Ultrasone Saphire

High End In-Ears mit vier Wegen und sechs Treibern

Die 4-Wege-In-Ears Ultrasone Saphire bieten gleich sechs Treiber, die mit Balanced-Armature- und elektrostatischer Technik arbeiten.

Seit mehr als 25 Jahren bieten Ultrasone Klanglösungen auf hohem Niveau. Und auch der wachsende In-Ear-Markt macht vor dem deutschen Hersteller nicht halt. Mit dem Modell Saphire möchte die am Starnberger See gelegene Manufaktur unsere Ohren mit handgemachtem Knopfkopfhörer-Sound verwöhnen. Wie das gelingt, soll unser Test herausfinden.

High End auf den ersten Blick

Der Lieferumfang des Ultrasone Saphire macht klar, dass hier das High-End-Publikum angesprochen werden soll. Denn neben einem unsymmetrischen Kabel liegt dem Kopfhörer auch eine symmetrische Kabelvariante bei. Als kleines Extra werden die Kabel in einem kleinen Beutelchen mit Kordelzug und aufgedrucktem Hersteller-Logo verschickt. Beide Kabel werden via 2-Pin-Steckern mit den In-Ear-Gehäusen verbunden. Selbstverständlich sind sämtliche Steckkontakte vergoldet.

Die mitgelieferten Ohrpassstücke bestehen aus Silikon und Memory-Schaumstoff und liegen jeweils in drei Größen vor, so dass für nahezu jeden Gehörgang die passende Lösung dabei sein sollte. Die Ear-Pads aus Memory-Schaumstoff bieten zusätzlich ein Gitter, das als Cerumen-Filter dient. Und auch ein Reinigungsstift für die Ohrpassstücke liegt bei.

Ein kleines Highlight ist das Transport-Case. Es wird sicher per Reißverschluss verschlossen und ist innen mit einem weichen Kunstfell ausgeschlagen. Als Gimmick bietet es kleine flexible Seitenwände, die beim Öffnen des Cases Raum geben. Sie sorgen zum einen dafür, dass die Kopfhörer nicht seitlich aus dem geöffneten Case herausfallen können. Zum anderen verhindern sie, dass der Reißverschluss Kratzer an den In-Ear-Gehäusen hinterlassen kann. Hier wurde wirklich an alles gedacht.

Schlichter Auftritt – einfach zu handhaben

Obwohl eine Menge Technik im Ultrasone Saphire steckt, sind seine Gehäuse klein und kompakt. Die Formgebung ist schlicht und edel. Und auch das matt-metallic Finish der Vollaluminium-Gehäuse macht einen guten Eindruck. Silberfarbene Applikationen sorgen für kontrastreiche Akzente und eine kleine verchromte Edelstahlplatte zeigt von außen das Hersteller-Logo an. Das alles verweist auf hohe Qualität.

Der Sitz der In-Ears ist zumindest bei meinen Ohren fantastisch. Die Kabelenden umklammern die Ohrmuscheln optimal und die Form der In-Ears ist wie gemacht für das Ohr des Testers. Dazu reichen die Hörfortsätze weit in den Gehörgang hinein, so dass die Dämpfung von Außengeräuschen automatisch enorm ist. Und aufgrund ihrer guten Passung fällt das vergleichsweise hohe Gewicht der Knopfkopfhörer nicht ins Gewicht.

Während das unsymmetrische Kabel mit einer Miniklinke ausgestattet und zur Vermeidung von Körperschallübertragung verzwirbelt ist, ist das symmetrische Kabel mit einem 2,5-mm-TRRS-Stecker versehen und großzügig mit einem geräuschdämmenden Kunststoff ummantelt worden. Das Wechseln der Kabel geht dank einer kleinen Führungsnut verwindungsfrei von der Hand. Beide Kabel werden als Rückhaltesicherung über die Ohrmuschel geführt, so dass die In-Ears nicht bei Kabelzug aus den Ohren rutschen. Zu diesem Zweck ist in ihnen aber kein Biegedraht verbaut. Stattdessen wurden die Schläuche der Kabelenden verstärkt und vorgeformt. Deshalb hat ihre Biegung eine „one size fits all“-Größe.

Zwei Hörer, vier Wege, sechs Treiber

Ja, richtig gelesen: Gleich sechs Treiber kommen in den Vier-Wege-In-Ears zum Einsatz. Dabei setzt der bayrische Hersteller auf eine Kombination aus elektrostatischen und Balanced-Armature-Treibern. Diese Zusammenstellung besteht zum einen aus vier Balanced-Armature-Treibern, die sich auf je zwei Bass-, einen Mitten- und einen Höhentreiber verteilen. Zum anderen wird der Superhochtonbereich von einem elektrostatischen Doppeltreiber abgebildet.

Mit der vom Hersteller angegebenen Impedanz von 25 Ohm lassen sich diese In-Ears auch an Smartphones, Tablets und anderen leistungsarmen Kopfhörer-Vorverstärkern betreiben. Eine Empfindlichkeit von nur 106 dB SPL macht das Modell auf dem Papier nicht gerade zu den ganz lauten. Aber wer sich diese Kopfhörer zulegt, wird sich höchstwahrscheinlich nicht mit Presslufthammer-Lautstärke die Trommelfelle wegschießen wollen, sondern ein Klangpurist sein, der sich zu keiner Zeit um seinen geliebten Audio-Genuss bringen lassen möchte. Dafür spricht auch der Frequenzumfang der In-Ears: Von ultratiefen 10 Hz bis hinauf zu schwindelerregenden 50 kHz reicht ihre Audio-Bandbreite.

Fette Bässe, viel Dynamik, sanfte Höhen

Ganz besonders detailreich soll der Saphire über seinen gesamten Frequenzbereich hinweg klingen, so versprechen uns das Ultrasone. Der erste Höreindruck überrascht mich deshalb. Denn der Klang der In-Ears enthält für mich unerwartet wenige Höhen, erzeugt dafür aber in den oberen Bässen und unteren Mitten umso mehr einen gewaltigen Druck. Und auch Subbässe bringen die kleinen Saphire herüber, als ob es kein Morgen gibt. Sie sorgen für einen wirklich fetten Bass-Teppich am Trommelfell. Der darüber liegende Bassbereich schiebt gerade bei Kickdrums und Pauken enorm. Das spricht für die gute Umsetzung der Transientendynamik im sonst bei In-Ears oftmals eher dezent vorhandenen und/oder verwaschenen Bassbereich. Die Saphire liefern allerdings derart viel Bass-Power, dass sich der ein oder andere High-End-Purist die Möglichkeit zum Nachregeln an einem Equalizer wünschen dürfte.

In den Mitten sorgen die Knopfkopfhörer für ein sehr plastisches Klangbild, das Stimmen voll und detailreich klingen lässt. Die Sprachverständlichkeit beim Anhören von Pop, Rock und Jazz ist deshalb sehr gut. Auch tauchen Probleme mit Zischlauten aufgrund der gedämpften oberen Mitten und Höhen zu keiner Zeit auf. Die Höhen sind ein Paradebeispiel dafür, wie warm ein Sound in diesem Frequenzabschnitt des Spektrums klingen kann. Dass die Saphire im Superhochtonbereich bis 50 kHz hinauf reichen, macht sich in erster Linie bei der Offenheit des Klangs bemerkbar. Obwohl die Höhen vordergründig supersoft sind und deshalb die subjektive Signalauflösung für meinen persönlichen Geschmack etwas zurückhaltend erscheint, ist die Tiefenstaffelung auf einem noch hohen Niveau. Und auch der Stereoeindruck, den diese In-Ears vermitteln, leidet nicht unter den weichen Höhen.

Im Hinblick auf ihre Dynamikumsetzung entfalten diese Kopfhörer beim Hören von Klassikaufnahmen dann ihr volles Potenzial. Für den Hörtest empfehle ich beispielsweise eine Aufnahme des ersten Teils aus Strawinskys „Le sacre du printemps“. Vom sanften Fagott-Solo der Einleitung bis zu den energiereichen Tuttis der „Entführungsspiele“ wird hier deutlich, wie druckvoll die Saphire tatsächlich agieren. Bei der Angabe der Empfindlichkeit haben sich Ultrasone zweifellos zurückgehalten, denn die Knopfkopfhörer lassen sich durchaus mit einem wirklich ordentlichen Pegel versorgen, ohne zu verzerren. Nicht zuletzt sorgt der gute, tiefe Sitz dafür, dass nicht nur die schon angesprochene Dämpfung von Außengeräuschen, sondern auch die akustische Isolation nach außen gefällt. Wer mit diesen In-Ears laut Musik hört, beschallt also nicht gleich den gesamten Raum.

Carsten Kaiser
vor 3 Wochen von Carsten Kaiser
  • Bewertung: 4.5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Die in Deutschland handgefertigten In-Ears Ultrasone Saphire bestechen durch ihre Kombination aus sechs Treibern, die mit vier Wegen arbeiten und aus einem Mix aus Balanced-Armature- und elektrostatischen Treibern zusammengestellt sind. Auch der Lieferumfang überzeugt, weil er unter anderem mit einem kleinen, aufwendig ausgestatteten Transport-Case und einem zusätzlichen symmetrischen Wechselkabel daherkommt. Design und Verarbeitung der Kopfhörer sind hervorragend. Die Geräte selbst haben einen schlichten, edlen Auftritt und sind in Handhabung und Sitz angenehm unkompliziert. In Sachen Sound überraschen die Saphire mit einem in den Höhen gedämpft auftretenden, aber dennoch Weite vermittelnden Klang, starken Mitten, die das Audiogeschehen sehr plastisch abbilden, und einem satten Bassbereich, der auch Tiefbässe souverän produziert. Ganz zweifellos ist Ultrasone hier eine ganz eigene Signatur gelungen!

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipelektrostatisch + Balanced-Armature-Treiber
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 50.000 Hz
  • Impedanz25 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)106 dB
  • Gewicht mit Kabel15 g
  • Kabellänge105 cm

Lieferumfang

  • 6 Paar Ohrpassstücke
  • Symmetrisches Kabel
  • Unsymmetrisches Kabel
  • Reinigungsstift
  • Transport-Case

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