Der erste Kopfhörer des Amp-Herstellers Orange kann seine Herkunft nicht verleugnen: Der O Edition ist ein Kopfhörer für Musik mit verzerrten Gitarren.

Als 1968 der erste Orange Gitarrenverstärker die Welt erblickte, war der vinyle Bezugstoff gerade nur in orange erhältlich. Was als Zufall begann, wurde zum Markennamen und schließlich zum Markenzeichen: die Farbe Orange. Bisher erfreute uns der britische Hersteller mit Gitarren- und Bassverstärkern, aber jetzt springt der Traditionshersteller auf den Zug des Kopfhörer-Trends auf und präsentiert uns den O-Edition-Kopfhörer.

Optik

Klar, bei dem Namen ist die Farbe Orange eine Pflichtvorgabe für den Designer. Die aber ziemlich gelungen und mit britischem Understatement gelöst wurde, denn die farbigen Applikationen sind eher dezent ausgeführt: Ein kleiner Ring an, und ein ebenso kleines Logo auf der Ohrmuschel, die Stoff-Abdeckung der Treiber und bei einem Kabel die Fernbedienung und die Stecker sind in der Hersteller-Farbe ausgeführt. Diese kleinen orangenen Details schaffen einen edlen Kontrast zum matt-schwarzen Plastik der Ohrmuscheln und dem schimmernden Metall des Tragebügels. In den Bügel ist links und rechts das Orange-Logo graviert, was schick aussieht und den Kopfhörer optisch aufwertet. Was man da in den Händen hält, hinterlässt also einen ansprechenden und soliden Eindruck!

Tragekomfort

Der Kopfhörer ist zwar als Over-Ear-Kopfhörer deklariert, aber die Ohrmuscheln sind nicht allzu groß. Je nach Größe eurer Lauscher wird hier schon mal ein On-Ear-Kopfhörer draus.
Auf meinem Kopf ist er nicht der bequemste und das liegt an den aufliegenden Ohrmuscheln: Die sind starr mit dem gebogenen Trage-Bügel verbunden. Das führt dazu, dass die Ohrmuschel bei mir schräg auf dem Ohr sitzt, mit der unteren Hälfte kräftiger auf den Kopf gedrückt wird, als mit der oberen Hälfte. Ein Umstand, der mir schon bei anderen Kopfhörern negativ aufgefallen ist. Leider verringert das neben dem Tragekomfort auch die Sound-Isolation und das wiederum beeinflusst die Basswiedergabe zum schlechteren. Allerdings hängt das stark von der Physiognomie des Trägers beziehungsweise seiner Kopfgröße ab. Deswegen mein Rat: Kopfhörer müsst ihr „anprobieren“!

Sound

Nach den ersten Testminuten beeindruckt mich der O mit einer sehr guten Stereo-Separation: Die Auflösung über die Stereobreite ist exzellent, einzelne Signale sind im Stereobild definiert als solche zu orten, was ein schönes breites Klangbild ergibt. Leider arbeitet der Kopfhörer nicht genügend nach hinten mit, in der räumlichen Darstellung bleibt der Testkandidat eher zweidimensional.
Was den Frequenzgang betrifft, gehört der O zu den neutralen Kandidaten, das liegt vor allem daran, dass die warmen Mitten glücklicherweise mal nicht von dominanten Bässen und Höhen überlagert werden. Die Bässe werden zwar etwas gefeatured aber es bleibt bei einer moderaten Anhebung in den Tiefen.
Im Laufe der weiteren Hörsessions fällt mir auf, dass der O-Edition-Kopfhörer den Bereich der Sibilanten (ca. 7,5 kHz) sehr stark betont. Dadurch ist die Sprachverständlichkeit bei diesem Kopfhörer super, aber er neigt auch zu ausgeprägtem „zischeln“. In den ganz hohen Höhen passiert dagegen nicht mehr viel, allzu transparent klingt der O nicht.

Anwendungsbereiche

Die leichte Anhebung der Präsenzen und die warmen Mitten prädestinieren den O für Musik mit verzerrten Gitarren. Jeder der auf Rockmusik steht wird mit dem O seine Freude haben – und das dürften per se all die sein, denen Orange als Amp-Hersteller ein Begriff ist. Hier passen also die klangliche Abstimmung des Kopfhörers und seine Herkunft exakt zusammen.
Wegen der ausgeprägten Zischlaute macht das Hören von elektronischer Musik weniger Spaß, aber hierfür hat der O für den Bass-Head eh zu wenige Bässe. Klassische Musik geht, aber die fehlende Tiefe im Klangbild macht sich hier und bei akustischer Musik im Allgemeinen dann doch negativ bemerkbar.

Zubehör

Orange spendiert dem Käufer ein stabiles Hardcase, in dem der Kopfhörer sicher transportiert werden kann – in dieser Preisklasse ist das keine Selbstverständlichkeit. Die Kabel sind stoffumwickelt und leider extrem empfindlich gegen Körperschall. Hier überträgt sich selbst das Streifen des Kabels über das T-Shirt auf die Ohrmuschel.
Kabel gibt es drei Varianten: einmal in schwarz ohne Fernbedienung, einmal in schwarz mit Freisprecheinrichtung und einmal mit Stecker und Fernbedienung in Orange. Die orangene Fernbedienung hat sogar einen Lautstärkeschieber, der unabhängig vom Abspielgerät arbeitet.

Fazit: Orange O Edition
von Chris Reiss

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der Orange O Edition ist ein typischer Vertreter der gehobenen Mittelklasse-Kopfhörer: Er bietet für das Geld einem angenehm neutralen Sound und leistet sich nur kleine Schwächen. Ob diese für den Träger des O ins Gewicht fallen, hängt stark davon ab, was gehört wird. Wer die Firma Orange schon kennt und weiß, was das Kerngeschäft dieses Herstellers ist, kann dieses Wissen auf den Kopfhörer übertragen: Der O Edition ist ein waschechter Rocker.

Hier erhältlich:

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Impedanz
33,25 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
100,57 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
517,5 g
Gewicht mit Kabel
231 g
Gewicht ohne Kabel
220 g
Kabellänge
130 cm

Lieferumfang

  • Transportcase
  • 3 Kabel (1x 1,3 m, 1x 1,2 m mit 1-Knopf Fernbedienung, 1x 1,2 m mit 1-Knopf Fernbedienung und Lautstärkeregler)

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