Obwohl die japanische Firma Fostex seit Jahrzehnten als etablierter Hersteller von professionellen und soliden Audiogeräten gilt, sticht der Fostex TH-900 als Referenzkopfhörer im Hochpreissegment aus dem restlichen Produktsortiment etwas heraus.

Den Namen Fostex verbindet man eher mit Aufnahmemedien oder Lautsprechern als mit ambitionierten Kopfhörern, was sich anscheinend ändern soll, da neben dem TH-900 noch eine etwas budgetfreundlichere Variante (TH-600) sowie ein audiophiler Kopfhörerverstärker (HP-A8C) angeboten wird. Was der Fostex außer seiner auffallend roten Lackierung zu bieten hat, das einen vierstelligen Verkaufspreis rechtfertigen könnte, klären wir im folgenden Testbericht.

Bauart und Verwendung

Interessanterweise findet man nirgends eine detaillierte Benennung der Bauart des dynamischen Kopfhörers. Obwohl die ohrumschließenden Ohrmuscheln des TH-900 optisch den Eindruck einer geschlossenen Bauart vermitteln, entspricht sein Dämmverhalten aber eher dem eines halboffenen Kopfhörers. Somit ist er neben seiner möglichen Verwendung als Hifi-Kopfhörer auch für den Studioeinsatz (Edit, Mix, Mastering), mit Ausnahme von übersprechungssensiblen Anwendungen, zu gebrauchen. Aufgrund seiner niedrigen Impedanz leistet der Fostex TH-900 eine kraftvolle Wiedergabe an mobilen Abspielgeräten – sofern man einen Adapter auf 3,5 mm Klinke besitzt.

Lieferumfang / Zubehör

Das beidseitig geführte, mit Stoff ummantelte Kabel (3m) des TH-900 endet in einem vergoldeten 6,35 mm Stereo-Klinkenstecker und ist nicht wechselbar. Mir ist bewusst, dass ein derartiger High-End Kopfhörer vielleicht nicht unbedingt für mobile Abspielgeräte konzipiert wurde, im realen Leben kommt der Gebrauch an iPod und Co. aber durchaus vor, sodass ich das Fehlen eines Adapters auf 3,5 mm Stereoklinke als Mangel empfinde. Angesichts des Preises vermisse ich als mobiler (Studio-) Mensch außerdem eine Transportmöglichkeit (Beutel, Koffer o.ä.). Dafür befindet sich ein praktischer, solide wirkender Kopfhörerständer aus schwarz lackiertem und mit Firmenlogo versehenem (vermutlich) Holz im Lieferumfang des Fostex TH-900 und stimmt mich in dieser Testkategorie versöhnlich.

Komfort

Trotz seiner recht stattlichen 388 Gramm wirkt der Fostex Kopfhörer überhaupt nicht schwer. Die beiden Gelenke der Ohrmuschelhalterung sorgen für eine perfekte Anpassung an meinen Kopf, ohne dass ein hoher Anpressdruck erforderlich ist. Die körperaufliegenden Teile aus bequemem Protein-Leder sorgen selbst auf meinem glatt rasierten Kopf für höchsten Tragekomfort, der auch mehrstündige Sessions problemlos ermöglicht und die großzügig dimensionierten, auswechselbaren Ohrpolster umschliessen meine Ohren komplett ohne aufzuliegen. Hier hat Fostex alles richtig gemacht!

Optik / Verarbeitung

Wie man es anhand des Verkaufspreises schon erwarten kann, hat Fostex in Bezug auf Verarbeitung und Materialmix beim handgefertigten TH-900 nichts anbrennen lassen. So bestehen die Ohrmuscheln aus aufwendig lackiertem Holz der japanischen Zierbirke mit Fostex-Logo aus Platinfolie. Die rote Lackierung hat zwar ein bisschen was von Autoscooter, sieht in natura aber gar nicht mal so schlecht aus und wirkt dezenter als es auf vielen Fotos den Anschein hat. Der TH-900 ist eben ein perfekt verarbeiteter und möglicherweise leicht polarisierender Exot und kein mattes Mauerblümchen!

Klang

Der Test wurde von mir mit folgenden Kopfhörerverstärkern durchgeführt: Lake People G93, SPL 2Control, Apogee Duet2 sowie iPad 4. So selbstbewusst wie der Fostex TH-900 auftritt, so klingt er auch! Alle Frequenzbänder werden äußerst detailliert wiedergegeben. Der kräftige Bass wird bis in den Sub-Bereich sehr präzise – also NICHT undefiniert und „mulmig“ – abgebildet, wobei mir die Wiedergabe bei sehr basslastiger Musik teilweise (!) etwas zu dominant ist. Die Wiedergabe der Mitten, die m.E. von vielen ambitionierten Kopfhörern etwas unterrepräsentiert abgebildet werden, erachte ich beim TH-900 als nahezu perfekt und sehr musikalisch. Ebenfalls alles andere als unterrepräsentiert sind die hohen Frequenzen. Die leichte Dominanz dieses Frequenzbandes inklusive der damit korrespondierenden, kompromisslosen Transientenwiedergabe möchte ich allerdings weniger kritisieren als eher anmerken, dass dies zu einer moderaten Abhörlautstärke animiert. Auch bei einer dezenten Lautstärke entgeht einem nichts, was beispielsweise bei stundenlangen Editing-Sessions von großem Vorteil sein kann. Die Stereobühne des TH-900 fällt tendenziell breit aus und profitiert in puncto Natürlichkeit und Lokalisation durchaus von Crossfeed-Funktionen, wie man sie in diversen Kopfhörerverstärkern und DAW Plug-ins findet. Die Wiedergabeeigenschaften sind in sämtlichen Teildisziplinen (Auflösung, Frequenzabbildung, Transientenabbildung, Räumlichkeit) bemerkenswert, wie man es für einen derart selbstbewussten Preis aber auch erwarten kann.

Ich war sehr neugierig auf einen direkten Vergleich mit meinem AKG K812, der in ähnlichen Preisregionen wildert, und bin zu folgendem Fazit gelangt: Während der Fostex TH-900 im direkten Vergleich etwas „spektakulärer“ und hifi-mäßiger wirkt, klingt der AKG-Kopfhörer neutraler und etwas puristischer. Der „dezent aufgepumpte“ Sound des TH-900 stellt einige, tendenziell synthetischen Produktionen in ein besseres Licht als es beim K812 der Fall ist. Der AKG-Kopfhörer hingegen klingt so lebendig, dass man bei manchen Aufnahmen wirklich das Gefühl hat, gerade bei der Aufnahme dabei zu sein, was vom Fostex TH-900 in dieser Ausprägung nicht erreicht wird. Beide Kopfhörer werden vollkommen zurecht als Referenz-Kopfhörer bezeichnet, haben aber definitiv unterschiedliche Charaktere und bedienen somit verschiedene Geschmäcker.

Fazit: Fostex TH-900
von Peter Könemann

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

In der Summe ist der Fostex TH-900 ein absolut überzeugender Kopfhörer, dessen Verarbeitung und Wiedergabeeigenschaften den hohen Preis rechtfertigen. Ob man nun unbedingt ein Platinlogo auf aufwendigem Lack braucht, sei dahingestellt, vergleichbare Wiedergabeeigenschaften habe ich bei einem Kopfhörer unterhalb der 1.000-Euro-Marke jedenfalls bisher noch nicht ausfindig machen können. Ein Antesten der japanischen „Piemont-Kirsche“ lohnt sich für ambitionierte Kopfhörer-Freaks auf jeden Fall!

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Messdaten

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
5 - 45.000 Hz
Impedanz
23,85 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
99,62 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
524 g
Gewicht mit Kabel
504 g
Gewicht ohne Kabel
388 g
Kabellänge
310 cm

Lieferumfang

  • Kopfhörerständer aus schwarz lackiertem Holz

Besonderheiten

  • Kabel mit gr. Klinke, Kopfhörerständer

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