Mit der UM-Pro-Serie adressiert der hierzulande im Konsumentenbereich recht unbekannte Hersteller Westone, konzeptionell den professionellen Beschallungsbereich. Das Flaggschiff dieser In-Ear-Serie, der UM Pro 50, arbeitet pro Seite mit fünf Treibern nach dem Balanced-Armature-Prinzip, die mit einer passiven Dreiweg-Frequenzweiche das Hörspektrum abdecken. Inwieweit dieser für den Bühneneinsatz konzipierte Hörer auch eine Empfehlung für Musikliebhaber ist, wollten wir wissen …

Bei einem Straßenpreis oberhalb der 500 Euro Grenze sollte eine robuste, hochwertige Verarbeitung zum guten Ton gehören. Tatsächlich gibt es hier nichts zu beklagen. Der UM Pro 50 verfügt über robuste, transparente Gehäuse. Zehn Paar Ohrstöpsel, je fünf aus Silikon und Schaumstoff, sorgen für guten Sitz im Ohrkanal, während das Treibergehäuse sicher im Zentrum der Ohrmuschel sitzt.

Auch die austauschbaren Kabel überzeugen: Sie sind gleichermaßen schlank, flexibel und stabil. Westone setzt hier auf das hauseigene verdrillte und Aramid-verstärkte Twisted MMCX, das sich durch einen besonders niedrigen Widerstand auszeichnet. Es wird nach circa 30 Zentimetern zusammengeführt und ist zusätzlich im oberen Bereich per beweglichem Trennelement justierbar. Zudem sind die besonders beanspruchten oberen fünf Zentimeter um die Ohren zusätzlich per Ummantelung geschützt. Der Anschlussstecker ist als abgewinkelte, vergoldete Miniklinke ausgeführt. Untergebracht wird der UM Pro 50 in einem stabilen Transportcase aus Plastik.

Praxis

Beim UM Pro 50 handelt es sich um einen kabelgebundenen In-Ear-Hörer, der allein zur Musikreproduktion konzipiert wurde. Auf Extras wie eine Freisprecheinrichtung wird folglich verzichtet. Zunächst fällt der sichere, passgenaue Sitz im Ohr auf, der über lange Zeit einen bequemen, druckfreien Hörbetrieb ermöglicht. Gleichzeitig liefert der Hörer auch ohne Noise Cancelling eine beachtlich gute Abschirmung von Außengeräuschen. Und wer den Hörer abseits der Bühne zum Einsatz bringt, wird auch bei hohen Pegeln die Umgebung nicht stören. Tatsächlich ist der UM Pro 50 mit einer Empfindlichkeit von 115 dB und 23-Ohm-Impedanz (gemittelt) in der Lage, mit hohem Pegel zu spielen, was im Bühnenbetrieb durchaus nötig sein kann.

Klang

Bei der Klangbeurteilung kann ich mich zugegeben nicht ganz von dem Wissen freimachen, hier einen teuren Ohrhörer zu beurteilen. Tatsächlich ist die Leistung überaus beeindruckend: Das gesamte Spektrum wird sauber, ausgewogen und mit bester Detailauflösung abgebildet. Im Bassbereich, der gefühlt für ein druckvolles Klangerleben durchaus aber nicht störend betont ist, liefert der Hörer echten Tiefbass – nicht unbedingt selbstverständlich bei einer Balanced-Armature-Konstruktion. Dieser wird wie der gesamte Tieftonbereich konturiert und mit sicherer Dynamik, Tonalität und Detailauflösung wiedergegeben. So ergibt sich ein gleichermaßen druckvolles und explizit straffes Hörerlebnis. Selbst bei lautem Hören fallen die typischen Verzerrungen angenehm niedrig aus.

Der Mittenbereich liefert die nötige Grundtonbasis und bietet Stimmen und Instrumenten ein sicheres Zuhause, ohne störende Resonanzen. Sprachverständlichkeit und Wärme konkurrieren hier nicht miteinander – der UM Pro 50 liefert schlicht eine ausgewogene, detailreiche Glanzleistung. Auf der anderen Seite zeigt er aber eben auch Schwächen eventueller Produktionen und Mischungen auf.

Im Hochtonbereich ist der Hörer schnell und offen und liefert damit eine exzellente und klanglich neutrale Detailauflösung. Dabei gibt es keine ermüdende oder störende Schärfe, außer diese ist in der Produktion selbst vorhanden.

Die Stereobühne ist breit und klar definiert. Die Raumabbildung ist sicher und glänzt ihrerseits mit viel Detailtreue, so dass sich auch punktelle oder instrumentenspezifische Raumeffekte in der Mischung erkennen lassen.

Fazit: Westone UM Pro 50
von Ulf Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der Westone UM Pro 50 liefert eine hervorragende Gesamtleistung ab. Klanglich ist er aufgrund seiner Zielgruppe im Bühnenbereich nicht streng auf Neutralität abgestimmt, sondern strebt vielmehr mit seiner Betonung im Bassbereich das gleichermaßen füllige und konturierte Klangbild an, mit dem sich Westone über die Jahre im professionellen Bereich etabliert hat. Gleichwohl ist das Hörerlebnis aufgrund seines Detailreichtums und seiner Präzision auch beim reinen Musikgenuss exzellent. Hier lässt sich tief und Genre-übergreifend in die Musik eintauchen!

Mit einem Straßenpreis zwischen 540 und knapp 700 Euro ist der UM Pro 50 eine kleine Investition. Klanglich wird man dabei mit einer nachvollziehbar höheren Klangqualität als in der Preisklasse um 200 Euro belohnt. Inwieweit dieser Qualitätssprung euch mehrere hundert Euro wert ist, möchte ich nicht beurteilen. Oft genug verlangen die letzten qualitativen Prozentpunkte einen besonders hohen Aufwand. Dazu zeigt der Blick auf Mitbewerber wie Sennheiser (IE 800 S – zum Test) oder Shure (SE846 – zum Test), dass man auch durchaus noch tiefer in die Tasche greifen könnte.

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Technische Daten

Bauform
In-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
je 5 Balanced-Armature-Treiber mit 3-fachem passiven Crossover
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Impedanz
23,2 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
115 dB
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • 5 Paar Silikon-Ohrpassstücke
  • 5 Paar Schaumstoff-Ohrpassstücke
  • Reinigungs-Tool
  • Hardcase

Besonderheiten

  • austauschbares MMCX-Kabel

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