Koss TWS250i

True Wireless In-Ears mit neutralem Klang

Bereits im April dieses Jahres konnten Koss mit dem kleinsten Modell innerhalb ihrer Bluetooth-In-Ear-Serie eine Redaktionsempfehlung für sich verbuchen. Damals waren es die TWS150i (zum Test), die sich durch ihr ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis unsere Empfehlung verdienen konnten. Nun meldet sich das nächst höhere Modell der Serie in der kopfhoerer.de-Kommandozentrale zum Test und will natürlich einen mindestens ebenso guten – wenn nicht gar besseren – Eindruck hinterlassen. Und natürlich geben wir den kleinen Ohrknöpfen gerne die Bühne (respektive Ohren) frei, um uns zu überzeugen.

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Bei den Koss TWS250i handelt es sich um True Wireless In-Ears, deren Verbindung zum Zuspielmedium via Bluetooth 5.0 (abwärtskompatibel) hergestellt wird. Die integrierten Akkus sorgen für bis zu sechs Stunden Hör- beziehungsweise Sprechzeit, denn die TWS250i agieren auch als Headset beim Telefonieren. Der Ladevorgang erfolgt im mitgelieferten Lade-Case, dessen integrierter Akku noch mal Ladekapazität für rund drei Ladezyklen vorhält (ca. 20 Stunden). Die In-Ears sind nach IPX5 spezifiziert und widerstehen damit laut Definition „Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel“ und „Staub in schädigender Menge“. Wer beim Hören also gerade von einem Sandsturm in Verbindung mit einem Platzregen erwischt wird – was in Zeiten des Klimawandels ja gar nicht mal mehr so unwahrscheinlich ist – kann die TWS250i im Katastrophenfall also ohne Garantieverlust im Ohr behalten.

Äußerlichkeiten

Obwohl sich die TWS250i nur durch eine einzige Ziffer im Namen vom kleineren Modell unterscheidet, lassen sich optisch fast keine Gemeinsamkeiten feststellen. Während sich die TWS150i eher an Apples AirPods-Design mit nach unten heraus ragender Antenne orientieren, sieht das Gehäuse der TWS250i eher wie eine kleine dicke Bohne aus. Mit seinen gerade einmal 2,3 Zentimetern Länge (Höhe ca. 1,5 Zentimeter) finden die In-Ears genug Platz zwischen Tragus (die Falte vor dem Gehörgang) und Scapha (die hintere Falte des Ohrläppchens), so dass sie an keiner Stelle überstehen. Entsprechend klein ist auch das Lade-Case geraten. Es spiegelt in seiner Formgebung die ovale Optik der In-Ears und wird über eine USB-C-Buchse mit Strom versorgt. Das Design der Hörer mit mattschwarzer Oberfläche ist schlicht und unspektakulär. Ein ovaler, etwas metallisch schimmernder Ring rund um die Rückseiten auf der eine dezente Koss-Beschriftung prangt, ist das einzige Schmuckelement.

Handling

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Als kleine Nickeligkeit bei der Benutzung der Ladeschale erweist sich der Umstand, dass Deckel und Basis absolut bündig aufeinander aufsetzen. Das sieht zwar schick aus, wenn die Finger allerdings nur ein bisschen feucht oder fettig sind, braucht es bisweilen schon mehrere Versuche, den Deckel erfolgreich zu öffnen.

Die Rückseiten beider In-Ears agieren als kapazitive Kontaktflächen, um eine ganze Reihe von Funktionen auszulösen. In verschiedenen Kombinationen aus ein- und mehrmaligem Tippen und Gedrückthalten lassen sich: Ein/Aus, Lautstärke +/-, Play/Pause, Titel vor/zurück, Rufannahme/Auflegen und das Aufrufen der Sprachsteuerung (je nach Endgerät) auslösen. Besonders gut gefiel mir hierbei die ausgesprochen logische Aufteilung: Die meisten Kommandos lassen sich nämlich von beiden Seiten gleichberechtigt auslösen. Allein die Lautstärkeregelung verteilt sich auf den linken und rechten Hörer (links drücken = leiser, rechts = lauter), so dass einem die Bedienung schon nach kurzer Zeit sehr leichtfällt. Hinzu kommt, dass die Berührungserkennung sehr zuverlässig reagiert.

Ein weiteres dickes Plus erhalten die TWS250i in Bezug auf den Tragekomfort. Denn hat man sie mit dem richtigen Passstück (S, M, L) im Ohr platziert, verschwinden sie förmlich aus dem Bewusstsein. Sie schmiegen sich so leicht und unmerklich in den Gehörgang und an das Außenohr, dass ich einige Male während des Tests aus der Wohnung ging, und erst beim Abbruch der Bluetooth-Verbindung im Hausflur merkte, dass ich sie noch trage. Tatsächlich muss man sich schon durch mindestens zwei Mauern und mehrere Meter vom Zuspielmedium entfernen, bis die Verbindung endgültig zusammenbricht. Im direkten Sichtfeld liegt die Signalreichweite sogar bei zehn Metern, die ich im Test bestätigen konnte.

Nicht so überzeugend präsentierte sich dagegen die Sprachverständlichkeit bei der Nutzung der In-Ears als Freisprechgarnitur. Es ist und bleibt mir ein Rätsel, warum es die Hersteller (in dem Fall Samsung und Android/Google) nicht schaffen, die hervorragende Qualität der Audiowiedergabe, die mit diesen (und anderen) In-Ears möglich ist, nicht auch im Telefonbetrieb zum Einsatz zu bringen. Nach wie vor scheint Android hier automatisch die Datenrate und den Frequenzgang zu reduzieren. Ein Gegenvergleich mit einer einfachen Sprachaufnahme mit einem Audiorekorder zeigt nämlich, dass die Klangqualität, die vom TWS250i geliefert wird, durchaus gut ist.

Ein weiterer, etwas kleinerer Minuspunkt: Die TWS250i beherrschen leider kein Multipoint, so dass immer nur ein Zuspieler eingerichtet sein kann. Was insbesondere deshalb unpraktisch ist, weil sich das Zurücksetzen und Neuverbinden der Koss-Hörer als nicht ganz trivial und nicht immer erfolgreich erweist (Hörer ins Case, fünf Sekunden beide Hörer zum Ausschalten drücken, dann acht Sekunden zum Neustarten).

Klang

Ich beginne meinen Hörtest mit „Last Night the Moon Came Down“ des gleichnamigen Albums des unlängst verstorbenen, visionären musikalischen Grenzgängers Jon Hassell. Ein Stück, in dem er ein dichtes Netz aus mehrstimmig harmonisierten Trompeten und Streichern über einer tief im dunklen Hallraum versteckten Percussion ausbreitet, aus dem sporadische Solo-Einwürfe von Violine und Trompete herausstechen. Besonders die Darstellung der Anblas-Geräusche und Hörbarmachung der Einzelinstrumente erledigen die TWS250i hervorragend. Da ist Luft in den Höhen und die nötige Genauigkeit im Klang.

Zur Einordnung des Bassgeschehens wechsle ich zu einer Eigenproduktion: Denn der stoisch vor sich hin marschierende, frequenztechnisch extrem abgegrenzte Subbass auf „Babe – Tape Redub“ von „Sonimun“ auf dem Telrae-Sampler „Slapback 1“ ist hier der integrale Faktor, der die ganze Nummer zusammenhält. Auch hier schlagen sich die TWS250i absolut wacker, sie bleiben aber im direkten Vergleich hinter meinen Bose Quiet Comfort zurück, die hier noch ein gutes Stück mehr Schub liefern. Da mir die recht dezente Bassleistung auch schon beim TWS150i auffiel, gehe ich hier von einer vom Hersteller gewollten Gewichtung aus – was völlig legitim ist. Weiß man so als Käufer doch im Vorfeld, dass die TWS-Serie einen etwas dezenteren Bass hat. Es gibt nämlich, im Vergleich zu den unzähligen Liebhaber*innen einer starken Bassleistung, gar nicht mal wenig Musikfreunde, die sich durch einen besonders ausgeprägten Bassbereich eher gestört fühlen.

Zur Beurteilung der Transientendarstellung und der Stereobühne greife ich zum grandiosen 2017er Album „Comic“ von Siriusmo. „Doppelklick“ – eine Kooperation mit „Mr. Oizo“ – ist eine einzige große Frickelei aus kleinen Percussion-Schnipseln mit scharfen Transienten, zudem wechselt im B-Teil der Melodie-Synthesizer-Sequenz der Hallraum dramatisch von einem intimen Reverb zu einer großen Halle. Auch das bildet der TWS250i ordentlich und präzise ab, so dass die Tiefenstaffelung und logische Struktur des Tracks hier wunderbar ausgebreitet wird.

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Numinos
vor 4 Wochen von Numinos
  • Bewertung: 4.75
  • Sound
  • Handling
  • Preis/Leistung
  • Funktion

Ich resümierte bei den TWS150i: „Gute Akkulaufzeit, elegantes Design, neutraler Klang, große Reichweite, günstiger Preis – was will man da noch sagen, außer Koss hier zu beglückwünschen, dass ihnen mit den TWS150i solide In-Ears gelungen sind, die klanglich keine Fehler machen.“ Und genau das Gleiche sage ich auch über den TWS250i. Allerdings mit zwei Ergänzungen, denn zum einen möchte ich hier die deutlich bessere Präzision der Touch-Bedienung lobend erwähnen, zum anderen den ausgesprochen hohen Tragekomfort, denn die TWS250i sind wirklich geradezu unmerkliche Begleiter im Ohr. Die tendenziell eher etwas dezente Bassleistung möchte ich als Geschmackssache einstufen, denn der untere Frequenzbereich ist ohne Frage da und wird präzise wiedergegeben – nur eben ohne dieses halbe Dezibel Extraschub, der den Spaßfaktor ausmacht. Freunde des sachlichen Klangs werden das sehr zu schätzen wissen. Liebhaber von „Sub-im-Kopf“-Erfahrungen könnte das dagegen (ohne Equalizer-Eingriff) zu wenig sein. Ebenfalls vermisst habe ich eine Option zum Multi Pairing, denn in der modernen Lebenswirklichkeit wechselt man ja nicht so selten den Zuspieler (Handy, Tablet, Laptop etc.). Auch wenn sie nicht alles richtig machen: In der Summe geht es – auch in Anbetracht der unverbindlichen Preisempfehlung von 89 Euro – punktemäßig dennoch sehr weit nach vorne für diese ebenso anschmiegsamen wie gut klingenden In-Ears von Koss.

Technische Daten

  • BauformIn-Ear
  • Bauweisegeschlossen
  • Wandlerprinzipdynamisch
  • Audio-Übertragungsbereich (Hörer)20 - 20.000 Hz
  • Schalldruckpegel (SPL)101 dB
  • Gewicht ohne Kabelje 10 g, Case 44 g

Lieferumfang

  • 3 Paar Ohrpassstücke (S, M, L)
  • USB-C-Ladekabel
  • Lade-Case

Besonderheiten

  • BT-Codecs: AAC, SBC
  • BT-Version: 5.0

4 Antworten auf “Koss TWS250i”

  1. Avatar Ingo Bichoel sagt:

    Hi, gibt es denn auch die Möglichkeit eines Updates für die Koss TWS250i – soweit überhaupt angeboten?

  2. Avatar Peter sagt:

    und nirgends steht der Preis?
    das macht die Wertung ‚Preis/Leistung‘ auch eher zum Zufall?

    • Redaktion Redaktion sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis. Eine Verlinkung auf Thomann, amazon und Co ist derzeit aufgrund fehlenden Angebots nicht möglich, wir haben aber die UVP des Herstellers im Testfazit ergänzt.

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