Wie sehr einem etwas nicht fehlt, bemerkt man meist erst, wenn es nicht mehr da ist. Gemeint ist natürlich das Kabel, welches beim Bluetooth-In-Ear wenigstens noch Links mit Rechts verbunden hielt und irgendwas zum Steuern dazwischen hatte.

B&O Play lässt mit den Beoplay E8 alle Kabel fallen und überzeugt bei diesen True-Wireless-Kopfhörern in den Disziplinen Technik und Optik auf fast ganzer Linie.

Was sind Kabel?

Viele Ingenieursprobleme sind mit den Beoplay E8 elegant gelöst worden: Die Ohrhörer ragen nicht allzu weit aus den Ohren hervor, meines Erachtens sogar kaum weiter, als manche Old-School-Bluetooth-In-Ears mit Kabel das tun, was sehr beachtlich ist, denn bei den E8 ist alle Technik in den Hörern verbaut: Akku, Bluetooth, Steuerung, Mikrofon. Dabei sind sie nicht sonderlich schwer, so dass man etwa meinen könnte, sie würden bei einem Moment der Unachtsamkeit sofort aus den Ohren fallen – ganz im Gegenteil.

Drei mitgelieferte Silikon-Ohrpassstücke in S, M und L und eins aus Comply-Schaumstoff in M wissen diesem Super Gau der True-Wireless-Technologie wirksam zu begegnen und schnell ist die nagende Sorge eines Verlustes dem Vertrauen in den sehr guten Sitz im Ohr gewichen.

Die Anleitung hilft

Ja, bei den Beoplay E8 hilft ein Blick in die Anleitung. Nicht nur, um den Kopplungsvorgang mit dem Abspielgerät ordnungsgemäß zu vollziehen, sondern auch, um sich mit der Tippsteuerung auf den Rückseiten der Ohrhörer vertraut zu machen, denn: Was man 2017 noch mit einer Remote erledigen musste, wird nun auf die Ohren verteilt, was zunächst begriffen werden will und natürlich eine ganz neue Körperchoreographie erfordert. Rechts tippen: Start/Stop; Rechts doppeltippen: Skip vorwärts; Links doppeltippen: Skip zurück – ich führe hier jetzt nicht alle Bewegungen auf, aber dazu sei gesagt, dass man nicht immer genau auf die etwa 1,5 cm große, runde Sensorfläche außerhalb des Sichtfeldes trifft. Entweder liegt man leicht daneben oder man ist zu zaghaft – schließlich haut man sich ja irgendwie auf´s Ohr – dann passiert nichts oder man tippt zu viel, was bei der geringen Verzögerung von Auslöser und Reaktion zu unkontrolliertem Verhalten führen kann. Grundsätzlich ist die Art Bedienung aber ausgezeichnet und leicht erlernbar.

Beim Nachdrücken des verrutschten Ohrhörers muss man sich als True-Wireless-Neuling auch erstmal umgewöhnen. Wer wie bisher einfach mit dem Zeigefinger auf die Rückseite drückt, stoppt die Musik (rechts) oder löst den Transparenzmodus (links) aus. Man sollte sich daher den Zangengriff angewöhnen, die E8 mit Daumen und Zeigefinger umgreifen und sanft nachjustieren.

Klang und App

Der Klang der E8 ist über jeden Zweifel erhaben: druckvoll, saftig, transparent. Der Bass, die Mitten und Höhen sind gut und insgesamt bieten die In-Ears eine schöne Stereobühne. Bei „Breathe“ von Jax Jones stampft der Beat und Ina Wroldsens Stimme und die zahlreichen Effekte lassen sich sehr gut bis in die Tiefe verfolgen und definiert heraushören. Coldplays „Paradise“ höre ich gerne, um die Dynamik zu beurteilen – sensationell, wie sich die Band in den E8 warm und wuchtig entfaltet. Aber auch bei „Paradise“ von Schiller kommt es zu einer durchdringbaren und bis in einzelne Effektspuren gut verfolgbaren Klangdusche, wie ich sie bei so kleinen Ohrhörern selten abbekommen habe.

Da probiere ich noch etwas Britpop mit Liam Gallagher, finde auch hier Bass, Gitarre, Drums, Effekte und Stimme an ihrem für sie bestimmten Platz vor und denke: „Genauso schnodderig gehört das“. Was die Beoplay E8 hier liefern ist beeindruckend, weil voluminös und breit aufgestellt und dabei angenehm samtig abgestimmt.

Um ein solches Ergebnis zu bekommen, lohnt sich die Installation der Beoplay App. Hier kann man auf einer intuitiv gestalteten Matrix den Sound ganz nach Gusto variieren – von „Warm“ zu „Bright“ über „Relaxed“ zu „Excited“ sind viele individuelle Klang-Presets quasi nahtlos einstellbar.

In der App kann man auch den Transparenzmodus verstellen, dieser erlaubt es durch Tippen auf den linken Hörer die Außenwelt zu hören. Außenmikrofone leiten Umweltgeräusche an die Ohren weiter, während die Musik entweder in verschiedenen Abstufungen reduziert im Hintergrund weiterspielt oder ganz verschwindet.

Aus dem Ohr ins Lade-Case

Ein Case ist bei True-Wireless-Hörern die beste Lösung, um die einzelnen Ohrhörer sicher zu lagern und dabei zu laden. Dieses hier lädt die E8 zweimal auf, um dann selber an den Strom zu wollen. Dazu legt man die Ohrhörer in die vorgesehene Aussparung im Inneren, wo sie, dank sanfter Magnete, sicher und akkurat Ladekontakt finden. Dezente Lämpchen helfen hier, sich über Ladestand aller Komponenten zu informieren. Dabei trägt der ovale mit Leder umspannte Handschmeichler mit elastischer Trageschlaufe in der Hosentasche etwas auf. Aber das ist klagen auf hohem Niveau, denn in der täglichen Anwendung der E8 gibt es nichts zu meckern. Äußerst selten gibt es winzige Aussetzer entweder beider oder nur des linken Ohrhörers. Alles in allem ist die Verbindung sehr zuverlässig, weitreichend und schnell verschwindet die Technik in den Hintergrund, weil nirgends mehr ein Kabel ungünstig baumelt oder eine Remote zieht.

Telefonieren kann man mit den E8 übrigens auch: Anrufe annehmen und ablehnen durch Tippgesten und eigene Anrufe tätigen durch Aufrufen von Siri und Co. Allerdings klagen die Angerufenen über schlechten und halligen Klang, was bei der Entfernung bzw. dem ungünstigen Winkel von Mikro zu Mund kaum verwundert.

Bleiben zum Schluss noch zwei Fragen offen: Warum stoppt die Musik, wenn ich den rechten aber nicht, wenn ich den linken Hörer aus dem Ohr nehme (ja klar, rechts ist der Master und links der Slave! Aber: echt jetzt?) und wie schalte ich die E8 ab, ohne sie ins Lade-Case zu legen?

Fazit: B&O Play Beoplay E8
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die B&O Play Beoplay E8 klingen hervorragend, sind elegant und dezent in Größe und Gewicht, sitzen dabei sehr gut und sehr sicher. Bei einem Preis von fast 300 Euro kann man das natürlich auch irgendwie erwarten. Lediglich die maue Sprachqualität bei Anrufen trübt das sonst makellose Bild etwas. Insgesamt wecken die Beoplay E8 durch Form, Verarbeitung und Auftritt sehr deutlich den „Will ich haben“-Wunsch und dämpfen den „Das muss günstiger“-Zweifel, was sie sich auch ohne weiteres erlauben können, da sie in meinen Augen nahezu perfekte True Wireless In-Ears sind, die den Abschied vom Kabel mehr als leichtfallen lassen.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Gewicht ohne Kabel
13 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • Ladeschale (mit eingebautem Akku)
  • 4 Paar Ohrpassstücke aus Silikon in XS, X, M, L
  • 1 Paar Ohrpassstück aus Schaumstoff von Comply in M
  • USB-Ladekabel

Besonderheiten

  • in Schwarz und Grau („Charcoal Sand“) erhältlich
  • Bluetooth 4.2
  • AAC-Codec
  • drei unterschiedliche Transparenzstufen, Zugriff über die B&O PLAY App

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Nage

Hallo, könnte Ihr mal bitte testen, ob Ihr auch diese extrem Selbstentladung habt? Hier meine E-Mail an den B&O Support: Ich habe vor ca. 6 Monaten die Beoplay E8 gekauft und bin eigentlich sehr begeistert von den Kopfhörern. Leider habe ich ein großes Problem damit: Wenn man die Kopfhörer voll geladen ca. 2-3 Wochen nicht nutzt, entladen sich diese fast vollständig. Meist ist der linke Kopfhörer komplett leer und das Ladecase auch. Der rechte Kopfhörer geht dann meist noch. Das kann nicht normal sein und hatte ich noch bei keinem Akku-betriebenen Gerät, solch eine starke Selbstentladung. Für den Preis ist… Read more »

Redaktion
Webmaster
Redaktion

Vielen Dank für dein Kommentar! Das ist natürlich sehr ärgerlich, da wir aber die E8 nicht mehr haben, wird es schwer mit einem Akkutest. Aber gut, dass du dich an den Support gewendet hast. Gab es da schon ein Feedback? Gerne hier posten.

Nage
Gast
Nage

Bisher nur Standard-Textbausteine, bin aber noch dran. Gebe Rückmeldung, wenn der Support sinnvoll geantwortet hat. 😉