Spätestens seit dem MDR-1000X spielt Sony neben Bose und Sennheiser ganz vorn im Bereich der Noise-Cancelling-Kopfhörer mit. Nun will der japanische Hersteller mit dem WH-1000XM2 die Messlatte noch weiter nach oben schieben.

Äußerlich gleicht das neue Modell dem Vorgänger MDR-1000X (zum Test) fast vollständig. Tatsächlich hat Sony hier auch alles richtig gemacht: Der geschlossene in Schwarz und Gold erhältliche WH-1000XM2 ist gut verarbeitet, robust, bietet einen bequemen Sitz, ist zusammenfaltbar und dank drehbarer Ohrmuscheln in der mitgelieferten Tragetasche platzsparend unterzubringen. Mit 279 Gramm (ohne Kabel) fällt er als Over-Ear-Hörer zudem leicht aus.

Technisch gleich geblieben ist die gute Außendämpfung in beide Richtungen sowie die 40-mm-Treiber mit Neodymium-Magneten mit Aluminium-beschichteten Membranen. Auch der WH-1000XM2 verlässt sich auf Bluetooth 4.1 und aktuelle Codecs wie AAC, aptX HD und eignet sich dank LDAC auch für Hi-Res-Material.

An Leistung gewonnen hat der Akku, der nach vier Stunden voll beladen ist und je nach Nutzung (Noise Cancelling, Kabel- oder Bluetooth-Betrieb) bis zu 30 Stunden Spielzeit bieten will. Dank Schnellladefunktion erreicht man aber schon nach zehnminütiger Ladezeit eine Spieldauer von knapp 70 Minuten. Über ein mitgeliefertes Kabel ist sowohl ein passiver als auch aktiver Betrieb mit Noise Cancelling möglich.

Praxis

Der WH-1000XM2 sitzt dank Kunstlederpolsterungen am Bügel und den Ohrmuscheln bequem und sicher auf den Ohren – für meine Begriffe sogar noch etwas besser als der Vorgänger. Der Bedienkomfort am Kopfhörer ist weiterhin ausgezeichnet: Verblieben an der linken Ohrmuschel sind der Ein- und Ausschalter, der auch das Pairing übernimmt und ein zweiter Schalter, mit dem sich das Noise Cancelling und die später erläuterte Ambient-Sound-Funktion schalten und eine automatische, nicht näher beschriebene Klangoptimierung starten lässt. Die zugehörigen Sprachansagen sind dabei etwas störend, weil sie zu einer Pause der Wiedergabe führen. Die bequemen Touch-Funktionen arbeiten durch Berühren der rechten Ohrmuschel. Per Doppelklick erfolgt die Musik- und Anrufsteuerung, per vertikalen und horizontalen Wischbewegungen die Lautstärkekontrolle und das Track Skipping. Legt man die Handfläche über die Ohrmuschel, schaltet man die Interaktion mit der Umgebung temporär ein. Auf die gleiche Weise lässt sich auch die Sprachfunktion des Smartphones aktivieren. Bravo!

Im Unterschied zum Vorgängermodell lassen sich die unterschiedlichen Funktionen zum Noise Cancelling und zur Klangmanipulation nunmehr über eine kostenlose iOS- und Google-App steuern. Hieraus ergeben sich eine Vielzahl von verfeinerten Steuerungsmöglichkeiten, die im MDR-1000X lediglich durch Tastenkombinationen am Hörer pauschal schaltbar waren, wenn überhaupt. So ist beispielsweise die Intensität der Umgebungsgeräusche nunmehr frei regelbar und ein konfigurierbarer Equalizer zur Ausstattung hinzugekommen.

Noise Cancelling

Die technisch herausragende Eigenschaft des WH-1000XM2 ist die aktive Rauschunterdrückung, die über Mikrofone an den Ohrmuscheln Umgebungsgeräusche erfasst und diese im Nutzsignal möglichst effektiv reduziert. Dabei greift Sony in die Vollen, denn das Noise Cancelling gehört für mich zum Besten, was der Markt derzeit zu bieten hat. Tatsächlich lassen sich Umgebungsgeräusche effizient ausfiltern, so dass man im Idealfall mit diesem Kopfhörer im Fernzug ohne Ablenkung in aller Ruhe Musik oder einfach nur Stille genießen kann.

Darüber hinaus kann der Kopfhörer aber auch automatisch auf die Umgebungssituation reagieren. Durch Luftdruckmessung kann die Elektronik dabei zwischen Gehen, Joggen, öffentlichem Personennahverkehr und stationärem Reisen (Bahn, Flugzeug) unterscheiden und das Profil entsprechend anpassen, wenn auch etwas träge. Über den Parameter „Ambient Sound Control“ lässt sich nunmehr bestimmen, inwieweit Umgebungsgeräusche ans Ohr gelangen, was im Straßenverkehr durchaus sinnvoll und wichtig ist. Statt der zweistufigen Schaltung im Vorgänger justiert man die Intensität für die oben genannten Profile nun per Schieberegler am Smartphone, was vergleichbar zu einem Höhenfilter wirkt. Dazu gibt es die Option, Sprache durch ein enges Mittenband besser durchdringen zu lassen, was ebenfalls gut funktioniert. Ist Ambient Sound aktiviert, wird stets ein minimaler Anteil an Umgebungsgeräuschen durchgelassen, was sich in sehr ruhigen Umgebungen als dezentes Rauschen offenbart. Zusammenfassend gebührt Sony für die aktuelle Version des Noise Cancellings höchster Respekt. Lediglich auf Windgeräusche reagiert der WH-1000XM2 empfindlich – wie seine Mitbewerber.

Klang

Klanglich liefert der neue Sony eine rundum stimmige Leistung ab – er ist ein hochwertiger Kopfhörer, der kaum Schwächen zeigt. Der WH-1000XM2 klingt ausgesprochen ausgewogen und deckt das gesamte Spektrum von Tiefbass bis hin zu transparenten Höhen in überzeugender Art und Weise ab. Zu seinen weiteren positiven Eigenschaften gehören eine authentische Dynamikabbildung und ein generell großer Detailreichtum. Damit eignet sich dieser Kopfhörer uneingeschränkt für jedes Genre.

Der Bassbereich ist druckvoll, aber nicht überbetont. Durch die konturierte Wiedergabe lassen sich sowohl dynamische Abstufungen und Tonalitäten klar erkennen. Dazu reproduziert das System auch echten Tiefbass mit kräftigem Pegel. Der Mittenbereich punktet durch Ausgewogenheit und Realismus. Wärme, Fülle bei Stimmen oder akustischen Soloinstrumenten aber auch Biss, etwa von elektrischen Gitarren und hart gespieltem Klavier, werden, je nach Stilistik und Instrument, treffend und unmittelbar abgebildet. Schließlich bietet auch der Hochtonbereich eine schöne Transparenz und Auflösung, ohne systemimmanente störende Härten. Dank der Kompatibilität zu Hi-Res-Material reicht der Frequenzgang bei entsprechendem Material dabei hinauf bis 40 kHz.

Auch an der Abbildung des Stereopanoramas gibt es wenig zu beklagen. Der WH-1000XM2 liefert eine stabile, gut aufgelöste Basis und lässt Bewegungen jederzeit erkennen. Schließlich ist der Kopfhörer auch in der Lage die nötige Rauminformation abzubilden. Erst wer an dieser Stelle mehr fordert, muss sich vermutlich vom Gedanken einer mobilen geschlossenen Lösung verabschieden.

Interessant: Im WH-1000XM2 lässt sich eine Optimierung komprimierter Audiodateien zuschalten, die auch reguläre PCM-Quellen auf 96 kHz und 32 Bit hochrechnet. In der Praxis war der Effekt eher umgekehrt. Bei deaktivierter DSEE-HX-Option erhielt ich die besten Ergebnisse. Und schließlich liefert auch die integrierte Freisprecheinrichtung eine gute Sprachqualität.

Die Tatsache, dass das Noise Cancelling eine betont ruhige Hörumgebung schafft, verstärkt das Hörerlebnis, so dass der WH-1000XM2 im mobilen Einsatz seine vollen Stärken ausspielen kann. Trotz erstklassiger Klangleistung würde ich den WH-1000XM2 nicht auf eine Höhe mit explizit audiophil konzipierten Modellen für den Heimeinsatz stellen. Im Direktvergleich ist die Luftigkeit und die räumliche Abbildung weniger ausgeprägt und das Klangbild „klebt näher am Ohr“, als dies beispielsweise bei einem offenen Kopfhörer wie dem Sennheiser HD 660S (zum Test) der Fall ist.

Die zuschaltbare Auswahl verschiedener Raumsimulationen in der App bewerte ich eher als Gimmick. Hier werden zusätzliche Informationen ergänzt, die Aufnahmen mehr Räumlichkeit verleihen. In den allermeisten Fällen aber kommt sich diese mit bereits vorhandenen Rauminformationen der Klangquelle in die Quere, was zu einem Verlust an Definition und Direktheit führt. Gleiches gilt für die alternativ aufrufbare Platzierung der Wiedergabe in einem virtuellen Surround-Feld. Mir erschließt sich nicht, warum ich denn eine Klangquelle seitlich versetzt oder hinter dem Kopf hören wollte. Und schließlich werden audiophile Hörer auch den Equalizer eher schmähen. Aber sei’s drum: Wer gern linear hört, schaltet diesen ab und wer beim Sport gern fette Bässe genießt, wählt das entsprechende Profil!

Fazit: Sony WH-1000XM2
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Mit dem WH-1000XM2 platziert Sony einen Kopfhörer am Markt, der wie kein zweites Gerät die Tücken im Mobilbetrieb für höchstmöglichen Klanggenuss auszumerzen sucht. Mit ausgezeichnetem Klang legt er die essenzielle Basis, die durch eine elegante Bedienung und beeindruckende Funktionen geschmückt werden und so zu einem hochfunktionalen Gesamtprodukt zusammenwachsen. Dabei erreicht er im Bereich der Rauschunterdrückung durch variable Profile und die mögliche Interaktion mit der Umgebung tatsächlich ein bislang unerreichtes Niveau. Wer das erlebt, möchte sich unterwegs fortan sicherlich öfter ungestörte Momente gönnen. Der Aufpreis zum MDR-1000X fällt moderat aus, somit liegt auch die Kaufempfehlung klar beim neuen Modell.

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
4 bis 40.000 Hz
Impedanz
47,1 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
105,68 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
527,5 g
Gewicht mit Kabel
303 g
Gewicht ohne Kabel
279 g
Kabellänge
150 cm

Lieferumfang

  • Steckeradapter zur Verwendung im Flugzeug
  • Kopfhörerkabel (ca. 1,5m, OFC-Adern, vergoldeter Stereo-Mini-Stecker)
  • USB-Ladekabel
  • Tasche

Besonderheiten

  • Auch in Gold erhältlich
  • BT-Version: 4.1
  • BT-Profile: A2DP, AVRCP, HFP, HSP
  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX HD, LDAC
  • Unterstütztes Kopierschutzverfahren: SCMS-T
  • Akkuladezeit: ca. 4 Std.
  • Akkulaufzeit: max. 30 Std. (NC EIN), max. 38 Std. (NC AUS)
  • Akkulaufzeit (Stand-by-Zeit): max. 40 Std. (NC EIN), max. 200 Std. (NC AUS)

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