Sonarworks SoundID Listen

Personalisiertes Hören mit Kopfhörern

Die in Riga ansässige Softwareschmiede Sonarworks hat sich bereits mit Reference 4, einer Kalibrierungssoftware für Studiomonitore und Kopfhörer, im Bereich der Musikproduktionen einen Namen gemacht. SoundID Listen richtet sich hingegen an Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber, die das Hörerlebnis mit ihren Kopfhörern optimieren möchten.

Das Softwarepaket besteht aus einer kostenlosen App namens SoundID für Android- und iOS-Geräte sowie der kostenpflichtigen Desktop-Version SoundID Listen für Mac- und Windows-Systeme. Hierbei dient die mobile App dazu ein Klangprofil zu erstellen, das im Anschluss auf dem Rechner genutzt werden kann, und zwar systemweit, da die Wiedergabe durch einen virtuellen Audiotreiber angepasst wird. Insofern können nicht nur lokale Musikdateien, Filme und Spiele, sondern auch Spotify oder YouTube personalisiert ausgegeben werden. Der Hersteller plant zudem, das Klangprofil für (Bluetooth-)Lautsprecher, Fernseher, Bildschirme, HiFi-Systeme und Autoradios zu erweitern. Gleichzeitig soll eine Einbindung bei (Musik-)Streaming-Diensten erfolgen, damit eine mobile Nutzung möglich ist. Bisher muss bei Tablets und Smartphones jedoch auf die Technologie verzichtet werden, da über die App lediglich die Option besteht einzelne Spotify-Songs wieder zu gegeben, was aktuell ein Manko darstellt.

Klangprofil generieren

Ist über die SoundID App ein Account erstellt, der Angaben zum Alter und Geschlecht enthält, erfolgt die Auswahl des genutzten Kopfhörers. Die Software unterstützt bereits über 360 Modelle, die stetig ergänzt werden, da als erstes eine Linearisierung des Hörers vorgenommen wird. Als Ausgangspunkt für die Personalisierung dient somit ein neutraler Klang, wodurch das SoundID-Profil später auch mit unterschiedlichen Kopfhörermodellen genutzt werden kann. Die hierbei verwendete Technologie entstammt der Reference 4 Software und wurde ebenfalls für die mittlerweile eingestellte True-Fi Linearisierungs-Software für Kopfhörer (zum Test) genutzt. Im Anschluss werden mithilfe eines A/B-Hörvergleichs persönliche Klangpräferenzen wie eine neutrale, bass- oder höhenbetonte Ausrichtung ermittelt. Wer möchte, kann zusätzlich noch einen zweiten Hörtest absolvieren, der das Hörvermögen analysiert, um beispielsweise eine altersbedingte Abnahme oder Disbalancen zwischen linkem und rechtem Ohr auszugleichen. Das auf dieser Grundlage basierende Klangprofil ist fortan im Account hinterlegt und somit am Rechner nutzbar.

SoundID nutzen

Die Desktop-Anwendung bietet die Möglichkeit die Tonausgabe des Rechners zu konfigurieren, wodurch beispielsweise ein Kopfhörerverstärker einsetzbar ist. Allerdings ist aufgefallen, dass sowohl die Lautstärkereserven des Rechners als auch eines Amps durch den virtuellen Audiotreiber limitiert werden, was vor allem bei hochohmigeren Hörern Auswirkungen hat, sich aber auch bei den niederohmigen Modellen bemerkbar macht. Ansonsten kann das Hörermodell auf Wunsch schnell gewechselt werden, da bereits verwendete Modelle im Account gespeichert werden und zudem ein direkter Zugriff auf die Datenbank an unterstützten Kopfhörern besteht. Die Klangoptimierung ist hingegen per On/Off-Schalter (de-)aktivierbar und wirkt sich insbesondere auf die räumliche Wahrnehmung aus. Während Stimmen und Lead-Instrumente deutlich nach vorne rücken, erscheint die Bühne merklich an Tiefe zu gewinnen. Der Klang erscheint insgesamt luftiger, transparenter und offener, aber auch heller, was an einer altersbezogenen Anpassung der Höhen liegen könnte. Ohne SoundID klingt die Wiedergabe erstaunlich dumpf und geradezu eindimensional, wobei ein ernsthafter A/B-Vergleich aufgrund des vorhandenen Lautstärkeunterschieds leider nicht möglich ist. Zumindest die wahrgenommene Lautheit des personalisierten Hörerlebnisses ist eindeutig höher, was die Beurteilung erschwert und kritikwürdig erscheint.

Das Potenzial des Klangprofils ist jedoch unverkennbar und bei bestehendem Interesse kann die Software als Trial-Version 30 Tage kostenlos genutzt werden, was sehr zu empfehlen ist. Zum momentanen Zeitpunkt sind durchaus noch kleinere Mängel vorhanden, weshalb das App-Paket noch nicht vollständig ausgereift erscheint. Frauen wird beim Erstellen des Accounts beispielsweise automatisch das Geschlecht „Other“ zugewiesen und die Sampleloops beim Hörtest sind an den Übergängen nicht korrekt ein- und ausgeblendet, was Knackser zur Folge hat und die Konzentration stören kann, was mit einem Update aber zu beheben sein sollte.

Maike Paeßens
vor 3 Monaten von Maike Paeßens
  • Bewertung: 3.88
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Die SoundID-Technologie leistet eine weitreichende Klanganpassung von Kopfhörern basierend auf individuellen Präferenzen und des spezifischen sowie altersbedingten Hörvermögens, der eine Linearisierung des genutzten Hörermodells vorausgeht. Als Kehrseite muss jedoch in Kauf genommen werden, dass der virtuelle Audiotreiber die Lautstärkereserven reduziert und somit auch Kopfhörerverstärker drosselt. Während das Klangprofil auf Rechnern bereits systemweit beim Musikhören und Gaming oder bei Filmen genutzt werden kann, ist dies auf mobilen Geräten aktuell noch nicht möglich. Sonarworks zufolge werden jedoch weitere Einsatzbereiche, zu denen auch Lautsprecher, Fernseher und Autoradios zählen, angestrebt.

Technische Daten

  • BauformSoftware

Besonderheiten

  • Systemvoraussetzungen: macOS 10.12 Sierra oder Windows 8
  • Preis: 4,99 US-Dollar pro Monat, 24,99 US-Dollar für 6 Monate und 44,99 US-Dollar für 12 Monate