Stellt Euch vor, Ihr geht ins Studio und dürft genau einen einzigen Kopfhörer mitnehmen – welcher wäre das wohl?

Vielleicht habt Ihr ja bereits einen Favoriten. Wenn nicht, dann würden wir Euch den DT 770 Pro von Beyerdynamic ans Herz legen wollen. Es gibt zwar viele ernstzunehmende Konkurrenz, nicht zuletzt aus dem eigenen Stall, aber in seinen Parade-Disziplinen als Hörer für das Monitoring beim Phasen mit dem Mikrofon, beim Einspielen/Einsingen und bei der Beurteilung einer Mischung reichen ihm wenig andere Modelle das Wasser.

Optik und Haptik

Der 770 Pro stammt wie die Modelle aus den Serien DT-8/9XX aus einer der produktivsten Entwicklungsphasen bei Beyerdynamic in den 1980-er Jahren. Und offenbar profitiert dieser Hörer bis heute von dieser sehr guten DNA, denn mechanisch und konstruktiv hat sich seither fast nichts geändert. Muss es aber auch gar nicht, denn dieser Kopfhörer ist in puncto Verarbeitung und Tragekomfort einfach top: Die Muscheln sind mit einem Außendurchmesser von knapp 105 mm wahrlich ohrumschließend und werden von butterweichen Velours-Polstern gesäumt, die dem Außenohr selbst nach Stunden auf dem Kopf noch schmeicheln. Der Kopfbügel ist hochstabil, der Sitz für jede Kopfgröße schnell angepasst – einzig die etwas klobige Optik ist ein Punkt, an dem sich über Geschmack streiten lässt.
Praktischerweise gibt es für nahezu jedes Bauteil am DT 770 Pro Ersatz: Nicht, dass der Hörer mechanisch anfällig wäre, aber es ist doch gut zu wissen, dass die Ersatzteilversorgung auf lange Sicht kein Problem darstellen wird.

Klangeigenschaften und Abbildung

Neben dem alten und natürlich weiterhin lieferbaren Modell mit 250 Ohm bietet die vorliegende Ausführung des 770 Pro eine Impedanz von nur 80 Ohm. Aber was bedeutet das in der Praxis? Die einfachste, aber nur „halbwahre“ Antwort wäre demnach, dass die 80-Ohm-Variante schlicht lauter spielt als das etablierte Modell. Tatsächlich ist es aber eher eine Frage des Verstärkers, denn dieser muss bei 250 Ohm einfach mehr Spannung liefern, damit das Signal als ähnlich laut empfunden wird. Bei Anschluss an einem professionellen Kopfhörerverstärker sollte diese Differenz praktisch keine Rolle spielen, ein typischer Media-Player/Smartphone tut sich mit 80-Ohm-Modell dagegen – theoretisch – leichter bzw. kann diesen marginal lauter anfahren.

Gleichzeitig muss es aber auch bauliche Unterschiede geben, um den geringeren Scheinwiderstand zu erreichen. Und tatsächlich sorgt das alternative Wandlersystem einerseits für die geringere Impedanz und verleiht unserem Testmodell andererseits einen anderen Sound: Der Bass- und untere Mittenbereich klingt bei 80 Ohm definitiv fetter, während die typischen Mitten etwas zurückgenommen sind. Überspitzt gesagt klingt der 770-80 im Ansatz nach einer Loudness-Schaltung, wenn man direkt vom 770-250 kommt. Die akustische DNA ist jedoch unverkennbar: Der Hörer bietet eine extrem ausgewogene und überzeugende Abbildung in den oberen Mitten und Höhen, die Ortung ist fantastisch, die Abbildung ungemein räumlich und fein aufgelöst. Dank der Diffusfeldentzerrung ähnelt das Abhören mit dem 770 dem Monitoring über Studiolautsprecher – nur eben ohne den „störenden“ Raum. Wenn man mit dem 770 seine Referenzmusik durchhört, wird man vermutlich neue Details entdecken, die sich sowohl im Frequenzspektrum als auch in der räumlichen Tiefe abspielen. Der 770 mit 80 Ohm gefällt dabei besonders bei Rock, Electro oder RnB, wo es unten rum gerne etwas fetter sein darf – Referenzstatus hin oder her. Bei homogener akustischer Musik oder Klassik agiert er dafür etwas zu druckvoll. Das ist Geschmackssache, aber in der analytischen Beurteilung legt er unter 400 Hz zu viel auf die Waage.

Einsatzort

Der DT 770 Pro ist immer eine Empfehlung für den Studio-Einsatz – allerdings macht sich das 80-Ohm-Modell im Aufnahmeraum fast besser als in der Regie. Als Musiker hat man viel Freude, wenn man sein Monitoring über das Testmodell dargereicht bekommt – das hat Druck! In der Regie tut er seinen Dienst dann gut, wenn man die räumliche Auflösung beurteilen oder ergründen möchte, ob die Mischung im Bass (und teilweise auch in den oberen Mitten) zu viel auf den Rippen hat. Für die abschließende Abnahme der Mischung wäre mir die 80 Ohm Version persönlich zu fett.

Fazit: Beyerdynamic DT 770 Pro 80 Ohm
von Christian Preissig

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der Beyerdynamic DT 770 Pro belegt in seinem Marktsegment immer einen Spitzenplatz – egal ob es um die 250-Ohm-Version oder um das auf 80 Ohm gedrosselte Testmodell geht. Das Einsatzgebiet des Kopfhörers ist das Studio, wobei er den einspielenden Musiker im Aufnahmeraum mit mächtig Druck versorgt. In der Regie zieht er im direkten Vergleich zum höherohmigen Bruder den Kürzeren und kommt etwas zu drückend und plakativ daher. Der Unterschied ist nicht gewaltig, aber entscheidend. Mein Empfehlung: Mit 80 Ohm zur Aufnahme, mit 250 Ohm in den Mix – da kann man nichts falsch machen!

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 35.000 Hz
Impedanz
84,05 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
92,7 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
760 g
Gewicht mit Kabel
346 g
Gewicht ohne Kabel
284 g
Kabellänge
305 cm

Lieferumfang

  • Transportbeutel
  • Adapter auf 6,35 mm

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Juui
Gast
Juui

Lohnt sich der DT 770 Pro 32 Ohm auch für Pop-Musik? Ich benötige einen Kopfhörer, der gerne etwas bassbetonter sein darf, aber in den Höhen nicht zu dominant sein sollte.

Redaktion
Webmaster
Redaktion

Ja, sie eignen sich auch für Pop-Musik. Die 32 Ohm bedeuten ja letztendlich, dass sie an Smartphones, MP3-Playern, etc. nicht zu leise sind. Siehe auch hier: https://www.kopfhoerer.de/ratgeber/was-bedeutet-impedanz/

Juui
Gast
Juui

Okay, vielen Dank.