Bose Frames Alto

Sonnenbrille mit integriertem Bluetooth-Kopfhörer

Musik hören ohne Kopfhörer auf oder in den Ohren zu haben – das wäre was. Man wäre nicht von der Umgebung abgeschottet und entsprechend aufmerksam gegenüber Straßenverkehr und Mitmenschen. Wenn dann noch eine Freisprechfunktion integriert wäre, müsste der Gegenüber auch nicht immer die nervigen Geräusche des im Kabel integrierten Mikrofons ertragen.

Das dachte man sich offensichtlich auch bei Bose und kam bei der Problemlösung auf die Idee, eine Sonnenbrille zu bauen, in deren Bügel Elektronik und Lautsprecher integriert sind, um so aus nächster Nähe in die Ohren zu schallen. Das Konzept nennt sich dann auch naheliegenderweise „Bose Frames“ und startet mit zwei Modellen: dem hier zum Test antretenden „Alto“ – einer Variante, die sich designtechnisch stark an der klassischen Formensprache der „Wayfarer“ von „Ray Ban“ orientiert. Und als Alternative die „Rondo“, deren Rahmen deutlich abgerundeter sind. Die integrierte Elektronik und Funktionalität sind bei beiden Modellen identisch, ebenso wie der Preis. Sie unterschieden sich allerdings in der Größe: Die Alto ist mit ihrer Passform von 52/18/162 (Glasbreite/Glasabstand/Bügellänge) Millimetern die größere Version, die Rondo (49,5/15,5/154) entsprechend die kleinere.

Beide Brillen werden via Bluetooth mit dem Zuspieler verbunden. Die Akku-Laufzeit geben Bose mit 3,5 Stunden an, der Ladevorgang dauert ca. zwei Stunden. Wir konnten diese Werte im Test bestätigen. Zusätzlich bieten Bose eine kostenlose App namens „Bose AR“ für Android und iOS an, mit der sich verschiedene Parameter der Brille ändern lassen: beispielsweise die Sprache des Audiodialogs oder die automatische Standby-Zeit.

Äußerlichkeiten

Man merkt – im Wortsinn – an allen Ecken und Kanten, dass Bose keine Brillenfirma ist. So zählen Scharniere, die sich ohne zu brechen über den normalen 90-Grad-Winkel hinweg klappen lassen, heutzutage selbst bei einfachsten Brillenmodellen eigentlich zum Standard. Nicht so bei den Bose Frames: Klappt man sie über den angedachten Winkel (was ziemlich oft vorkommt, wie ich als aktiver Brillenträger berichten kann), bricht das Scharnier unweigerlich. Auch sonst ist die Haptik eher dürftig: Der Kunststoff hat diese etwas „billige“, spröde Leichtplastik-Anmutung und nicht jene solide und gleichzeitig geschmeidige Materialität guter Vinyl-Brillen. Dem entspricht auch, dass die schwarze Farbe des Gestells nicht hundertprozentig deckend ist, sondern helles Licht etwas „rußig“ durch den Kunststoff hindurch schimmert. Zugegeben, gute Brillengestelle kosten auch schnell mal so viel wie die Bose Frames und das, ohne dass sie Sound machen.

Klang

Und funktioniert der Zaubertrick, die Bose Frames aufzusetzen, sich klanglich sofort in den Konzertsaal oder Club seiner Wahl versetzt zu fühlen und dabei trotzdem die Ohren frei zu haben, um dann beispielsweise entspannt die Promenade von Venice Beach (ersetzt hier ein Naherholungsgebiet eurer Wahl) runter zu radeln?

Die Antwort in Kürze: Nein, denn der Klang verliert auf der kurzen Strecke vom Bügel ins Ohr deutlich an Physis, Frequenz und Dynamik. Er wird leise, etwas mittenlastig und sehr bassarm. Überhaupt haben die Bose Frames einen sehr engen, eher leisen Lautstärke-Korridor, in dem sie gut klingen. Dreht man die Lautstärke in den Maximalbereich (was ziemlich schnell der Fall ist), dann setzt eine deutliche Komprimierung im Klangmaterial ein und die ohnehin schon schwachen Bässe verschwinden ganz. Dass die Frequenzen grundsätzlich da sind, merkt man, wenn man mit den Händen die Bügel der Bose Frames abdeckt und so eine künstliche Ohrmuschel schafft – dann nämlich tönt der Bass durchaus vernehmbar.

Und trotz eines recht dürftigen Klangs macht es dennoch ziemlich viel Freude mit den Bose Frames Musik zu hören, was vor allen Dingen an zwei Faktoren liegt: Zum einen ist da dieses große Freiheitsgefühl, weil man eben nichts im oder auf dem Ohr hat. Damit einher geht der Umstand, dass hier kein Kabelgeräusch entsteht – egal wie man den Kopf auch dreht. Als zweiter Faktor kommt hinzu, dass man den akustischen Kontakt zur Umwelt nicht verliert – man hat hier nicht das Gefühl Kopfhörer zu tragen, sondern mehr, als ob irgendwo Musik läuft, die sich aber klanglich nicht ändert, wenn man sich bewegt.

Am besten eignet sich der Bose Alto dann entsprechend auch für Musik und Inhalte, die Frequenz-technisch wenig Gebrauch von Bässen machen: Akustische Aufnahmen, kleine Ensembles, Instrumentalmusik, Hörbücher oder Podcasts kann man sich mit ihnen durchaus befriedigend anhören. Hinzukommt, dass der Hörer (oder sollte ich besser die Brille sagen?) ein erstaunlich breites Stereofeld liefert – man hat stellenweise das plastische Gefühl, dass die Musik um einen herum und nicht „im Ohr“ spielt.

Praxis

An der Unterseite des rechten Bügels findet sich ein kleiner goldener Knopf, der dem Einschalten dient, woraufhin man von einer Sprachmeldung über den Akkustand informiert wird. Ferner lassen sich mit ihm Gespräche annehmen, die Musikwiedergabe stoppen und durch längeres Drücken Siri oder Google Assistant aufrufen. Ebenfalls an der Innenseite des rechten Bügels sitzt auch ein proprietärer, magnetischer Konnektor, an den das mitgelieferte Ladegerät angeschlossen wird. Hat man den Musikbedarf hinreichend befriedigt, lassen sich die Bose Frames durch simples Umdrehen ausschalten – sehr schick.

Richtig punkten können die Alto beim Telefonieren. Denn dadurch, dass man die Ohren frei hat, kann man sich plötzlich wieder selber beim Sprechen hören – das ist gerade bei längeren Telefonaten ausgesprochen angenehm. Anders als bei In-Ears, On-Ears oder Over-Ears bewegt man sich hier allerdings keineswegs emissionsfrei durch die Umwelt: Klar, denn der Schall strahlt zwar aus den Bügeln ins Ohr, ein gewisser Teil davon bespaßt allerdings auch unweigerlich die Umwelt. Auf dem Fahrrad wird das niemanden stören, im öffentlichen Nahverkehr macht man sich damit allerdings keine Freunde.

Numinos
vor 5 Monaten von Numinos
  • Bewertung: 4
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Das Konzept der Bose Frames ist ohne Frage sensationell, denn man hat hier ein außergewöhnliches Gefühl von Freiheit beim Musikhören und Telefonieren. Gerade beim Plaudern über die Freisprechfunktion erweist sich der Umstand, dass man die Ohren frei hat als höchst angenehm, da man sich so endlich wieder selber hören kann. Die Klangqualität ist allerdings eher als bescheiden zu bezeichnen: Besonders im Bassbereich merkt man, dass sich die Physik nicht so leicht überlisten lässt. Wer die Alto-Brille aber ohne den Anspruch an perfekte Audiowiedergabe, sondern mehr in Hinblick auf den Komfort beim Tragen nutzt, beispielsweise um Hörbücher bei der Gartenarbeit zu hören, als „Hands-free“ Freisprecheinrichtung beim Wandern oder als dezente Musikuntermalung beim Inline-Skating, der wird seine Freude an der Audio-Brille haben, trotz Abstrichen beim Klang.

Technische Daten

  • BauformAudio-Sonnenbrille
  • Gewicht ohne Kabel50 g

Lieferumfang

  • Brillen-Etui
  • Ladekabel
  • Stoffbeutel

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