Die TR-Reihe von Fostex bietet einige Kopfhörer-Variationen, von denen wir mit dem TR-90 in diesem Test eine halboffene 80 Ohm-Ausgabe unter die Lupe nehmen.

Aussehen & Lieferumfang

Der ohrumschließende Fostex TR-90 kommt mit martialischer Optik daher. Der größtenteils in Schwarz gehaltene halboffene Kopfhörer bietet an Kopfbügel und Ohrpolstern einen Kunstlederbezug in mattem Finish und Plastikelemente, die keinerlei Griff- und Fingerspuren zulassen. Farbakzente setzen der prägnante matt-silberne Hörmuschel-Bügel und die freiliegende Kabelstrecke von den Hörmuscheln zum Kopfband. Sie greift das Orange des Hersteller-Logos auf. Der optische Eindruck verspricht Robustheit und strahlt Kraft aus.

Da das Kabel des TR-90 wechselbar ist, ist im Karton zum einen ein 80 cm langes Spiralkabel enthalten, das beim Auseinanderziehen auf etwa 300 cm kommt. Für wen ein Spiralkabel beim Kopfhörereinsatz nicht praktisch ist, der kann auf das zusätzlich beiliegende gerade Austauschkabel zurückgreifen. Dieses Kabel kommt ebenfalls auf die immense Länge von 300 cm. Alle Stecker sind zum Korrosionsschutz vergoldet. Ein ebenfalls vergoldeter, schraubbarer 6,35-mm-Klinken-Adapter ist auch enthalten. Außerdem ist eine Transporttasche aus Kunstleder mit an Bord, die per Kordelzug verschlossen wird. Dass dem Kopfhörer auch noch ein Paar extra-dicke Wechsel-Ohrpolster beiliegen setzt dem Lieferumfang gewissermaßen die Krone auf. Für den aufgerufenen Kaufpreis fällt dem Käufer sicher erstmal Nichts ein, was ihm hier noch fehlen könnte.

Verarbeitung & Technik

Der Kopfhörer ist hervorragend verarbeitet, Sollbruchstellen oder Grate sucht man an Metall und Plastik vergeblich. Alle Elemente sind offen zugänglich verschraubt und lassen sich daher gut warten. Die freiliegende Kabelstrecke von den Hörmuscheln zum Kopfband ist mit einem stylischen und materialschonenden Stoffband umwickelt.

Im Fostex TR-90 arbeiten dynamische 40-mm-Treiber, die auf einen maximalen Schalldruckpegel von 97,69 dB kommen. Damit ist der TR-90 ein kräftiger, aber dennoch nicht allzu lauter Vertreter seiner Zunft. Der Kopfhörer ist neben der hier getesteten 80 Ohm-Variante auch mit einer Impedanz von 250 Ohm erhältlich. Gerade die Version mit geringerer Ohmzahl ist aber auch nicht nur für stationäre Anwendungen geeignet, sondern kann auch an mobilen Geräten unterwegs eine gute Figur machen.

Haptik & Handling

Der Kopfhörer ist für seine Größe erstaunlich leicht und fasst sich gut, weil solide an. Zerbrechlichkeit wirkt jedenfalls anders, das steht fest. Besonders gut gefällt mir, dass die Größenverstellung seines Kopfbandes stufenlos ist. Dazu kommt, dass seine Ohrpolster ultra-weich sind und der Anpressdruck nicht allzu stark. Das kommt wiederum dem Tragekomfort zugute. Auch bei längeren Hör-Sessions drückt und presst hier nichts unangenehm. Auf kleineren Köpfen könnte der geringe Anpressdruck allerdings zu allzu lockerem Sitz führen – das sollten Kauf-Interessenten vorher unbedingt ausprobieren.

Die abnehmbaren Kabel des TR-90 werden mittels proprietärer Miniklinken-Stecker an der linken Hörmuschel befestigt. Das Besondere an ihnen ist, dass sie einen speziellen Verschlussmechanismus bieten. Um es zu sichern, wird das Kabel gesteckt und gedreht. Dieses System ist prinzipiell eine tolle Sache. Allerdings dürften die kleinen Markierungs-Dreiecke, die die richtige Passung anzeigen, kontrastreicher dargestellt werden als Schwarz auf Schwarz und die Stecker besseren Grip für die Drehbewegung bieten. So aber müssen fürs Verbinden die Lichtverhältnisse stimmen und es kann schon mal zwei Versuche erfordern, bis das Kabel sitzt. Aber dann sitzt es eben auch bombensicher.

Klang

Der übertragene Frequenzbereich des Fostex TR-90 reicht von tiefsten 5 Hz bis in schwindelerregende Höhen von 35 kHz. Das der Frequenzgang dabei alles andere als linear ist, ist im positiven Sinne zu verstehen. Denn die Konturierung der Bässe um 100 Hz herum unterstützt die Impulswahrnehmung bei tiefen Musiksignalen, die Betonung im Mittenbereich von 2 und 5 kHz kommt der Sprachverständlichkeit entgegen. Mit seiner Anhebung der Frequenzen um 10 kHz sorgt er für Brillanz und unterstützt viele Signal-Transienten mit dem gewissen Klick-Faktor. Dass der TR-90 auch in höchste Höhen vordringen kann, macht sich in seinem in den Höhen „offenen“ Sound bemerkbar. Was hörbar gemacht werden kann, wird von ihm hörbar gemacht.

Insgesamt fällt die starke Anhebung bei 10 kHz beim Hören sämtlicher Musikstile ins Gewicht. Ich würde so weit gehen hier von einer Überproportionierung der Höhen zu sprechen. S-Laute neigen deshalb beim Anhören einiger Produktionen zum Zischeln. Den Tiefbass von EDM und Urban Music-Genres macht der Kopfhörer gut hörbar ohne dabei die restlichen Signalanteile verschwimmen zu lassen. Auch Gitarren- und Sprachsignale werden mit dem TR-90 sehr gut differenzierbar. Im oberen Bassbereich geht die Betonung für meinen Geschmack allerdings ein wenig zu weit. Sie prägt den Klangcharakter des Kopfhörers stark und lenkt das Ohrenmerk von anderen Frequenzbereichen ab. Wer lineare Headphones fürs kritische Beurteilen von Recording-Signalen sucht wird deshalb mit dem TR-90 wohl nicht glücklich werden. Auf das Stereobild gehe ich hier nur am Rande ein, da es solide Hausmannskost bietet, die aber durch den Frequenzgang des Hörers mitbestimmt wird. (So kommen etwa höhenreiche Backing-Vocals in Pop-Produktionen besonders eindrucksvoll herüber.)

Eignung

Fostex sehen den Einsatz des Kopfhörers beim Monitoring in Studios, bei Außenaufnahmen und in der Video-Postproduktion. Das kann ich nicht zu 100% unterschreiben. Sicher eignet er sich aufgrund seiner Tiefbass-Eigenschaften und seiner feinen Mittenauflösung gut für die Video-Postproduktion. Für das On-Location-Recording dürften aber nicht wenige Anwender einen geschlossenen Kopfhörer einem halboffenen vorziehen. Einschränkungen sehe ich auch für den Einsatz im Tonstudio. Denn der stark konturierte Frequenzgang des TR-90 sorgt für einen ordentlichen auditiven Fingerabdruck, den es im Studio beispielsweise beim Mixing unbedingt zu berücksichtigen gilt.

Fazit: Fostex TR-90
von Carsten Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der Fostex TR-90 ist ein solide gemachter, gut klingender halboffener Over-Ear-Kopfhörer, der aufgrund seines großen Frequenzumfangs hörbar macht, was hörbar gemacht werden kann. Seinen eigenen Ansprüchen wird er dennoch nicht vollständig gerecht. Aufgrund seiner fehlenden Linearität ist er für die Arbeit im Mastering und fürs Abmischen im Studio nur bedingt geeignet. Durch seine halboffene Bauweise ist auch für den Einsatz bei Außenaufnahmen nur bedingt einsetzbar. In Sachen Video-Postproduktion wird man dagegen den immensen Frequenzumfang des TR-90 zu schätzen und zu nutzen wissen. Wirft man dann noch einen Blick auf den großzügigen Lieferumfang dieses Japaners, wird er zu einem ernstzunehmenden Kandidaten, insbesondere für die Nachvertonung.

Hier erhältlich:

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
halboffen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 35.000 Hz
Impedanz
81,6 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
97,69 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
553,5 g
Gewicht mit Kabel
348 g
Gewicht ohne Kabel
303 g
Kabellänge
80 cm

Lieferumfang

  • Adapter auf 6,35 mm
  • 2 Wechsel-Ohrpolster
  • Austauschkabel (300 cm)
  • Transporttasche

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