Lypertek PurePlay Z7

True Wireless In-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth 5.2

Das neue Spitzenmodell unter den True-Wireless-Kopfhörern von Lypertek stellt eine aufgebohrte Variante des ehemaligen Modells TEVI (heute PurePlay Z3 – zum Test), dar. Der chinesische Hersteller geht dabei mit einem höheren Anspruch an die Klangqualität zu Werke. So setzt der PurePlay Z7 auf eine hybride Treiberkonfiguration. Zum Einsatz kommen pro Seite, erstmals bei Lypertek, jeweils ein titanbeschichteter, dynamischer und zwei Balance-Armature-Treiber, die in abgestimmten Frequenzbereichen in einem ebenfalls abgestimmten Gehäuse arbeiten und so für eine besonders gute Detailauflösung sorgen sollen.

ANZEIGE
ANZEIGE

Die leichten PurePlay Z7 fallen nicht unbedingt klein aus und ragen durchaus aus dem Ohr heraus. Dort jedoch sitzen sie sicher – dafür sorgt die großzügige Auswahl an Passstücken aus Silikon und Memory-Schaumstoff. Neben einer außergewöhnlich guten Außenisolation weiß dabei auch der Tragekomfort zu gefallen, selbst bei längeren Hörsitzungen.

Das schwarze Design selbst ist eher unauffällig, die Verarbeitung jedoch robust. Ebenfalls sind die Kopfhörer nach IPX5 gegen Wasser und Schweiß geschützt und somit durchaus sporttauglich.

Wie bei den kleineren Modellen vermeidet Lypertek bewusst Touchsensoren an den Außenseiten der Hörer, weil diese bei der Konkurrenz regelmäßig zu Fehleingaben führen. Stattdessen kommt ein leichtgängiger großer Taster auf jeder Seite zum Einsatz. Zusätzlich lassen sich die Lypertek-Produkte der aktuellen Generation über die kostenlose App „PureControl“ steuern, was zusätzlichen Komfort verspricht.

Praxis

Beachtlich ist zunächst die Akkuleistung. Die Ohrhörer laufen circa zehn Stunden und können über das Lade-Case um weitere 70 Stunden erweitert werden (lautstärkeabhängige Herstellerangabe). An dieser Stelle nimmt der PurePlay Z7 ebenso wie sein kleiner Bruder PurePlay Z3 2.0 eine Spitzenposition unter den True-Wireless-Hörern ein. Der Nachteil: Die Hörer haben eine gewisse Größe und das textilüberzogene Lade-Case mit mehrfarbiger Status-LED fällt eine Nummer größer als üblich, aber immer noch hosentaschenkompatibel aus. Darüber hinaus punktet das Lade-Case mit einer Schnellladefunktion (15 Minuten Ladezeit für circa zwei Stunden Spielzeit) und unterstützt induktives Laden, etwa über das hauseigene optionale Super Slim Wireless Charging Pad (https://amzn.to/2TEPgwN – *Partnerlink).

Technisch setzt Lypertek auf den Qualcomm-Chipsatz QC3040, der eine energieeffiziente Bluetooth-5.2-Funkstrecke sowie eine Unterstützung der Audio-Codecs AAC und aptX bietet. Höherwertige Formate fehlen hingegen im Angebot.

Über die leichtgängigen Tasten kann man die Musikwiedergabe starten und pausieren, Anrufe annehmen und beenden. Mit Doppel- und Dreichfachklicks kann man Titelsprünge auslösen und die Lautstärke justieren, sogar über die App konfigurierbar in ihrer Funktion. Das funktioniert in der Praxis mit etwas Übung zuverlässig. Über einen längeren Testdruck ruft man den Sprachassistenten im Smartphone auf. Belässt man den Finger weiter auf einem Knopf, wird die Hear-Through-Funktion aktiviert (und akustisch angekündigt). Dabei werden Außensignale in den Kopfhörer zwecks besserer Kommunikation einspeist. Diese Funktion bleibt bis zum manuellen Ausschalten aktiv. Bei ausgeschalteter Musikwiedergabe bringt das durchaus einen Mehrwert. Ist die Wiedergabe hingegen eingeschaltet, wäre es wohl sinnvoll, den Pegel gleichzeitig abzusenken.

Automatikfunktionen wie ein automatisches Ausschalten beim Entnehmen aus dem Ohr, gibt es nicht. Sinnvollerweise aber schalten sich die Kopfhörer, die sich auch einzeln nutzen lassen, mit Zuklappen des Lade-Case aber ab. Das Pairing erfolgt nach dem Aufklappen zügig und mit Sprachbestätigung und zeigte sich in der Praxis stabil, auch über mehrere Räume hinweg.

Die kostenlose App „PureControl“ für iOS und Android bietet neben Firmware-Updates und Statusinformationen auch den sogenannten LDX-Modus (Lypertek Definition Expander), der für eine Klangverbesserung sorgen soll. Die Unterschiede fallen eher dezent aus und sind zumindest für meine Ohren nur in wirklich ruhigen Umgebungen in Form einer dezent runderen und wärmeren Wiedergabe wahrzunehmen. Im Mobileinsatz kann ich eine Klangverbesserung hingegen nicht belastbar feststellen. Bei deaktivierter LDX-Funktion lässt sich der integrierte und durchaus gut klingende Equalizer mit seinen sieben Einsatzfrequenzen und einem Hub von jeweils ±7 dB nutzen. Zur Auswahl stehen eine Reihe von Presets und zwei eigene Speicherplätze. So kann man beispielsweise im Bass ohne störende Nebeneffekte für mehr Schub sorgen oder andere Frequenzen geschmacklich oder zur Kompensation von Hörschwächen anpassen. Schließlich gibt es noch eine Suchfunktion für verlorene Ohrhörer. Dabei wird der letzte Verbindungs-Abbruch der Kopfhörer zum Smartphone auf einer Karte angezeigt.

Klang

ANZEIGE

Bereits der TEVI überzeugte uns mit dem druckvollen und dennoch aufgeräumten Klang seiner dynamischen Treiber. Voraussetzung sind wie immer die richtigen Passstücke, die für meine Begriffe hier durchaus etwas leichtgängiger auf die Halterung rutschen könnten. Die BA-Treiber des PurePlay Z7 setzen auf dem TEVI-Grundklang auf und erweitern das Klangspektrum sinnvoll. Das Fundament bildet eine tief hinab reichende Basswiedergabe, die durch eine erweiterte Detail- und Raumauflösung in den Mitten und Höhen die nächsthöhere Klangstufe erreichen soll und es auch tut. Tatsächlich gewinnt das Klangbild an Leichtigkeit und befreit den 6-mm-Treiber von der Last der höheren Frequenzen, wodurch sich der Eindruck von Bassdruck sogar verstärkt. Gleichwohl oder gerade deshalb ist der Bass jederzeit definiert in seiner Kontur und Tonalität. Auch die gewünschte Dynamik bildet er bis in den Tiefbass sicher ab (Adel Tawil: „Katsching“). Das Schönste: Die Basswiedergabe stört die höheren Frequenzbereiche nicht. So verschafft sich Nick Caves Stimme in „Galleon Ship“ trotz schwarztiefen Grollens einen klaren Platz im Klangbild. Sehr gelungen und dazu über den Equalizer in der App nach Bedarf abzuschmecken. Auffällig ist dabei, dass der PurePlay Z7 zu kräftigen Pegeln fähig ist und dennoch kaum je an Präzision einbüßt.

Durch die Treibertrennung habe ich auch im Mittenbereich keine Einwände: Dem Testkandidaten gelingt der Brückenschlag zwischen Druck, Wärme und Präsenz sowie Nähe oder Größe. Das gilt genreübergreifend von elektronischer Popmusik (Goldfrapp: „Systemagic“) über breite Gitarrenwände (Slayer: „Repentless“), intime Flügelaufnahmen bis hin zum klassischen Symphonieorchester mit ausgeprägter Dynamik.

Auch der Höhenbereich ist angenehm offen und schnell. Er liefert so die nötigen Details, bei Stimmen und Instrumenten, im Stereopanorama und Raum sowie einen angenehmen Glanz. Zwar reicht er nicht an echte audiophile offene oder elektrostatische Konstruktionen heran, aber das darf man zu einem Preis von 199 Euro auch nicht erwarten.

Ungewollte Härten gibt es nicht. Tatsächlich aber gibt sich der PurePlay Z7 an diesem tontechnischen Grenzbereich für meine Begriffe zu zahm (Britney Spears: „Toxic“).

Schließlich überzeugt mich das Testgerät auch mit einem stabilen, breiten und sicher animierten Stereobild. Bei dieser Detailverliebtheit, etwa in St. Vincents „Daddy’s Home“, stellt sich unweigerlich Hörspaß ein. Bei der Raumtiefe sind dem In-Ear-System erwartungsgemäß Grenzen gesetzt. Hallräume sind aber klar erkennbar, etwa in Holly Coles „I Can See Clearly Now“.

Die deutliche Außenisolierung, die übrigens auch den Sitznachbarn vor Belästigungen schützt, sorgt für einen wirklichen guten Störabstand. Andererseits kam es zumindest bei mir beim Laufen teils zu einer Wahrnehmung von Trittschall.

Es mag euch aufgefallen sein: Der PurePlay Z7 verzichtet bewusst auf Noise Cancelling. Ob man sich diese Funktion wünscht oder nicht, ist sicher situationsabhängig. Laut Aussage des deutschen Vertriebs setzt Lypertek hier auf hohe Treiberqualität und die gute Außenisolierung und umgeht so die möglichen Nachteile von ANC wie mögliches Eigenrauschen und eventuelle Einschränkungen im Frequenzgang. Umgekehrt ist anzumerken: Geht es draußen unruhiger zu, würde der Ruhebereich durch ein gutes Noise-Cancelling-System die passive Geräuschisolierung durchaus übertreffen, mit Vorteilen bei Reisen im Zug und Flugzeug. Abzüge gibt es zu guter Letzt bei der Sprachverständlichkeit bei Telefonaten, die mein Gesprächspartner trotz Rauschunterdrückung als zu wenig transparent rügte.

ANZEIGE
ANZEIGE
Ulf Kaiser
vor 2 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Lyperteks PurePlay Z7 versteht sich als True-Wireless-System für gehobene Klangansprüche. Der Kopfhörer legt gegenüber dem hauseigenen PurePlay Z3 eine Schippe drauf, die den doppelten Preis aber zweifelsfrei rechtfertigt. Mit einem Preis von 199 Euro kann sich dieser Kopfhörer, der zudem durch eine gelungene Bedienung und eine außergewöhnlich gute Laufzeit überzeugt, allein durch die Klangqualität bequem gegen die Branchenriesen Apple und Sony behaupten. Kurz: eine echte Empfehlung.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch + 2 Balanced-Armature-Treiber

Lieferumfang

  • Silikon-Passstücke (3 Paar)
  • Memory-Schaumstoff-Passtücke (3 Paar)
  • USB-C-Ladekabel
  • Filtermesh
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX
  • BT-Version: 5.2
  • BT-Profile: A2DP, AVRCP, HFP, HSP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ANZEIGE