Acoustic Research bietet mit dem AR-H1 seinen Herausforderer für die Preisklasse zwischen 500-1.000 Euro. Mit der Ausrichtung als offener, ohrumschließender Planar-Kopfhörer betritt das traditionsreiche Unternehmen Neuland.

Der AR-H1 besticht mit toller Optik und hoher Verarbeitungsqualität. Fans hellerer Abstimmung erhalten eine mögliche Alternative mit solidem Fundament.

Acoustic Research – da klingelte es im Hinterstübchen: Das traditionsreiche US-amerikanische Unternehmen gilt als einer der Wegbereiter moderner Lautsprechersysteme. Nach mehreren Buy-outs gehört das Unternehmen seit 2007 vollständig der VOXX International Corporation, einem mehr als 30 Marken umfassenden Firmenverbund, zu dem u.a. Klipsch, 808 Audio, RCA, Audiovox oder Magnat gehören.

Magnetostatische Flächenstrahler kommen in immer größerer Anzahl auf den Markt, weshalb wohl auch Acoustic Research den Schritt hin zum vollflächigen Treiberantrieb wagte. Der Erstling heißt AR-H1, hat 86 mm große Treiber, einen immensen Übertragungsbereich von 10 Hz – 70kHz und kann dank 33 Ohm Impedanz an verschiedensten Zuspielern problemlos betrieben werden.

Der AR-H1 wird in einer funktionellen und adäquaten Kartonage mit passgenauen Schaumstoffausschnitten für den Kopfhörer ausgeliefert. Darin befindet sich der Kopfhörer, ein 1,2 m langes Kopfhörerkabel, ein verschraubbarer 6,3 mm Klinkenstecker-Adapter, ein Stoffbeutel für den Transport sowie eine abgespeckte, mehrsprachige Bedienungsanleitung.

Haptik, Optik, Tragekomfort

Magnetostaten wiegen in der Regel deutlich mehr als dynamische Kopfhörer mit Schwingspulenprinzip. Der AR-H1 ist hier keine Ausnahme, bringt aber mit 416 Gramm aber deutlich weniger auf die Waage, als beispielsweise der Audeze LCD-2C (zum Test). Das Gewicht wird über den selbstjustierenden Kopfbügel aus Federstahl und dem separat an Kunststoffträgern befestigten, variablen Kopfband mit Echtlederummantelung gut am Kopf verteilt. Das selbstjustierende Kopfband ist für Anwender mit einem größeren Kopf aber problematisch. Mir kommt es nach einer etwas längeren Abhörzeit (ab ca. 1 Stunde) so vor, als würde das Kopfband nach unten drücken, weshalb ich den Kopfhörer immer wieder absetzen musste – und das missfällt mir persönlich.

Der Kopfbügel produziert einen angenehmen seitlichen Anpressdruck, der von den mit Memoryschaumstoff gepolsterten und mit Kunstleder bezogenen Ohrschalen zusätzlich gleichmäßig ums Ohr verteilt wird. Ich kann den Kopf frei bewegen und die Ohrpolster bleiben an Ort und Stelle. Die bautechnisch bedingt großen Ohrschalen sind übrigens ein echter Augenschmaus. Das Aluminiumgehäuse ist in matt bronzen gehalten und mit einer glänzenden Schlifflinie an der Außenkante versehen. Die Formgebung als stark abgerundetes Rechteck wird auch von den Polstern nachvollzogen. Das ergänzende Highlight ist die offene Rückseite des Wandlers. Sie ist ebenfalls aus Metall gefertigt und besitzt eine Struktur aus gleichseitigen Dreiecken und Rauten, die wie zufällig angeordnet ein faszinierendes Muster ergeben, das ich mir immer wieder aufs Neue gerne ansehe. Die Übergänge zwischen Kopfbügel und Ohrschalenaufhängung sind ebenfalls bronzen gehalten und tragen das eingeprägte Firmenlogo. Die Ohrschalen lassen sich leicht seitlich drehen, wodurch sie sich gut an den Kopf anpassen. Die Höhe der Polsterung dürfte für meine Ohren gerne etwas dicker sein, da meine Ohrmuscheln die Treiberabdeckungen berühren. Das ansonsten vortrefflich große Platzangebot unter den Ohrschalen erhält dadurch einen leichten Dämpfer. Das mit 2,5 mm Mono-Steckern beidseitig steckbare Kabel ist für mich neben dem etwas straffen Sitz am Scheitel ein Manko des AR-H1. Die Stecker können nicht arretiert werden und wirken zusätzlich etwas fragil. Die Kabellänge ist für den mobilen Einsatz genau richtig, aber wenn ich stationär höre, dann dürfte es gerne noch mindestens einen halben Meter länger sein. Und wenn ich schon bei „Wünsch dir was“ bin: Ein weniger störrisches Kabel wäre toll!

Zwei positive Fakten zum Abschluss. Erstens habe ich es in der Testphase genossen, dass der AR-H1 praktisch keine mechanischen Störgeräusche erzeugt und zweitens kann man sowohl die Ohrpolster leicht tauschen, als auch das von mir beäugte Kabel einfach mit einer Alternative von Drittherstellern upgraden.

Klang

Der AR-H1 skaliert mit der Wertigkeit der Zuspieler deutlich. Was am Kopfhörerausgang des MacBooks noch ziemlich körnig und leicht „mumpfig“ ankommt, entwickelt sich bei der Wiedergabe über einen DAC-Player oder ein professionelles Audio-Interface erfreulich lebendig. Der Grundsound ist hell abgestimmt, schnell und relativ gleichmäßig strukturiert. Die Basswiedergabe ist tiefgreifend und auf den Punkt. Der letzte Punch, und das war konstruktionsbedingt zu erwarten, bleibt aus. Dafür zerrt aber auch nichts und das zählt mindestens genauso viel. Hier, im Fundament glänzt der AR-H1 und das macht bei Electronica, Soundtracks und auch Hip-Hop Freude. Die Messungen ließen es bereits vermuten: die Mitten werden stark repräsentiert. Bei Produktionen, die in dieser Region mit vielen, gerne auch stark komprimierten Signalen, hantieren, klingen die Mitten fast borstig und harsch – auch weil im Bereich oberhalb von 1 kHz über den gesamten Präsenzbereich hinweg deutlich zurückgenommen agiert wird. Vocals klingen in dynamischen Produktionen daher zurückhaltend und es entsteht eine Art von Distanz, die mir nicht besonders zusagt. In den Höhen nimmt der AR-H1 wieder deutlich an Fahrt auf. Bei S-Laut-reichen Tracks zischt es dann nachdrücklich. Die Abstimmung jenseits der 10 kHz polarisiert die Hörerschaft – wer eine helle Abstimmung bevorzugt, wird sich beim AR-H1 vermutlich schnell wohl fühlen. Da aber gerade in diesem Bereich in vielen Chartproduktionen seit den Nullerjahren ordentlich Gas gegeben wurde, empfinde ich den AR-H1 als anspruchsvoll. Einerseits kann man gut beurteilen, was sich Produzenten und Engineers gedacht haben, andererseits ist das auf Dauer (für mich) einfach anstrengend. Die Stereodarstellung ist sehr weit aufgespannt, weshalb mir bei manchen Produktionen dadurch der Bezug der einzelnen Elemente untereinander fehlt.

Fazit: Acoustic Research AR-H1
von Marcus Schlosser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Mich überzeugt der AR-H1 von Acoustic Research optisch und auch bei der Materialauswahl. Bei längeren Abhörsessions musste ich Pausen einlegen, da der Zug am Scheitel unangenehm wurde. Auch wenn der AR-H1 sicher ein sehr edel designter und klanglich guter Kopfhörer ist, würde ich in der Preisklasse zu Modellen anderer Hersteller greifen. Mit einem anderen Kabel, einem gerasterten Kopfbügel und einer eleganteren Soundauslegung könnte sich das Blatt allerdings sehr schnell wenden, weshalb ich auf ein weiteres Engagement von Acoustic Research im Magnetostatenfeld hoffe.

  • schönes Design mit guter Materialauswahl
  • Bassfundament
  • schnelle Transienten
  • Abstimmung anspruchsvoll
  • Kabel
  • für meinen Kopf nicht anhaltend komfortabel
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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
offen
Wandlerprinzip
magnetostatisch, dynamisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
10 - 70.000 Hz
Impedanz
31,3 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
91,86 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
835,5 g
Gewicht mit Kabel
445 g
Gewicht ohne Kabel
415 g
Kabellänge
145 cm

Lieferumfang

  • Kopfhörerkabel 1,2 m lang mit Miniklinkenstecker
  • Vergoldeter 6,3 mm Klinkenstecker, verschraubbar
  • einfacher Transportbeutel aus weichem Stoff

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