Audirvana versteht sich als audiophile Lösung, um den Computer in Kombination mit einem zugehörigen Ausgabegerät als universellen und vor allem klanglich hochwertigen Player für die Musikwiedergabe zu nutzen. Hinter der Software steht der Franzose Damien Plisson, der Audirvana 2010 für den Mac entwickelte. So entstand zunächst eine Player-Freeware mit Spezialisierung auf den Umgang mit hochauflösenden Audio-Dateien (HRA). In der kommerziellen Variante wird Audirvana seither ständig weiterentwickelt und ist seit 2018 auch für Windows 10 verfügbar.

Technik und Wirklichkeit

High-Resolution-Audioformate wenden sich an audiophile Musikliebhaber. Sie erfüllen den Traum, Musik mit höheren Auflösungen zu genießen, als der inzwischen betagte Compact-Disc-Standard von 1982 (16 Bit, 44,1 kHz, Stereo). Bekanntermaßen ist die Etablierung der Nachfolgeformate SACD und DVD Audio am Markt gescheitert. Stattdessen haben sich aus Gründen begrenzter Speicherkapazitäten verlustbehaftet komprimierte Audioformate wie MP3 etabliert.

Heute sind solche Speicherkapazitäten kaum noch ein Problem, dennoch ist die Musikwiedergabe in explizit höher auflösenden Formaten leider zu einem Nischenbereich geworden. Dazu gibt es an anderen Stellen Engpässe in der digitalen Signalkette, bei denen kompakte Datentransferraten durchaus willkommen sind, darunter etwa Bluetooth-Strecken.

Für den anspruchsvollen Hörer ist das natürlich ärgerlich, sind die Resultate doch in vielen Fällen trotz hervorragender technischer Voraussetzungen oft sogar unter den CD-Standard gefallen, obwohl die Studiotechnik bei der Aufnahme und Mischung längst meilenweit darüber liegt.

Player und Rendering-Engine

Plattformübergreifender Platzhirsch bei den Playern ist iTunes. Die Software ist durchaus komfortabel, es mangelt jedoch an einer universellen Formatunterstützung, der expliziten Integration hochauflösender Dateiformate wie DSD und von Mehrkanalaudio. Ebenso muss man erwartungsgemäß auf eine Unterstützung anderer Streamingdienste verzichten. Dazu ist die Software nicht auf eine direkte Adressierung des Wandlers ausgerichtet, sondern nutzt lediglich das gewählte Umfeld des Rechners. Um dem selbstgesetzten Ziel einer möglichst unverfälschten Klangwiedergabe gerecht zu werden, geht Audirvana andere Wege: Zunächst bietet die Player-Software eine umfassende Unterstützung von Dateiformaten. Hierunter finden sich eben nicht nur komprimierte Formate wie MP3 oder AAC, sondern auch Lossless-Standards wie FLAC, ALAC (Apple Lossless) oder WAVPack. Lineare Audio-Dateien werden im PCM-Format bis 384 kHz verarbeitet, ebenso wie DSD64/128. Auch mehrkanalige PCM- und DSD-Dateien für Raumklang werden unterstützt. Schließlich darf auch eine Unterstützung von MQA (Master Quality Authenticated) in entsprechenden Signalketten nicht fehlen.

Audirvana kann auf Dateien auf der lokalen Festplatte, aus dem Netzwerk sowie auf die Hi-Res-Streamingdienste Tidal, Qubuz und HighResAudio zugreifen. Auch besteht die Möglichkeit eines Abgleichs mit der iTunes-Bibliothek, aber auch eine Steuerung über diese, mit Audirvana als nachgeschaltetem Backend. Bei der Klangübertragung über Netzwerk (kabelgebunden oder drahtlos) unterstützt die Software die Protokolle UPnP und DLNA, die um Bluetooth und Airplay komplettiert werden.

Bei der Wiedergabe verfolgt der Hersteller zum Erreichen einer möglichst hohen Klangqualität das Ideal eines kurzen Signalwegs unter Umgehung möglicher Stolperfallen im Computer und dem Ausgabegerät mit DA-Wandler.

Mit dem Start von Audirvana erhebt sich der Player zur exklusiven Quelle, die das Audio-Interface (Soundkarte) beziehungsweise den DA-Wandler adressiert. Somit werden beispielsweise Mixerstufen im Betriebssystem umgangen, die anderweitig dafür sorgen, dass man den Ton aus mehreren Programmen hören könnte. Auch die Pegelsteuerung per Software lässt sich abschalten, da diese im Unterschied zu einer analogen Steuerung am Wandlerausgang Dynamik kostet. Schließlich werden ungewollte automatische Anpassungen der Abtastfrequenz vermieden, die etwa in Core Audio durchaus vorhanden sind. Im Ergebnis erhält Audirvana volle Kontrolle über den Weg von der Audio-Datei zum Wandler und greift nur dort ein, wo es auch wirklich nötig ist. So wird beispielsweise eine Wav-Datei mit CD-Auflösung (16 Bit, 44,1 kHz) direkt zum Wandler gesendet, dessen Treiber vor der Titelwiedergabe entsprechend und automatisch konfiguriert wird (Core Audio unter macOS, ASIO und WASAPI unter Windows).

Umgekehrt gibt es aber auch Fälle, bei denen die Software die Wiedergabe überhaupt erst ermöglicht, etwa bei einer Datei mit 24 Bit und 192 kHz, die das Ausgabegerät so möglicherweise nicht unterstützt. Dann nämlich greift Audirvana anpassend ein und nimmt auf Basis der Rechenleistung des Computers eine entsprechende Konvertierung vor.

Nach dem gleichen Prinzip kann Audirvana aber schließlich auch seine Rechenkapazität nutzen, um komprimierte oder vergleichsweise gering aufgelöste Dateien auf das bestmögliche Format für das gewählte Ausgabegerät zu hieven. So wird aus einem MP3 beispielsweise eine interpolierte Datei mit 24 Bit und 96 kHz, entstanden durch Techniken wie Abtastratenkonvertierung, Upsampling und Oversampling.

Der Grund, warum solche Verfahren für eine verbesserte Klangqualität sorgen können, liegt in der Wandlertechnik. Nach dem Nyquist-Theorem muss die Abtastfrequenz einer digitalen Audio-Datei mehr als doppelt so hoch wie die oberste nutzbare Frequenz sein, weil es andernfalls zu Aliasverzerrungen kommt. Um Frequenzen oberhalb des Nutzbereichs und entsprechend Aliasing zu vermeiden, ist der Einsatz von Filtern nötig. Je näher diese Filter an der Obergrenze der Wahrnehmbarkeit sitzen, desto steilflankiger müssen diese ausfallen. Entsprechende Filter sind auf digitaler Ebene zwar möglich, bringen aber ihrerseits eine Klangdegradierung bei der Berechnung mit sich. Insofern ist es also wünschenswert und sinnvoll, die Filterung flacher auszuführen, weshalb man diese in Bereiche auslagert, die weit jenseits der Hörbarkeit liegen. Diese Ziele erreicht man unter anderem durch höhere Abtastfrequenzen und Oversampling. Führt man solche Operationen nun mit „minderwertigem“ Material aus, wird zwar der reale Inhalt der Datei nicht verändert, wohl aber mit besagten Vorteilen einer seichteren Filterung gearbeitet.

Auf Korrekturen in Form einer digitalen Entzerrung verzichtet Audirvana. Allerdings kann die Software wie erwähnt bestimmte Optionen der Wandlung selbst durchführen und mitunter dem Wandler abnehmen.

So gibt es die Wahl einer möglichen Abtastratenwandlung mit einem hochwertigen Algorithmus von iZotope oder eine justierbare Filterung durch SoX. Auch lässt sich das Oversampling vom Wandler in die Software verlagern.

Schließlich bietet Audirvana die Möglichkeit, AU- beziehungsweise VST3-Plug-ins (macOS, Win) in den Signalweg zu schalten. Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn man über Lautsprecher abhört und eine Entzerrung zur Raumkorrektur bei der Ausgabe anwenden möchte.

An dieser Stelle lässt sich prinzipiell auch Reference 4 von Sonarworks einsetzen, um etwa seinem Kopfhörer oder seinen Lautsprechern eine Linearisierung zu bescheren.

Praxis

Der Player selbst bietet die Möglichkeit, Audio-Dateien in großer Anzahl wunschgemäß zu verwalten, mitsamt Suchfunktionen, Playlisten und sogar Playlisten, die sich automatisch erweitern, wenn neue Dateien in entsprechenden Ordner hinzugefügt werden. Editierbare Metadaten und Alben-Cover werden ebenso unterstützt wie unterschiedliche und skalierbare Darstellungsformen. Hinzu kommt die iOS Fernsteuerung A+ Remote, die allerdings nochmals mit knapp 11 Euro zu Buche schlägt (eine Android-Version ist in Arbeit).

Die erwähnten Streaming-Portale sind direkt über Audirvana zugänglich. Sie wenden sich mit ihrem Angebot an die audiophile Zielgruppe der Software. Dennoch fände ich es durchaus wünschenswert, wenn auch Plattformen wie Spotify oder Amazon Music Unlimited Berücksichtigung finden würden.

Bei der Klangbeurteilung kann ich nur den 30-tägigen Testlauf mit der Demoversion empfehlen. Grundsätzlich schafft der französische Hersteller mit Audirvana eine überaus sinnvolle technische Basis und ein Frontend für audiophilen Musikgenuss aus dem Rechner. Der Nutzen einer solchen Wiedergabekette hängt aber natürlich auch von den eingesetzten Wandlern, Kopfhörern, Lautsprechern, dem Raum, dem Quellmaterial und nicht zuletzt den eigenen Ohren ab. Für Klangvergleiche sollte man sich etwas Zeit gönnen. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass man zum Umstellen der Rendering-Parameter die Wiedergabe komplett anhalten muss. Seine vollen Stärken spielt Audirvana natürlich in einer vollständig hochwertigen Wiedergabekette aus. Hier zählt Purismus, was dem Ideal einer klangtreuen Wiedergabe nach HiFi-Maßstäben gerecht wird und diese Tugend auf hochauflösende Dateien überträgt, bis hin zum Streaming. Allerdings bringt auch das Hochrechnen niedrig aufgelöster Dateien subjektiv und programmabhängig einen Klangzugewinn bei der Auflösung, der Raumabbildung, der Dynamikumsetzung und der Transientenabbildung. Der Klangzugewinn verringert sich dabei erwartungsgemäß mit steigender Qualität des Quellmaterials. Erste Wahl sind aber natürlich generische Dateien.

Fazit: Audirvana Pro
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Die klassische HiFi-Anlage greift heute längst nicht mehr nur auf Schallplatten oder CDs zurück. Vielmehr dienen digitale Audio-Dateien auf computerbasierten Medien oft als Quelle für den Musikgenuss Audirvana versteht sich dabei als Player, Dateiverwaltung sowie als zentrale Schnittstelle für die Tonausgabe, bevor der Klang seinen Weg über DA-Wandler, Endstufe, Lautsprecher und natürlich Kopfhörer zu unseren Ohren nimmt. Mit seinem konsequent audiophilen Ansatz ist Audirvana ein Produkt, das sich an den Tongenießer wendet, die auf hochauflösende Audio-Dateien auf seinem Rechner, Netzwerkspeicher oder Streamingdiensten zurückgreifen möchte. Gleichzeitig profitiert man mit Audirvana von einer durchaus hörbaren Klangaufwertung bei niederwertigen Formaten.

Angesichts der konsequenten Umsetzung dieser Lösung ist der Preis von 65 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer absolut angemessen. Die Lizenz erlaubt dabei die Aktivierung von zwei Rechnern, beschränkt sich aber pro Kauf leider nur auf jeweils eine Plattform.

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Technische Daten

Bauform
Player Software

Lieferumfang

  • kein Zubehör enthalten

Besonderheiten

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