Beyerdynamic T1 3. Generation

Offener High-End-Kopfhörer mit Tesla-Treibern

Beyerdynamic präsentieren vier Jahre nach dem Erscheinen der zweiten Generation ihre High-End-Hörer T1 (offen) und T5 (geschlossen) in einer MK3. Damals bekam die MK2 von unserer Redaktion nicht nur die volle Punktzahl in der Rubrik Sound, sondern konnte sogar stolz das Prädikat „Bester Kopfhörer HiFi (März 2016)“ zurück in die Beyerdynamic-Zentrale tragen. Entsprechend positiv voreingenommen widmen wir uns nun also dem Test der dritten Generation.

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Grundsätzlich muss man sich hier natürlich keine Sorgen machen, dass die T1 MK3 plötzlich mit neongelbem Kopfband, fest verlöteten Anschlusskabeln und mit im Gehäuse verklebten Schallwandlern auftauchen: High-End-Kunden mögen Beständigkeit und das wissen natürlich auch die Entwickler bei Beyerdynamic. Neuerungen erfolgen in diesem Preissegment und bei gut etablierten Produkten also (fast) immer in homöopathischen Dosen.

Bewährte Prinzipien und Komponenten wurden also beibehalten: Die Schallwandlung übernehmen weiterhin einzeln gemessene und gepaarte Treiber mit bewährter Tesla-Technologie, die Anordnung der Treiber folgt auch in der MK3 einer „Off-Axis“-Idee, bei der die Membran ein Stück weit nach vorne versetzt ist und leicht angeschrägt auf das Ohr „schielt“. Das soll für eine räumlichere Klangdarstellung sorgen, und selbstverständlich ist auch in der neuen Version das Anschlusskabel austauschbar.

Äußerlichkeiten

Verwechselungen zwischen MK2 und 3 sind dennoch so gut wie ausgeschlossen, denn optisch hat sich in den vier Jahren einiges getan: Die Aussparungen (samt ausgefräster Modelnummer) im Metall der Kopfbügel sind verschwunden, stattdessen sind es nun massive Metall-Formteile aus gebürstetem Aluminium. Die Rückwand der Treiber – vorher in einem hellen Aluminium-Ton gehalten – ist nun ebenfalls dunkelgrau und mit einem feinen Lochraster durchzogen. Geblieben ist die Velours-Einlage mit dezenter „Beyerdynamic“-Prägung an der Oberseite des Kopfbügels.

Handling

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Die Verbindung zum Zuspielmedium erfolgt über ein drei Meter langes, Textil-ummanteltes Kabel, dessen Leiter aus OCC-7N-Kupfer bestehen – Kupfer also, das bis auf die siebte Nachkommastelle frei von Sauerstoff-Atomen ist. Schaut man auf die einschlägigen Foren-Diskussionen, in denen es darum geht, ob nun 6N oder 7N, OFC (Oxygene Free Copper) oder – wie im vorliegenden Fall – OCC (Ohno Continuous Casting) oder am Ende doch der simple Vollkupferdraht in Standard-Industriequalität das beste Transportmedium für den zugeführten Strom ist, kann man den Eindruck gewinnen, dass Hifi-Enthusiasten die maximale Abwesenheit von Sauerstoff im Kabel sehr wichtig ist. Ich kann dem Thema nach meiner Recherche nur beisteuern, dass der Standard-Reinheitsgrad von „stinknormalem“ hochreinem Industriekupfer bei 6N liegt und damit werden dann Teilchenbeschleuniger, Ionenfallen und Marssonden gebaut – scheint also selbst für kritische Aufgaben gut zu funktionieren. Was mir außerhalb der atomaren Welt, auch und besonders in Anbetracht der Preisregion des T1, praktisch viel positiver aufgefallen wäre als die Reinheit des Kupfers, wäre gewesen, wenn Beyerdynamic ihrem Hörer zusätzlich auch noch das 1,4-Meter kurze Anschlusskabel beigelegt hätten, das dem T5 beiligt (und umgekehrt).

Innere Werte

Mit seiner gemittelten Impedanz von 33,3 Ohm (vorher 600) kann der T1 Gen. 3 nun beispielsweise auch an Mobiltelefonen mit ihrer eher schwachen Verstärkerleistung befriedigend zum Einsatz gebracht werden. Dabei verwandelt er ein ihm zugeführtes Milliwatt Strom in einen Kennschalldruckpegel von 100 dB. Der Frequenzgang reicht von 5 Hz bis 50 kHz und übersteigt damit die menschliche Hörfähigkeit bei weitem, was ihn natürlich auch für die Wiedergabe von „High Resolution“-Audiomaterial qualifiziert.

Komfort

Sein stattliches Gewicht von 378 Gramm ohne Kabel verteilt der T1 dank dicker Kopf- und Ohrpolsterung – unterstützt von Memory-Foam, was besonders Brillenträgern wie mir sehr entgegen kommt – hervorragend auf dem Schädel und hält eine gute Balance zwischen verbindlichem Andruck und einem Tragekomfort, mit dem sich gut zwei (oder mehr) Alben durchhören lassen. Dank seiner offenen Bauform findet hier prinzipbedingt eine konstante Luftzirkulation statt, was schwitzigen Ohren (wie man sie bei geschlossenen Hörern schnell bekommt) entgegen wirkt. Auch die starke Übertragung von Körperschall wie etwa beim geschlossenen T5 ist hier kein Thema.

Bauartbedingter Nachteil: Vom Feierabendverkehr, über Kinderalarm oder nörgelnde LebensabschnittspartnerInnen werden störende Außengeräusche wenig abgeschirmt. Es sei denn, man befeuert den T1 so kräftig, dass die Musik den Umgebungslärm endgültig maskiert. Dies ist in Anbetracht eines maximalen Schalldruckpegels von 124 dB kein Problem, außer natürlich für das eigene Ohr. Schönes Detail: Wie in der Oberklasse von Beyerdynamic üblich, hat auch der T1 eine durchlaufende Seriennummer in schicken goldenen Lettern eingraviert, die sich dezent an der Innenseite des Kopfbügels versteckt. Mit im Lieferumfang befindet sich auch ein hochwertiges, Mikrofaser-bezogenes und gepolstertes Hardcase, um den T1 bei Nichtbenutzung oder Transport sicher zu verstauen.

Klang

Zeitgleich mit dem T1 traf auch der T5 (geschlossene Variante) MK3 in der Redaktion ein. Ihn reihte ich zuerst in den Testparcours ein (zum Test) und konnte mich mit seiner klanglichen Abstimmung nicht anfreunden: Zwar war es erklärtes Ziel von Beyerdynamic, die oberen Mitten zu verbessern, damit Stimme und Instrumente noch besser zur Geltung kommen, ich empfand das im Ergebnis (besonders bei Solo-Instrumenten in Klassik und Jazz) allerdings tendenziell eher als nasal und topfig. Das vor allen Dingen deshalb, weil Jazz und Klassik – im Gegensatz zu moderner, glatt gebügelter Pop-Musik – glücklicherweise oft noch eine relativ große Dynamik haben. Das wird umso deutlicher, wenn die nötigen Höhen fehlen, um das klangliche Gleichgewicht herzustellen.

Dass Beyerdynamic mit ihren famosen Tesla-Treibern grundsätzlich überhaupt keine Schwierigkeit haben, die Frequenzansprache ihrer Kopfhörer in Richtung Linearität zu trimmen zeigen andere Modelle, wie beispielsweise der DT-1990 Pro (zum Test) eindrucksvoll. Wohlgemerkt: Ich habe selbstverständlich nichts gegen ein „gepimptes“ Frequenzverhalten – wenn‘s gut klingt und Spaß macht, ist im Audiobereich alles erlaubt.

Der Hörtest des T1 MK3 stimmt mich dann leider nur unwesentlich milder: Bei ihm „versteht“ man beim Hören zumindest, was sich die Entwickler klanglich gedacht haben. Nämlich ein sehr robustes Bassfundament zu schaffen, über dem sich ein feines, eher dezentes Tief-Mittelfeld ausbreitet, das sich dann – in Richtung Höhen – immer weiter verfeinert, während sich die Höhen insgesamt ein gutes Stück weit zurückhalten, um nicht anstrengend oder stressig zu wirken.

Mit dieser Abstimmung erreicht man im Prinzip einen kraftvollen, kompakten und warmen Wohlfühl-Sound, der besonders gut bei modernen Pop-Produktionen funktioniert, die in Bezug auf Dynamik und Frequenzen bereits ordentlich „geglättet“ sind und in den Mitten nichts raussticht (meine persönliche Blaupause für diesen Sound sind die TMA-2 von Aiaiai, die dieses Soundideal extrem stark umgesetzt haben). Jazz- und Klassik-Produktionen dagegen verfügen (glücklicherweise) oft noch über eine weitgehend „natürliche“ Dynamik und Frequenzansprache, so dass herausstechende Tiefmitten in der Musik ohne flankierende Höhen schnell topfig-resonant wirken.

Dass die hier verbauten Tesla-Treiber auch zu einer ganz anderen Signatur in der Lage sind, zeigt der Griff zum Equalizer: appliziert man hier, beginnend bei ca. 8 kHz, eine leichte Höhenanhebung (Shelf-EQ) von ca. 3 dB oder – noch besser – nutzt einen so genannten Tilt-EQ, um gleichzeitig Höhen anzuheben und Bässe abzusenken, die Frequenzkurve also zu „kippen“ (Tilt), beginnt der Klang des T1 plötzlich zu glitzern sowie zu strahlen und gewinnt deutlich an Präzision und Vitalität. Nur kauft man sich ja keinen High-End-Kopfhörer, um ihn dann direkt hinter einen Equalizer zu hängen. Am Ende bleibt bei mir entsprechend das ungeklärte Fragezeichen, was die Entwickler denn wohl bewegt haben mag, einen Kopfhörer der Tausend-Euro-High-End-Klasse mit weniger Detailreichtum in den Höhen abzustimmen, als beispielsweise den nur halb (DT 1990 Pro – Test) oder sogar nur ein Achtel so teuren Hörer (DT 990 Pro – Test) aus gleichem Haus, die – von der Fachpresse und Nutzern (einschließlich mir) gleichermaßen – bereits beste Bewertungen für ihre gute Höhendarstellung bekommen haben. Das ist ein bisschen so, als wenn das Marketing bei der Entwicklung einer neuen Oberklasse-Limousine beschließt, das bewährte, gut sichtbare Fernlicht herunterzuregeln, damit der Fahrer nicht so viel vom stressigen Verkehr sehen muss.

Auf Nachfrage antworteten Beyerdynamic (sinngemäß), dass es sich hier um eine bewusste, strategische Entscheidung handele: Man wolle die Käufer der T-Serie beim Hörgenuss nicht mit einer höhenstarken Abstimmung wie in der Pro-Serie ermüden. Ein Standpunkt, den ich absolut nicht teilen kann. Wer einen High-End-Preis zahlt, darf – zu Recht – den Anspruch haben, auch die bestmögliche Höhendarstellung zu bekommen. Und im Grunde hat dieses Konzept ja einen Logikfehler: Wenn man den Hörer vor anstrengenden Höhen schützen will, dann braucht man auch kein teures OCC-Kabel zu verbauen, dessen minimal besseren Innenwiderstand man bestenfalls noch unter Laborbedingungen nachweisen kann. Dann reicht auch das gute alte Kupfer-NF-Kabel für einen Euro pro Meter.

Der Klangeindruck wird im übrigen auch durch unsere Messungen bestätigt: Nach einem weitgehend linearen Verlauf aus dem Subbass bis hinauf in den Bass, fällt die Frequenzansprache beginnend bei 320 Hz kontinuierlich um ca. 20 dB ab, um dann bei ca 2.500 Hz in einem ruhigen Frequenztal zu münden, das sich bis fast 5 kHz ausdehnt. Erst in Richtung 8 kHz wird der T1 noch mal von etwas „Gipfelstürmer-Ehrgeiz“ ergriffen. Technisch gesehen ist das ein nicht zu beanstandendes Bild, denn es zeigen sich hier keine Frequenzlöcher oder Resonanzspitzen, und ich werde mich hüten, den T1 in dieser Hinsicht nicht zu loben – Beyerdynamic wissen, wie man Kopfhörer baut. Ich möchte auch gar nicht ausschließen, dass es Hörer geben wird, die sich auf Anhieb in die insgesamt etwas zurückgenommene, dabei aber basstarke Signatur des T1 MK3 verlieben. Ich will aber auch ehrlich gegenüber den Lesern sein, die sich von einem High-End-Kopfhörer wünschen, dass er für immerhin tausend Euro das Frequenzspektrum – auch und gerade in den kritischen Mitten und Höhen – mit einem Höchstmaß an Detailgenauigkeit ausleuchtet.

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Numinos
vor 7 Monaten von Numinos
  • Bewertung: 3.5
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Ich will mich kurzfassen: Optisch, technisch und in Bezug auf den Tragekomfort, ist der T1 auch in der MK3 ein toller Kopfhörer. Gewünscht hätte ich mir hier allenfalls noch ein zweites, kurzes Anschlusskabel, wie es dem T5 beiligt. In Bezug auf die klangliche Abstimmung kann ich dem Konzept aber leider nicht folgen: Wenn unzählige (sogar günstigere) Produkte aus der eigenen Fertigung eine wirklich ausgezeichnete Höhendarstellung liefern, das High-End-Modell dagegen im „High-End“ weniger Informationen (und damit Plastizität, Lebendigkeit und Transienten-Reichtum) auf die Stereo-Bühne zaubert, sehe ich die Grenze zur „Geschmacksfrage“ als überschritten an. Ich jedenfalls fände es begrüßenswert, wenn Beyerdynamic in künftigen Serien wieder das ganze Potenzial ihrer Tesla-Treiber auf die Hörer loslassen. Deren Fähigkeiten in der Höhendarstellung sind nämlich grundsätzlich fantastisch – das sollte man nicht verstecken, sondern zeigen!

Messdaten

Frequenzgang:

Außendämpfung:
Mehr Messdaten

Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweiseoffen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)5 - 50.000 Hz
  • Impedanz33,3 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)100,58 dB
  • Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf988,5 g
  • Gewicht mit Kabel466 g
  • Gewicht ohne Kabel378 g
  • Kabellänge305 cm

Lieferumfang

  • Kabel
  • Adapter auf 6,35 mm
  • Transport-Case

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