Auch Google stellt seinen mobilen Devices einen täglichen Begleiter zur Seite: Die Pixel Buds versprechen eine nahtlose Einbindung in die Services des Tech-Riesen inklusive Echtzeitübersetzung. „Ok, Google“ oder doch eher „Oh no, Google“?

Kopfhörer sind Mega Seller

Zwei Dinge sind so klar wie Kloßbrühe. Erstens: Apple hat mit den AirPods (zum Test) echte Verkaufsschlager im Programm, das beweisen diverse Marktanalysen. Zweites: Das lässt sich Google nicht gefallen. So haben die Damen und Herren Suchmaschine also entschieden: „Wir stecken unseren Kunden die Pixel Buds ins Ohr“. Dass Google dabei einen anderen Schritt geht und eher den Fokus auf „Kommunikation“ legt, betont die Company stets prominent. So merkt man den Kopfhörern an, dass sie mehr sein wollen als „einfache“ Bluetooth-Kopfhörer. Eine Verknüpfung mit Googles Software „Assistant“ ist folglich dringend von Nöten, um wichtige smarte Funktionen nutzen zu können. Wer datenschutzrechtliche Bedenken hat und eine mögliche Sammelwut nicht unterstützen möchte, kann die Pixel Buds zwar auch nutzen, sie sind ohne diese Software dann doch nur einfache Bluetooth-Kopfhörer. Aber, auch das sollte jedem klar sein: Google will eben immer dabei und überall ansprechbar sein, als zentraler Begleiter will es Fragen beantworten, Vorschläge machen und Teil des Alltags werden. Na dann, lassen wir sie mal in unseren.

Der erste Eindruck…

…ist gelungen: Nach dem Auspacken halte ich kleine mit feinem Stoff überzogene Schatulle in der Hand, die ein wahrer Handschmeichler ist. Ein kleiner Magnet hält die graue Muschel zusammen, darin schlummern aufgewickelt in einer Weichgummibadewanne zwei – in unserem Falle – schwarze Knöpfe mit Google-Relief-Logo, die mich verdammt an Mentos-Kaubonbons erinnern. Beide sind untrennbar mit einem circa 50 cm und damit etwas zu kurzen schwarzen Stoffband verbunden, das 3 cm unter den Hörern jeweils eine weiße Perle besitzt.

Der zweite Eindruck …

… versetzt mir aber einen herben Dämpfer. Denn das als easy peasy super einfach beschriebenes Pairing funktionierte leider so gar nicht. Ladeschale öffnen und schon melden sich die Kopfhörer am Google-Smartphone an? Leider nur schöne Theorie. Vielleicht ein Einzelfall? Leider nein, das scheint häufiger zu passieren, glaubt man den unzähligen Foreneinträgen und Artikeln im Netz. Also: Erstmal googeln, um auf Google einen Hinweis zu finden, wie man Google Kopfhörer zurücksetzt – alles auf Englisch natürlich, das ist irgendwie bitter. Der harte Reset per 60 sekündigem Tastendruck in der Ladeschale hilft schließlich, die Pixel Buds melden sich beim neuen Pixel 2 XL Smartphone zu Diensten!

Der erste Test …

… versetzt uns leider wieder einen Dämpfer, denn die Bauform lässt die Kopfhörer nicht im Gehörgang verschwinden, sie sind eben keine In-Ears, sondern Ear Buds, die vor dem Gehörgang in der Ohrmuschel sitzen. Das hat nicht nur Vorteile: Sie passen nämlich nicht jedem, ein Problem, das auch Apple hat. Denn während man bei In-Ears mit unterschiedlich großen Aufsätzen die Möglichkeit einer individuellen Anpassung an die eigenen Bedürfnisse hat, sitzen Ear Buds recht locker und man hat ständig das Gefühl, sie zurechtrücken zu müssen. Hier kommen nun die weißen Perlen ins Spiel. Sie sind die Begrenzung für das Stoffbändchen, das sich durch die Hörer wie eine Schlaufe ziehen lässt und somit als eine Art Anker in den Ohrwindungen fungiert. Das hilft zwar schon mal, löst das Problem aber nicht. Nun gut, bevor ich also unsere fesche Spotify-Playlist anwerfen kann, richte ich die Pixel Buds mit der Google Assistenten App ein, was zum Glück recht smooth funktioniert, fairerweise muss man aber auch sagen, dass es hier nicht viel zum Einrichten gibt.

Funktionen

Eins muss man den Kopfhörern lassen, sie drücken nicht. Auch nach mehreren Stunden, aber die Macht der Gewohnheit, nämlich das Nachjustieren, das Geraderücken der Hörer im Ohr lässt mich immer wieder die Touch-Oberfläche (nur am rechten Hörer) berühren, was ständig durch einen dünnen Hinweis-Bassdrum-Sound quittiert wird. Ok, Techno geht schon mal, aber das ist verdammt empfindlich eingestellt. Einmal Tippen bedeutet übrigens Wiedergabe, Pause, Anrufannahme, der Doppel-Tab ist zum Einschalten da und aktiviert den Google Assistant. Die weibliche Stimme liest sodann die Uhrzeit und andere Benachrichtigungen wie Akkustand, Nachrichten etc. vor. Drückt und hält man den Finger auf den rechten Hörer, kann man mit der Dame sprechen und allerlei Sinnloses und -volles fragen. Das macht sie recht gut, nur manchmal muss die „KI“ passen und das „erst noch lernen“, wie sie es ausdrückt. Wischt man nach rechts oder links, verstellt man die Lautstärke, eine Funktion, die ich sehr häufig brauche, bei den Apple AirPods schmerzlich vermisse und hier kurioserweise mal hervorragend reagiert – das andere Mal aber gar nicht. Die Möglichkeit, durch die eigenen Playlisten zu hüpfen, fehlt leider komplett und ich frage mich, warum Google nur das horizontale Wischen unterstützt. Vertikal für lauter und leiser und horizontal für Track vor und zurück wäre doch viel cleverer, oder?

Dollmätching plies

Ein zentrales Feature ist die Möglichkeit der Echtzeitübersetzung, was die Installation der Google Übersetzungs-App voraussetzt. Spricht mein Gegenüber in einer fremden Sprache, übersetzt das die App und gibt es über die Kopfhörer direkt weiter. Das funktioniert natürlich auch anders herum und zudem erstaunlich schnell. Perfekt klingt’s nicht, Muttersprachler würden auch andere Formulierungen verwenden, für Basics im Ausland wird’s aber sicherlich reichen. Aber, auch das muss fairerweise gesagt werden: Ohne Kopfhörer geht das auch, und zwar schon ziemlich lange! Man muss halt nur das Telefon dafür nehmen und die App starten. Das wirkt sogar noch etwas natürlicher, ein Kopfhörer im Ohr mag für so manchen Gesprächspartner unpersönlich wirken.

Durchhaltevermögen

Mit einer Kapazität von 120 mAh liefern die Buddies bei ca. 50 % Lautstärke etwas über viereinhalb Stunden Unterhaltung, die oben erwähnte Schatulle, immerhin mit einer Kapazität von 620 mAh gesegnet, lädt die Buds dann bis zu fünf Mal wieder voll auf. Fünf Minuten laden und dafür rund 15 Prozent mehr Saft bekommen, ist ein recht guter Wert. Leider hat der Hörer keine Auto-Pause-Funktion, steckt man sie in das graue Lade-Case, dudelt die Musik munter weiter, bis sich die jeweiligen Kontakte berühren.

Wie klingt’s?

Der Fluch des luftigen Sitzes. Zwar lässt die Ear-Bud-Bauweise Außengeräusche fast ungedämpft durch, für einen kurzen Schnack mit den Arbeitskollegen können die Pixel Buds daher ruhig in den Ohren bleiben und auch im Straßenverkehr hört man noch vieles, aber das Klangbild ist dadurch eben weniger präzise. In einer sehr ruhigen Umgebung ist der Klang durchaus als „recht gut“ zu bewerten. Bass ist zwar da, aber nicht sonderlich ausgeprägt, und tief im Frequenzkeller herrscht gähnende Leere. So klingen Bassmonster-Tracks zahm, bei 80er-Jahre-Nummern arbeitet der Kopfhörer obertonreichere Bässe aber auch schon mal schön heraus. Der Mittenbereich ist präsent und gefällt mir sogar gut bis sehr gut. Google scheint hier dem gelegten Fokus auf Kommunikation durch eine Anhebung in diesem Bereich auch Rechnung tragen zu wollen. So fräsen sich beispielsweise Deadmau5s’ Lead-Synths herrlich ins Ohr, und diverse (Sprach-)Podcasts klingen klarer und verständlicher als mit vergleichbaren Kopfhörern. Die Höhen sind unauffällig, neigen aber leicht zu Verzerrungen, wenn’s zu laut wird. Positiv überrascht hat mich die Staffelung: Die Bühne ist weit und Ereignisse im Stereofeld lassen sich klar orten, wenn es sich um ruhige, reduzierte Akustiknummern à la „Strive“ von Amber Rubarth handelt. Dagegen merkt man schnell die Überforderung, sobald viele Instrumente gleichzeitig beteiligt sind, hier wird’s plötzlich matschig und indifferent, man hat Mühe Schallsignale genauer zuzuordnen. Große und episch breite orchestrale Arrangements liegen den Buds also weniger. Es lässt sich daher festhalten: Als reine Kopfhörer, die den Fokus aufs liebevolle Wiedergeben der eigenen Playlist legen und sich dabei in allen Genres so richtig wohlfühlen, können mich die Pixel Buds nicht überzeugen.

Fazit: Google Pixel Buds
von Pete Schloßnagel

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Ich habe ein Déjà-vu. Bei unserem ersten Test der Apple AirPods klafften Erwartungshaltung und Realität doch arg auseinander. So geht es mir bei den Pixel Buds auch, sind es eben doch nur normale Bluetooth-Kopfhörer, wenn man mal die ganzen Apps und Dienste weglässt, die ja eh auf dem Smartphone laufen. Keine Frage, sie sind dennoch interessante Kopfhörer, die ohne große Auffälligkeiten mit dem hauseigenen Betriebssystem zusammenarbeiten. Klanglich durchaus nicht schlecht, fehlen uns Klangfetischisten allerdings entscheidende Argumente im Frequenzgang, um eine wirkliche Empfehlung auszusprechen. Und auch wegen der hakeligen Touch-Bedienung und deren Zuverlässigkeit werden wir noch nicht die besten (Pixel) Buddies. Apple-Fans sind mit den hauseigenen AirPods eh besser beraten, und Google-User, die gerne und viel mit dem Mutterkonzern interagieren wollen oder müssen, haben nun zumindest einen Kopfhörer, der aus gleichem Hause kommt. Man kann daher nur hoffen, dass Google mit einer sauberen Produktpflege aus diesen Kopfhörern vielleicht doch noch die besten Kumpels macht.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Gewicht mit Kabel
14 g
Kabellänge
50 cm

Lieferumfang

  • Lade-Case
  • USB-Ladekabel (USB-C zu USB-A)

Besonderheiten

  • in schwarz, weiß und blau erhältlich
  • Lade-Etui: 57 g mit Kopfhörern, 43 g ohne Kopfhörer
  • USB-C zum Aufladen
  • Mikrofon
  • Beschleunigungsmesser
  • Kapazitives Touchpad
  • Google-Konto für den vollen Zugriff auf die Funktionen erforderlich

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