Wer mit der Marke Superlux das erste Mal in Kontakt tritt und die Assoziation Leuchtmittel beiseiteschiebt, liest unter anderem auf dieser Seite, dass es sich hier um einen Audiohersteller fernöstlicher Provenienz handelt, der mit schöner Regelmäßigkeit Preis-Leistungs-Trophäen einheimst. Der HD662 EVO folgt gleichnamigem Superlux ohne EVO-Zusatz und adressiert vor allem Musiker – ins Besondere produzierende jener preissensiblen, zugleich anspruchsvollen Spezies.

Inhaltsangaben

Der HD662 EVO kommt in einer recyclingfähigen Kartonage daher. Schuber hochziehen, Klappe öffnen und die Umverpackung entblättert ein reichhaltiges Zubehör: zwei starre Kabel unterschiedlicher Länge (1 und 3 Meter) – jeweils mit Stereo-Miniklinken-Enden (jeweils Stecker und Buchse); ein gedrucktes Heftchen in den Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch und Mandarin mit allen wichtigen Informationen zu Pflege und Betrieb; ein zusätzliches Pärchen Ohrpolster aus Velours sowie ein Stoffsäckchen für Aufbewahrung und Transport. Der Hörer selbst thront in der Mitte des Kartons.
Hinter dem aufgeklebten QR-Code verbirgt sich nach Scan mit dem Smartphone ein netter Imagefilm des Herstellers, wo sich die Chinesen als durchaus sympathische Audiofactory präsentieren.

Objektangaben

Der Superlux HD662 EVO macht trotz des vielen Kunststoffs einen vertrauenswürdigen Eindruck. Als Träger diverser Superluxe in den vergangenen Jahren habe ich den Plastikcharme der Produkte des Herstellers nie als störend empfunden. Robust statt filigran, auch optisch alles andere als trendig – ein Superlux überzeugt vor allem als klangfreundlicher Allrounder, der aufgrund des günstigen Preises gerne auch mehrfach in Studios und Probenräumen vorzufinden ist.
Der HD662 EVO ist ohrumschließend und dichtet extrem gut gegen Außengeräusche ab. Mit dem HD661 EVO gibt es noch eine halboffene Variante, die hier aber nur erwähnt werden soll.
Die beiden Ohrmuscheln beherbergen je einen 50-mm-Neodym-Treiber. Die vormontierten, glattlederartigen Kunststoffpolster lassen sich gegen die beigepackten Velours-Polster austauschen. Bügel und Bügelgehäuse sind ebenfalls aus Kunststoff. Die Größenanpassung geschieht dank Federband an den Enden des Kopfpolsters automatisch. Hier findet man nicht die Leichtigkeit der ähnlich arbeitenden Bügelpolster eines AKG, aber es funktioniert.
Die beiden Kabel werden als Lang- oder Kurzversion oder zusammengesteckt als ganz lange Version mittels an der linken Seite austretenden Steckers mit dem Hörer verbunden. Eine Zugentlastung in Form einer Kunststoffspange sichert die Kabel-Buchsen-Verbindung vor ungewolltem Kontaktverlust.

Komfortzone

Der Superlux sitzt bei meinem Schädel (Hutgröße 58!) durchaus „spackig“ auf der Birne. Was meine Kopfanatomie diesbezüglich eher nachteilig zum Kopfhörertragen zueigen ist, gleicht meine als geradezu perfekt anmutende Ohrlappengesamtfläche elegant wieder aus. Mein beidseitig angebrachtes Hörorgan sitzt beim HD662 EVO zumindest bei mir passgenau in den Hörkammern.
Aufgrund meiner im besonderen Maße nach außen wirkenden Kräfte und der im Gegenzug perfekten „Ohrflansche“ ist die Außendämpfung bei mir nahezu perfekt. Ich hatte so während der Testphase wenig Ärger mit der Umwelt (ergiebige Probesessions am Digital-Piano) und konnte zumindest auf akustischem Wege weder Tür- noch Telefonklingeln wahrnehmen.
Der Anpressdruck ist wie gesagt ehrgeizig, weshalb nach geraumer Zeit auch schon sehr deutlich wird, dass Entlastung nur durch Absetzen der HD662 EVO erreicht wird. Da ich jedoch eh mit längerem Kopfhörertragen selbst bei leichten Kandidaten so meine Probleme habe, möchte ich diesen Mangel als nicht allzu-groß gewichten.

Klang

Die – unter anderem durch den hohen Anpressdruck – gute Außendämpfung, macht sich auch durch den sehr kompakten Sound bemerkbar. Zunächst: die 50-mm-Treiber lassen keinen Frequenzbereich außen vor. Der Bass wird gut betont, kann aber auch bei „bauchigen“ Ereignissen wie Pauken, Jazz-Bassdrum oder Kontrabass Klang entfalten. Aber auch das Perlen eines Flügels transportiert der HD662 ans Ohr, wie insgesamt die räumliche Auflösung und Tiefenstaffelung mikrofonierter akustischer Musik in dieser Preisklasse außergewöhnlich ist.
Pop-Produktionen werden sehr bassbetont interpretiert. Hier gehört das Augenmerk dem EQ, damit da nicht der Bass zu wenig Wumms bekommt – aber mastern würde ich mit diesem Hörer dann auch wieder nicht.
Elektronik wiederum bringt der HD662 mit der gewünschten Portion Biss im Bass. Die Höhen werden – auch hier liegt das Maß Preis an der Bewertungsskala an – großartig performt. Es lassen sich fürs geübte Ohr die meisten Artefakte, Glitches, Clicks und Phasen-Probleme orten. Das ist schon bewundernswert.
Dank der Impedanz in der 30-Ohm-Klasse lässt sich der Superlux an allem elektronischen Instrumentarium problemlos betreiben – selbst am Smartphone macht der in schwarz und weiß erhältliche HD662 EVO dank der guten Außendämpfung und entsprechend weniger Leistungsbedarf nicht schlapp. In Ruhe Musikhören mit dem iPhone klappte mit dem Superlux HD662 EVO ganz wunderbar.

Fazit: Superlux HD662 EVO
von Ralf Willke

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Überraschend gut: Der Superlux HD662 EVO verdient aufgrund des mitgelieferten Zubehörs, der anständigen Verarbeitung und des günstigen Preises Bestnoten. Eine Belobigung extra gibt es für die in dieser Klasse außergewöhnlichen Klangeigenschaften. Dank geschlossener Bauweise und der extrem guten Außendämpfung passt der Superlux vor allem in Musikräume. Studio, Proberaum, Bühne sind sein zuhause.

Hier erhältlich:

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
10 - 30.000 Hz
Impedanz
32,15 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
95,56 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
816 g
Gewicht mit Kabel
280 g
Gewicht ohne Kabel
257 g
Kabellänge
100 cm

Lieferumfang

  • Transporttasche
  • Adapter auf 6,3 mm
  • 1 Paar Velourspolster
  • inkl. 2 Kabel mit 3,5 mm Stecker (1x 1m und 1x 3m Länge)

Besonderheiten

  • auch in Weiß erhältlich

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Ratgeber - Alles rund um Kopfhörer

Alle Ratgeber (21)
  • zimmerman

    Schwach !
    Vor kurzem wurde hier eine nicht weniger objektive Meinung, jedoch unter anderen Aspekten veröffentlicht.
    Durch die Zensur jener, mir persönlich bekannten- und als internationalen Preisträger (7xCannes, 2xHollywood) weitaus renommierteren Person bezüglich Author, muss sich „kopfhoerer.de“ die berechtigte Frage nach Unabhängigkeit&Objektivität stellen lassen !
    SCHWACH !

    • Redaktion

      Uns soll das genau bedeuten? Cannes? Hollywood? Häh?

  • Jannick

    Mit Bezug zu Mastering-Referenzkopfhörern AKG und Beyerdynamic, versuche ich dennoch nur objektiven Bezug zum hier getesteten Superlux HD662EVO zu nehmen.
    Gleich vorweg: Der Superlux kommt bezüglich der Wiedergabe der sehr präzisen Frequenzen/Abbildungen o.g. Referenzen nicht heran, allerdings muss er sich hier im Sub-Bass, Dynamik und Stereobild auch keineswegs verstecken, sondern macht hier erstaunlicher Weise sogar teils noch eine (natürlich geschmacklich subjektive) bessere Figur als so mancher Studio-AKG und kann auf diesem Felde durchaus in der gehobenen Mittelklasse mithalten.

    Sehr positiv vorzuheben ist also Dynamik und Sub-Bass, den ich als angenehm füllend bezeichnen möchte und richtig tief runter geht.
    Das Stereobild ist sehr präzise uns so lassen sich z.B. Instrumente 1/2,1/4 oder ganz Links/Rechts etc. gut orten und auch akustisch schön in Weite und Tiefe hören. (Schulnote 1).
    Insbesondere smoothe Jazzmusik-Liebhaber so wie Fans klassischer Filmmusik werden Gefallen am HD662EVO finden.

    Ab 10 kHz ist mir der Superlux dann aber doch wiederum etwas zu scharf und spitz (bin da generell vlt. etwas empfindsamer), was sich bei z.B. elektronischer Musik/Pop etc. als ein wenig anstrengend erweist und mir nach einiger Zeit die Ohren klingeln.
    Hier hat mir der Superlux leider zu sehr „In-Ear Charakter“, so wie auch in den Mitten (500-2000 Hz) die Frequenzen ein klein wenig matt&flach wirken und mir hier bei z.B. Vocals die präzise Direktheit- das „weit vorne Stehen“ fehlt. (Schulnote 3).
    Das sind allerdings Kriterien, die ich persönlich unter dem hohen Aspekt des Masterings betrachte und daher den Kopfhörer als solchen nicht heranziehen würde.
    Als HiFi-Kopfhörer erfüllt er allerdings seinen diesbezüglichen Zweck recht ordentlich.

    Als geschlossenen Kopfhörer möchte ich die Abschirmung des Superlux ebenfalls mit der Schulnote 3 bewerten.
    Vor einem Studiomikrofon dringt dann doch leider so einiges im Kopfhörer anliegendes nach Außen, so wie manches von Außen, bzw. eigene Körperbewegungen, auch nach Innen in den Kopfhörer vordringen, was der sehr leichten Plastikkonstruktion geschuldet ist und diese insoweit natürlich kaum exzellent isolierende Eigenschaften aufweisen kann.
    Es lässt sich zwar damit arbeiten, allerdings würde ich unter streng professionellen Voraussetzungen und saubersten Aufnahmen, einen Sänger vor einem auf Studiopegel gefahrenen Mikrofon bezüglich Playback/Abhöre keinen HD662 aufsetzen lassen.

    Der leichte Superlux lässt sich für meinen Kopf (mit viel zu großen Ohren) allerdings sehr angenehm tragen.
    Beim ersten Aufsetzen und gegenwärtig bereits getragenen 3 Stunden, drückt da nichts unangenehm an Köpf oder Orhläppchen. (Beim AKG 712 hatte ich anfänglich ein Gefühl, meinen Kopf in einem Schraubstock eingeklemmt zu spüren…aber das ist Gewöhnungssache).

    Positiv ist auch die Ausstattung des Superlux, der mit einem separaten Paar Velourpolster, einem (Polyester)Tragebeutel, Adapterstecker und 2 unterschiedlich langen Line-Kabeln nach Hause kommt.
    Erstaunt war ich über die Verpackungsgenies, da der Kopfhörer absolut Transport sicher verpackt ist, das man in dem Karton auch eine teure Kristallvase hätte verschicken können.

    Mein bescheidendes Urteil zum Superlux HD662EVO mit max. 5 Sternekategorie:
    Sound: 4*
    Verarbeitung: 4*
    Zubehör: 4*
    Preis/Leistung: 5*

  • _11VV_

    Ich bin kein Mensch der behauptet man müsse mehrere hundert Euro für einen guten Kopfhörer ausgeben, aber wenn ein 32 Euro teurer „Studiokopfhörer“ 4,5 Punkte beim Klang bekommt, dann muss man leider das ganze Bewertungssystem in Frage stellen. Wo ist denn da die Luft nach oben?!

    Entweder würde ich (deutlich) weniger Punkte vergeben oder aber verschiedene Kategorien einführen, wie z.B. „Einsteiger“, „Semiprofessionell“, „Profi“.

    mfg

    • Redaktion

      Besten Dank für dein Kommentar. Deine Kritik ist durchaus nachvollziehbar, dein Vorschlag ist aber so leider gar nicht umsetzbar. Was trennt einen Einsteiger-Kopfhörer von Semi und Pro? Der Preis? Der Look? Der Aufdruck auf dem Karton? Ist ein armer Profimusiker, der sich einen günstigen Superlux kauft, dann automatisch ein Einsteiger?

      Der Klang eines Kopfhörers ist eben subjektiv. Unsere Tester hören alle unterschiedlich und bewerten alle unterschiedlich.

      Um also einem Superlux deutlich weniger Punkte zu geben als einem deutlich teureren, dürfte also dann nur genau eine Person testen, die alle (!) Kopfhörer gehört hat und sich zudem noch gemerkt hat, wie sie klingen. Was a) unmöglich ist und b) noch viel subjektiver ist.

      Wir messen (sofern dies bauartbedingt möglich ist) alle Kopfhörer und generieren daraus eine Messekurve. Aber selbst diese (objektive) Kurve lässt kaum einen qualitativen Vergleich zu.

      Bei uns ist eben die Bewertung eine Mischung aus Messungen und Empfindungen. Genau das beschreiben wir auch hier: https://www.kopfhoerer.de/so-testen-wir/

      Klanglich muss sich also jeder ein eigenes Urteil bilden und den Kopfhörer auch hören.

      Liebe Grüße
      Das kopfhoerer.de Team