Shanling M3X

Portabler HiRes-Player mit symmetrischem Kopfhörerausgang

Die Erfindung der iPods 2001 war eine geniale Sache. Plötzlich war man in der Lage, seine eigene Musikbibliothek unterwegs hören zu können. Mit Erscheinen der Smartphones und ihren Möglichkeiten, auch dort die eigene Musikbibliothek ablegen zu können, verschwanden diese spezialisierten portablen Musikabspielgeräte zunächst wieder aus den Verkaufsregalen. Seit einigen Jahren sind sie allerdings erneut aufgetaucht, bieten eine Fülle technischer Möglichkeiten, die einer Heimanlage kaum nachstehen und einen Fokus auf gesteigerte Klangqualität legen. Ist die Zeit für den portablen Musik-Player wieder gekommen?

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Der hierzulande kaum bekannte Hersteller Shanling ist kein Unbekannter in der Hi-Fi-Szene. Gegründet wurde die chinesische Firma 1988 und entwickelt seitdem Hi-Fi-Produkte der Oberklasse. Zur breit aufgestellten Produktpalette gehören Röhrenverstärker, High-End-CD-Player, Kopfhörer und seit einigen Jahren auch einige tragbare Abspielgeräte. Das vorliegende Testgerät orientiert sich am Flaggschiff M8, kommt aber in kleineren Ausmaßen und geringerem Gewicht daher.

An einen portablen Musikplayer werden hohe Anforderungen gestellt, soll er doch neben dem allgegenwärtigen Smartphone bestehen können. Zum einen muss er robust genug für den täglichen Einsatz konzipiert sein und dementsprechend kleinere Stöße sowie eventuelle Stürze überleben können. Gleichzeitig sollte die Größe kompakt und das Gewicht so gering sein, dass er am besten in die Hosentasche passt. Und schließlich sollte er natürlich möglichst viele Audioformate abspielen können, hochauflösende Codecs mit sich bringen und einen „verlustfreien“ Kabelbetrieb offerieren.

Praxis

Der M3X kommt in einer edel aussehenden Verpackung daher, die einem Buchschuber ähnelt. Innen mit hartem aber samtigen Schaumstoff ausgepolstert und dadurch für den sicheren Transport geeignet, enthält dieser neben dem Gerät unter anderem ein Verbindungskabel sowie zwei Schutzfolien für den Touchscreen. Leider vermisse ich hier eine schützende Tragetasche, die allerdings vom Hersteller als Zukauf angeboten wird.

Das Gerät selbst fällt mit 109 × 72 × 15,9 mm und einem geringen Gewicht von 168 Gramm klein, handlich und kompakt aus. Auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, welche Seite den Touchscreen beherbergt, da beide ein Glaspaneel aufweisen. Das Gerät ist komplett in schwarzen, matten Kunststoff gehalten mit weißer Schrift oder Symbolen zur Beschreibung der Verbindungen und Funktionen. Der M3X wirkt edel, hochwertig und liefert ein ansprechendes Design, das mich sofort an eine moderne, teurere Ausgabe meines alten Apple iPod Classic erinnert.

Die Anschlüsse befinden sich an den kurzen Seiten, während die Transport- und Regelfunktionen an den Längsseiten zu finden sind. Vorhanden sind ein unsymmetrischer Miniklinkenanschluss (3,5 mm Stereo) und ein vergoldeter 4,4-mm-Ausgang zur Verbindung symmetrischer Kopfhörer. Ein USB-C-Anschluss dient der Datenübertragung, dem Laden des kräftigen Akkus (3.200 mAh) und erlaubt die Nutzung als D/A-Wandler. Auch findet sich hier ein Slot für eine Speicherkarte im microSD-Format. Wer eine analoge Haptik bevorzugt, dem stehen neben dem 4,2-Zoll-Touchscreen (1280×768 Pixel) Tasten für die Transportfunktionen und ein griffiger Lautstärkeregler zur Verfügung. Letzterer erinnert mich an den Aufzug einer mechanischen Armbanduhr.

Technik

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Der M3X arbeitet mit einer angepassten Version von Google Android 7.1 mit proprietärer AGLO-Technologie (Android Global Lossless Output), die die typischen Android-Beschränkungen beim Abspielen von Audiodateien umgeht und somit eine hochwertige Umsetzung als Audio-Abspielgerät ermöglicht. Dabei wird sichergestellt, dass neben der herstellereigenen Player-App auch andere Musik-Apps die bestmögliche Ausspielqualität nutzen können. Ein Qualcomm Snapdragon 430 Prozessor mit acht Rechenkernen, 2 GB RAM sowie 32 GB Musikspeicher stehen dem Kleinstrechner zur Verfügung. Per microSD-Karte lässt sich der Speicher auf bis zu 2 TB aufbohren – damit sollte selbst der größten Musiksammlung geholfen sein. Des Weiteren können über die Android-Bedienoberfläche auch Spiele ausgeführt oder eine Fotobibliothek angelegt und betrachtet werden. Per App-Store Pure-APK stehen zudem viele weitere Anwendungsmöglichkeiten bereit. Hier findet sich beispielsweise auch Tidal.

D/A-Wandler

Für die essentielle Wandlung ist der ESS Sabre ES9219C DAC/AMP zuständig, der sich zwischen Single- und Dual-DAC-Modus umschalten lässt. Letztgenannte Betriebsart nutzt den von Shanling entwickelten internen Musikplayer und liefert die höchstmögliche Qualität. Der Single-DAC-Modus bietet Abspielmöglichkeiten über die oben erwähnte Android-Bedienoberfläche mit reduzierter Abtastfrequenz. Der D/A-Wandler verarbeitet lineare PCM-Daten mit bis zu 32 Bit und 384 kHz, DSD und DSD256 und kodiert zudem hardware-basiert den audiophilen MQA-Codec. Darüber hinaus ist der M3X natürlich in der Lage, viele verlustbehaftete Formate wie AAC und MP3 abzuspielen (siehe „Technische Daten“). Und schließlich lassen sich auch externe Geräte über USB mit dem M3X verbinden, um diesen als hochwertigen D/A-Wandler zu nutzen.

Streaming

Die kabellose bidirektionale Verbindung nach außen erfolgt über den älteren Bluetooth-Standard 4.2. Empfangsseitig werden die Codecs LDAC und SBC unterstützt, sendeseitig die Formate LDAC, SBC, LHDC, aptX HD und aptX. Mithilfe des von Shanling entwickelten Players wird das 2,4-und 5-GHz-WLAN-Netz genutzt, um über DLNA auf Musikdateien eines NAS-Servers zuzugreifen. Auch AirPlay und Synclink sind möglich.

Akkulaufzeit

Laut Herstellerangabe bietet der M3X mit einer einzigen Akkuladung eine Laufzeit von etwa 23 Stunden bei der Nutzung der unsymmetrischen Schnittstelle (circa 19 Stunden mit symmetrischer Schnittstelle). Tatsächlich spielte der Player in der Praxis mit dem unsymmetrischen Anschluss knapp 22 Stunden nonstop. Diese Angabe bezieht sich auf die reine Musikwiedergabe, während sonstige Apps die Spielzeit erwartungsgemäß verändern.

Klang

Letztlich stellt sich die Frage nach dem Klang und Mehrwert gegenüber einem Smartphone. Als Ausspielgerät mit der Möglichkeit für direkte Vergleiche diente der neutrale Vorverstärker Funk MTX Monitor. Als weitere Abspielgeräte dienten ein Cambridge Audio CXN V2 Streamer/Netzwerk-Player, ein CD-Player (NAD 512) und ein Smartphone (Samsung Galaxy S7). Der Kopfhörerbereich wurde durch Modelle von Stax, Focal und Sennheiser abgedeckt. Zu guter Letzt diente ein Lavry DA11 der Wandlerbewertung.

Um das klangliche Maximum auszuloten, wurde der M3X zunächst in den Prime-Modus versetzt, der den hauseigenen Player nutzt und das Android-Betriebssystem nahezu komplett umgeht. In dieser Betriebsart klingt der Player besonders offen in beide Richtungen des Frequenzspektrums sowie insgesamt ausgeglichener und feingliedriger in der Klangdarstellung. Tatsächlich gibt sich der Single-Modus im Vergleich etwas eingegrenzter, mit einer dezenten Betonung in den mittleren Frequenzen, grobkörniger und weniger unmittelbar. Aus diesem Grund wurde der Dual-DAC-Modus für alle weiteren Tests gewählt.

In der Kombination mit unterschiedlichen Kopfhörern vermag der Kopfhörerverstärker aufgrund seiner gut konzipierten Ausgangsleistung von 240 mW an 32 Ohm alle Modelle mit genügend Leistung zu versorgen. Dies äußert sich in einem druckvollen Klangbild, das niemals zu leise war. Besonders gut klang das Abspielgerät in Kombination mit dem ebenfalls hoch auflösenden Stax-Kopfhörer inklusive dediziertem Vorverstärker.

Der M3X ist kein Spezialist für bestimmte Musikstile, sondern vermag alle Genres so wiederzugeben, wie diese aufgenommen wurden. Hier wird nichts verschönert, korrigiert oder verfälscht. Zu hören ist allerdings kein betont analytisches Klangbild. Die kraftvollen Bässe klingen warm, das fein strukturierte Mittenspektrum vermag das Ohr mit seinem Charme zu betören und das nach oben offene Klangbild funkelt wie die Sonnenstrahlen im Sommermeer. Kurzum: Es macht richtig Spaß, mit dem M3X Musik zu hören!

Schlagzeugaufnahmen klingen räumlich, aufgeräumt und über das gesamte Frequenzspektrum gleichmäßig verteilt, Bässe drücken selbst tiefste Töne kraftvoll voran, während Stimmen plastisch und üppig ertönen. Beeindruckend klingt auch der mittlere Frequenzbereich, den sich viele Instrumente teilen müssen. Hier werden präzise und fein abgestuft Konturen der Instrumente gezogen. Die vor den Augen auftauchende virtuelle Bühne klingt niemals überzogen breit und fächert dazu eine Tiefenstaffelung auf, bei der die Position im Raum deutlich erkennbar und umrissen ist.

Im Direktvergleich mit dem Smartphone von Samsung sind die Unterschiede deutlich und unverkennbar. Die beschriebene virtuelle Bühne fällt in sich zusammen, die Konturen der Instrumente verschwimmen und es mangelt an Luftigkeit. Wer sich einmal in den M3X hineingehört hat, möchte diesen nicht mehr missen.

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Michael Schillings
vor 3 Wochen von Michael Schillings
  • Bewertung: 4.5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Shanling führt mit dem M3X die eigene Tradition von hochauflösenden portablen Abspielgeräten fort und liefert ein klanglich bemerkenswertes Ergebnis ab. Das Gerät offeriert für einen attraktiven Preis hochauflösenden Klang für unterwegs, lässt sich aber ebenso stationär an der Hi-Fi-Anlage betreiben. Dort kann es als hochwertiges Abspielgerät für eine umfangreiche Musikbibliothek mit ergänzenden Streaming-Diensten dienen. Gepaart mit hochwertigen In-Ear-Kopfhörern ist stundenlanger Musikgenuss vorprogrammiert. Bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 339 Euro kann ich da nur noch eine besondere Empfehlung aussprechen.

Technische Daten

  • BauformVerstärker
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 Hz - 40.000 kHz (-0,5 dB)
  • Gewicht ohne Kabel168 g

Lieferumfang

  • USB-Kabel
  • 2 Schutzfolien für den Touchscreen

Besonderheiten

  • BT-Codecs: LDAC, LHDC, aptX HD, aptX, SBC
  • BT-Version: 4.2
  • Unterstützte Dateien: DSF, DF, ISO, DXD, APE, FLAC, WAV, AIFF, AIF, DTS, MP3, WMA, ACC, OGG, ALAC, MP2, M4C, AC3, M3U, M3U8, OPUS, Iso (außer DST)
  • Abmessungen: 109 mm x 72 mm x 15,9 mm
  • Bildschirm: 4,2 Zoll, 768 x 1280
  • System: Offenes Android 7.1
  • Hi-Res: Bis zu 32 Bit/384 kHz & DSD 256
  • Speicher: 2 GB RAM + 32 GB ROM + microSD-Kartenslot
  • Audio-Chip: ESS ES9219C x 2

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