Mit dem Beoplay H9i stellt B&O Play ein Upgrade ihres Premium-Modells H9 (zum Test) ins Verkaufsregal, welches in einem hart umkämpften Umfeld mit Teilnehmern wie Sony, Bowers & Wilkins, Sennheiser, Beats und Bose über ähnliche Eigenschaften verfügt – bis hin zum Preis. Da könnte eventuell das Aussehen den entscheidenden Impuls am Kaufen-Button spielen, oder gar mehr?

Die B&O Play-Gene sind so ausgelegt, dass der Augenschmaus besonders intensiv gepflegt wird, ohne den Hörgenuss zu vernachlässigen. Zudem sind die Materialien wie auch die Technologie bei den B&O-Play-Exponaten zumeist Spitze, obwohl die Dänen bei der neuesten Generation auf Qualcomm-Technologie samt aptX-Codec verzichten, da man laut eigener Aussage darauf verzichten könne (wir berichteten) – da sind wir doch gespannt, wie sich der B&O Play Beoplay H9i in seinem Umfeld schlägt…

Haptik und Verarbeitung

Der ohrumschließende H9i ist ein wahrer Kopfschmeichler. Feinstes Lammleder mit Memory-Foam-Polsterung machen den nur 285 leichten Hörer auch über längere Zeiträume angenehm tragbar. Die Weite des Bügels ist „smooth“ einzustellen, an der Bügelunterseite gewährleistet eine Stoff-ummantelte Polsterung eine sehr gute Stütze für einen sicheren Halt. Bedient wird der Beoplay H9i über einen Schalter sowie über Gestensteuerung an der Aluminium-Außenseite der rechten Hörmuschel. Die Membranbespannung aus Stoff ist mit gut erkennbarem L bzw. R gekennzeichnet, sodass eine Seitenverwechselung so gut wie ausgeschlossen ist.

Geliefert wird der H9i mit einem kuschelweichen Stoffbeutel, USB-Ladekabel plus einem für meine Begriffe etwas zu kurz geratenen Miniklinkenkabel nebst Flugzeugadapter; der Beoplay H9i kann also auch analog betrieben werden.

Technik und Bedienung

Der H9i bedient technisch in etwa das Niveau, welches die Mitbewerber auch irgendwie bespielen: Bluetooth 4.2, AAC-Codec, zwei Mikrofone für die Sprachübertragung und ein überarbeitetes Adaptive Noise Cancelling (ANC), das mit je zwei Mikros in jeder Ohrmuschel sehr effektiv agiert. Hinzugekommen ist ein Transparenz-Modus, der die Außengeräusche nach innen überträgt – das im Übrigen in einer erstaunlich guten Qualität. Zudem gibt’s einen Sensor, der dem Player bzw. Smartphone einen Pausen-Befehl gibt, wenn der Hörer abgenommen wird. Der Akku ist – wie beim Vorgänger – austauschbar. Die Laufzeit ist mit 18 Stunden, Bluetooth und eingeschaltetem ANC, angenehm lang, die Ladedauer mit ca. 2,5 Stunden hingegen angenehm kurz.

Bedient wird der Beoplay H9i fast ausnahmslos über Gesten respektive Streicheln der rechten Ohrmuschel. Was zunächst ein wenig Übung bedarf, entpuppt sich mit der Zeit als relativ einfach zu handhaben, auch wenn ich im Test des Öfteren „daneben lag“ und aufgrund leicht verzweifelt wirkenden Gefuchtels nicht immer eine gute Figur abgegeben habe. Das kreisende „lauter machen“ befehligte auch gerne mal ein Pausieren, welches eigentlich beim Berühren des Ohrmuschelzentrums ausgelöst werden sollte. Das Wischen nach oben zur Aktivierung des Transparenzmodus, jenes nach unten zum Einschalten des Noise Cancelling, oder auch das Schubsen nach vorne bzw. Ziehen nach hinten um die Track-Liste zu durchstöbern waren nicht immer zuverlässig zu vollziehende Bedienschritte. Die Befehle (und die Fehlgriffe) wurden aber prompt umgesetzt. Manchmal zog ich die Steuerung via Smartphone vor. Apropos: Die Beoplay App, welche für iOS und Android kostenfrei angeboten wird, bietet als wichtigstes Tool eine Klangeinstellungsfunktion mittels Matrix und einem Punkt, sodass man den Sound des B&O Play Beoplay H9i recht gut den eigenen Bedürfnissen anpassen und auch nach Vorlieben oder Genres abspeichern kann.

Klang

Die beiden Treiber, also Lautsprecher, mit einem Durchmesser von 40 mm agieren laut Tech Specs im Frequenzbereich von 20 Hz bis 22 Kilohertz. Die Lorbeeren verdienen muss sich der H9i also nicht durch spektakulär anmutende Werte, sondern wohlklingende Taten. Und das tut er. B&O Play setzt ihr Know-how auch bei diesem Modell gekonnt ein und verordnete dem Beoplay H9i eine eher unaufgeregte aber detailreich abbildende Klangtextur. Besonders akustische Instrumente und Studiorecordings eignen sich gut zur Beurteilung akustischer Details, welche „handgespielte“ Musik zu einem Hörgenuss machen. Pat Metheny mit „The Way Up“ z. B. bietet ein Füllhorn an akustischen Ereignissen, die räumlich gut in der akustischen Kapsel eines geschlossenen Kopfhörers abbilden. Die Chimes, aber auch diffizil artikulierende HiHats transportiert der H9i angenehm weich aufs Ohr, ohne die Akzentuierung vermissen zu lassen. Sowohl kunstvoll gesetzte Räumlichkeit in 80er-Studio-Projekten als auch die natürliche Akustik des Aufnahmeraums eines Titels wie „Strive“ von Amber Rubarth aus unserer Spotify-Test-Playlist offenbaren die Qualitäten des Beoplay H9i. Autechres „Vose In“ wiederum zeigt, wie sensibel die B&O-Ingenieure das Thema Bass angegangen sind. Unaufgeregte Präsenz, den nötigen Platz lassend für die direkten Nachbarn im Frequenzspektrum, fast schon analytisch agierend, ohne die eindeutige Tendenz zum eher geschönten HiFi-Flair vermissen zu lassen, überzeugt der H9i wie schon sein Vorgänger H9 durch Wohlgefallen.

Noise Cancelling und Transparenz-Modus

Das ANC lässt sich über die Geste „mit dem Finger von oben nach unten ziehen“ einschalten und mit der selben Bewegung auch wieder deaktivieren. Der Soundunterschied ist marginal. Ausgeschaltet klingt der Beoplay H9i etwas offener, was auch daran liegt, dass die Umgebungsgeräusche auf natürliche Weise mit wahrgenommen werden. Schaltet man das ANC ein, hat man den typischen „Tür-zu-Effekt“, als ob man die Türen und Fenster schließt und die Welt draußen ausblendet. Bis hin zu normalen Geräuschen, also das Grundrauschen der Stadt, arbeitet das Noise-Cancelling sehr effektiv. Bei lauteren, vor allem spontanen Schallereignissen wie Bahnquietschen, Martinshörnern oder lautem Geschrei dringen einige Dezibel schon durch, was aber je nach Musik eh überdeckt wird. Der Schlummermodus für Langstreckenflieger funktioniert übrigens nur via Kabel, da die Hörer im Bluetooth-Betrieb nach 15 Minuten automatisch in den Stand-by-Modus gehen und zugleich das ANC mit „ausgeht“. Wenn man den Hörer jedoch nicht über Bluetooth betreibt, sondern via Kabel und in diesem Fall das Noise Cancelling via Schalter aktiviert ist, funktionieren auch längere Ruhephasen im Leerlauf – man muss dann aber an der etwas zu kurz geratenen Strippe hängend sanft einschlafen.

Der Transparent-Modus wird durch Wischen nach oben aktiviert und überzeugt durch eine quasi 1:1-Übertragung der Außengeräusche auf die Ohren. Man kann also ohne weiteres einem Gespräch folgen, aber auch Ansagen am Bahnhof lauschen, ohne die Hörer abnehmen zu müssen. Bei Aktivierung des Transparenz-Modus pausiert die Musik und setzt bei Deaktivierung wieder ein – wie im Übrigen auch beim Abnehmen des H9i, indem ein Sensor zuverlässig bemerkt, ob der Hörer aufsitzt oder eben nicht.

Fazit: B&O Play Beoplay H9i
von Ralf Willke

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Alles ist gut. Der B&O Play Beoplay H9i ist ein hervorragend abgestimmter Over-Ear-Kopfhörer mit akkurat arbeitendem Noise Cancelling, der über Bluetooth betrieben dank sehr guter Akku-Leistung auch längere Reisen klaglos und ohne Nachladen übersteht. Optik, Haptik und Handling lassen den H9i im Konzert mit den Mitbewerbern gut aussehen. In der gehobenen Preisklasse spielt der H9i dank der hervorragenden Soundwiedergabe eine führende Rolle, das effektiv arbeitende Noise Cancelling sowie die zuverlässig agierende Gestensteuerung empfehlen den Beoplay H9i zudem für den täglichen Gebrauch als souveräner Begleiter.

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 22.000 Hz
Gewicht mit Kabel
295 g
Gewicht ohne Kabel
285 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • 1,2-m-Audiokabel mit 3,5-mm-Klinke
  • 1,25-m-USB-A-auf-USB-C-Kabel
  • Flugzeugadapter
  • Tragebeutel

Besonderheiten

  • auch in der Farbvariante „Natural“ erhältlich
  • BT-Version: 4.2
  • BT-Codecs: AAC
  • 2 digitale MEMS-Mikrofone für Sprache
  • 4 Elektretmikrofone für ANC (2 Elektretmikrofone in jeder Ohrmuschel)
  • kompatibel mit Beoplay App
  • bis zu 18 Std. Laufzeit mit Bluetooth und ANC
  • bis zu 23 Std. nur mit Bluetooth
  • bis zu 24 Std. verkabelt mit ANC + Steuerung
  • Ladedauer ca. 2,5 Std.

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