprachassistenten entsprechend einstellen. All dies klappte stets sehr gut und auch zuverlässig.

Akkuleben

Vier Stunden mit und sieben Stunden ohne ANC sollen die In-Ears laufen. Dank der dynamischen Geräuschunterdrückung konnten die vier Stunden sogar etwas übertroffen werden. Das ist jetzt zwar keine außergewöhnlich hohe Laufzeit, aber mit dem Lade-Case ist immerhin eine maximale Laufzeit von 30 Stunden netto möglich.

Sven Opitz
vor 2 Monaten von Sven Opitz
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Vor allem mit einem aktuellen Huawei Smartphone samt passender AI-Life-App bekommt man zusammen mit den FreeBuds Pro ein ausgezeichnetes Gespann, welches moderne Features wie Multipoint, ein solides, dynamisches ANC und hervorragenden Klang zu einem runden Paket verschnürt, dem eigentlich nur noch eine Equalizer-Funktionalität fehlt, um perfekt zu sein. Für ältere Android-Geräte und iOS-Nutzer ergeben sich wegen der fehlenden App einige Abstriche bei den Voreinstellungen der FreeBuds Pro, wobei sich ANC, Awareness und alle Remote-Funktionen trotzdem am Ohr schalten lassen.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Gewicht ohne Kabelje ca. 6,1 g, Case netto: ca. 60 g

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke (S, M, L)
  • USB-C-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • in Schwarz, Weiß und Silber erhältlich
  • BT-Codecs: aptX, AAC, SBC
  • BT-Version: 5.2
  • BT-Profile: A2DP 1.3, HFP 1.7, AVRCP 1.6

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