Philips Fidelio X3

Offener HiFi-Kopfhörer mit Strahlkraft

Philips adressiert mit dem Fidelio X3 eine Klientel, die mit High Fidelity mehr am Hut haben und denen True Wireless oder Noise Cancelling eher schnuppe sind. Das pure Hörvergnügen findet bei diesem edlen Vertreter daher vor allen Dingen in ruhigem Ambiente und ruhenden Positionen statt.

Äußeres und Verarbeitung

Der 380-Gramm-Hörer ist – gemessen zu seiner Größe – eher ein Leichtgewicht und überzeugt bei der ersten Anprobe zunächst durch seinen hohen Tragekomfort, der durch seine Eleganz auch optisch zu gefallen weiß. Das Aluminium-Gerüst ist mit schottischem Muirhead-Leder appliziert, wie auch das angenehm aufliegende Kopfband, welches die Größenanpassung bei unterschiedlichen Kopfgrößen bravourös meistert. Die mit Samt beschlagenen Memory-Foam-Ohrpolster bieten genügend Raum auch für größer dimensionierte Ohren und das Kvadrat-Gewebe lässt der offenen Bauweise des X3 die nötige akustische Transparenz.

Mitgeliefert werden zwei drei Meter lange Split-Kabel, die jeweils links und rechts getrennt per 3,5-mm-Stecker mit den Ohrmuscheln verbunden werden. Ein Kabel hat als Pendant einen 3,5-mm-Stereo-Stecker (ein Adapter auf 6,35 mm ist enthalten). Das zweite Kabel ist symmetrisch ausgelegt, verfügt über einen 2,5-mm-TRRS-Stecker und lässt sich somit mit den meisten HighRes-Playern verbinden.

Offene Bauweise

Die beiden 50-mm-Treiber verfügen über eine Multilayer-Membran, bestehend aus mehreren Schichten Polymer, und sind mit Dämpfungsgel gefüllt. Die so erreichte Glätte und Flexibilität der Membrane sollen für einen ausgewogenen Klang sorgen. Die verbauten Neodym-Magneten, beide in einem 15-Grad-Winkel angeordnet, versprechen eine Anpassung an die natürliche Geometrie der Ohren, damit hohen Frequenzen besonders genau wiedergegeben werden.

Der herstellerseitig protokollierte Frequenzgang von 5 bis 40.000 Hz zeigte schon bei den ersten Hörproben Wirkung. Mit 32,25 Ohm (gemittelter) Impedanz ist der X3 quasi Volks-Player-kompatibel, besonders Spaß macht er mir aber mit einem externen DAC wie dem Pioneer XDP-30R (zum Test), der mit diversen 96-kHz-Flacs in 24 Bit befüllt war.

Und wie klingt er?

Ich bin ja ein bekennender Freund von Kopfhörern mit offener Bauweise. Die per se vorhandene Transparenz und Luftigkeit und das Gefühl, nicht akustisch getrennt zu werden von dem Raum, in dem man sich befindet, bereitet mir den größten Hörspaß. Zudem haben offene Kopfhörer auch nicht mit dieser „Topfigkeit“ eines geschlossenen akustischen Systems zu kämpfen, welches durch aufwendiges Tuning herstellerseitig erst korrigiert werden muss. Wenn diese Feinabstimmung – die selbstredend auch bei einem offenen Kopfhörer mit zu den wichtigsten Schritten der Produktentwicklung gehört – überzeugt, macht mir ein Kopfhörer dann auch richtig Freude. Dies ist beim Philips Fidelio X3 der Fall.

Ich pflege zunächst beim Test eines Kopfhörers, die Alltagsaufgaben mit dem Probanden zu erledigen. Video-Streams, Podcasts, die Lieblings-Spotify-Playlist wurden überaus angenehm ins Ohr gespült – wozu im Übrigen auch der Tragekomfort und das ausreichend lange Kabel beitrugen.

Beim genaueren Hinhören überzeugte der Fidelio X3 in den HiFi-typischen Disziplinen wie Klassik und Jazz durch seine Strahlkraft, die sich vor allem im Bereich der oberen Mitten und Höhen zeigte. „Seidiger Glanz“ fiel mir als Beschreibung gleich auf, nachdem ich mir Gustav Mahlers 9. Symphonie via Spotify in höchster Auflösung (320 kBit/s) über den Rechner anhörte. Der orchestrale Charakter wurde vom X3 sehr schön aufgelöst, man hörte Einzelstimmen sehr gut heraus und es entstand ein sehr schönes akustisches Abbild der Bühne.

Für den Bassbereich suche ich mir gerne Jazz-Produktionen, wie „The Old Country“ des Keith Jarrett Trios, in dem ein Kontrabass sein klangliches Potenzial entfalten darf und ich von einem Kopfhörer erwarte, dass er Bauch und Ton dieses wunderbaren Instruments in seinem ganzen Spektrum überträgt. Aber auch das Klavier mit seinen transientenreichen Facetten gibt der Fidelio überaus agil wieder.

Sein Können stellte der X3 dann auch beim direkten Vergleich der ein und derselben Aufnahme über Spotify und als FLAC-Datei unter Beweis. In der MP3-Fassung der Voces8-Chor-Darbietung „Vespers, Op.37: VI. Bogoroditse Devo von Segei Rachmaninoff“ lösten die Höhen zwar schon fein auf, bei der 24-Bit/96kHz-FLAC-Version ist der Zugewinn im Bereich der Obertöne aber mehr als deutlich. Hier stieß der Klang in eine klangliche Sphäre, die nicht jeder Kopfhörer in dieser Klasse so überzeugend herüberbringt.

Ralf Willke
vor 1 Woche von Ralf Willke
  • Bewertung: 4.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der Philips Fidelio X3 stellt in der Rubrik „HiFi-Kopfhörer“ eine geradezu günstige Alternative zu manch einem Kopfhörer dar, dessen Sound ähnlich gut gefällt, aber nicht unbedingt zur 350-Euro-Klasse zählt. Auch der Material-Mix und der hohe Tragekomfort überzeugen im Test. Mit hochwertigem Audiomaterial, gerne auch in HighRes-Qualität, spielt der Fidelio X3 seine Stärken aus, aber auch als Kopfhörer „für jeden Tag“ würde ich ihn nicht vom Schreibtisch schubsen.

Messdaten

Frequenzgang:

Außendämpfung:
Mehr Messdaten

Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweiseoffen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)5 - 40.000 Hz
  • Impedanz32,25 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)91,77 dB
  • Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf774 g
  • Gewicht mit Kabel389 g
  • Gewicht ohne Kabel333 g
  • Kabellänge305 cm

Lieferumfang

  • 3 m Kabel (2x Mono-Miniklinke auf Stereo-Miniklinke)
  • 3 m Kabel (2x Mono-Miniklinke auf 2,5 mm TRRS)
  • Tragebeutel

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