Die TWS-X9 kosten wenig, bieten dafür viel Klang, ordentliche Verarbeitung und ein Lade-Case, welches so hochwertig daherkommt, dass es aus dem Hause Apple sein könnte.

Der erste Eindruck

Schon der Karton zeigt einen gewissen Designwillen, was manche in dieser schlichten Eleganz vielleicht auch einfach „kopieren“ nennen könnten, wir das aber nicht tun: Denn spätestens beim Auseinanderschieben des metallenen Lade-Cases erscheinen die TWS-X9 weiter entfernt von Kalifornien, als die Verpackung glauben macht, obschon Haptik und Verarbeitung tadellos sind.

Auf der Rückseite der In-Ears befinden sich Sensorflächen, die von einem sanft pulsierenden Ring eingefasst, zunächst einmal zum Koppeln mit dem iPhone einige Sekunden berührt werden wollen. Das erfolgreiche Pairing wird sodann mit mehreren durcheinanderredenden Ansagen quittiert, wobei einige davon das Koppeln des linken und rechten Earbuds untereinander und andere das gelungene Kontaktieren des Endgerätes meinen. Alles in allem funktioniert das sehr gut und dank Bluetooth 5.0 sind die Verbindungen auch sehr stabil und es kommt nur äußerst selten zu Abrissen oder Kanalausfällen. Jetzt nur noch die richtigen Ohrpassstücke ausgewählt, wovon vier Paar in unterschiedlichen Größen beiliegen, und schon kann man gänzlich kabellos Musik hören.

Der zweite Eindruck

Der Sitz der TWS-X9 ist sehr gut und Angst, sie bei einer heftigen Kopfbewegung zu verlieren kommt gar nicht erst auf, wobei meine Ohrkanäle nicht total abgedichtet werden. Das ist zwar ganz angenehm, geht aber zulasten der Bässe, die sich beim ersten Hören kaum entfalten möchten. Das lässt wiederum den Klang etwas dünn erscheinen, da Höhen und Mitten die Haupttransportwege meiner poppigen Playlist in die Ohren sind. „Bella Ciao“ von El Profesor klingt durch die TWS-X9 somit nicht wirklich dicht, was den Griff zum EQ-Besteck des iPhones notwendig macht, damit der Bass wieder eine Chance bekommt. Nun klingen die In-Ears ordentlich, gut laut und recht transparent, wenn auch immer noch etwas unausgewogen, gerade bei dem Bass-Mitten-Verhältnis, was z.B. einen Shawn Mendes mit „In my blood“ deutlich versumpft rüberkommen lässt. „Solo“ von Clean Bandit macht da etwas mehr Spaß, weil sich die TWS-X9 durchaus als druckvoll erweisen und den Ohrraum gut zu füllen vermögen.

Fazit auf halber Strecke – vor allem nach einem scheuen Blick auf den Endpreis des Gebotenen: Nicht zu kleinlich sein, sondern die Leistung bei den überschaubaren Kosten in Ordnung finden. Oder anders gesagt: Wären sie besser, würde ich mich fragen, warum die Konkurrenz mehr nimmt.

Der dritte Eindruck

Bedient werden die TWS-X9 am Ohr und hier kommt der Haken. Linker und rechter In-Ear reagieren an ihren Sensorflächen zunächst einmal sehr empfindlich. Schon ein simples Nachdrücken führt zu einem Anhalten der Musik, denn die In-Ears erkennen das als ein einmaliges Tippen. Aber auch eine unbeabsichtigte Berührung, was durchaus öfter vorkommt, als man denken mag, löst diese Wiedergabepause aus.

Ein Doppeltipp rechts und in der Playlist springt man ein Stück vor. Selbiger Doppeltipper links macht lauter – bis ganz laut, dann geht´s zurück auf Stumm und von dort wieder schrittweise lauter. So ganz überzeugt diese Bedienung nicht, schließlich will man ja auch mal ein Stück zurückspringen oder es etwas leiser haben. Da hilft dann nur der Griff zum Smartphone.

Zu guter Letzt kann man die TWS-X9 zum Telefonieren benutzen, leider bestätigt der Angerufene mir aber eine miserable Sprachqualität mit sehr viel Hall. Wer es dennoch probieren möchte: Einmal tippen nimmt den Anruf entgegen, nochmal tippen beendet ihn, egal ob links oder rechts. Übrigens sagt eine Computerstimme artig die Nummer des Anrufers – inklusive Länderkennung – auf, was allerdings etwas dauert.

Das Lade-Case schließlich ist der heimliche Star der TWS-X9, das aus kühlem Metall etwa so groß wie ein Kompaktregenschirmgriff ist und mit einem satten Klack aufgeschoben wird. Die In-Ears können nun aus ihrer magnetisch fixierten Ladeversenkung entnommen werden. Laut Hersteller kann das Lade-Case bis zu viermal mit jeweils einer Stunde Ladezeit die In-Ears mit genug Strom für mehr als vier Stunden Spielzeit versorgen. Alles in allem entspricht das meiner gefühlten Wahrnehmung, wobei eine Ladung eher für drei, denn für vier Stunden reicht. Vier feine LEDs an der Kopfseite des Case geben Auskunft, ab wann es selber an den Stromtropf muss.

Fazit: HolyHigh TWS-X9
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die HolyHigh TWS-X9 sind schön verpackte, ordentlich klingende und gut verarbeitete Kopfhörer, die man sich auf alle Fälle mal zum Probehören einladen sollte, wenn man auf etwas Bass verzichten kann und nur wenig mit ihnen telefonieren möchte. Die Bedienung ist dabei etwas ungewöhnlich beziehungsweise seltsam. Das kann man bei dem Preis aber getrost ignorieren. Schön wäre außerdem, wenn man die im Case so hübsch anzuschauende Ringbeleuchtung der In-Ears zumindest beim Tragen deaktivieren könnte. Nicht alle wollen mit einem bisweilen nervigen Geblinke als „nerdiger“ Leuchtturm rumlaufen. Dafür könnte HolyHigh klanglich etwas mehr investieren. Dann kann man mit den TWS-X9 auch rundum zufrieden sein, denn sie bieten erstaunlich viel für diesen schmalen Preis.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Gewicht ohne Kabel
4,8 g

Lieferumfang

  • 4 Paar Ohrstöpsel in S, M, L
  • Lade-Case
  • USB-Ladekabel

Besonderheiten

  • Bluetooth-Version: 5.0

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