Westone AMPro20

Professioneller In-Ear-Hörer für Musiker mit cleverer Ambience-Funktion

Der Westone AM Pro 20 ist ein toller In-Ear-Hörer für den Bühneneinsatz und hier speziell dem Sänger oder Keyboarder zu empfehlen.

Ein Name mit Tradition

Die amerikanische Firma Westone arbeitet seit 1959 im Bereich der Hörgeräteakustik und Kommunikationstechnik, gilt als Erfinder des In-Ear-Kopfhörers als Bühnenmonitor und hat unter anderem für Shure und Ultimate Ears Kopfhörer gebaut und mitentwickelt.

Die Pro-Serie von Westone sind In-Ear-Hörer, die speziell für die Monitoring-Bedürfnisse von Musikern auf der Bühne entwickelt wurde. Die UM-Pro-Serie gibt es schon seit längerem, die neue AM-Pro-Serie nimmt sich nun eines bekannten Problems beim Monitoring mit Stöpsel-Kopfhörern an: Als In-Ear-Benutzer sitzt man ein bisschen zwischen zwei Stühlen, man möchte sich gut hören – dazu benötigt der Hörer eine gute Dämpfung vom umgebenden Schall; allerdings soll diese Dämpfung der Außengeräusche nicht zu einem Gefühl der Abkopplung von den Mitmusikern führen und was mitkriegen von den Reaktionen des Publikums möchte man ja auch.

Die gängige Lösung des Problems sind Ambience-Öffnungen im Hörergehäuse, kleine Bohrungen die ein berechnete Menge des Umgebungsschalls zum Trommelfell durchlassen. Allerdings verändern diese Bohrungen den Frequenzgang des Hörers, ähnlich wie bei einem undichten In-Ear-Stöpsel leidet darunter zum Beispiel die Basswiedergabe. Westones SLED-Technology soll nun Umgebungs-Sound ohne Beeinflussung der Klangabstimmung bieten, verantwortlich dafür ist ein passives Filter in der Ambience-Bohrung.

Zubehör

Wie eben gesagt: Voraussetzung für einen perfekten In-Ear-Sound ist ein luftdichter Sitz des Hörers im Gehörgang, wofür die Ohrpolster sorgen – aber die Form unseres Gehörgangs ist ähnlich individuell wie unser Fingerabdruck. Westone trägt dem Rechnung, mit einer äußerst umfangreichen Sammlung an Polstern. Ganze zehn Paare liegen dem AM Pro 20 bei, davon gleich fünf Schaumstoffpaare (die anderen fünf sind Silikon-Stöpsel) und alle sogar der Größe nach farblich markiert! Ich persönlich bin Fan von Schaumstoff, ich hatte immer das Gefühl, der Sitz der Hörer, die Sound-Isolation und die Bass-Wiedergabe sind in meinen Ohren mit dieser Material-Variante besser, als mit den Silikonaufsätzen. Das muss bei euch nicht so sein, deswegen ist es sehr löblich von Westone eine große Anzahl an Ohrpolstern zum Ausprobieren beizulegen! Und ausprobieren solltet ihr, es ist krass, wie unterschiedlich In-Ear-Hörer mit verschiedenen Polstern klingen können.

Das Transport-Case ist ebenfalls etwas „anders“ als bei der Konkurrenz: Es ist nicht schwarz und nicht weich, sondern aus Plastik und leuchtend orange. Sicherer Transport des In-Ear-Hörers ist also garantiert und wiederfinden kann man das Case auch in dunkler Bühnenumgebung recht einfach. Und dass man bei diesem größeren Case den Hörer nicht „zusammenkrümpfeln“ muss um ihn zu verstauen, finde ich auch gut.

Sound

Im AM Pro 20 stecken zwei „Balanced Armature“-Treiber, State-of-the-Art also, was die Wiedergabetechnik angeht. Das lässt mich guter Dinge in den Hörtest gehen.

In-Ear-Kopfhörer für die Bühne sind keine Hörer für entspannten HiFi-Genuss, sie sind für den Monitor-Einsatz konzipiert und ihr Klangcharakter ist nicht selten für eine bestimmte Instrumentengattung abgestimmt – Sänger benötigen zum Beispiel eine andere Abstimmung als Schlagzeuger und Bassisten (oder gar FoH- oder Monitor-Mischer), um sich auf der Bühne zu hören. Aber genau darum geht es letztlich bei In-Ear-Kopfhörern für Musiker: sich gut und sauber hören, am besten in einer angenehmen Lautstärke, bei der man über Stunden arbeiten kann.

Insofern ist der AM Pro 20 ein sehr gutes Werkzeug! Die Höhen sind sauber und transparent, die Bässe sind knackig, aber nicht zu allzu druckvoll. Die Mitten sind ausgeprägt – das ist typisch für Bühnen-In-Ears. Gerade der Grundtonbereich zwischen 200 und 400 Hertz erfährt eine leichte Betonung, was im Monitoring sehr wichtig für die Ortung der Grundtöne ist (deswegen heißt der Bereich ja so…), und damit für die Identifizierung der Harmonien. Am unteren Ende des Spektrums ist der AM Pro 20 defensiv abgestimmt. In den Bässen fehlt es mir, da würde ich mir – als Bassist – etwas mehr Druck wünschen.

Ebenfalls typisch für diese Hörer-Gattung ist die Anhebung im Frequenzbereich der Sibilanten, bei ca. 4 bis 5 kHz. Die sorgt für eine gute Stimmverständlichkeit, dürfte aber auch dem Gitarristen gefallen, da die Saitenanschläge gut herausgearbeitet werden, ich denke hier vor allem an den akustischen Gitarristen, der auch mal ein Fingerpicking raushaut.

Ambience-Sound

Die Ambience-Öffnung mit dem SLED-Filter sorgt für ein angenehmes Empfinden, was um einen herum passiert. Man hört die Umgebung zwar leiser und in den Höhen leicht gedämpft, aber man hat nicht das Gefühl Watte in den Ohren zu haben. Der Kontakt zur Außenwelt ist also da, selbst Unterhaltungen kann man mit seinen Mitmenschen führen ohne den Hörer herauszunehmen.

Ob das SLED-System, was den Frequenzgang betrifft, jetzt besser funktioniert als eine normale Bohrung, ist schwierig zu beurteilen. Gerade in den hierfür so kritischen Bässen ist der AM Pro 20 defensiv abgestimmt.

Sicherer Sitz

Der beste Sound bringt nichts, wenn der In-Ear-Hörer nicht an seinem Arbeitsplatz – unserem Gehörgang – bleibt. Er muss selbst bei wilder und schweißtreibender Bühnenshow sicher im Ohr sitzen. Um es kurz zu machen: Der AM Pro 20 erfüllt alle diese Kriterien mit Bravur (wieder mit dem Zusatz: bei Nutzung der passenden Ohrpolster…).

In-Ear-Hörer werden mit dem Kabel hinter Ohr getragen, dafür sind die letzten Zentimeter des Kabels verstärkt. Im Gegensatz zu fast allen anderen In-Ears ist dieses letzte Stück Zuleitung beim AM Pro 20 zwar vorgeformt, das Kabel ist dennoch weich und lässt sich nicht zurechtbiegen, wie das normalerweise der Fall ist. Mich hat das nicht gestört, Menschen mit kleineren Ohren werden vielleicht merken, dass das Kabel etwas absteht.

Chris Reiss
vor 4 Jahren von Chris Reiss
  • Bewertung: 3.63
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Der Westone AM Pro 20 ist ein richtig gutes Abhörwerkzeug in die Ohren, vorausgesetzt man findet seine Monitoring-Bedürfnisse in der Abstimmung dieses In-Ear-Hörers wieder. Da der Bassbereich, vor allem was die Tiefbässe angeht, etwas Druck vermissen lässt, würde ich den Hörer vor allem Sängern, Gitarristen und Keyboardern, beziehungsweise Pianisten empfehlen – und hier vor allem den Musikern, welche die akustische Variante ihres Instruments bevorzugen.

Ob man nun eine Ambience-Öffnung benötigt oder mit einem komplett geschlossenen In-Ear besser beraten ist, dürfte neben dem Instrument und der Bühnenlautstärke auch vom Geschmack abhängen. Die Westone-Variante ist jedenfalls eine gute Lösung für Musiker, die den Kontakt zur Umwelt auf der Bühne benötigen.

  • 343,00 €Zum Angebot

    Kostenfreier Versand

    3 Jahre Garantie

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • BauweiseZwei-Wege
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 Hz - 18.000 Hz
  • Impedanz22,55 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)122,43 dB
  • Kabellänge125 cm

Lieferumfang

  • 10 Paar Ohrenstöpsel
  • Hardcase

Besonderheiten

  • SLED Technologie zum Durchlass von Umgebungsgeräuschen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
1 Kommentar
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Robin Imsel
Robin Imsel
1 Jahr zuvor

Hallo Chris,

danke für dein Review!
Wieviel Db dämpft denn der Kopfhörer? Ich würde ihn gern verwenden, um nur den Gesang bei Konzerten und Bandproben über die Kopfhörer laufen zu lassen und den Rest will ich über den Bühnen- bzw. Umgebungssound laufen lassen, jedoch mit einer Gehörschützenden Lautstärkendämpfung, da es doch sehr oft ziemlich laut wird…. Würdest Du ihn hierfür empfehlen?

Vielen Dank im Voraus und viele Grüße,
Robin