Focal liefert mit dem Clear Professional einen High-End-Kopfhörer ab, der Studio-Profis in jeder Hinsicht Tränen in die Augen treibt. Zum Glück bleibt aber zumindest beim aufgerufenen Preis ein Auge trocken. Lest im Test, warum der Focal Clear Professional ein Charmeur ohne Gleichen ist …

Der französische Hersteller Focal ist seit Ende der 1970er aktiv und war lange Zeit auf Lautsprecher spezialisiert. Seit wenigen Jahren setzt er seine Erfahrung mit verschiedensten Treibern auch im Bereich Kopfhörer ein. Dazu zählt etwa die Entwicklung der invertierten Formgebung von Hochtönern, das sogenannte „M-Profil“. Diese Technik kommt auch beim Clear Professional zum Einsatz.

Lieferumfang

Zunächst aber zum Lieferumfang des Kopfhörers, der absolut top ist: In einem Papp-Schuber ist eine edle Transportbox enthalten. In diesem Hartschalen-Case wiederum befinden sich neben dem Kopfhörer ein 1,10 m langes Zuleitungskabel, ein vergoldeter 6,35-mm-Klinkenadapter sowie ein Putztuch. Das Hardcase wird per Doppel-Reißverschluss geschlossen und hat außen eine grau-melierte Stoffoberfläche. Die Transportbox wartet nicht nur mit vorgeformten Fächern für Headphones und Kabel auf, sondern es wurden innen auch noch elastische Bänder vernäht, die als sichere Halterungen für Adapter, Kabel und einen nicht im Lieferumfang enthaltenen iLok(!) dienen.

Ein weiterer edler Pappschuber ist ebenfalls mit an Bord. Auch dieser ist aufwendig ausgeführt, besitzt einen Magnetverschluss und beherbergt ein 5 m langes Spiral-Ersatzkabel für den Einsatz des Clear als HiFi-Kopfhörer. Außerdem finden sich darin ein Paar Wechselohrpolster und die Bedienungsanleitung. Das nenne ich einen großen Auftritt, denn auch, wenn es sich der Sache nach um einen Standard-Lieferumfang handelt, sind alle Teile für sich genommen doch ausgesprochen hochwertig ausgeführt und toll in Szene gesetzt.

Aussehen & Verarbeitung

Der Auftritt des Kopfhörers gefällt. Seine Farbgebung in Schwarz und Weinrot wirkt geradezu „wohnlich“. Ganz offensichtlich möchte der Focal Clear Professional mit zahlreichen Details unbedingt gefallen. Und tatsächlich fällt es mir als Anwender schwer, nicht über jeden kleinsten Punkt ins Schwärmen zu geraten. Von den ultraweichen und super-hochwertig anzufassenden Microfaser-Ohrpolstern über den Echtleder-Überzug der Kopfbügelpolsterung bis hin zu silbern glänzenden Design-Elementen aus Metall bieten diese Kopfhörer einen wahren Augenschmaus und haptischen Genuss. In den Ohrpolstern kommt Memory-Schaum zum Einsatz, die Gabeln der Hörmuschelaufhängung sind aus Aluminium. Alle Materialien fassen sich hochwertig an. Die Verarbeitung ist erstklassig. Das Design sucht seinesgleichen.

Technik

Auch im Hinblick auf die Technik macht der Clear Professional schon optisch klar, dass er ein ganz besonderer Testkandidat ist. Wer sich jemals gefragt hat, wie offen ein offener Kopfhörer sein kann, sollte unbedingt einen Blick auf die Hörmuscheln des Clear Professional werfen. Denn ihre Außenhaut besteht aus einem Schall-durchlässigen Drahtgeflecht. Zusätzlich dazu werden die 40-mm-Treiber im Inneren der Hörmuscheln von einem Rippenkonstrukt getragen, das mit einer mikroperforierten Folie versehen ist. So kann zwar Schall, nicht aber Schmutz hindurch gelangen. Eine wirklich einzigartige Konstruktion, die Resonanzen weitgehend verhindern soll.

Als ob das nicht reicht, sind die Treiber des Clear Professional in den Hörmuscheln dezentral angebracht und beschallen das Ohr leicht versetzt und nicht etwa im 90-Grad-Winkel, wie sonst üblich. Um eine besonders differenzierte Signaldynamik zu bieten, wurden die Membrane der Treiber mit einem Konus aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung ausgestattet. Seine Form hat ein „M-Profil“, das bei geringer Masse für eine hohe Steifigkeit sorgen soll. Als Resultat versprechen Focal besonders detailreiche Höhen.

Die Ohrpolster haben außerdem eine 1 Millimeter große Perforation. Sie soll die Offenheit des Kopfhörers zusätzlich verstärken. Ziel ist es, als Anwender statt der „Räumlichkeit“ des Kopfhörers den Raumhall des tatsächlichen Raums wahrzunehmen, in dem sich der Hörer befindet. Außerdem soll die Wiedergabe von oberem Bassbereich und unteren Mitten dadurch weniger „boxy“ klingen.

Die beiliegenden Kabel sind hochwertig gefertigt, bestehen aus sauerstofffreiem Kupfer mit 0,205-mm-Querschnitt und werden rechts und links gesteckt. So erspart sich der Hersteller eine mögliche Soll-Bruchstelle, weil sonst für das Durchreichen des Signals von einer zur anderen Hörmuschel ein Kabel im/am Kopfbügel verlegt werden müsste.

Handling

Der samt Kabel knapp unter 500 g schwere Kopfhörer hat einen recht hohen Anpressdruck, den man – wie auch immer der Hersteller es technisch gelöst hat – in der Praxis kaum wahrnimmt. Vielmehr garantiert der Clear Professional hohen Tragekomfort auch über mehrere Stunden. Die gerasterte Kopfband-Justierung erinnert sich an die letzte Einstellung und der Schaum der Ohrpolster sorgt für höchsten Tragekomfort. Kinderleicht und praktisch: Die Ohrpolster werden nicht, wie vielfach üblich, über eine Lippe am Gehäuse übergezogen, sondern einfach gesteckt.

Seine geringe Impedanz von gemessenen 59,6 Ohm lässt den Einsatz des Kopfhörers auch an mobilen Geräten zu. Noch dazu eignet sich die Kabellänge von 1,10 m hervorragend für den Einsatz des Kopfhörers unterwegs, da sich die gerade Zuleitung mühelos unter der Kleidung verstauen lässt.

Dennoch ist meine Haltung zum Handling des Clear Professional ein wenig zwiegespalten. Denn mit Blick auf die Details des Kopfhörers gibt es einige wenige Punkte, die verbesserungswürdig sind. So werden die Kabel per Mini-Klinkenstecker ohne Sicherung am Kopfhörer gesteckt. Ob es ein Vorteil oder ein Nachteil ist, dass die Stecker bei Zug am Kabel eher aus der Buchse herausrutschen, als dass der teure Kopfhörer vom Kopf gerissen wird, ist Geschmackssache. Das Gleiche gilt für den Umstand, dass die Kabelbefestigung an beiden Hörmuscheln stattfindet. Denn eine einseitige Kabelführung ist gerade dann praktischer, wenn der Kopfhörer bei der (Sound-)Arbeit statt für reinen HiFi-Genuss eingesetzt wird. Ein weiterer Punkt, der mir auffällt, ist, dass zwar auf den Steckern der Zuleitung, nicht aber auf den Hörmuscheln erkennbar ist, welches die rechte und welches die linke Seite des Kopfhörers ist. Das wäre kein Problem, wäre das Design der Headphones nicht asymmetrisch. Ein Hinweis zur Tragerichtung findet sich allerdings auch in den Begleitmaterialien nicht. Daher muss hier der „gesunde Menschenverstand“ eingesetzt werden, der besagt, dass die Ohren mit dem Focal-Kopfhörer am besten schräg von vorn beschallt werden.

Klang

Dass der Übertragungsbereich des Kopfhörers von 5 Hz bis 28 kHz reicht und damit nicht ganz so weit gefasst ist, wie der einiger seiner Highend-Konkurrenten, fällt in der Praxis nicht ins Gewicht. In den Bässen gibt der Clear Professional den Tiefbass-Bereich satt, aber ohne jegliches Dröhnen wieder. Nur selten kann man sonst beim Abhören der tiefsten Frequenzen mit einem Kopfhörer tatsächlich den „Punch-Impuls“ wahrnehmen. Der Focal leistet hier ganze Arbeit. Das liegt auch daran, dass diese Wahrnehmung durch den gut angebundenen oberen Bassbereich gestützt wird. Dreht man die Lautstärke bis kurz vor dem Verzerren der Membrane auf, vibriert das Ohr intensiv im Beat von EDM- und Pop-Produktionen. Das habe ich in dieser Intensität noch nie zuvor bei einem Kopfhörer erlebt. Dadurch wird auch der Lautheitseindruck verstärkt. Denn der maximale Schalldruckpegel des Clear Professional ist mit 94,9 dB SPL nur im mittleren Bereich angesiedelt, was die Wiedergabelaustärke von vergleichbaren Kopfhörern angeht.

Das extrem offene Design des Focal Professional scheint sich soundtechnisch rentiert zu haben. Denn der obere Bassbereich und die unteren Mitten sind weit entfernt davon, auch nur ansatzweise „boxy“ zu klingen. Das verwundert nicht, wurden doch mögliche Resonanzprobleme durch die Bauart der Kopfhörer weitgehend ausradiert. Die Mitten des Clear Professional klingen wunderbar „weich“, weil keine übertriebenen Konturierungen den Hörgenuss stören. Die Wahrnehmbarkeit von Sprachsignalen in Musikproduktionen ist bei diesem Kopfhörer auch ohne die Anhebungen einzelner Frequenzbereiche sehr gut. Und auf dem Weg zu den Höhen macht auch der kritische Bereich um 7 bis 10 kHz eine gute Figur. Während andere Kopfhörer hier den Hörgenuss von Sprech- und Gesangsstimmen durch Lispeln und Zischeln trüben, liefert der Clear Professional ein durchweg „samtenes“ Klangbild. Vorbildlich!

Insbesondere hohe Frequenzen werden vom Clear Professional unvergleichlich linear wiedergegeben. Hier ist kein Hype zu verzeichnen, der das Audiosignal schönfärbt. Dabei fällt mir zugleich auf, dass das Signal unfassbar rauscharm ist. Im Superhochtonbereich liefert er ein dezidiert offenes und zugleich differenziertes Klangvergnügen. Auch hohe Lautstärken ändern übrigens nichts am ausgewogenen Soundbild des Clear Professional.

Der Detailreichtum des Kopfhörers wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass Transienten bei der Wiedergabe präzise zur Geltung kommen. Und präzise meint hier im besten Sinne des Wortes „druckvoll“. Denn der Focal-Kopfhörer macht Transienten nicht nur hör-, sondern regelrecht spürbar. Die immense räumliche Tiefe, die diese Headphones bieten, kommt vor allem bei klassischer Musik vollends zur Geltung. Wer beim Testhören des Kopfhörers irgendwelche Zweifel an der außergewöhnlichen Qualität dieses Präzisions-Wiedergabewerkzeugs haben sollte, sollte sich unbedingt eine Klassik-Aufnahme mit großer Dynamikspannweite über den Clear Professional anhören, beispielsweise Strawinskys „Der Feuervogel“-Suite. Spätestens hier kommt neben der räumlichen Tiefe auch das beeindruckende Stereobild zum Tragen, das dieser Kopfhörer liefern kann.

Eignung & Anwendung

Neben der schon angesprochenen Eignung als HiFi-Kopfhörer für den Genuss von Klassikproduktionen eignet sich der Clear Professional für so ziemlich jede Audio-Gattung, die man sich vorstellen kann. Sprachproduktionen klingen ebenso mit ihm ausgewogen wie gitarrenlastige Musik. Bass-intensive EDM- und Urban Music-Stücke machen mit dem Focal-Kopfhörer ebenso Spaß wie klanglich in die Jahre gekommene Jazz-Aufnahmen.

Auch wer sich im Studio traut, seine Mixes per Kopfhörer zu testen, findet in diesem Gerät eine gute Abhörhilfe, um Bass, Mitten, Höhen und Rauschanteile geschmackvoll abzumischen. Aufgrund von Impedanz und mitgeliefertem Kabel darf das Studio für den Clear Professional aber auch gern mobil sein und aus einem Laptop oder Tablet bestehen – kein Problem.

Fazit: Focal Clear Professional
von Carsten Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Focal haben mit dem Clear Professional einen Kopfhörer entwickelt, der waschechten High-End-Sound liefert. Die Headphones haben ein nahezu unvergleichlich ausgewogenes Frequenzbild, liefern in den Bässen satten Druck, bestechen in den Mitten durch differenzierte Unaufgeregtheit und runden dieses Soundbild mit einer ansprechend dezenten, aber zugleich detailreichen und offenen Höhenwiedergabe ab. Die wiedergegebene räumliche Tiefe ist aufgrund seiner speziellen Bauweise exzellent. Der Tragekomfort stellt meine bisherigen Testkandidaten sogar allesamt weit in den Schatten. Und auch in Sachen Materialauswahl und Fertigungsqualität überzeugt der Focal ausnahmslos.

Der Clear Professional ist in nahezu allen Belangen ein Charmeur, der es dem Anwender nahezu unmöglich macht ihn nicht zu mögen. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist deshalb bei diesem Kopfhörer gut, auch wenn er einen vierstelligen Betrag kostet. Wer einen exzellenten Kopfhörer ohne Kompromisse sucht und das nötige Kleingeld hat, für den führt deshalb kein Weg an einem Test des Focal Clear Professional vorbei.

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
offen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 28.000 Hz
Impedanz
59,6 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
94,9 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
706,5 g
Gewicht mit Kabel
490 g
Gewicht ohne Kabel
444 g
Kabellänge
110 cm

Lieferumfang

  • 5 m Spiralkabel mit 6,35 mm Klinkenbuchse
  • ca. 110 cm gerades Kabel mit 3,5 mm Miniklinke
  • Adapter 6,35 mm
  • 2 Ersatzohrpolster
  • Putztuch
  • Hartschalen-Transporttasche

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