SPL Phonitor 2

Audiophiler analoger Kopfhörerverstärker und Monitor-Controller

Makellose Verarbeitung, innovative Technik, kräftige Leistung und überragender Klang: Der SPL Phonitor 2 ist ein uneingeschränkt empfehlenswerter Partner für Kopfhörer auf Referenzniveau.

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SPL aus Niederkrüchten in Nordrhein-Westfalen ist seit 1983 im Bereich der Studiotechnik tätig. Inzwischen deckt der Hersteller, der so innovative Geräte wie den Vitalizer und den Transient Designer entwickelt hat, eine umfassende Auswahl von Produkten für den Studioeinsatz, das Mastering und für den audiophilen Musikkonsum ab, die allesamt in Deutschland entwickelt und gefertigt werden.

Die Verbreitung von Kopfhörern im Alltag des Musikkonsums hat die klassische heimische Stereoanlage längst überflügelt. Resultierend gibt es auch einen Bedarf an audiophilen Kopfhörern und Kopfhörerverstärker sowie an Geräten für den professionellen Einsatz. Der Verstärker nimmt dabei einen durchaus relevanten Einfluss auf den Klang, immer ist dieser dediziert für die Musikwiedergabe optimiert, während die Standardlösungen in unseren Smartphones oder Audio-Interfaces oftmals eher eine Beigabe darstellen. Wer also in einen hochwertigen Kopfhörer investiert, sollte auch die zugehörige Verstärkung nicht unberücksichtigt lassen.

Der Phonitor 2 ist der aufwändigste SPL-Kopfhörerverstärker aus der Studiosparte. Er überzeugt mich unmittelbar durch sein edles Design und die hochwertige Verarbeitung. Das Testgerät bringt mitsamt integriertem Netzteil etwas mehr als 4 kg auf die Waage und ist in den Farben Silber oder Schwarz erhältlich. Er ist circa 28 cm breit und hat mit seiner massiven Frontblende, beleuchteten VU-Metern und einem großen motorisierten ALPS-Potentiometer für die Lautstärke (RK27) durchaus Ähnlichkeiten mit einer hochwertigen Hifi-Komponente.

Im Nachfolger des ersten Phonitors, mit dem SPL die namensgebende Phonitor Matrix erstmals 2008 einführte, kommt die hauseigene 120-Volt-Technologie zum Einsatz, die sich auch in den Mastering-Produkten des Herstellers wiederfindet. Eingesetzt werden eigens entwickelte Operationsverstärker mit einer Versorgungsspannung von ±60 Volt (zum YouTube-Video des Herstellers), die letztlich in einem erhöhten Störabstand und verbesserter Dynamik resultieren sollen. Zum Vergleich: Herkömmliche Bauteile/Operationsverstärker arbeiten für die transformierte Gleichspannung mit einer Betriebsspannung von ±15 Volt für die Signalverstärkung. Auf dem Messblatt ergibt sich so eine Dynamik von über 136 dB und ein Rauschabstand von mehr 103 dB. Gleichzeitig fällt die Übersteuerungsreserve so hoch aus, dass der Verstärker in Relation zum Bezugspegel kaum je in seinem Grenzbereich arbeiten muss. Das verspricht guten Klang …

Funktionalität

Die Lautstärkesteuerung erfolgt wahlweise manuell oder per Lernfunktion über eine beliebige Infrarot-Fernbedienung, mit der sich besagtes Poti wie von Geisterhand bewegt. Als Quellen stehen zwei XLR- und ein Cinch-Stereo-Eingang zur Auswahl, während man sich ausgangsseitig zwischen XLR-Linepegel- und Kopfhörerausgang oder einer Mute-Position entscheidet. Es folgt ein Mono/Stereo-Umschalter, der bei der Überprüfung der Monokompatibilität sinnvoll ist, etwa für den Vinylschnitt, Rundfunkeinsatz sowie für moderne Bluetooth/WLAN-Lautsprecher.

Ebenfalls vorhanden ist eine bewusst zurückhaltend agierende Steuerung der Balance (Lateralität) von 2,25 dB mit automatischer Pegelkompensation. Durchaus sinnvoll für Menschen mit Hörschwächen und mit spezifischen Höreigenschaften. Solche Schwächen werden zwar teils durch unser Gehör kompensiert, die Kompensation am Gerät erleichtert jedoch die tägliche Arbeit.

Schließlich lassen sich linker und rechter Kanal bei Bedarf einzeln abhören und mit einem zweiten Schalter in der Phase drehen. Das ist für die Prüfung der Signalintegrität im Studio sinnvoll, erlaubt aber auch durch die Kombination mit dem Monoschalter, Mitten- und Seitensignale abzuhören – eine gängige Aufgabe im Studio- und Mastering-Bereich.

Als Zielgruppe adressiert der Phonitor 2 eine professionelle Nutzergruppe. Neben seiner Funktion als Kopfhörerverstärker übernimmt er dabei auch die Ausspielung auf die Monitore der Studioregie.

Der primäre Kopfhöreranschluss befindet sich auf der Frontseite und ist als 6,3-mm-Klinkenbuchse ausgeführt. Auf Sonderformate wie Pentaconn oder XLR4 verzichtet der Phonitor 2, ebenso auf einen zweiten Ausgang. Für die Ausgabe an (aktive) Lautsprecher ist das XLR-Pärchen auf der Rückseite vorgesehen. Es lässt sich aber prinzipiell auch für einen symmetrischen Kopfhörer nutzen, indem man auf ein Adapterkabel zurückgreift.

Weiterhin gibt es mehrere DIP-Schalter auf der Geräteunterseite: Hiermit lassen sich die Ausgänge zwischen unterschiedlichen Pegelniveaus umschalten. Dazu ist es möglich, die Phonitor Matrix für die XLR-Ausgänge nutzbar zu machen und den Phonitor 2 in einen Durchschleifmodus zu versetzen, um das gewählte Eingangssignal unmanipuliert (bis auf die schaltbare Phasendrehung) an die Ausgänge durchzureichen.

Eine sinnvolle Option hält SPL mit dem optionalen 19“-Expansion Rack bereit. Hier lässt sich der XLR-Ausgang über einen Umschalter auf jeweils einen von vier XLR-Stereo-Ausgängen verteilen – ideal für multiple Monitore. Die gleiche Option lässt sich laut Hersteller übrigens auch mit passenden Kabeln als passive Eingangserweiterung nutzen.

Die beiden dekorativen VU-Meter zeigen jederzeit den Pegel an. Sie sind im Einsatzpegel konfigurierbar und abhängig von der Ausgangsselektion in unterschiedlichen Farben beleuchtet.

Phonitor Matrix

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Als Besonderheit wartet der Phonitor 2 mit einer zuschaltbaren, vollständig ausgestatteten Phonitor Matrix auf. Diese verfolgt das Ziel, den spezifischen Klang von Kopfhörern, die konzeptionell durch ihre perfekte Kanaltrennung eine andere und oftmals intensivere Panoramabreite und Raumwiedergabe liefern, an eine Wiedergabe auf Lautsprecher anzugleichen (zum Erklärvideo des Herstellers auf YouTube). Im Sinne einer tontechnischen Beurteilung aber auch im Sinne einer „ehrlichen“ Wiedergabe ist das durchaus begrüßenswert, darf man doch davon ausgehen, dass der überwiegende Anteil von Musik für die Lautsprecherwiedergabe abgemischt wurde.

Die Phonitor Matrix bietet mit dem in sechs Stufen schaltbaren Parameter „Crossfeed“ ein gefiltertes Übersprechen zwischen den Kanälen (zunehmend oberhalb von 500 Hz), das bis zu 30 Prozent betragen kann. Gleichzeitig kann man den Aufstellungswinkel der „virtuellen“ Lautsprecher in sechs Stufen zwischen 15 und 75 Grad festlegen. Hier steuert man die sogenannte „interaurale Zeitdifferenz“, die je nach Winkel zwischen 90 bis 635 Mikrosekunden beträgt. Eine zusätzliche Pegelkompensation des Mittensignals (Center Level) für die korrekte Einbettung der Stereomitte nach Anwendung des Crossfeed-Parameters ist in diesem Modell ebenfalls in sechs Stufen bis zu einer Absenkung bis -2 dB justierbar. Dieser Parameter ist zusätzlich abschaltbar. Hörbeispiele bietet SPL unter diesem Link, die ihr euch bitte mit Kopfhörer anhört.

Praxis

Die Aufgabenstellung des Phonitor 2 ist geradlinig, was auch für die Bedienung gilt. Neben der Quellenwahl entscheidet man sich für den gewünschten Ausgang, die Lautstärke und den Einsatz der Phonitor Matrix. Die weiteren Schaltoptionen dürften eher temporär genutzt werden. Die Ausgangsleistung liegt impedanzabhängig zwischen 1 Watt (32 Ohm), 2,7 Watt (600 Ohm) und 5 Watt (250 Ohm) pro Kanal. Dazu lässt sich der Ausgangspegel per Dip-Schalter um weitere 12 dB anheben.

Mein einziger Kritikpunkt an der Ausstattung ist die fehlende Möglichkeit, Kopfhörer- und Lautsprecherausgang gleichzeitig nutzen zu können. Auch für Kopfhörervergleiche ist der Phonitor 2 eher nicht geeignet. Hier ist RME ADI-2 Pro FS (zum Test) klar im Vorteil.

Klang

Die Klangbeurteilung erfolgte überwiegend mit dem portablen DAP M3X von Shanling (zum Test), dem magnetostatischen Kopfhörer Peacock von Sendy Audio (zum Test) sowie dem Modell HD 800 S von Sennheiser (zum Test). Mit beiden Kopfhörern kam der Phonitor 2 souverän zurecht und bot eine völlig hinreichende Leistungsreserve.

Im Ergebnis ergab sich eine Wiedergabekette mit absolut stimmigem Klang, die die Klangquellen mit sämtlichen Details und mit musterhaft schneller Ansprache komplett neutral und ohne Nebengeräusche verstärkt und somit letztlich die Eigenschaften der Klangquelle aber auch des jeweiligen Kopfhörers herausarbeitet.

Der Phonitor 2 schönt nichts und zeigt somit auch Schwächen im Quellmaterial auf, den entsprechenden Kopfhörer vorausgesetzt. Härten, Unausgewogenheiten, dynamische Begrenzungen, Schnittfehler aber auch flache oder räumlich ungünstige Mischungen.

Die Dynamik ist exzellent, aber auch die Stimmigkeit komplexer Produktionen von orchestraler Klassik über Pop, Jazz bis hin zum Metal. So ertönt Kraftwerks Geiger Counter „Radioactivity“ (3-D) räumlich und vom Stereopanorama überragend, während bei „Midnatssdans“ (Benny Andersson: Piano) jeder einzelne Anschlag des Fazioli-Flügels von einem hörbaren Raum umgeben ist und eine klar nachvollziehbare Dynamik aufweist.

Diese Qualität hat allerdings die Eigenschaft, das beispielsweise der Bass kontrollierter reproduziert wird als auf typischen Heimsystemen oder einer Club-Beschallung. Dem Toningenieur nützt die höhere Kontrolle bei der Bewertung seiner Entscheidung, die jedoch die Kenntnis voraussetzt, wie sich diese Wiedergabekette auf andere Systeme übersetzt. Das jedoch kann man SPL allerdings wirklich nicht ankreiden.

Zugegeben: Ein guter Kopfhörerverstärker dürfte in der skizzierten Wiedergabekette den geringsten Unterschied ausmachen. SPL schöpft dabei aus den Vollen und stellt so eine höchstmögliche Qualität sicher. Gegenüber simpleren oder den meisten integrierten Lösungen ist ein Klangvorteil erkennbar. In der Praxis erlebt man das in Form einer besseren Auflösung, aber auch gleichzeitig in einem deutlich späteren Einsetzen einer Hörermüdung. Das Musikhören und Arbeiten mit dem Phonitor 2 klingt nicht nur überragend, sondern macht auch Spaß und ist über Stunden möglich – ein Qualitätskriterium im professionellen Umfeld.

Gleichzeitig rechtfertigt der Phonitor 2 seinen Aufpreis gegenüber vielen Mitbewerbern durch die Phonitor Matrix und praxisgerechte Schaltoptionen. Die Phonitor Matrix selbst klingt stimmig und natürlich, ist aber im Ergebnis durchaus vom Quellmaterial abhängig. Im Allgemeinen wandert die Mischung nach vorn und verliert etwas an der für Kopfhörer typischen Breite. Das hat Auswirkungen auf die Pegelverhältnisse und ist somit in der Praxis durchaus relevant.

Somit nähert man sich der Wiedergabe über Lautsprecher durchaus an: Die Phantommitte wird gestärkt und Hallräume treten weiter in den Hintergrund. Titelabhängig lassen sich mitunter deutliche Unterschiede feststellen, insbesondere im Stereopanorama, aber auch in der Klangfarbe und der Pegelverhältnisse. Ohne eine Bewertung vorzunehmen, sollte klar werden, dass man eine abweichende Bearbeitungsgrundlage hört. Und folglich scheint es mir auch sinnvoll, die Phonitor Matrix als Referenz für die Arbeit mit dem Kopfhörer zu wählen, wenn es darum geht, eine Mischung für Lautsprecher über einen Kopfhörer zu erstellen (oder auch nur möglichst authentisch abzuhören).

Dabei ist es sinnvoll, sich eine Phase der Eingewöhnung zu gönnen. Schnelle A/B-Vergleiche sind eher nicht angebracht. Und hat man sich erst an die Phonitor Matrix gewöhnt, kann es durchaus passieren, dass man das „spektakuläre“ Klangbild eines Kopfhörers bezüglich des Panoramas als unnatürlich empfindet.

Naheliegend ist der Vergleich zu den bereits getesteten Modellen. SPL unterteilt die Kopfhörerverstärker in einen Studiobereich für professionelle Anwender und an die Gruppe audiophiler Musikhörer (Professional Fidelity). Der wesentliche Unterschied zwischen dem Phonitor 2 und Modellen Phonitor se (zum Test) und Phonitor xe (zum Test) liegt in einer unterschiedlichen Funktionalität, die die jeweilige Zielgruppe adressiert. Hingegen ist die eingesetzte Technik auf der Basis von Operationsverstärkern mit ±60 Volt (VOLTAiR) völlig identisch.

Am ehesten vergleichbar ist das Modell Phonitor X (zur Produktseite des Herstellers) – einem Kopfhörerverstärker, der auch als Vorverstärker vor einer Endstufe arbeiten kann. Er bietet bei Bedarf einen integrierten D/A-Wandler, einen XLR-4 Kopfhörerausgang, Endstufenausgänge im Cinch- und XLR-Format sowie Steuerausgänge zum Ein- und Ausschalten kompatibler Endstufen. Abstriche gibt es bei einer weniger vollständigen Phonitor Matrix, der Anzahl der XLR-Eingänge sowie bei der Funktionalität beim Abhören einzelner Stereokanäle.

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Ulf Kaiser
vor 1 Monat von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der SPL Phonitor 2 adressiert professionelle Anwender, die im Tonstudio eine rein analoge, gleichermaßen audiophile und praxistaugliche Ausstattung für das Monitoring mit Kopfhörern und Lautsprechern fordern.

Neben einer makellosen Verarbeitung, innovativer Technik und kräftiger Leistung zeichnet sich das Gerät durch seinen überragenden Klang aus, der Quellsignale im Frequenzbereich, im Raum und in der Dynamik bestmöglich auflöst und somit eine tiefgreifende Beurteilung erlaubt – einen gleichwertigen Kopfhörer als Partner vorausgesetzt – eine von der Raumakustik entkoppelte Wiedergabekette, die auf höchstem Niveau spielt und eine ungeschönte Lupe für die Bewertung möglicher tontechnischer Arbeiten.

Die Phonitor Matrix darf man als wertvolles Werkzeug sehen, um sich dem Klangbild der Lautsprecherwiedergabe anzunähern und dem Toningenieur so eine verlässliche Beurteilungsgrundlage bei der Mischung auf Kopfhörern zu bieten, die den meisten Mitbewerbern fehlt. Wer also den passenden Partner für seinen hochwertigen Kopfhörer sucht, findet mit dem SPL Phonitor 2 ein uneingeschränkt empfehlenswertes Tool auf Referenzniveau.

Technische Daten

  • BauformVerstärker
  • BauweiseDesktop
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)(-3dB): 10 Hz - 300.000 Hz
  • Gewicht ohne Kabel4.300 g

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