Nura NuraLoop

Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer mit Nackenband, otoakustischer Gehörmessung und Noise Cancelling

Mit dem Nuraphone (zum Test) hat der australische Hersteller Nura vor etwa zwei Jahren einen einzigartigen Kopfhörer vorgestellt, der mit einer speziellen Art der Gehörmessung arbeitet. Inzwischen ist die reine In-Ear-Variante unter dem Namen NuraLoop verfügbar: Hat sich das Warten gelohnt?

Der NuraLoop ist ein schweißresistenter, drahtloser In-Ear-Kopfhörer mit Nackenband, das zusätzlich über die Ohren geführt wird. Die leichten Ohrstöpsel fallen dabei recht groß aus und werden schräg in den Ohrkanal gesteckt.

Das Gerät ist sowohl über Bluetooth 5 als auch über ein Audiokabel nutzbar. Ein interessantes Designfeature: Das Audiokabel beziehungsweise das USB-Ladekabel, beide mitgeliefert, werden über einen Magnetverschluss in der Mitte des Nackenbands angeschlossen. Eine elegante Lösung, die man aber nicht zuhause vergessen sollte.

Geboten werden zwei berührungsempfindliche Außenflächen an den Ohrmuscheln für die Funktionssteuerung, ein aktives Noise Cancelling sowie eine Unterstützung der Codecs SBC, AAC und aptX HD.

Des Weiteren punktet NuraLoop mit einer beachtlichen und in der Praxis auch erreichbaren Laufzeit von bis zu 16 Stunden sowie einer Schnellladefunktion. Hinzu kommt eine praktische automatische Ausschaltfunktion, sobald man den Hörer aus den Ohren nimmt.

Die kostenlose Nura-App (iOS, Android) ermöglicht neben Updates und dem Durchführen des Hörtests (siehe unten) auch eine Anpassung der Touch-Funktionen und besagter Ein-/Schaltautomatik. Auch lässt sich hier eine Pegelbegrenzung nach EU-Standard aktivieren.

Anpassung an das eigene Ohr

Bereits im Nuraphone überzeugte uns der Ansatz der Linearisierung des Frequenzgangs über eine Messung des eigenen Gehörs. Wie dort wertet der circa einminütige Vorgang otoakustische Emissionen aus, die über integrierte hochempfindliche Mikrofone im Gehörgang erfasst werden. Hierbei handelt es sich um frequenzabhängige Schallwellen, die das Trommelfell beim Hörvorgang selbst abgibt, als Ergebnis einer Modulation der Haarzellen im Innenohr. Da diese Emissionen circa 80 dB unterhalb des Eingangssignals liegen, sind die speziellen Mikrofone unabdingbar für die Messung und ein echtes Alleinstellungsmerkmal am Kopfhörermarkt. Laut Hersteller erfolgt die Messung technisch leicht abweichend vom Nuraphone und setzt eine Anpassung über die Software voraus. Ziel der Messung ist es aber weiterhin das Erfassen des persönlichen Hörapparats und eine nachfolgende Linearisierung, die neben den persönlichen Eigenheiten der Ohrform auch eventuelle Degradationen kompensiert. In der Nura-App lassen sich drei solcher Profile speichern, weshalb sich das Gerät auch mit anderen Nutzern sinnvoll teilen lässt.

Praxis

Der Tragekomfort und die Passform sind eine Geschmacksfrage. Persönlich fällt mir das Nackenband zu kurz aus, so dass mir das schnelle Aufsetzen des NuraLoop unnötig umständlich erscheint. Dabei sind konventionelle Nackenbandkonstruktionen oft besonders bequem zu handhaben, insbesondere in den Momenten, in denen man keine Musik hören und die Ohrstöpsel baumeln lassen möchte. Das funktioniert aufgrund der Länge des Nackenbands hier nicht, dazu gibt es auch keinen praktischen Magnetverschluss, um die Hörer sicher um den Hals baumeln zu lassen.

Der Funktionsumfang der beiden Touch-Felder ist seit Version 3.196 recht umfassend definierbar. So lassen sich pro Seite Aktionen für Klicks und Doppelklicks festlegen sowie für die aufgrund der Größe etwas gewöhnungsbedürftigen Touch Dials. Längere Klicks und Dreifachklicks sind nicht vorgesehen, ebenso ein Aufruf eines Sprachassistenten. Probleme hatte ich beim Management von eingehenden Telefonaten mit meinem iPhone 8, die wiederholt nicht auf den Kopfhörer umgeleitet wurden.

Vorkonfiguriert sind die Lautstärkesteuerung, Play/Pause auf der rechten Seite und links der Social Mode samt dessen Intensität (siehe unten). Die Doppelklickfunktionen können so beispielsweise für das Track Skipping genutzt werden.

In der Praxis passiert es immer wieder, dass man beim Zurechtrücken der Hörer versehentlich die Touch-Flächen berührt. Ein Problem, dass NuraLoop mit einigen Mitbewerbern teilt: Wo soll man sie auch sonst anfassen?

Auch der grundsätzlich genialen Ausschaltautomatik konnte ich nicht vollständig trauen. Es kam immer wieder vor, dass ich die Hörer beiseitelegte, diese aber eingeschaltet blieben. Alternativ kann man NuraLoop inzwischen durch ein längeres Berühren beider Touch-Flächen manuell ausschalten. Erstaunlich, dass nur in diesem Modus eine weitere Automatik zur Verfügung steht, die das Gerät nach einer Weile ausschaltet, sofern keine Musik abgespielt wird. Schließlich ist die Bluetooth-Funkstrecke seit dem aktuellen Firmware Update stabil und reichte über mehrere Räume. Zwischenfazit: Hier dürften weitere Updates noch Verbesserungen bringen.

Noise Cancelling

Das Noise Cancelling ist nicht in der Intensität regelbar. Es liefert aber beachtliche Ergebnisse, wenngleich bei geringem Grundrauschen. Die Absenkung der Umgebungsgeräusche schafft einen zusätzlichen aber nicht allzu intensiv abgeschotteten Ruheraum, aus dem insbesondere tieffrequente und statische Geräusche ausgeblendet werden und den ich als angenehm alltagstauglich bezeichnen würde. Die Intensität der Absenkung würde ich als mittel beschreiben, so dass man beispielsweise durchaus Alltagsgeräusche etwa von Fahrzeugen und Baustellen wahrnimmt. Insbesondere Over-Ear-Modelle, etwa von Sony, haben hier noch mehr auf Lager. Lobenswert komfortabel ist der Social Mode, den man einfach durch Berührung des Touch-Bereichs aufruft und so die Umweltgeräusche über die Mikrofone in den Gehörgang einspeist, regelbar in der Intensität und bestens geeignet für eine schnelle Kommunikation.

Klang

Sofern NuraLoop richtig im Ohr sitzt (was die Kopfhörer-Elektronik übrigens registriert), ist das Klangergebnis überaus und auch in längeren Hörsitzungen überzeugend. Kraftvoll und ausgewogen werden Titel unterschiedlichster Genres reproduziert. Insbesondere bei höheren Pegeln ist NuraLoop eine reine Freude bei Pop- und Rocktiteln. Hinzu kommt eine hohe Detailauflösung, eine gute Dynamik, ein weites, präzises Stereopanorama sowie eine überdurchschnittliche Räumlichkeit. Alle Aspekte profitieren dabei vom verbesserten Störabstand durch das Noise Cancelling.

Der Bass ist tonal sicher, satt aber dennoch straff. Auch erreicht er die unterste Oktavlage, ohne es dabei zu übertreiben. Auf diesem Fundament aufsetzend offeriert der Mittenbereich eine natürliche Wärme, die akustischen Instrumenten, Stimmen aber auch dem essenziellen Spektrum der Rockmusik die nötige Dichte verleiht und gleichzeitig die notwendige Trennung der Elemente einer Mischung nachzeichnet. Auch bei dynamischen Jazz- und Klassikaufnahmen patzt NuraLoop nicht – ganz im Gegenteil. Schließlich zeigt sich die Abstimmung in den Höhen schnell, detailreich und offen. Härten gibt es nur, wenn die Mischung diese fälschlicherweise aufweist.

Der Klangeindruck ist gleichzeitig hochgradig abhängig von der Hörmessung. In der App lässt sich zwischen neutralem (unkorrigierten) und personalisiertem Hörprofil umschalten. Letzteres klingt deutlich anders und erheblich verbessert. Dennoch bleibt es eine Mutmaßung, wie groß der Unterschied mit einer anderen Basiskonstruktion gewesen wäre. NuraLoop ohne die Korrektur zu betreiben, ergibt meiner Meinung nach keinen Sinn.

Nicht weniger relevant ist eine regelbare Funktion namens „Immersion Mode“. Hierbei wird der Bass regelbar angehoben, um ein druckvolleres Klangbild zu erzeugen. Genre-abhängig lässt sich dieser Regler recht weit aufdrehen, um so den Eindruck einer druckvolleren, intensiveren Basswiedergabe zu vermitteln. Das gelingt tatsächlich und reicht weit in den Tiefbass hinab. Etwas unklar bleibt lediglich, wo sich die Neutralposition befindet. Überzeugende Ergebnisse erreicht man allemal, zumeist in der Mittelstellung. Hier bleiben zusätzlicher Druck und Hörspaß im besten Einklang mit weiterhin konturierter Wiedergabe. Wer es neutraler und weniger „charttauglich“ mag, regelt den Immersion-Anteil einfach zurück.

Als völlig klangneutral würde ich das Testgerät nicht bezeichnen, was aufgrund der Auslegung für den mobilen Einsatz auch nicht zu erwarten war. Auch darf man feststellen, dass im Bereich der Transparenz und Detailauflösung teurere und explizit audiophile Konstruktionen dem NuraLoop überlegen sind. Aber mal ganz ehrlich, wen kümmert’s?

Abschließend gibt es noch einen Pluspunkt für die Gesprächsqualität von Telefonaten.

Ulf Kaiser
vor 3 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Sitzt der NuraLoop gut und sicher im Ohr, gehört er zu den derzeit besten Wireless-In-Ear-Kopfhörern seiner Preisklasse. Der Klang ist ausgewogen, füllig und detailreich, dazu auf den Hörer abgestimmt. Das innovative Verfahren der Gehörmessung ist den Ansätzen der Konkurrenz meines Erachtens deutlich voraus. Auch die Bedienung und Funktionalität sind grundsätzlich überzeugend, wenn auch punktuell verbesserungswürdig. Angesichts der letzten Firmware-Updates bin ich aber fast sicher, dass man zukünftig mit weiteren Verbesserungen rechen darf.

Schließlich ist auch die Klangqualität hoch und legt Wert auf Hörvergnügen, ohne dabei den Hifi-Aspekt zu vernachlässigen und dank ANC und Immersion Mode taucht man tief in die Musik ein.

Mit einem Preis von 229 Euro ist der NuraLoop definitiv eine echte Empfehlung und man darf gespannt sein, was der Hersteller aus Australien noch im Köcher hat.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Gewicht mit Kabel25 g

Lieferumfang

  • 4 Paar Ohrpassstücke in unterschiedlichen Größen
  • Klinkenkabel
  • USB-A-Ladekabel
  • Tragetasche

Besonderheiten

  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX HD
  • BT-Version: 5.0
  • kompatibel mit iOS 9.3 und Android 5.0 und höher

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