Mit den Stream Sport liefert Motorola ganz gut klingende, ganz ordentlich sitzende, verbindungszuverlässige und dabei noch schweißresistente True Wireless In-Ears, die den Sportler in uns adressieren sollen, dem neben Klang auch sicherer Sitz in allen Workout-Lagen etwas bedeutet. Grundsätzlich macht Motorola dabei wenig falsch, aber leider lässt sich nicht wegdiskutieren, dass bei Material und Verarbeitung wohl gespart werden musste, wo es nur ging.

Auftritt

Öffnet man den schmalen Karton an der Stirnseite und zieht das dünnwandig wabbelige Plastikschälchen heraus, purzeln einem die Kopfhörer, das Kabel, das Lade-Case sowie weiteres Zubehör erstmal vor die Füße bzw. auf den Schreibtisch. Da wissen andere Anbieter auf jeden Fall ein besseres Unboxing-Erlebnis zu liefern, auch wenn ich natürlich weiß, dass eine Verpackung noch keinen Frühling macht und keinerlei Rückschlüsse über den Inhalt liefern muss.

Trotzdem stellt sich hier bereits ein „billiges“ Gefühl ein, welches auch nicht wertiger wird, als ich mir aus den drei Paar Ohrpassstücken in S, M, L meine Größe auswähle und die roten Hauben auf keinen Fall aus Silikon oder Kautschuk sein können, sondern nur aus weichem und billig anmutendem Plastik geformt wurden (im englischen werden sie mit „Gel“ einigermaßen unklar benannt). Auch die Ohrbügel, die beim strammen Sport einen besseren Halt der Kopfhörer im Ohr bieten sollen, sind aus Plastik und wirken leider ebenso billig – Erinnerungen eines Ü-Ei-Bausatzes werden da spontan in mir wach.

Nichtsdestotrotz sorgen die Passstücke für einen passablen Sitz im Ohr und die Bügel vermögen diesen tatsächlich sicher zu fixieren – wenn‘s mal holprig werden sollte. Koppeln muss man zunächst jeden In-Ear einzeln, da man sie auch einzeln nutzen kann, danach verbinden sich links und rechts untereinander, um dann beim Smartphone anzudocken – insgesamt bedeutet dieses Prozedere ein etwas unübersichtliches Meldungsstimmengewirr, aber am Schluss steht die Verbindung, die stabil ist und kaum Aussetzer hat. Also mal hören, wie sie klingen.

Günstig nicht gleich schlecht

Für True Wireless In-Ears, die weniger als 100 Euro kosten, bin ich erst einmal überrascht, wie gut sie klingen. Meine poppige Playlist wünscht sich zwar etwas mehr Bass, aber den kann ich mit dem Equalizer bereitstellen. Schon wummert „Breathe“ von Jax Jones deutlich im Kopf; füllige Mitten und angenehme Höhen tragen mich definiert in Raum und Breite durch den Song und vermitteln ein angenehmes Gefühl im Ohr, was ich aufgrund des Auftritts zunächst nicht erwartet hätte. Minimalistische Klaviermusik mit Electronica von Federico Albanese läuft fluffig und nuancenreich in die Ohren, wobei mir hierbei deutlich die geringe Gesamtlautstärke der Stream Sport auffällt. Da könnte ruhig etwas mehr Dampf hinter sein, zumal die Außengeräuschdämpfung nicht allzu hoch ist, was ich aber als ganz angenehm empfinde – gerade bei sportlichen Aktivitäten müssen die Ohren Luft und Umweltgeräusche (mit)bekommen.

Insgesamt machen die Stream Sport eine gute Figur, wenn die Musik nicht allzu komplex oder auf Extreme getrimmt ist oder die Lautstärke voll aufgedreht wird, denn dann versuppt alles und die Defizite beim Bass und in der Auflösung treten deutlich hervor bzw. es wird unangenehm Mitten-Höhen-lastig und kippt ins Kreischige, was manchmal auch durch den nicht ganz optimalen Sitz im Gehörgang verursacht wird, dem hin und wieder durch Dreh- und Drückbewegungen nachgeholfen werden muss – die plastiksteifen Ohrbügel helfen da auch wenig, da sie die In-Ears eher nur festhalten und weniger die Position fixieren, denn dafür sind sie zu unbeweglich.

Pro Hörer eine Remote

Die Remote bzw. die zwei identischen Remotes an beiden Earbuds sind gut erreich- und bedienbar mit Einschränkungen. Ein Schalter steuert Player und Telefon, eine kleine Wippe an der Vorderseite Volume und Skip. Setzt man die Ohrbügel jedoch auf die Earbuds, so wird die Wippe quasi unerreichbar, was natürlich ärgerlich ist, zumal ich dieses Remote-Angebot wirklich gut finde. Bei einem Testanruf mit den Stream Sports wurde eine ausreichende Verständlichkeit von der Gegenseite attestiert, was bei der Bauform und der großen Entfernung vom Mikro zum Mund ja mal was ist, aber dennoch immer wieder Nachfragen provoziert, wo ich denn eigentlich sei und wieso das so schlecht klingt.

Die Laufzeit der Stream Sport liegt irgendwo bei zweieinhalb Stunden, was kein Spitzenwert ist, aber für einen gepflegten Lauf durch den Park reichen sollte, das mitgelieferte Lade-Case, dessen Größe ich als angenehm klein empfinde, verlängert die Laufzeit auf angegebene sechs Stunden, bevor eine Steckdose gesucht werden muss. Das ist in Ordnung. Was ich dagegen nicht in Ordnung finde, ist die Tatsache, dass die Stream Sport im Betrieb blau blinken müssen. Ich empfinde das als vollkommen nutzlos und peinlich. Vielleicht ist’s ja auch als Sicherheits-Feature gedacht, dann wäre es allerdings schön gewesen, wenn das Blaulicht deaktivierbar wäre.

Fazit: Motorola Stream Sport
von Sven Opitz

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die Motorola Stream Sport sind brauchbare True Wireless In-Ears mit akzeptabler Laufzeit und gutem Klang, die ab und an ein TouchUp mit dem Equalizer benötigen, um etwas besser zu klingen. Dennoch wäre hier und da ein wenig mehr einfach viel besser gewesen, vor allem die verbauten Materialien (Stichwort „billiges Plastik“) und die Sache mit der unerreichbaren Remote bei Benutzung der Ohrbügel. Ansonsten bringen die Stream Sport alles mit, was bei True Wireless In-Ears State of the Art ist, bei den Remote-Funktionen sogar etwas mehr. Ein gutes – wenn auch etwas billig verpacktes – Gesamtpaket, das den Weg zum True-Wireless-Erlebnis sehr günstig möglich macht.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Impedanz
32 Ohm
Kabellänge
50 cm

Lieferumfang

  • Ohrstöpsel in S, M, L
  • Mikro-USB-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • Spritzwassergeschützt nach IP54-Norm
  • Alexa, Siri und Google Now kompatibel
  • BT-Version: 4.1

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