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HEDD Audio HEDDphone Two

Offener Over-Ear-Kopfhörer mit Air Motion Transformer

Kurz & knapp

Mit dem HEDDphone 2 adressiert der Berliner Hersteller HEDD weiterhin audiophile Musikliebhaber sowie den professionellen Audiobereich für den stationären Einsatz. Im Kern der äußerlich und technisch optimierten sowie im Gewicht gesenkten Konstruktion steht weiterhin der hauseigene Vollbereichstreiber Air Motion Transformer, der für ein herausragend aufgelöstes Klangbild sorgt, das keinen Mitbewerber zu scheuen braucht. Ein Klangtest ist unbedingt empfohlen.

Vorteile:
  • erstklassige Auflösung, Räumlichkeit und Dynamik
  • unabhängige Justierung des Anpressdrucks
  • Lieferung mit unsymm. und symm. Kabeln
  • 5 Jahre Gewährleistung
Nachteile:
  • wuchtige Konstruktion
  • reduzierter Tiefbasspegel
  • höherer Verkaufspreis
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Der Berliner Hersteller HEDD, Heinz Electrodynamic Designs, ist auf aktive Studiomonitore spezialisiert und wurde 2015 durch den Begründer von Adam Audio Klaus Heinz und seinen Sohn Dr. Frederik Knop gegründet. Kennzeichen aller bisherigen Entwicklungen ist der sogenannte Air Motion Transformer (ART), der bei HEDD für den Hochtonbereich zum Einsatz kommt. Das Prinzip dieses ungewöhnlichen Treibers geht zurück auf Oscar Heil, dessen Konstruktion Klaus Heinz im Laufe der Jahrzehnte ständig fortentwickelt hat.
Bereits im ersten HEDDphone von 2020 wurde der ART erstmalig als Vollbereichstreiber in einem Kopfhörer verbaut. Drei Jahre später habe ich die Freude, die zweite Gerätegeneration als Vorserienmodell testen zu können.

Mit dem HEDDphone 2 hat HEDD unverändert audiophile Musikliebhaber und den professionellen Bereich von Produktion, Mischung und Mastering im Blick – dort wo man auch seine Monitore erfolgreich anbietet. Für ihren ungemein hoch auflösenden Klang heimste die erste Version des HEDDphone bereits Bestnoten – auch bei uns – ein. Abzüge gab es lediglich für das eher klobige Aussehen und das Gewicht.

Genau diese Punkte adressiert der Hersteller mit dem Nachfolger: Der HEDDphone 2 fällt eleganter und mit 500 Gramm auch knapp 200 Gramm leichter als der Vorgänger aus. Die Verarbeitung darf ich als hochwertig bezeichnen, was der Hersteller zudem selbstbewusst mit einer außergewöhnlich langen Gewährleistung von fünf Jahren untermauert.

Gleichwohl darf man auch dieses Modell als groß und schwer bezeichnen. Das liegt an dem Treiber selbst, dessen Abstrahlfläche feststeht und der zum Betrieb kräftige Magnete voraussetzt. Hieraus folgen dann auch die großen austauschbaren Ohrpolster aus Kunstleder. Laut HEDD wurde der Air Motion Transformer aus Polymid-Film (Kapton) verbessert und das mechanische Design komplett überarbeitet. So ist die neue Version stabiler, tatsächlich eleganter und verfügt zudem über ein neues doppelt geführtes Kopfband (HEDDband), das sich unabhängig vom Karbonfaser-Bügel für die schwenk- und kippbaren Ohrpolster justieren lässt. So soll es möglich sein, die Passform und den Anpressdruck unabhängig voneinander variieren zu können.

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Das Testgerät verfügt noch nicht über eine Links-Rechts-Kennzeichnung, die aber im Serienmodell zu finden sein werden. Zum Lieferumfang gehören zwecks Minimierung von Körperschall gewobene, ummantelte, symmetrische und unsymmetrische Anschlusskabel, die inzwischen über 3,5-mm-TRS-Klinken statt Mini-XLR-Stecker verfügen und schräg nach vorn herausgeführt werden. Das sieht ungewöhnlich aus, hat aber einen Grund: Das Kabel soll möglichst am Oberkörper entlang verlaufen und nicht auf die Schultern aufprallen. Weiterhin werden ein Paar Ersatzohrpolster, ein Trage-Case und zwei Adapter mitgeliefert.

Praxis

Natürlich ist der HEDDphone 2 aus genannten Gründen kein Leichtgewicht. Die kräftige Polsterung ermöglicht einen angenehmen Tragekomfort und eine gute Außenisolierung. Sie hat aber auch technische Gründe. Zum Einen geben, wie erwähnt, die Treiber und Magneten konstruktionsbedingt die Größe vor. Und eben diese Treiber sind die Besonderheit dieser Kopfhörer, sodass an dieser Stelle keine Kompromisse gemacht werden durften. Ein weiterer Grund für die Stärke der Polsterung ist der geneigte Einbau der Treiber, der der Physiognomie folgt und somit kräftigere Ohrpolster im hinteren Bereich erfordert.

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Entsprechend sollte man sich die Zeit nehmen, das Kopfband zu justieren, um zum bestmöglichen Tragekomfort zu gelangen.

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Insbesondere gelang es mir so, den subjektiv etwas zu festen Anpressdruck der Werkseinstellung zu verringern, sodass das Testgerät auch über längere Zeiträume für mich noch bequem zu tragen war, was insbesondere im professionellen Einsatz unabdingbar ist. In meinem Fall blieb aber ein gewisses Druckgefühl.

An die Leichtigkeit beim Tragen eines Sennheiser HD 800 S kommt der HEDDphone 2 erwartungsgemäß nicht heran. Ein weiterer Nachteil: Die Kunstlederpolster begünstigen bei höheren Raumtemperaturen die Schweißbildung. Mir war ein kurzer Vergleich zwischen altem und neuem Modell möglich: Abseits der verbesserten Ästhetik und des geringeren Gewichts, empfand ich persönlich den Tragekomfort der ersten Version als gleichwertig.

Wie beim Vorgänger gibt es übrigens mechanische Geräusche, wenn man die Ohrpolster justiert. Sie rühren von der ART-Folie her und erledigen sich, sobald die richtige Position gefunden ist.

Die offene Konstruktion und die Größe des Kopfhörers machen den HEDDphone 2 zu einem Produkt für den stationären Einsatz. Als Zielgruppe wendet man sich an professionell arbeitende Toningenieure und anspruchsvolle audiophile Musikhörer. Somit sollte man auch die Verfügbarkeit eines hochwertigen Kopfhörerverstärkers, eines DAPs, entsprechende Ausgänge eines Mischpults oder Audio-Interfaces berücksichtigen. Als nötige Ausgangsleistung gibt der Hersteller 200 mW und als Empfehlung 1 W an. Allerdings besteht im Unterschied zu Mitbewerbern wie Stax keine Notwendigkeit für einen dedizierten Kopfhörerverstärker.

Klang

Wie sein Vorgänger zaubert der HEDDphone 2 ein wunderbar detailliert aufgelöstes Klangbild auf die Ohren. Dabei stelle ich generell fest, dass ich für das volle Klangvergnügen einen gewissen Pegel benötige. In meinem Fall fungierten der DAP Shanling M3X mit unsymmetrischen Ausgängen sowie der flexible Kopfhörerverstärker RME ADI-2 Pro FS als Zuspieler. Definitiv profitiert der HEDDphone 2 unbedingt von einem hochwertigen Kopfhörerverstärker.

Als auffallende Stärke möchte ich die schnelle Ansprache, die einhergehende Detailverliebtheit und die Wiedergabe leiser Signale und Dynamikbereiche hervorheben. Oft entdeckte ich Elemente der Mischung, die mir zuvor verborgen blieben. Diese Dynamik ist auch bei der räumlichen Abbildung von Vorteil: So reproduziert der HEDDphone 2 Beethovens „Violin Concerto in D-Dur Op. 61“, aufgeführt von den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan, ein räumlich gestaffeltes Orchester mit intimen Solisten über die Kopfhörer, die einem Lautsprecher nicht nachstehen.

Im zentralen Mittenbereich versieht der Treiber akustische Instrumente mit authentischem Timbre und Plastizität und verleiht Stimmen eine wunderbare Auflösung und Verständlichkeit. Gleichzeitig wird Whitney Houstons honigsüße Stimme auf „Exhale“ in einen stimmigen künstlichen Raumeffekt eingebettet. Beeindruckend auch die späte Roy-Orbison-Aufnahme von „The Comedians“. Neben der Intimität der einzigartigen Stimme des Interpreten höre ich auf der virtuellen Bühne die breite Gitarre mit ihrem leichten Tremoloeffekt und, zurückgesetzt, die marschierende Snaredrum. Der perkussive Bass und die Streicher komplettieren diese Mischung, die einfach nur Spaß bereitet.

Ein anderes schönes Beispiel für die Qualitäten dieses Kopfhörers ist die wunderbare Stimme von Charley Pride. „Does My Ring Hurt Your Finger“ zeigt im Remaster die hohe Qualität der Aufnahme von 1967, auf der sich die Instrumente noch streng auf die Stereokanäle verteilen. Überhaupt lässt sich im Country-Genre das Zeitverhalten der Harmoniestimmen gut nachverfolgen, etwa bei „Spanish Is A Loving Tongue“ von Emmylou Harris. Hier arbeitet der HEDDphone 2 zudem die Streicher und das Akkordeon hervorragend heraus.

Auch im Rockbereich zeigt eine Titelauswahl von AC/DC und Alice in Chains ein bestens aufgelöstes Klangbild, dem es auch an Druck nicht mangelt. Bei „Fire Your Guns“ sorgt ein Achtelbass für ein eher drahtiges Fundament. Auch war das Reibeisen in der Stimme von Brian Johnson selten deutlicher erkennbar. „Check Your Brain“ von Alice in Chains zeigt wiederum eine Mischung, die druckvoller im Tiefmittenbereich agiert.

Im Metal-Bereich lassen sich wiederum bei den dichten Mischungen der Testtitel von Meshuggah, Exodus und Slayer klare Unterschiede erkennen. Hier liefert der HEDDphone 2 eine Wiedergabe, die klar nachvollziehbar zwischen höhenbetont, kühl, aggressiv aber weniger spitz und dem Mittenbrett von Slayers „Repentless“ wechselt.

Der Air Motion Transformer wartet mit einem eher schlanken Bass auf, insbesondere im Tiefbass. Diese Abstimmung wurde laut Ingenieur Dmitry Grigoriev bewusst getroffen, um eine Klangkompatibilität zu den hauseigenen Studiomonitoren zu schaffen. Linearität wird bis 60 Hz geboten, der Bereich darunter fällt bis 20 Hz um 3-4 dB ab. Gleichzeitig hängt die Basswiedergabe aber auch stark vom Abschluss der Ohrpolster ab. Diese fallen im HEDDphone 2 weniger isolierend als im Vorgänger aus und führen somit zu einem steiler verlaufenden Abfall. Ferner wurden gegenüber dem ersten Modell durch Optimierungen am Treiber und Magnetsystem die Gruppenlaufzeit und das Ausschwingverhalten verbessert. Das führt zu einer höheren Präzision bei der Basswiedergabe, die entsprechend auch schlanker wirkt. Und schließlich konnten laut HEDD Resonanzen zwischen 500 und 2.000 Hz abgemildert werden, was ebenfalls für Ordnung im Klangbild sorgt.

Generell ist die Basswiedergabe tonal, dynamisch und im Abklingverhalten präzise nachzuverfolgen, etwa bei den unterschiedlichen 808-Bassdrum-Schlägen in Adel Tawils „Katsching“. Lediglich im Tiefbass hält sich der HEDDphone 2 im Klangvolumen etwas zurück. Gleiches gilt für die tiefen Drones auf „Galleon Ship“ von Nick Cave. Dafür jedoch offenbaren sich plötzlich feine Aufnahmedetails und eventuelle Räumlichkeiten neben der greifbar dreidimensionalen Stimme.

Zu guter Letzt darf man die Höhenauflösung des ART-Treibers schlicht sensationell nennen. Details und Transienten werden mit rasanter Schnelligkeit und Präzision reproduziert. So lassen sich die mehrfach geschichteten Hi-Hats und Shaker in Yellos „Pan Blue“ bestens getrennt wahrnehmen, wobei das auffällig animierte Panorama gleichzeitig ebenfalls überzeugend dargestellt wird.

Überbetonungen, Schärfen oder Härte stelle ich glücklicherweise nicht fest, sofern diese nicht auch Teil der Mischung sind. Verzeihend ist der HEDDphone 2 aber auch nicht, denn er zeigt die zugehörige Grenze zur Überbetonung im Sinne einer tontechnischen Bewertung sicher auf. Während der explizit schnelle Air Motion Transformer bei Mischungen eine Geschmacksfrage sein kann, wird er insbesondere bei Schnittarbeiten schnell zu einer verlässlichen akustischen Lupe.

Fazit

Mit dem HEDDphone 2 wendet sich HEDD Audio an professionelle und audiophile Musikhörer und Tonschaffende, die nach einem explizit hochwertigen Kopfhörer für den stationären Einsatz suchen. Die Konstruktion mit einem AMT-Vollbereichstreiber wurde gegenüber dem Vorgänger in zahlreichen Aspekten optimiert. Wesentliche Unterschiede liegen dabei in der äußeren Erscheinung und im verringerten Gewicht. Zwar fällt die dem verbauten Air Motion Transformer geschuldete Konstruktion auch weiterhin eher wuchtig aus, ist aber praxisgerechter.

Klanglich ist das zweite Kopfhörerwerk von Heinz Electrodynamic Designs ebenso beeindruckend wie das Debüt und gewinnt sogar noch an Präzision, kostet allerdings auch 300 Euro mehr. Das Resultat ist ein schlichtweg herausragend klingendes Produkt. In der Preisklasse von zwei tausend Euro spielen etliche Aspekte eine Rolle. Ich meine, dass HEDD sich bestens im Umfeld seiner Mitbewerber behauptet und dabei den Elektro- und Magnetostaten von Audeze oder Dan Clark klanglich näher als den dynamischen Konstruktionen von Focal und Sennheiser ist. Hier entscheidet der persönliche Geschmack und Hörtest.

vor 8 Monaten von Ulf Kaiser
  • Bewertung: 4.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Messdaten

Frequenzgang:

Außendämpfung:
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Technische Daten

  • BauformOver-Ear
  • Bauweiseoffen
  • Wandlerprinzipelektrodynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)10 - 40.000 Hz
  • Impedanz41 Ohm
  • Schalldruckpegel (SPL)89 dB
  • Gewicht ohne Kabel550 g

Lieferumfang

  • symmetrische Anschlusskabel (4,4 mm)
  • unsymmetrisches Anschlusskabel (6,3 mm)
  • 2x Ersatz-Ohrpolster
  • Adapter 6,3 auf 3,5 mm
  • Adapter 4,4 mm auf XLR
  • Trage-Case

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