Was Designfragen betrifft, macht Bang & Olufsen, bzw. B&O Play so leicht niemand etwas vor. Die wertige Konstruktion des B&O Play Earset ist absolut eigenständig. Tatsächlich greift der Hersteller bei diesem Modell auf einen Designentwurf von Anders Hermansen aus den Neunzigern zurück und belebt ihn in Form eines drahtlosen Modells neu.

Design und Haptik

Die Gestaltung der in graphitbraun und weiß erhältlichen Konstruktion ist gleichermaßen edel-dekorativ und funktional, dazu von der Verarbeitung hervorragend und stabil. Insbesondere der verstell- und dreh- sowie höhenjustier- und klappbare Aluminium-Ohrbügel mit Gummierungen ist schlicht genial: Er erlaubt eine flexible Anpassung des Sitzes an unterschiedlichste Ohrformen. Gleichzeitig ist eine solche Bügelkonstruktion nicht unbedingt jedermanns Sache und zudem für Brillenträger nicht immer ideal.

Die beiden Hörer selbst sind mit einem Kabel verbunden. Unterhalb des linken Ohrstücks befindet sich eine Fernbedienung mit drei Tasten. Hier lässt sich neben dem schnellen Pairing die Musikwiedergabe regeln, starten und stoppen, ein Sprachassistent aufrufen, aber auch durch Mehrfachdruck zwischen den Titeln springen. Der verbaute Lithium-Ionen-Akku bietet laut Hersteller eine Wiedergabedauer von bis zu fünf Stunden und circa zwei Stunden für eine vollständige Aufladung. Nicht die besten Werte, dafür aber springt bei Nichtbetrieb eine Stromsparschaltung an. Dazu gibt es eine Schnellladefunktion von 20 Minuten für etwa 1 Stunde Musikwiedergabe.

Ergänzend stellt der Hersteller mit der kostenlosen Beoplay App (iOS, Android, watchOS) ein einfaches Hilfsmittel zur Verfügung, mit dem sich ebenfalls eine Transportsteuerung, eine Titelauswahl und eine Lautstärkesteuerung durchführen lässt. Hinzu kommt eine intuitive Klangkontrolle über ein X/Y-Feld, bei der man die Abstimmung per Finger in Richtung eines der vier Klangfelder „Warm“, „Excited“, „Relaxed“ und „Bright“ bewegt.

Praxis

Die Passform der Designkonstruktion ist trotz der vielseitigen Justierbarkeit klar geschmacksabhängig. Dies liegt vor allem an den recht großen Ohrpassstücken, die nicht in den Gehörgang geschoben (In-Ear), sondern vor diesem platziert werden (Earbuds). Wie bei den Apple AirPods (zum Test) oder den Google Pixel Buds (zum Test) ist diese Bauart gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem passen. Mit etwas Geduld findet sich bei dem B&O Play Earset dank der ausgeklügelten Bügelkonstruktion meist doch die richtige Position, die durch die klappbaren Bügel auch sicher sitzt. Für den Langzeitbetrieb war mir der Hörer persönlich aufgrund besagter breiter Ohrpassstücke dennoch nicht bequem genug.

Klang

Mit Bluetooth 4.2 und der Unterstützung des AAC-Codecs liefert das Earset eine gute technische Basis. In den beiden Hörern werkeln ventilierte, dynamische Treiber mit 14,2 mm Durchmesser mit Neodymium-Antrieb. Klanglich verfolgt B&O Play ein „offenes“ Hörerlebnis. Dabei soll man, zumindest bei leisen und moderaten Pegeln, weiterhin in Interaktion mit der Umgebung stehen können. Das ist in der Tat möglich und sowohl unterwegs im Straßenverkehr als auch bei kurzen Gesprächen durchaus sinnvoll.

Hat man die Hörer passend platziert, ist der Klang durchaus ansprechend und ausgewogen abgestimmt. Die Konstruktion liefert ein luftiges und fülliges Hörerlebnis, druckvoll und nuancenreich. Die Bässe sind konturiert, warm und weder überbetont noch „angestrengt“. Dennoch weisen sie im Tiefbass aufgrund des unverschlossenen Gehörgangs ein Defizit auf.

Im Mittenbereich ist die Wiedergabe gleichermaßen warm, detailliert und stimmig, so dass sich Genre-übergreifend eine gefällige Abbildung von Instrumenten und Stimmen ergibt, die sich zudem klar gegeneinander abgrenzen. Im Bereich der hohen Frequenzen, der Stereo- und Raumabbildung zeigt sich der Hörer offen, präzise und ohne störende Härten. Hieraus folgen auch ein stabiles Stereobild, nachvollziehbare Panoramabewegungen und eine passable Abbildung von Rauminformationen.

Rock wird druckvoll und stimmig abgebildet, ruhige Genres und Klassik ebenfalls. Weniger punktet der Hörer bei tiefbasslastigen Produktionen aus dem Bereich Hip-Hop oder R’n’B, aber auch im Akustikjazz mit akzentuiertem Kontrabass gibt es hinsichtlich des Tonumfangs und der Dynamik leichte Abzüge.

Abseits des Tiefbasses hat das „offene“ Konzept aber auch konzeptionelle Nachteile: Der Grad der Isolierung ist gegenüber typischen In-Ear-Konstruktionen herabgesetzt, das Hörerlebnis daher weniger intim und bei lauter Umgebung sogar degradiert. Seine volle Klangqualität spielt das Earset daher in ruhigeren Hörumgebungen aus. Immerhin: Die Abschirmung nach außen ist gut und man braucht verärgerte Sitznachbarn nicht zu fürchten. Auch die Sprachverständlichkeit beim Telefonieren ist gut und klar.

Fazit: B&O Play Earset
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Schon äußerlich geht das zeitlos geschmackvoll und wertig gestaltete Earset eigene Wege. B&O Play hat hier ein Design-Kleinod im Angebot, das auch klanglich durch stimmigen Sound überzeugt, wenn auch unter Verzicht auf Tiefbass. Der Preis ist mit circa 300 Euro nicht günstig, wird aber durch die aufwendige Konstruktion gerechtfertigt. Allerdings sind sowohl die Bügelhalterung, die breiten Ohrstücke und die bewusst offene Konstruktion eine Frage des Geschmacks, so dass ich einen Probelauf vor dem Kauf empfehle.

Hier erhältlich:

Kopfhörer vergleichen

Zum Produktvergleich

Technische Daten

Bauform
Earbus
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Impedanz
32 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
105 dB
Gewicht mit Kabel
30 g

Lieferumfang

  • 3 Paar Schaumpolster
  • USB-C-Ladekabel
  • Tragetasche

Besonderheiten

  • in den Farben Schwarz, Graphitgrau und Weiß erhältlich
  • Bluetooth-Version: 4.2
  • Bluetooth-Codec: AAC
  • Ladedauer: ca. 2 St. für vollständige Aufladung; 20 Minuten für 1 Std. Wiedergabedauer

Ähnliche Modelle

Ratgeber - Alles rund um Kopfhörer

Alle Ratgeber (21)

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: