Mit dem Dacamp L1 will RHA die Klangqualität von Kopfhörern abseits konventioneller HiFi-Verstärker steigern.

Man muss es sich nur einmal vor Augen führen. Um ein Kopfhörersignal hören zu können, müssen Audiosignale verstärkt und, sofern digital, auch in die analoge Welt gewandelt werden. Was man bei der heimischen HiFi-Anlage selten infrage stellt, wird beim mobilen Musikgenuss gern vergessen: Natürlich gibt es auch hier gute und weniger gute Verstärker. Und dass man von Smartphones diesbezüglich kaum erstklassige Qualität erwarten kann, sollte sich nach kurzer Bedenkzeit eigentlich von selbst verstehen. Entsprechend trifft man immer öfter auf externe Kopfhörerverstärker beziehungsweise DA-Wandler, die eben diese Aufgabe übernehmen und die Schaltungen im Mobilgerät umgehen …

In diese Gerätegattung gehört auch der vorliegende Dacamp L1 von RHA. Das knapp 230 Gramm leichte Gerät hat die Größe eines Smartphones, fällt aber deutlich kräftiger aus. Die Verarbeitung ist mustergültig: Das Gehäuse ist in gepresstem Aluminium eingefasst. Das sieht nicht nur edel und wertig aus, sondern sorgt auch für eine hohe Robustheit im Alltag sowie eine elektromagnetische Abschirmung. Diesem Anspruch stehen die Schnittstellen sowie die Bedienelemente nicht nach: Die Anschlüsse und der versenkte Lautstärkeregler finden sich an den oberen und unteren Enden des Gehäuses, während sich drei weitere gerasterte Regler an der Seite befinden, geschützt durch eine Metallblende.

Ausstattung

Der Dacamp L1 bietet zwei Kopfhörerausgänge, einmal in Form einer 3,5 mm Miniklinkenbuchse und einmal als vierpoliger, symmetrischer Ausgang (Mini-XLR) unter anderem für den hauseigenen CL1 Ceramic. Das finde ich etwas schade, bei der symmetrischen Lösung hätte ich mir die gängigeren Pentaconn-Anschlüsse gewünscht. Hinzu kommt ein Lineausgang im Miniklinkenformat, mit dem man den Dacamp L1 beispielsweise an eine Endstufe mit Lautsprechern oder ein Mischpult anschließen kann.

Eingangsseitig gibt es zwei USB-Buchsen für iOS- (via Lightning-Adapter) und Android-Geräte (ab Version 4.4). Dazu lässt sich der Dacamp L1 bei Bedarf per USB-2.0-Verbindung auch für die Tonausgabe unter Windows, macOS und Linux nutzen. Hinzu kommt ein kombinierter optischer und Line-Eingang – der Dacamp L1 ist also vielseitig nutzbar.

Technisch schöpft der Hersteller aus den Vollen und betreibt gegenüber Smartphones einen beachtlichen Mehraufwand im Audiobereich: So ist die Schaltung symmetrisch ausgeführt und bietet eigene Verstärker pro Stereokanal. Hinzu kommen zwei hochwertige DA-Wandlereinheiten vom Typ ESS SABRE32 ES9018K2M. Damit einher geht eine Kompatibilität zu Audioauflösungen hinauf bis 384 kHz und 32 Bit sowie DSD-Formaten bis zu DSD256. Wichtig: Auch der Verstärker fällt leistungsstärker aus und kann problemlos hochohmige Kopfhörer antreiben. Er verfügt hierzu sogar über eine dreistufig schaltbare eingangsseitige Pegelvorverstärkung. Schließlich stellt der Dacamp L1 zur Anpassung an den persönlichen Geschmack noch eine Klangregelung für die Höhen und Bässe mit einem Bereich von jeweils +9 und -3 Dezibel über die erwähnten gerasterten seitlichen Regler bereit.

Der verbaute Lithium-Ionen-Akku bietet eine Kapazität von 4.000 mAh, hat eine Laufzeit von bis zu zehn Stunden und kann sogar angeschlossene Smartphones laden. Seine Ladezeit fällt mit vier Stunden allerdings recht lang aus.

Klang

Neben zusätzlichen Pegelreserven und der Kompatibilität zu hochohmigen Kopfhörern, die für Heim- und Studioanwendungen konzipiert wurden, ist die Steigerung der Klangqualität mit dem Dacamp L1 tatsächlich signifikant und verdient wahrhaft die Bezeichnung Hi-Res. Das Signal erhält gegenüber einem iPhone 8 eine spürbare Aufwertung in jeder Hinsicht: Das extern gewandelte und verstärkte Quellsignal verfügt dabei über einen verbesserten Geräuschabstand, einen ausgewogeneren Frequenzgang sowie eine erweiterte Dynamik. Spürbar ist auch der Zugewinn in Form einer erhöhten Detailauflösung, die den einzelnen Instrumenten mehr Griffigkeit und Realismus verleiht, aber auch die Räumlichkeit sowie das Stereopanorama auf ein neues Niveau führt und den Zusammenhalt der Mischung verbessert. Beide Testgeräte, der CL750 von RHA (zum Test) und Sennheisers HD 660 S (zum Test), liefen am Dacamp L1 zu Höchstform auf.

Fazit: RHA Dacamp L1
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Wer die Klangqualität seiner Kopfhörer abseits konventioneller HiFi-Verstärker steigern will, sollte einen näheren Blick auf einen hochwertigen dedizierten Kopfhörerverstärker werfen. Der Dacamp L1 von RHA ist so ein mustergültiges Beispiel, denn er verbessert die Klangwiedergabe tatsächlich in jeder Hinsicht und bietet dazu noch nützliche Funktionen wie den Anschluss an einen Verstärker, einen analogen Eingang und einen integrierten Equalizer. Für dieses zweifelsfrei audiophile Upgrade muss man zwar einen Mehraufwand bei der Verkabelung sowie die zusätzlichen Kosten von immerhin 399,95 Euro in Kauf nehmen – das Ergebnis lohnt sich jedoch.

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Technische Daten

Bauform
Tragbarer DAC
Gewicht ohne Kabel
233 g

Lieferumfang

  • zwei USB-Kabel
  • Reinigungstuch
  • Silikonbände

Besonderheiten

  • Ausgangsleistung (16 Ohm): 300mW
  • Ausgangsleistung (300 Ohm): 28mW
  • Ausgangsimpedanz: 2,2 Ohm
  • THD+N: >0.0018%
  • Dynamikbereich: 111 dB
  • PCM Sampling-Frequenzen: 44,1 -384 kHz, 16 / 24 / 32 Bit
  • DSD Sampling-Frequenzen: 2.8224MHz (DSD64), 5.6448MHz (DSD128), 11.2896MHz (DSD256)
  • Eingangsanschlüsse: 3,5-mm-Eingang, USB-A, USB Micro-B, Mini-TOSLINK optisch
  • Ausgangsanschlüsse: 3,5-mm-Ausgang, 3,5-mm-Kopfhörerausgang, 4-poliger Mini-XLR (abgestimmt)
  • Batterie: 4000 mAh

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