Bowers & Wilkins PI3

Nackenband-In-Ears mit Dual-Hybrid-Treibern

Bowers & Wilkins haben es sich ja auf die Fahnen geschrieben, die Dinge immer richtig machen zu wollen. Sei es der neue PX5 (zum Test) oder der aktuelle PX7 (zum Test) oder jetzt hier mit dem PI3, einem Nackenband-In-Ear mit Dual-Hybrid-Treibern, aktuellem aptX Adaptive Codec und das Ganze natürlich Wireless via Bluetooth.

Ah …!

Ein großzügiger Umgang mit dem Verpackungsmaterial präsentiert nach Abziehen des massigen Deckels gegen einen sanften Unterdruck-Saugwiderstand die PI3 hübsch ausgelegt in ihrer ganzen Pracht und alle so: „Ah!“

Nimmt man das angenehm samtige Silikonband dann in die Hand, erliegt man auch sogleich dem Reiz der Wertigkeit, den diese PI3 verströmen: seien es die metallenen Druckknöpfe an der Steuerung oder die magnetischen Ohrstöpsel, die zwar nicht gerade filigran wirken, sich in das Gesamtbild dieser als sportiv beworbenen In-Ears aber gut einfügen. Des Weiteren befindet sich im Karton die übliche Auswahl an Zugaben, wie dreierlei Paar Ohrpassstücke sowie Ohrhaken, Ladekabel und ein Aufbewahrungsbeutel mit Schnappverschluss. Der Rest ist sehr repräsentativer Schaumstoff.

Steuerung & Einbindung

Nicht mitgeliefert, aber in den gängigen Stores bereit liegend, ist die App „Headphones“, die ich mir sogleich für mein iOS-Device installiere, um gut auf den Moment vorbereitet zu sein, an dem ich die PI3 zum ersten Mal einschalte. Als ich das tue, bemerke ich, dass die Tastendruckpunkte – egal ob Hauptschalter oder die drei Steuerungsschalter – nicht ganz so sexy sind, wie mir ihre Anmutung verkaufen möchte. Ich kann gar nicht so genau sagen, was mich da stört – aber irgendwie fehlt ein halber Millimeter Hub oder der Klick ist etwas zu schwammig.

Die App an sich kann eigentlich wenig, aber bei genauerer Betrachtung genug. Zunächst sucht sie die PI3 und bietet mir sodann an, diese gleich mit einer zweiten Quelle zu koppeln, in meinem Falle ein MacBook Pro, was ich auch tue und – Multipoint sei Dank – im Besitz von zwei Zuspielern bin, zwischen denen ich nach Lust und Laune hin- und herschalten kann, bzw. den Rechner stumm geschaltet bekomme, während mir der Anruf vom iPhone durchgestellt wird.

Dann kann die App die Sprachansagen abschalten und ein Software-Update durchführen, was während meines Tests aber nicht nötig war. Sehr gut finde ich noch die Möglichkeit, einen Abschalt-Timer auf xx Minuten nach Untätigkeit einzustellen – eine Funktion, die ich bei ziemlich allen anderen von mir getesteten Geräten so noch nicht vorgefunden habe und in der Regel dazu führte, dass das Produkt bis zum Akkutod durchlief oder nach einer unbekannten Zeit eine Abschaltung einleitete.

Abschließend kann ich den In-Ears über die App noch einen anderen Namen geben. Ich denke „Günther“ klingt ganz nett und taufe die PI3 um. Tatsächlich wird mir dieser neue Name dann auch unter macOS in der Device-Liste angezeigt, bei iOS auch, aber erst nach einem Bluetooth-Neustart.

Wie klingt Günther?

Der erste Höreindruck Günthers bzw. der PI3 ist beeindruckend. Auf Anhieb und ohne EQ-Zugabe sind hier Bässe, Mitten und Höhen in einem so gelungenen Verhältnis zueinander aufgestellt, dass es mir schwerfällt, Störendes oder Schlechtes festzustellen. Satt und samtig, fluffig und erhaben, schillernd und durchdringend. Man suche sich die schönsten Attribute einfach aus und störe mich nicht weiter beim genussvollen Hören.

Höre ich dann den PI3 länger zu, bemerke ich doch eine kleine Unwucht im Klangbild, was von einem etwas zu präsenten Bass herrührt, der leicht mulmend in die Mitten und Höhen einstrahlt und diese in den Hintergrund zwingt. Das kommt natürlich auch auf die Musik an, die man zu sich nimmt, ganz klar. Aber wenn ich etwas bemängeln müsste, dann genau das: Der Bass ist mir eine Spur zu betont.

Transparent und vielschichtig präsentiert sich die Bühne weit und breit vor dem inneren Ohr und hinterlässt dabei das angenehme Gefühl, die richtigen In-Ears zu tragen, welche auch beim Sport, also unter erhöhter Anstrengung, noch eine gute Klangfigur machen.

Was ist das Geheimnis von Bowers und Wilkins?

Wohl einerseits die Dual-Hybrid-Treiber (pro Hörerseite ein dynamischer Full-Range- sowie ein Balanced-Armature-Treiber), die mit getrennten Verstärkern angetrieben werden und so dicke Bässe, füllige Mitten und schöne Höhen an die staunenden Ohren ausliefern. Dann der aktuelle aptX Adaptive Codec, der ein Streaming von bis zu 24Bit bei 48kHz ermöglicht und ganz nebenbei nur noch wenig Latenz erzeugt, also lippensynchrone Videos ermöglicht.

Dann sitzen die PI3 noch verdammt gut. Die optimale Abschottung der Außengeräusche durch hohe Dichtigkeit tut viel, gerade im Bassbereich. Dass dabei der Trittschall natürlich auch von Bowers & Wilkins nicht weggezaubert werden kann, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, denn die durch den Körper an die mit dem Ohr fest verbundenen In-Ears laufenden Erschütterungen tragen nicht deutlicher auf, als bei allen anderen dicht schließenden In-Ears.

Günther ruft an.

Bis zum Telefonieren erwähne ich die Remote auf der rechten Seite des Bandes nur kurz, denn trotz der minimalen Irritation wegen des schwammigen Druckpunktes der drei Knöpfe ist hier alles im Lot. Während der zentrale Taster alle Transport- und Telefonfunktionen übernimmt, wird die Lautstärke über zwei weitere Taster akkurat geregelt. Passt.

Rufe ich dann die Chefredaktion an und erkundige mich über die Qualität meiner Stimme übertragen von den in den PI3 verbauten Mikrofonen, bekomme ich folgendes zu hören: „Etwas dumpf“ und „Ja, geht schon“ bis hin zu „Da gibt es Besseres!“

Das nenne ich jetzt mal eine eingeschränkte Begeisterung und vermerke „Befriedigend“ auf meinem Notenzettel zu den PI3 mit der Anmerkung, dass man gerade bei Nackenband In-Ears, die gerne von Vieltelefonierern genutzt werden, etwas genauer hätte hinschauen können, erwarte aber auch hier keine Notfallsitzung seitens Bowers & Wilkins wegen des Mikrofon-Problems, denn verstanden wird man ja durchaus.

Noch ein paar Worte zur Laufzeit, die mit 8 Stunden durchaus anständig aber auch nicht sensationell ist, muss man doch bedenken, wie viel Akku in so eine Verdickung am Nackenband verbaut werden kann. Der Ladeport kommt auf der Höhe der Zeit mit USB C-Anschluss.

Sven Opitz
vor 4 Wochen von Sven Opitz
  • Bewertung: 4.25
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Wenn Bowers & Wilkins etwas machen, dann wollen sie das gut machen. Bei den PI3 gelingt ihnen das durchaus, jedoch mit leichten Einschränkungen, die bei solch einem doch recht hochpreisigen Produkt angesprochen sein wollen: schwammiger Druckpunkt, durchschnittliche Sprachqualität während Telefonaten, die etwas zu bassige Abstimmung der In-Ears in Gänze. Wobei gerade Letzteres natürlich auch als Qualitätsmerkmal und nicht als Mangel bewertet werden könnte. Deswegen vergebe ich diesen In-Ears eine gute Note, weil neben Qualität, Haptik und Anmutung, die übrigens sehr gut zusammenspielen, die klanglich positiven Eindrücke doch stärker ins Gewicht fallen, als das doch eher kleinliche Gemäkel am zu betonten Bass. Bowers & Wilkins PI3 sind hervorragende, moderne und exzellent klingende In-Ears, die dem markenbewussten Kunden das geben, was sie gerne haben möchten: Qualität in Klang und Hardware von einem Anbieter, von dem man genau das erwartet.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • WandlerprinzipDual Treiber: Dynamisch & Balanced Armature
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 30.000 Hz
  • Gewicht mit Kabel31 g
  • Kabellänge20 cm

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke (S, M, L)
  • 3 Paar Ohrhaken (S, M, L)
  • USB-A auf USB-C Kabel
  • Aufbewahrungsbeutel

Besonderheiten

  • in Schwarz, Blau und Gold erhältlich
  • per USB-C auch als Audio-Interface nutzbar
  • BT-Version: 5.0
  • BT-Codecs: SBC, AAC, aptX Adaptive, aptX HD, aptX Classic
  • BT-Profile: A2DP v1.3.1, AVRCP v1.6.1, HFP v1.7.1, HSP v1.2, BLE GATT (Generic Attribute Profile)

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