Der Blue Ella ist ein ohrumschließender Kopfhörer, der nicht nur mit außergewöhnlichem Design, sondern auch mit integriertem Verstärker punktet.

Der ohrumschließende Kopfhörer Blue Ella knüpft nahtlos an die außergewöhnlichen Designs an, die der kalifornische Hersteller seinen Geräten spendiert. Über seine Optik hinaus sollen seine isodynamische Arbeitsweise und ein integrierter analoger Verstärker Audiofans begeistern. Noch dazu versteht sich Ella als tauglich für den Einsatz an smarten Abspielgeräten unterwegs. Wie gut funktioniert dieses „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“-Konzept?

Schicker und solider Auftritt

Ella ist das Top-Produkt in der Kopfhörer-Reihe von Blue. Zu diesem Anspruch passend ist die Verarbeitung des Kopfhörers makellos. Die Streben der Kopfbügel-Mechanik sind aus Metall und beherbergen Kanäle für eine sichere Kabelführung. Das verhindert Soll-Bruchstellen. Eine Gummi-Manschette entkoppelt die Hörmuscheln von der Kopfbügel-Konstruktion. Alle Stecker sind zum Korrosionsschutz vergoldet. Das alles wirkt durchdacht und dem Kaufpreis angemessen.

Dem geschlossenen, ohrumschließenden Kopfhörer liegen gleich drei gewebeummantelte Kabel für verschiedene Einsatzgebiete bei. Da das Klinkenkabel des Ella bereits mit einem 6,35-mm-Klinkenstecker ausgestattet ist, muss dem Kopfhörer kein entsprechender Adapter beiliegen. Für den Einsatz an mobilen Apple-Geräten ist dagegen ein eigenes Kabel mit kleinem Klinkenstecker mit an Bord und ist mit einer Fernbedienung ohne Mikrofon ausgestattet. Sie ermöglicht neben Wiedergabe und Pause auch die Lautstärkeregelung sowie das Vor- und Zurück-Skippen an iPhone und iPad. Außerdem liegt ein USB-Kabel bei. Über dem Klinkeneingang des Kopfhörers befindet sich eine entsprechende USB-Buchse vom Typ Micro-B, die zur Stromaufnahme dient. Ein flauschiger Transportbeutel kümmert sich um die kuschelige Aufbewahrung des Ella.

Technik

Die 50-mm-Treiber des Kopfhörers arbeiten planarmagnetisch. Sie enthalten Membrane aus einem dünnen Film, auf denen (anders als bei elektrodynamischer Bauweise) flache Leiterbahnen eingelassen beziehungsweise eingedampft sind. Die Membrane sind in einem Magnetfeld zwischen zwei Permanentmagneten platziert. Wird die Spannung des Audiosignals durch die Leiterbahnen der Membrane geschickt, werden diese unmittelbar in Schwingung versetzt. Durch dieses Prinzip sollen mit Latenz auftretende Resonanzschwingungen verringert werden und der ausgegebene Klang entsprechend „rein“ und detailreich sein. Je konsistenter das isodynamische Feld ist, in dem sich die Membrane befinden, umso verzerrungsfreier der resultierende Kopfhörerklang. Hier ist deshalb für den Hersteller Feintuning angesagt.

Im Kopfhörer ist außerdem ein 250 mW leistender Verstärker untergebracht, der höchsten Audioansprüchen genügen soll. Er kommt ohne DSP-Technik aus und arbeitet vollständig analog. Der integrierte Headphone-Amp bietet drei Modi. Im „off“-Modus ist der Verstärker ausgeschaltet, so dass Ella das Audiosignal passiv wiedergibt. Im Modus „on“ ist der Verstärker aktiv. Beim „on+“-Modus wird zusätzlich zur aktiven Signalverstärkung noch ein Bass-Boost hinzugeschaltet.

Mit seiner von uns gemessenen gemittelten Impedanz von 54,8 Ohm ist der Ella auch im passiven Verstärker-Modus durchaus für mobile Geräte geeignet. Bei aktiviertem Verstärker ändert sich die Impedanz sogar auf etwa 10 Ohm. Dadurch können selbst schwache Audiosignale von ihm kräftig wiedergegeben werden. Der maximale Schalldruckpegel von 101,21 dB(SPL) bewegt sich im Vergleich zur Konkurrenz im Rahmen des Üblichen. Der Frequenzumfang liegt im menschentypischen Hörbereich von 20 Hz bis 20 kHz.

Handling

Wie gut das von Blue für ihre Kopfhörer-Reihe eigens entworfene Kopfbügelsystem funktioniert wird deutlich, wenn man sich den mittleren Anpressdruck des Kopfhörers vor Augen führt. Dieser liegt nämlich über dem Durchschnittswert vergleichbarer Geräte. Noch dazu ist Ella mit über einem halben kg relativ schwer. Dennoch sorgt die Bügelkonstruktion für einen angenehmen und ausgesprochen ergonomischen Sitz. Zunächst passt sich das metallene Flügel-System den Testkandidaten optimal an die Breite verschiedener Kopfformen an. Die Hörmuscheln selbst werden dagegen durch ein weiteres Gelenk an die Höhe des Kopfes angepasst. Diese Mehrfachjustierung ist nicht nur eine raffinierte Idee, sondern sorgt in der Praxis für eine gute Passung. Besonders gut gefallen mir die mit Echtleder ummantelten Ohrpolster und das Kopfband-Polster. Sie sind wunderbar anschmiegsam und das Ohr kommt darunter auch bei längerem Tragen des Kopfhörers nicht ins Schwitzen.

Die beiliegende USB-Verbindung dient als Ladekabel. Schließlich benötigt der integrierte Kopfhörerverstärker Energie. Sind die Akkus einmal leer, stellt Ella nicht den Betrieb ein, sondern wechselt ohne Unterbrechung zur passiven Wiedergabe. Zum Glück aber erkennt der Kopfhörer selbst, wann er nicht genutzt wird, und schaltet sich automatisch aus. Das spart Energie. Außerdem soll Ella im Dauerbetrieb 12 Stunden lang genutzt werden können. Somit sollte auch ein ausgedehnter Hörgenuss an lauschigen Urlaubstagen gesichert sein, das vollständige Aufladen soll zudem in drei bis vier Stunden erledigt sein. Als Ladezustandsanzeige dient eine Hintergrundbeleuchtung, die in die Hörmuscheln eingelassen ist. Sie scheint durch Löcher an der Außenseite durch. Durchgehende Beleuchtung zeigt den aktivierten Verstärker an, schnelles Blinken steht für einen geringen Ladestand der Akkus und ein langsames Blinken macht klar, dass der Ladevorgang stattfindet.

Die Arbeitsmodi des Verstärkers lassen sich über einen kleinen Ring einstellen, der die Klinkenbuchse des Kopfhörers umfasst. Er bietet dank Riffelung ausreichend Grip und rastet an den drei Positionen deutlich genug ein, so dass der Anwender sich bei seiner Auswahl sicher fühlt. Die fehlende Rückhaltesicherung für die Wechselkabel ist aber ein kleines Manko des Kopfhörers, zumal die Stecker der Zuleitung nicht gerade satt einrasten. Deshalb rutscht das Kabel bei geringem Zug aus der Buchse und der Audiofreund steht klanglich auf dem Trockenen. Auch die Tasten des Remote-Kabels können mich nicht hundertprozentig überzeugen. Hier ist einige Übung erforderlich, um Ella treffsicher zu bedienen.

Klang

Blue versprechen uns für diesen Kopfhörer eine meisterhafte Detailabbildung, hohe Durchschlagskraft und einen besonders transparenten Sound. Hören wir uns die drei verschiedenen Modi, die der Kopfhörerverstärker bietet, einmal an:

Im passiven Modus ist der Tiefbass-Bereich nur bedingt druckvoll und auch die darüber liegenden Bässe werden wenig präzise wiedergegeben. Am meisten enttäuscht mich aber die Mittenwiedergabe des Kopfhörers. Die Mitten wirken „matt“ und kraftlos. Zwar ist eine gute Sprachverständlichkeit von Vocals und Melodie-Instrumenten gegeben, doch scheint den Mitten die Unterstützung der unteren Höhen zu fehlen. Hier ist einfach keine Anbindung zu hören, die das Signal brillant klingen lassen würde. Die Details der Höhen werden zwar abgebildet, wirken aber zugleich ebenfalls „matt“. Und auch der Superhochton-Bereich scheint zu dezent aufgestellt, als dass er noch für Offenheit im Klanggefüge des Ella sorgen könnte. Zwar gibt der Blue-Kopfhörer Transienten ausreichend präzise wieder und Zischlaute stellen für ihn kein Problem dar. Auch ist die vermittelte Stereobühne breit aufgestellt und die Dämpfung von Außengeräuschen vorbildlich. Und obwohl der Kopfhörer geschlossen ist, trüben keine störenden Resonanzen das Klangbild. Doch aufgrund des leblos wirkenden, relativ dumpfen Klangs, den Ella bietet, leidet leider auch die Tiefenstaffelung des Signals.

Aktiviere ich den internen Verstärker, erscheint das Klangbild des Ella deutlich besser. Der Subbass drückt und die Bässe sind punchy. Das gilt umso mehr, wenn ich auf den erweiterten Bass-Modus umschalte. Die Mitten klingen in beiden Fällen nicht länger matt und die Höhen sind deutlich offener. Hier und da können aber – je nach Produktion – Zischlaute das Hörvergnügen trüben. Der Superhochtonbereich wirkt in diesem Modus zwar durchaus offen, doch die Konkurrenz schläft nicht und kann vielfach einen wesentlich offeneren Klang bieten.

Eignung & Anwendung

Beim HiFi-Gebrauch dürfte die Ausrichtung des Kopfhörers auf mittige Signalanteile beim passiven Verstärker-Modus besonders Gitarren- und Synthesizer-Fans freuen. Der aktive Modus eignet sich gut für aktuelle Popmusik. Wer den gewissen Extra-Punch im Bass sucht, bekommt diesen für Tiefbass-intensive Urban-Sounds wie auch für Bass-arme Vintage-Produktionen durch den erweiterten Modus. An iPhone und iPad dient Ella ausschließlich dem Hörgenuss. Denn um als vollwertiger Begleiter für unterwegs gelten zu können, fehlt der Remote für einige Anwender eventuell die Möglichkeit Gespräche annehmen und mittels Mikrofon führen zu können. Doch wer will schon telefonieren, wenn er unterwegs Musik hören kann?

Fazit: Blue Ella
von Carsten Kaiser

Bewertung
Bewertung:
Sound
Handling
Preis/Leistung
Funktion

Der optisch extravagante Blue Ella überzeugt vor allem in puncto Design und Komfort. Eine tolle ergonomische Kopfanpassung und Echtleder-Bezüge sorgen für angenehmes Tragen. Dank der verschiedenen enthaltenen Kabel lässt sich der Blue Ella vielfältig einsetzen. Leider ist aber bei diesem Stück Kopfhörer-Ingenieurskunst aus meiner Sicht das Wichtigste auf der Strecke geblieben, der versprochene Top-Klang. Allzu dumpf klingt das ausgegebene Signal im passiven Modus. Mit aktiviertem Verstärker klingt Ella wesentlich druckvoller und auch detailreicher, aber immer noch nicht spektakulär. Außerdem kann der nicht sehr festsitzende Stecker unterwegs zum Ärgernis werden, wenn nämlich das Kabel mühselig unter der Kleidung verstaut ist und schon bei geringem Zug herausrutscht. Und so ist der Blue Ella für mich unter dem Strich ein angenehm sitzender Kopfhörer mit getrübtem Hörvergnügen.

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Technische Daten

Bauform
Over-Ear
Bauweise
geschlossen
Wandlerprinzip
planar-magnetisch
Audio-Übertragungsbereich (Hörer)
20 - 20.000 Hz
Impedanz
54,8 Ohm
Schalldruckpegel (SPL)
101,21 dB
Druck gemittelt aus großem und kleinem Kopf
708,5 g
Gewicht mit Kabel
509 g
Gewicht ohne Kabel
482 g
Kabellänge
120 cm

Lieferumfang

  • gerades Kabel mit Remote (120 cm)
  • Klinkenkabel (300 cm)
  • USB-Kabel, Typ A/Micro B (100 cm)
  • Transport-Beutel

Besonderheiten

  • analoger Verstärker mit 3 Betriebsmodi: Passiv, Aktiv und erweiterter Bass
  • An- und Abschaltautomatik
  • Akku-Betrieb bis zu 12 Stunden

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